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Dirk Schindelbeck » Blog Archiv » Die Maschine - ein Sonettkranz

Die Maschine - ein Sonettkranz

(in memoriam Jean Tinguely)

© 2011 Dirk Schindelbeck

Mit diesem Hebel setzt sie sich in Gang;
noch zeigt sich die Maschine fast verwaist,
wenn sich die Feder spannt, der Zeiger kreist,
bereitet sie sich selbst den Untergang.

Noch ist sie eingestellt auf „Festgesang”,
ein Servicebrett schwenkt aus und wird befüllt;
im Kolben steht die Flüssigkeit und schwillt,
ein Hämmerchen schlägt an und prüft den Klang.

Die Kette spannt sich, Bolzen knarzen laut,
es blähen Schläuche sich, Hydraulik stöhnt,
die Kupplung packt, es schließt die Stahllamelle.

Sie protzt und glänzt in ihrer Ganzstahlhaut;
hat sie sich an den Rhythmus erst gewöhnt,
bleibt sie fixiert auf ihre Sollbruchstelle.

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Bleibt sie fixiert auf ihre Sollbruchstelle,
wird aufgesperrt der breite Einfüllstutzen.
Entscheidend ist die sichre Nachschubquelle -
nur dann erzielt sie maximalen Nutzen.

Jetzt kann der Greifarm Rohlinge in Massen
hier in die Presse schieben, dass es knackt.
Im Mahlwerk wird das Ladegut zerhackt,
zu Granulat in fünf verschiednen Klassen.

Zuvor jedoch muss das Programm gestartet
und auch der Fangkorb eingerichtet werden:
so eingestellt, passiert nichts unerwartet -

das schützt vor Kundenunmut und Beschwerden,
das ist von allerwichtigstem Belang:
Mit diesem Hebel setzt sie sich in Gang.

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Mit diesem Hebel setzt sie sich in Gang:
geprüft wird erst das Material auf Dichte,
es folgen Messung der Atomgewichte,
Klassifizierung und Verwertungsrang.

Das Qualitätskontrollsystem entscheidet
dann automatisch, ob die Produktion
nun hochgefahren wird, und sie vermeidet,
was früher Ausstoß war, im Ansatz schon.

Fortwährend werden Daten eingespeist,
Mechanik gibt es kaum noch, nichts läuft heiß,
kein Teil, das abgenutzt wird, kein Verschleiß:

das ist Controlling wie’s im Lehrbuch steht;
so ist gesichert, ob es geht und wie es geht -
noch zeigt sich die Maschine fast verwaist.

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Noch zeigt sich die Maschine fast verwaist,
liegt vor uns wie ein Tier, das Kräfte spart,
bevor sie ihre Produktivität beweist
und wir ihr den Befehl erteilen: Start!

Schon schnurrt sie los wie tausend Arbeitsbienen,
verrichtet nun ihr Auftragssoll perfekt.
Ihr Mega-Potential ist nun geweckt,
und es genügt ein Mann, sie zu bedienen:

Die one-touch-function, wo nichts mehr verschleißt,
der silent ceram drive, das auto-valve system,
die single-portion-cleaning - einfach und bequem!

Wir steuern sie nach Lust und nach Vermögen,
und streben unsrer Zukunft forsch entgegen -
wenn sich die Feder spannt, der Zeiger kreist…

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Wenn sich die Feder spannt, der Zeiger kreist,
dann steigt die Spannung, tausend Augenpaare
verfolgen ganz gebannt, wie eingeschweißt
in Folien aus ihr strömt die frische Ware.

Das ist finaler Fortschritt, ist der Sieg,
ist Ausdruck einer neuen Effizienz,
ist Präzision in Perfektion, Potenz:
Mit ihr gewännen wir sogar den Krieg!

Doch sind wir gar nicht aggressiv. Mitnichten!
Nur einfach glücklich, dass uns überhaupt
der Sprung in diese Dimension gelang.

Wenn eine Staatsregierung jetzt noch glaubt,
auf die Maschine könne sie verzichten,
bereitet sie sich selbst den Untergang.

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Bereitet sie sich selbst den Untergang,
wenn die Maschine in Unmengen presst,
was sich auf keinem Markt verkaufen lässt?
Vor dem Gedanken ist uns gar nicht bang.

Im Standardmodus produziert sie Sachen,
im Supermodus Sinn und Strategie,
da wird sie schnell zur Enzyklopädie -
das kann uns frei zu neuen Zielen machen.

Mit einem Quicktouch ändern wir den Rang
und stellen um auf Denken und Geschichte:
schon presst sie nicht Produkte, presst Gedichte.

Wir wählen Anlass, Pathos, Ton und Ziel,
und sagen ihr: wie oft, wie lang, wie viel -
noch ist sie eingestellt auf „Festgesang”.

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Noch ist sie eingestellt auf „Festgesang”,
jetzt ändern wir in „Säuberung” und drücken,
der Scanner regt sich, fängt an vorzurücken
und sucht nach Dokumenten von Belang.

Der Suchfunktion entgeht nichts, nichts fällt raus:
Mit Datensätzen füllt sich an ihr Speicher,
die laufen durch den Dokument-Abgleicher -
Ja, so sieht Rundum-Sicherheit heut’ aus!

Nur merkt es der Maschine keiner an,
was innen drin passiert und was sie kann:
Sie ist die Waffe gegen Feind-Attacken,

von diesen nicht zu stören, nicht zu knacken.
Von außen zeigt sich stets dasselbe Bild:
Ein Servicebrett schwenkt aus und wird befüllt.

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Ein Servicebrett schwenkt aus und wird befüllt,
ein Stahlarm ziept vergnügt in den Scharnieren,
ein Ventilator hinterm Sichrungsschild
beginnt zu säuseln, fast zu jubilieren.

Daran muss sich der Trafo erst gewöhnen:
das Schnitzelwerk will Material zerdrücken,
die Königswelle singt in höchsten Tönen,
der Auswurfkorb erbebt fast vor Entzücken.

Im Grunde ist sie fast ein Mensch: sie schmatzt,
sie scheint sich wie ein sanftes Tier zu dehnen,
sie präsentiert sich uns verspielt und mild.

Rot blitzen LEDs auf wie Fontänen,
als ob sie, heiß von Emotionen, platzt -
im Kolben steht die Flüssigkeit und schwillt.

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Im Kolben steht die Flüssigkeit und schwillt,
was hat das zu bedeuten? Hier und jetzt?
Sie fordert andern Rohstoff - wird befüllt:
der Haupt-Prozessor hat es durchgesetzt.

Jetzt will sie Bücher fressen, fein geschreddert,
die sollen nicht mehr, was sie waren, sein.
Auch wenn sich mancher Einband wüst verheddert,
sie schlingt, sie stampft und mahlt am End ihn klein

in ihrer Propagandamühle. Endlich
wird hinten gleich als Permanenttext aus-
gepresst, was einfach, grob ist und verständlich

und sich in jede Psyche legt als Zwang.
Die Staatsposaune tutet es heraus:
ein Hämmerchen schlägt an und prüft den Klang.

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Ein Hämmerchen schlägt an und prüft den Klang -
zu diesem Zeitpunkt? So war’s nicht gedacht.
Auf dem Display läuft - da! - ein Wort entlang,
spricht immer „Error!”, als ob’s uns verlacht.

Auf einmal knistert es und knirscht und knallt,
es kollert, poltert, pumpert, pfeift und zischt,
als wenn Zement mit grobem Kies sich mischt,
es rat-tat-tat-tert mit Urgewalt.

Wo ist der Service wieder, der Support?
Wenn man sie braucht, sind diese Leute fort.
Ist niemand hier, der sich noch etwas traut,

das Monstrum stoppt, energisch wie ein Mann,
was gleich zur Katastrophe führen kann?
Die Kette spannt sich, Bolzen knarzen laut.

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Die Kette spannt sich, Bolzen knarzen laut,
es hört sich an, als ob ein Zahnrad ratscht:
Hat sich im Presswerk zuviel aufgestaut?
Im Fangkorb liegt schon Ware ganz zermatscht,

ein ganzer Berg an Ausschuss. Das ist krank!
Doch die Maschine tackert wie betrunken.
Aus ihrer Antriebseinheit stieben Funken
und plötzlich füllt barbarischer Gestank

den Raum, die Gummimuffe schmort, es riecht
ganz säuerlich nach alten Kabelbränden -
und überall steht gelber Qualm, der kriecht

in jede Ritze. Gott, wie wird das enden!
Der Greifarm greift mechanisch, Mahlwerk dröhnt,
es blähen Schläuche sich, Hydraulik stöhnt.

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Es blähen Schläuche sich, Hydraulik stöhnt,
vorbei die Störung, die Maschine schnurrt.
Es saust der Motor, spannt, entspannt den Gurt,
als wenn er einem Urtrieb lustvoll frönt.

Die Produktion läuft maxiradikal,
der Rechner rechnet reibungshemmungslos,
der Einfüllstutzen schlingt das Material,
im Fangkorb häuft sich Ware Stoß um Stoß,

gepresst, geformt, gefalzt, gestanzt, verpackt,
präzise und in atemloser Schnelle.
Es zählt nur Ausstoß, Ausstoß, Ausstoß, drum

- das ist ganz unbestreitbar jetzt der Fakt -
erklettert der Profit sein Maximum -
Die Kupplung packt, es schließt die Stahllamelle.

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Die Kupplung packt, es schließt die Stahllamelle,
das Monstrum hat unendlich Appetit.
Wer stoppt den Wahnsinn, gibt ihr Einhalt, zieht
den Stecker raus, kappt ihr den Strom, die Quelle?

Umsonst, ihr Aggregat hält sie im Lauf.
Urplötzlich fährt nervös heraus der Greifer
und packt sich einen, der im Übereifer
zu nah am Stutzen stand - und frisst ihn auf.

Wir stehn vor Schreck wie angeklebt. Uns graut!
Das ist Kalkül, ist keine Eskapade.
Mehr will sie, mehr, mehr, mehr, und ohne Gnade.

Sie rührt kein Leid, sie kümmert keine Qual,
wir sind, die sie vernichten will - brutal -
sie protzt und glänzt in ihrer Ganzstahlhaut.

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Sie protzt und glänzt in ihrer Ganzstahlhaut;
Sie hat sich hemmungslos an uns bereichert,
all unser Wissen in sich eingespeichert,
ihr eignes Machtsystem daraus erbaut.

Hermetisch abgesichert thront sie: feist;
und wir als hochverwirrte Konsumenten,
die kaum mehr ahnen, was sie wissen könnten,
wir lieferten ihr unser Bestes: Geist.

Als Stimmvieh und als Kaufvolk sind wir Braven
längst ihre willenlos-devoten Sklaven,
sind zugemüllt, von Sprüchen vollgedröhnt.

Wir bleiben chancenlos an sie verraten,
stets ausgeliefert ihren Attentaten,
hat sie sich an den Rhythmus erst gewöhnt.

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Hat sie sich an den Rhythmus erst gewöhnt,
läuft sie ganz ohne Fremdkontrolle weiter…
Da bricht die Wut sich Bahn, ganz ungeschönt:
„Despot! Diktator! Lügen-, Müll-Verbreiter!

Canaille! Bauerfänger! Intrigant!
Abzocker! Filzlaus! Ekelkotzpaket!
Aasgeier! Windei! Auswurf-Praktikant!”
Urplötzlich großer Knall! Maschine steht.

Es ist gespenstisch still, kein Wort fällt mehr.
Da tritt hervor ein smarter Ingenieur,
erklärt aus seiner Sicht die Bagatelle:

„Und wie ihr sicher alle ahnt und wisst:
weil die Maschine nur Maschine ist,
bleibt sie fixiert auf ihre Sollbruchstelle.”

Anmerkung:

Die neudeutschen Wortversatzstücke in Sonett 3 “auto-valve-system”, “ceram-drive” usw.  sind einer Espresso-Maschinen-Fachzeitschrift entnommen.

Zur Theorie und Geschichte des Sonetts empfehle ich diesen Aufsatz (pdf, 26 Seiten)

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Autor: Dirk Schindelbeck
Datum: Donnerstag, 13. Januar 2011 12:19
Themengebiet: Sonettwelt