Sigmund v. Birken: Der Friede spricht
Nun lustig, ihr Helden, laßt Fröhlichkeit walten,
mich Frieden ein freudiges Einzugsmahl halten!
Ertränket, versenket die Fehden in Wein,
laßt alles vergeben, vergessen heut sein!
Die Stücke, die vormals in Schlachten geschlachtet,
in Treffen getroffen, nach Rache getrachtet,
die Buckel zerkugelt, die Haufen zerhaucht,
die Pferde beerdet, die Reuter zerschmaucht,
den Donner gehöhnet, Mordfeuer gespeiet,
Tier, Türmer und Menschen zu Boden gemeiet,
die Gräben begraben, die Gräber gefüllt,
die Mauren entmauret, mit Spielen zerspillt;
die lasset itzt hallen, beknallen das Trinken,
wenn Gläser einander Gesundheit zuwinken!
Laßt laden mit Frieden die Kriegergeschütz,
schießt noch einmal irdischen Donner und Blitz!
Ihr Lärmentrompeten, ihr klaren Clarinen,
die Männer bemannen, die Kühnheit bekühnen,
beherzen die Herzen, entzünden den Mut,
erregen in Adern ein adelichs Blut:
heut blaset nicht Ritter und Reuter zu Pferde,
der Gläser Scharmützel beblasen itzt werde!
Ihr heiseren Pauken, paukt wacker mit ein,
pumpummet, bebrummet, besummet den Wein!
Ihr aber, ihr lüdlend und düdlenden Flöten,
ihr Chöre, laßt hören die süße Muteten!
Ihr Sänger, nun singet, beklinget das Fest,
die Freuden, den Frieden, die Herren und Gäst!
Ihr Lauten, laßt lauten die Saiten Sirenen,
greift liebliche Griffe mit süßlichem Tönen!
Fagoten, stimmt Noten mit freudigem Lauf,
dem Frieden zu Ehren! Violen streicht auf!