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Dirk Schindelbeck » Blog Archiv » H0-Modellautomarkt 2010 - eine Bestandsaufnahme

H0-Modellautomarkt 2010 - eine Bestandsaufnahme

Leben und Taten der Wikinger revisited

© 2010 Dirk Schindelbeck

Nach fast vierzehn Jahren erscheint es angebracht, eine aktuelle Einschätzung des H0-Automarktes zu geben - wohlgemerkt aus der Sicht des Käufers und Konsumenten, nicht des Herstellers, was fraglos auch zu subjektiv gefärbten Urteilen führt. Wie stellt sich also die Entwicklung des H0-Automodellmarktes seit meinem Aufsatz „Leben und Taten der Wikinger” von 1997 heute dar?

Künstliche Marktausweitung und deren Folgen

Schon Mitte der neunziger Jahren gab es - neben der oben beschriebenen künstlichen Marktausweitung in den Jahren zuvor - etliche Symptome, die eigentlich eher auf Schrumpfungstendenzen im Sammelgebiet H0-Modellauto deuten ließen, weil die besonders engagierte und tonangebende Fangemeinde von Jahr zu Jahr abnahm und zugleich der Kontakt zum Nachwuchs abhanden kam. Nur sie hätte ja den erreichten hohen Kultivierungsstand des Sammelgebiets weitertragen oder gar forcieren können (zu Aufstieg und Niedergang von Sammelgemeinden und -gebieten allgemein vgl. den Text “Im Land des Sammelns”). Ein deutliches erstes Zeichen waren die Marktprobleme verschiedener Bausatz-Anbieter, etwa der Konkurs der auf LKW-Miniaturen mit Sonderaufbauten spezialisierten Firma kibri

H0-Bausatz der Firma Kinder & Briel, Böblingen

HO-Bausatz der Firma Kindler & Briel, Böblingen

(Kindler & Briel, Böblingen) oder der allmähliche Rückzug der Firmen Preiser und später Roco (deren Restbestände an Militärfahrzeugen heute über herpa vertrieben werden) aus dem Markt der besonders detaillierten Einsatzfahrzeuge.

Werbeblatt der Firma Preiser von 197 mit damals noch opulentem Programm

Werbeblatt der Firma Preiser von 1987 mit damals noch opulentem Programm

Diese filigranen Bausätze zusammenzufügen bereitete den zunehmend älter werdenden Sammlern, deren Sehkraft und Fingerfertigkeit nun häufig überfordert waren, massive Schwierigkeiten. Jüngere wiederum brachten kaum mehr die Geduld auf, Spritzlinge zu befeilen, Zurüst-Lenksätze einzubauen oder Abziehbilder korrekt zu positionieren. Forderten auf der einen Seite die besonders engagierten Sammler nach wie vor lautstark noch detailliere Modelle, so blieben diese, sobald sie realisiert und im Markt waren, immer häufiger hinter den erwarteten Verkaufszahlen zurück. Der hohe konstruktive Aufwand, ein H0-Modell mit Motornachbildung (oft sogar aus Metall!) und aufklappbarer Motorhaube auszustatten, rechnete sich schlicht und einfach nicht mehr.

Das letzte High-tech-Modell: Wiking MB 300 SL aus den neunziger Jahren

Das letzte High-tech-Modell: Wiking MB 300 SL aus den neunziger Jahren

Die Folge: Seit Mitte der neunziger Jahre ist kein einziges neues PKW-Modell mehr mit Motornachbildung herausgekommen, obwohl dies seit Mitte der achtziger Jahre - technisch gesehen - überhaupt kein Problem ist! Es fehlt heute einfach eine ausreichend große Anzahl an Käufern, die diesen Aufwand wertzuschätzen vermag.

Suche nach neuen Käuferschichten

Wie reagierten die Marktanbieter darauf? Zahllos sind seit Mitte der neunziger Jahre die Versuche, neue Käuferschichten und somit Sammelnachwuchs aus anderen sozialen Milieus zu rekrutieren. Beispiel Wiking: Von den Bundesliga-Mannschaftsbussen, die zwischen 1997 und 2002 ihre große Zeit hatten, war schon im Sarottimohr-Aufsatz von 1997 die Rede. So einleuchtend die Strategie war, mit nur einer Karosserie, dafür aber mit variantenreicher und opulenter Bedruckung die Formkosten niedrig zu halten, um auf diese Weise die verkauften Stückzahlen zu erhöhen und nebenbei Fußballfans in Modellfans zu verwandeln - sie funktionierte auf die Länge gesehen nicht.

Wiking Mannschaftsbus HSV (2001)

Wiking Mannschaftsbus Hertha BSC (2001)

Nach fünf Jahren verschwanden die Fußballbusse nicht nur sang- und klang-, sondern ersatzlos. Einen noch größeren Flop landete Wiking bei den angezielten Freunden des LKW-Trucks-Racings. Die vier realisierten Modelle verkauften sich so schlecht, dass deren Restbestände noch Jahre später bei den Händlern wie Blei im Regal lagen (und noch heute für Spottpreise zu haben sind). Nicht viel besser erging es der Serie klassischer englischer Sportwagen (Austin Healey, Triumpf TR 4 usw.) Ende der neunziger Jahre oder später den (historischen) Räderfahrzeugen der Bundeswehr. Auch sie sind längst wieder aus dem aktuellen Programm verschwunden.

Der letzte Versuch mit Fußball-Bussen anlässlich der WM 2006 (schon mit billigen China-Modellen)

Der letzte Versuch mit Fußball-Bussen anlässlich der WM 2006 (schon mit billigen China-Modellen der Dickie-Group)

„Historische” oder „aktuelle” Modelle?

Solche Diversifizierungsbemühungen mit dem Ziel, Untersammelgebiete zu eröffnen, verweisen auf ein dahinter liegendes Grund-Dilemma: Über außergewöhnliche und/oder historische Modelle neue Käuferschichten erschließen zu wollen besitzt eine eigene Problematik. Denn hier geht es ja nicht allein um Fragen der technischen Realisierbarkeit als Modell-Miniatur, sondern auch und vor allem um das Vorbildfahrzeug, das zwangsläufig mit einbezogen werden muss. Die Zahl der Zeitgenossen, die noch einen Begriff (und zugleich eine Vorstellung davon) davon im Kopf hat, wie zum Beispiel „der große Borgward” von 1960 (von Brekina realisiert) aussah oder der Rover V8 von 1967 (dto. sogar in zwei Varianten als Rechts- oder Linkslenker), ist selbst unter Autofans verschwindend klein.

Der "Große Borgward": Brekina-Prospektausschnitt von 2008

Der "Große Borgward": Ausschnitt eines Brekina-Prospekts von 2008

Und hier ist es eben auch wieder nur die im Schwinden begriffene Gruppe der Älteren, die als kenntnisreiches, automobilhistorisch gebildetes, Käuferklientel in Frage kommt. Vor die Frage gestellt, ob es sich lohnt, solch ein Modell zu realisieren oder nicht doch lieber die lediglich face-geliftete Version eines modernen 5er BMW, fällt die Entscheidung bei den meisten Anbietern zwangsläufig zugunsten des aktuellen Vorbilds aus. Dabei ist noch gar nicht einmal eingerechnet, welch ungleich höheren Aufwand es bedeutet, für die Produktion eines historischen Vorbilds brauchbares Datenmaterial zu bekommen, das sich letztendlich nur über die aufwendige Vermessung eines Originalfahrzeugs generieren lässt, wogegen die Daten der aktuellen Vorbilder problemlos per Email vom Real- zum Modell-Hersteller weitergereicht werden können. Dennoch: Es muss anerkannt werden, dass es heute, verglichen mit der Situation von vor 20 Jahren, kaum mehr Lücken im Spektrum möglicher Vorbildfahrzeuge gibt, die noch nicht als H0-Modell abgearbeitet worden wären, sodass allenfalls der Rückgriff auf immer entlegere Regionen (z.B. LPG-Modelle aus der DDR) den einen oder anderen (Kleinserien-) Hersteller (wie z.B. epoche, Bub, Norev u.a.) noch immer verlockt, sich hier besonders zu profilieren.

Trickreich Wertigkeit vermitteln

Dass solch konstruktiver Aufwand seinen Preis hat, sollte eigentlich nachvollziehbar sein! Gleichwohl stehen seit mindestens 20 Jahren die Unerfahrenen staunend vor den Verkaufsregalen und fragen sich, warum so kleine Autos so viel kosten sollen oder müssen. Natürlich haben diese Ahnungslosen noch nie ein Modell wirklich untersucht oder zerlegt. Dann würde ihnen die Hochachtung vor eingesetzten mehrfarbigen Rückleuchten, filigranen Radzierblenden, gesilberten Armaturenbrettern und Türgriffen kräftig ins Bewusstsein schießen - mitsamt der Einsicht, dass alles dies zwangsläufig seinen Preis haben muss. Dennoch hat der H0-Automodellmarkt seit etwa 20 Jahren ein fundamentales Wahrnehmungsproblem im Hinblick auf Neukunden. Entsprechend raffiniert fielen schon in den frühen neunziger Jahren die Tricks der Hersteller aus, trotz der Kleinheit ihrer Artikel deren hohe Wertigkeit zu vermitteln. So wurden seinerzeit die (Wiking-) Packungen plötzlich exorbitant vergrößert (wegen des nun auch auf der Schauseite der Packung deutlich platzierten Wiking-Logos), was sowohl bei den Händlern wie auch beim harten Kern der sogenannten OVP-Sammler (OVP = Original-Verpackung) sehr schlecht ankam, da diese sich plötzlich und ohne Not vor gewaltige Stapel- und Archivierungsprobleme gestellt sahen, die sie zuvor so nicht gekannt hatten.

dasselbe Modell in klassischer (oben) und aufgepumpter Verpackung (doppelter Platzbedarf)

Das gleiche Modell in "klassischer" (oben) und aufgepumpter Verpackung (hier ohne Deckel und Wiking-Logo)

Schon bei einer kleineren Sammlung von nur 1000 Modellen warfen die nun überdimensionierten Packungen für die Zukunft ungekannte Platzfragen auf. Dementsprechend schnell ruderte Wiking wieder zurück - und bietet seither seine Modelle in einer angemessen dimensionierten Verpackung an. Nicht viel anders erging es den in den neunziger Jahren mit großen Werbeaufwand von herpa in den Markt gedrückten „Private Collection Serien” mit besonders aufwendig bedruckten (”gesuperten”) Modellen in jeweils eigenen platzraubenden Mini-Vitrinen. Auch hier dasselbe Problem - zudem waren bedruckungstechnischer Aufwand und Preise (zwangsläufig) zu hoch, die Zahl der Käufer zu klein, der Markt nicht vorhanden.

Modellautoblase?

Auch an Strategien, preiswertere Modelle - deren relative Kleinheit im Einklang mit ihrem Preis steht - anzubieten, die vor allem für die nachwachsende Generation als Einstieg attraktiv sind, fehlt es bis heute nicht: freilich mit dem zum Teil unerwünschten Nebeneffekt, die alten, verwöhnten Sammler mit solchen Billigheimern zu brüskieren. Vor diesem Hintergrund muss noch einmal der Spiegel-Artikel aus dem Jahr 1986 „Tick, Trick und Truck” erwähnt werden, in welchem seinerzeit H0-Modellautos als „Kapitalanlage” gepriesen worden waren. Dessen Rückwirkung auf die Politik der Hersteller war zwar kurzfristig beträchtlich, erweckte aber letztlich falsche Hoffnungen. Für einige Zeit - Mitte der achtziger bis in die frühen neunziger Jahre - jedenfalls sorgte das sich fortpflanzende Gerücht von der Wertspeicherfähigkeit der kleinen Autos für eine Marktausweitung. In dieser Zeit waren Phänomene möglich, die es so weder zuvor noch danach jemals mehr gegeben hat und geben wird.

So konnte man zwischen 1983 und 1992 den Markt sogar mit grandiosen Verrücktheiten beliefern ohne gleich in Konkurs zu gehen, wie dies dem längst verstorbenen Marcel Roskopf aus Traunstein gelang. Der Mann, ein modellbesessener, kaufmännischem Denken eher fremder Idealist, war tatsächlich wahnwitzig genug, LKW-Veteranenmodelle nach Vorbildern der Schweizer Firma Adolf Saurer (Arbon/Bodensee)

Alpenpassfähiger Sauer-Vierachser mit Tankaufbau

Alpenpassfähiger Saurer-Vierachser mit Tankaufbau

auf den Markt zu bringen. Schon die Vorbilder waren (außerhalb der Schweiz) seinerzeit nur einer Handvoll Eingeweihter bekannt (Gleiches galt für seine Modelle nach Vorbildern der französischen Firma Berliet). Dennoch goutierten etliche Sammler die seltsam-skurrilen Modelle, und bald hatte jeder von ihnen die gesamte Schweiz inklusive ihrer Produktwelt (von Emmentaler Käse über Feldschlösschen-Bier bis zu Calanda-Bräu) im Regal.

Vorbild in Deutschland unbekannt: Berliet-Modell von Roskopf

Vorbild in Deutschland unbekannt: Berliet-Modell von Roskopf

Nach Roskopfs Tod und Auflösung seines Unternehmens gingen die Formen auf die Firma Wiking über, die noch heute ein einziges Modell (Büssing Unterflur-LKW) im Programm hält - vermutlich als sentimentale Reverenz an Marcel Roskopf.

Die Krux mit den LKW-Werbemodellen

In diesen Jahren mauserte sich der H0-Lkw-Markt zu einer Art kleinem Goldesel; auch Privatsammlern ließen sich Werbemodelle verkaufen, die eigentlich von Firmen zur Eigenwerbung in Auftrag gegeben worden waren. Das zog Modellhersteller an, die sich vornehmlich auf Veteranen-Lkws spezialisierten wie etwa die Firma Brekina in der Nähe von Freiburg. Ende der 80er bis weit in die 90er Jahre brachte sie durch Umstecken verschiedener Fahrerhäuser auf Standard-Fahrgestelle und Pritschen/Koffer eine gewaltige Zahl an Bedruckungsvarianten auf den Markt, die zuletzt aber auch die geduldigsten Sammler ermüdeten. Herstellerseitig war gerade der LKW ja wegen seiner diversen Einsatzmöglichkeiten eine Mehrzweckwaffe: Kam ein Modell beim Sammelvolk nicht gut an, konnte man sich evtl. durch geschickte Verhandlungen mit einem Werbepartner für die entstandenen Formkosten schadlos halten, wenn dieser 5.000 oder 10.000 mit Firmenaufdrucken bedruckte Lastzüge abnahm. Heute ist nicht nur der historische LKW-H0-Modellmarkt, sondern auch der Markt zeitgenössischer Modelle so gut wie tot.

witzige Idee: IFA-LKW nach DDR-Vorbild von Brekina

witzige Idee: IFA-LKW nach DDR-Vorbild von Brekina

Gleiches gilt für den Bereich der Busse. Zum Beispiel war die Firma Rietze, die in den 80er, frühen 90er Jahren zunächst japanische PKWS angeboten hatte und damit ein geradezu ein Sakrileg beging (jahrelang war es unter der Würde eines deutschen Herstellers gewesen, H0-Modelle nach japanischen Vorbildern zu realisieren), auf Bussmodelle umgestiegen: auch hier ließ sich ja durch unendliche Bedruckungsvarianten auf einem immer wieder einsetzbaren Grundmodell gutes Geld verdienen. Doch auch hier gibt es seit geraumer Zeit so gut wie keinen Publikumsmarkt mehr. Inzwischen hat sich die Firma aus dem Spielzeughandel weitgehend zurückgezogen und lebt von Sonderanfertigungen für Busgesellschaften etc., die in Kleinstauflagen (300 Stück) hergestellt werden.

Rietze Gelenkbus in Mini-Auflage für die Freiburger Verkehrs-AG

Rietze Gelenkbus in Mini-Auflage für die Freiburger Verkehrs-AG

Ausgereizte „Exklusivität”

Der Hype bei den bedruckten Werbemodellen führte in den frühen neunziger Jahren auch dazu, dass viele Autohäuser bzw. Niederlassungen (z. B. Mercedes-Benz) selbst mit in den H0-Automarkt einstiegen, indem sie sich limitierte Auflagen von Modellen bedrucken ließen (z.B. Rhön-Fulda) und exklusiv nur über ihre Adresse vertrieben. Das entfachte für kurze Zeit eine Art Wettlauf zwischen den Niederlassungen, die nun jede ihr eigenes Sondermodell haben wollte - und die Komplett-Sammler zogen eine Weile lang mit. Doch spätestens Mitte der 90erJahre war auch hier die Werbemodell-Flut so sehr angeschwollen, dass auch die geduldigsten von ihnen das Handtuch warfen.

Nur beim VW-Händler erhältlich: Wiking-Käfer und New-Beetle im Set

Nur beim VW-Händler erhältlich: Wiking-Käfer-Cabrio und New-Beetle im Set

Noch einige Jahre lang konnte die relative Exklusivität solcher Modelle eine gewisse Wertbeständigkeit für sich beanspruchen; in den letzten fünfzehn Jahren allerdings zeigt - trotz der kleinen Auflagen - die Kurve beständig nach unten. Erfahrene Privat-Anbieter historischer, nicht mehr am Markt erhältlicher Wiking-Modelle wissen davon ein Lied zu singen. Von den Preisen, die der gelbe Katalog verzeichnet, lassen sich heute in der Regel selbst für echte Raritäten kaum mehr als 20 - 30 % erzielen. Zudem erscheinen auf Sammler-Börsen zunehmend online vernetzte Kunden, die ihre Objekte auch außerhalb der Halle ständig im Visier haben. Wer selbst als Anbieter auftritt, geht längst vom „ebay-geschädigten” Interessenten aus.

Bierlasterflut aus China

Auf dem Hype der China-Bierlaster: Wicküler Werbemodell mit Eisbergflasche von 2005
Auf dem Hype der Bierlaster-Welle: Küppers Kölsch Werbemodell mit Eisbergflasche von 2005

Seit die Modellautohersteller zunehmend in Osteruropa oder gleich in China produzieren lassen (schon Ende der neunziger Jahre stand auf den Bodenplatten der Modelle selbst arrivierter Hersteller nicht mehr das vertraute “Germany” zu lesen, sondern nur noch lakonisch etwa “made by herpa”), hat sich der Markt besonders der Werbemodelle auch strukturell radikal verändert. Beträchtliche Mitschuld tragen diverse wenig seriöse Glücksritter, die ab 2000 begannen, die enormen Differenzen der Herstellungskosten zwischen China und Deutschland auszunutzen und in irgendeiner Garage in der chinesischen Provinz Werbemodelle produzieren ließen. Sie sorgten dafür, dass zwischen 2001 und 2006 eine Flut von z.T. aufwendig mit Zubehör ausgestatteter LKW-Werbemodelle den deutschen Markt überrollte. In den Getränkeabholmärkten fanden sich bald waschkörbeweise Lastzüge mit Aufdrucken aller gängiger Brauereien, die für 1 bis 2 Euro an den Kunden abgegeben wurden. Auch Markenartikler aus anderen Branchen entdeckten das Werbemittel und ließen für Centbeträge Lastzüge in China herstellen, die sie ihrem Yoghurt oder Klebefilm beilegten. Zwar gab es auch bei den China-Modellen eigenständige Formenentwicklungen, in der Regel aber bestanden sie aus Nachgüssen bereits am Markt befindlicher Modell-Vorlagen von Wiking, herpa oder Brekina.

Typischer China-Werbe-Truck der 1-Euro-Kategorie (mit Werbeaufkleber)

Typischer China-Werbe-Truck der 1-Euro-Kategorie (mit Werbeaufkleber)

Dagegen: herpa-Werbemodell - halb so schwer, aber x-mal so exakt

Dagegen: herpa-Werbemodell - halb so schwer, aber x-mal so exakt (10 Euro, Bauhaus)

Wundersames China: Superschrott und einzelne Perlen

Einige Fakten, welche die China-Modelle charakterisieren, sollen nicht unerwähnt bleiben. Ihre Karosserien waren aus dem in Deutschland nicht mehr erlaubten, da umweltschädlichen Zinkdruckguss hergestellt. Das machte sie schwerer und verlieh ihnen damit in der Kundenwahrnehmung eine höhere Wertigkeit als reine Kunststoffmodelle sie boten. Doch die durch das höhere Gewicht suggerierte Qualität war natürlich Augenwischerei. Da die Fahrgestelle aus billigstem Plastikmaterial waren, kippten z.B. die Sattelzugmaschinen, sobald der Auflieger entfernt wurde, vorneüber. Eine reine Katastrophe waren die Laufeigenschaften, weil auf Felgen und Bereifung so gut wie kein Wert gelegt wurde (von falsch angebrachtem Unterfahrschutz über Phantasieaufbauten bis hin zu abenteuerlich gesilberten Tankanlagen gar nicht zu reden). Erstaunlich wiederum war die große Bandbreite in der Wiedergabetreue der Karossen, die zwischen dilettantischsten Annäherungen und ordentlicher proportionaler Wiedergabe der Vorbilder schwankte. Gegen diese Billig-Werbemodellflut aus China kamen die arrivierten deutschen H0-Hersteller nicht mehr an. Die Rückwirkungen auf diesen H0-Teilmarkt waren und sind nachhaltig: es war das definitive Ende der aufwendig bedruckten und limitierten Kunststoffmodelle aus deutscher Produktion, für welche man dem Sammler zuvor nicht selten 40 DM und mehr aus der Tasche ziehen konnte.

Gut gelungener China-Nachguss des Brekina MAN F 8 (sogar bedruckt, nicht beklebt)

Gut gelungener China-Nachguss des Brekina MAN F 8 (sogar bedruckt, nicht beklebt, und mit Zubehör!)

Allein: der China-Spuk endete so schnell wie er gekommen war. Spätestens ab 2007 blieben die Billig-Laster in den Getränke-Abholmärkten haufenweise liegen (auf den Weihnachtsmärkten tauchten deren Restbestände in den beiden nächsten Jahren dann wieder auf). Der Markt fiel innerhalb kurzer Zeit in sich zusammen. Grund: Es waren ja gar nicht die Sammler gewesen, welche diese Modelle gekauft hatten, sondern Mitbringsel-Leute, die, durch extrem kleine Preise angelockt, für die kleinen bunten Laster noch den einen Euro übrig hatten, aber nicht vom Ernst einer echten Sammelkultur erfüllt waren.

Völlig missraten: Versuch eine Robur-Modells aus China

Völlig missraten: Versuch eines Robur-Modells

Was die China-Connection im Hinblick auf Detailierung zu leisten in der Lage ist, wenn deutsche Qualitätsmaßstäbe und Preise (12 - 14 Euro) zur Grundlage genommen werden, demonstrieren eindrucksvoll die über die Firma Busch vertriebenen Rickoricko-Modelle.

Rickoricko-Modelle nach 30er Jahre Vorbildern (Lincoln und Horch)

Rickoricko-Modelle nach 30er Jahre Vorbildern (Lincoln und Horch)

Schuco der Hai - heute ein kleiner H0-Fisch

So verwunderlich es klingen mag - der Modellautomarkt H0 bietet ein ausgezeichnetes Einführungsseminar in die Globalisierung und ihre Folgen. Ein Lehrbeispiel bietet die Firma Schuco (Teil der Dickie Group), die wie so viele ihrer Wettbewerber in China produzieren lässt - und dementsprechend immer wieder einmal den eben angesprochenen China-Absonderlichkeiten ausgeliefert ist.  Einerseits hat sie - um ein Beispiel zu nennen - ein hervorragend gelungenes H0-Modell des Range Rover im Programm,

Gelungener Range-Riover von Schuco

Gelungener Range-Rover von Schuco

andererseits das völlig missratene Maßstabsungeheuer eines Porsche 356 Cabrio (wäre bei Wiking nicht passiert).

Maßstabsungeheuer Porsche 356 (blau) neben ordentlich umgesetztem Porsche Speedster (weiß)

Maßstabsungeheuer Porsche 356 (blau) neben halbwegs ordentlich umgesetztem Porsche Speedster (weiß)

Aufgebrochen vor sieben, acht Jahren, den H0-Modellautomarkt über die China-Connection flächendeckend aufzurollen, setzte man etwa fünf Jahre lang auf dem Massenmarkt. Zügig wurde in den Jahren 2004-2008 das Programm im preiswerten Segment gängiger PKWs ausgebaut, wobei man keinerlei Scheu zeigte, Doppelentwicklungen zu den arrivierten Herstellern wie Wiking oder herpa herauszubringen.

Opulenter Schuco-H0-Prospekt von 2006

Opulenter Schuco-HO-Prospekt von 2006

Der Kunde, der sich z.B. für einen Audi R 8 interessierte, hatte nun die Wahl zwischen dem Kunststoffmodell eines deutschen Herstellers zum Preis von 10 - 11 Euro oder dem in China gefertigten Metallmodell von Schuco für 3,50 Euro. Das dahinter stehende Kalkül sah wie folgt aus: Jahrzehntelang galt in der Wahrnehmung der Käufer die Gleichung „Spielzeug = China = Plastik = billig”. Genau das wurde von Schuco nun völlig auf den Kopf gestellt. Plötzlich erschien das in China gefertigte Modell gegenüber der deutschen Konkurrenz von einer unschlagbaren Wertigkeit: dreimal so schwer und zu einem Drittel des Preises.

Audi R 8 von Schuc0 (3,49 €) und herpa (rechts, 10,50 €)

Audi R 8 aus Metall von Schuco (3,49 €) und aus Kunststoff von herpa (rechts, 10,50 €)

Wenn das die klassischen deutschen Hersteller nicht in die Knie zwang… Und doch: der Versuch, sich auf diese Weise einen Massenmarkt (wieder) zu eröffnen, scheiterte - ablesbar an der Strategie, via Aldi in der Vorweihnachtszeit Sammelpackungen unters Volks zu werfen als auch mit der Idee, in Zusammenarbeit mit Märklin eine ganze Autofabrik dem Sammler schmackhaft zu machen (für knapp 4 Euro pro Modell). Das Mengenkalkül ging nicht auf, Schuco hatte sich verrechnet.

Längst aus dem Progromm geflogen: Alpha-Romeo-Modelle von Schuco

Längst aus dem Programm: Alpha-Romeo-Modelle von Schuco

Heute druckt die Firma nicht einmal mehr einen speziellen Katalog für ihre H0-Modell-Serie, die doch jahrelang zügig, um nicht zu sagen, aggressiv ausgebaut wurde: so sehr wurde das Programm zusammengestrichen. Der einstige Hai im H0-Automarktteich ist ein kleiner Fisch geworden.

Schuco-Prospekt 2010: H0-Modelle unter "ferner liefen"

Schuco-Prospekt 2010: HO-Modelle unter "ferner liefen"

Wiking und herpa: neue Runde im Diadochenkampf

Was gibt es vom ewigen Zweikampf Wiking gegen herpa Neues zu berichten? Momentan hat herpa deutliche strategische Vorteile. Allein der (Wieder-) Einstieg von Wiking in die größeren Maßstäbe (1:32 bzw. 1:43 Maßstab mit Traktoren- und nun auch Feuerwehr-Modellen für bis zu 70 Euro!) ist ein deutliches Zeichen, dass der kleine Maßstab zunehmend unattraktiv geworden ist. Ein anderes Zeichen ist das in der letzten Zeit geradezu hemmungslos zu bezeichnende Ausplündern des Schatzes an alten Gussformen aus den sechziger Jahren. Immer mehr Modelle werden aus den reanimierten Formen gezogen und der Markt damit regelrecht zugeworfen - bei gleichzeitig immer spärlicher werdenden echten Neuentwicklungen.

Aus alten Formen neu gezogen: reanimierte Wiking-Modelle aus dem aktuellem Programm

Aus alten Formen neu gezogen: reanimierte Wiking-Modelle aus dem aktuellem Programm

Die Preise aber, die für diese aus alten Formen gezogenen Modelle verlangt werden, sind Beutelschneiderei. Ein Beispiel: Der Fiat 1800 B, erst im November 2007 aus einfachen alten Formen der sechziger Jahre (es hatte ihn vor 45 Jahren für 60 bzw. 80 Pfennig zu kaufen gegeben) reanimiert und für 3,85 Euro angeboten, soll heute, nur drei Jahre später, 9,75 Euro kosten - nur weil er jetzt mit Weißwandreifen und in Zweifarbenlackierung versehen daher kommt: Preissteigerung mehr als 250 %. Gleiches gilt für eine ganze Reihe anderer, zum Teil schon lange zum Standardprogramm gehörender Modelle wie etwa den Deutz-Fahr-Schlepper DX 4.70. Auch er bekam ein bisschen Farbe spendiert und wurde deswegen von Preisgruppe 16 (3,85 Euro) gleich in Preisgruppe 27 (9 Euro = Preissteigerung 234 %) hinaufkatapultiert: Diesen Etikettenschwindel macht selbst der gutwilligste Fan alter Wiking-Autos nicht mehr mit.

Deutz-Fahr-Schlepper 2009 (3,85 €) und 2010 (9 €, unten)

Deutz-Fahr-Schlepper 2009 (3,85 €) und 2010 (9 €, unten)

Ins Bild des Etikettenschwindels passt auch der neue Internetauftritt, der - im Verhältnis zum klassischen Wiking-Werbeblatt - zwar durch technische Finessen glänzt (360 Grad Drehfunktion), markentechnisch gesehen aber eine einzige Verlumpung darstellt, schon weil nicht mehr eindeutig ist, was eine echte „Formneuheit” ist und was nur „Modellpflege”. Vieles, was heuer als Neuheit postuliert wird, ist dem erfahrenen Wiking-Sammler seit Jahrzehnten wohlbekannt. Das fundamentale Problem ist, dass ausgerechnet Wiking sein Tafelsilber verschleudert und seinen Markennamen sozusagen selbst stranguliert - es waren ja gerade die alten Modelle, die, eben weil sie längst aus dem Programm genommen worden und nicht mehr verfügbar waren, den Prozess der Fetischbildung überhaupt erst in Gang gesetzt hatten. Im beschriebenen allgemeinen Entwertungsprozess des Produkts H0-Modellauto spielt also ausgerechnet Wiking in vorderster Linie mit. (Bei all dem soll hier nicht verkannt werden, welch konstruktiver Aufwand etwa im Modell des unlängst herausgekommenen Volvo-Radladers steckt - allein die Masse der Kunden dankt es leider, leider, leider nicht).

Insgesamt gesehen muss man sich um den Fortbestand des ältesten deutschen H0-Anbieters ernsthafte Sorgen machen. In dem Maße, in dem Konkurrent herpa, durch neues Kapital (wie man hört) offenbar wieder zu Investitionen in der Lage, seine Beziehungen zu den großen Autoherstellern ausbaut und deren aktuelle Vorbilder der Reihe nach realisiert, scheint Wiking auch der letzte treue Kunde weggebrochen zu sein, für den man seit Jahrzehnten als der (Werbe-)Modellhersteller exklusiv tätig gewesen war: der VW-Konzern. Man darf gespannt sein, wie sich der Markt in fünf Jahren entwickelt haben wird.

Herpa-Modell der neuen Generation (MB SLS Coupé)

Herpa-Modell der neuen Generation (MB SLS Coupé)

Zurück zum Spielzeugauto?

Fazit: Auf jeden Fall bleibt eine Wiederannäherung des (teuren) „Modellautos” an das (preiswertere) „Spielzeugauto” zu konstatieren. Vor 25 Jahren waren die Wege bewusst getrennt worden, weil die Hersteller erkannt hatten, dass es sich bei den Modellautokäufern fast durchweg um ältere, erwachsene Kunden mit dickeren Geldbeuteln handelte, die entsprechend gute Qualität einforderten. Robuste H0=Spielzeugmodelle mit vielen Metallteilen, wie sie derzeit von Siku (zur Sieper-Gruppe, zu der auch Wiking zählt, gehörig) angeboten werden, scheinen der derzeitigen Marktentwicklung am ehesten gerecht zu werden.

Noch Spielzeug oder schon Modell? SIKU-Bus von 2010

Noch Spielzeug oder schon Modell? SIKU-Bus von 2010

Auch wenn sie nicht so detailliert ausgeführt werden, ist ihre Wiedergabequalität sehr akzeptabel, und ihr Preis bewegt sich in Regionen, der sie auch für Kinder und junge Jugendliche attraktiv und erreichbar macht. Vielleicht wächst aus der neuen „Generation Siku” allmählich wieder etwas empor, was irgendwann wieder „mehr Modell” und weniger Spielzeug einfordert. Diese Hoffnung sollte man haben und nähren dürfen.

SIKU Kranwagen aus dem aktuellen Programm für 12 Euro

SIKU Kranwagen aus dem aktuellen Programm für 12 Euro

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Freitag, 3. Dezember 2010 16:05
Themengebiet: Sammelfieber