Archiv der Kategorie: 'Lehre'

Seminare an der PH Freiburg

Freitag, 8. Mai 2009 16:42

Seit dem Sommer-Semester 2002 unterrichte ich als Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Schwerpunkte meiner  in der Regel zwei Seminare pro Semester sind kultur- und kommunikationshistorische sowie gattungsspezifische Themen aus der deutschen Literaturgeschichte.

Die inzwischen 30 Seminare im einzelnen:

Sommer-Semester 2002:

  • Werbung und Sprachkultur
  • Einführung in die lyrische Formenwelt

Winter-Semester 2002/03:

  • Werbung als Dichtung des Alltags
  • Satire, Persiflage, Parodie

Sommer-Semester 2003:

  • Propaganda, Public Relations und Öffentlichkeitsarbeit
  • Vom Hörspiel zum Hörbuch: Chancen und Grenzen einer an ein technisches Medium gebundenen Literaturgattung

Winter-Semester 2003/04:

  • Marken, Moden und Kampagnen.
  • Aphorismen, Epigramme, Sprichwörter

Sommer-Semester 2004:

  • Massenbeeinflussung in Wort und Bild: zwischen politisch-gesellschaftlicher Notwendigkeit und Demagogie
  • Die Deutschen und ihre Idyll(e)

Winter-Semester 2004/05:

  • Werbeappelle als Schlüssel zum Zeitgeist
  • Barocklyrik: Gedichtete Welt zwischen Sinnenlust und Jammertal - mit Schreibwerkstatt

Sommer-Semester 2005:

  • Literatur als Ware, Autoren als Markenartikel
  • Propaganda und PR: Ideologie und Pädagogik von Massenbeeinflussungstheorien

Winter-Semester 2005/06:

  • Von der Reklame zum Event-Marketing

Sommer-Semester 2006:

  • Barocklyrik - zwischen Sinnenlust und Jammertal
  • Hans Domizlaff, ein Werbefachmann als Literat (mehr…)

Wintersemester 2006/07:

  • Die Fabel - Poetik und Didaktik einer literarischen Kleinkunstform
  • Bildergeschichten des 19. Jahrhunderts - Gebrauchsliteratur für alle Stände?

Sommer-Semester 2007:

  • Die Satirezeitschrift Eulenspiegel
  • Werbegeschichte als Gesellschaftsspiegel

Wintersemester 2007/08:

  • Aphorismen, Epigramme, Sprichwörter
  • Lyrik des 19. Jahrhunderts

Sommer-Semester 2008:

  • Konkrete Poesie

Winter-Semester 2008/09:

  • Die Welt des Sonetts - Sonette der Welt
  • Propaganda/ PR und Öffentlichkeitsarbeit

Sommer-Semester 2009:

  • Lyrik des 16. - 18. Jhdts - Von Luther bis Klopstock (mehr…)
  • Literatur als Ware

Winter-Semester 2009/10

  • Wirtschaftswerbung gestern und heute
  • Friedrich Hölderlin

Sommer-Semester 2010

  • Konkrete Poesie (mehr..)
  • Theorie und Geschichte des deutschen Dramas (mehr..)

Thema: Lehre | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

SS 10: Theorie und Geschichte des deutschen Dramas

Freitag, 6. Februar 2009 15:15

In diesem Seminar wollen wir uns mit dem Entwicklungsgang des Dramas im deutschen Sprachraum befassen. Es gilt, anhand ausgewählter Texte einerseits verschiedene theoretische Positionen, andererseits die Spannweite ihrer dramaturgischen und letztlich auch schauspielerischen Realisierung kennen zu lernen. Wenn möglich, soll dabei auch ein Zugang zur Praxis eröffnet werden - etwa durch einen Blick „hinter die Kulissen” z.B. des Freiburger Theaters, durch Besuch ausgewählter Stücke, Gespräche mit den für die Inszenierung Verantwortlichen (Regisseur, Dramaturg, Bühnenbildner, Schauspieler usw.).

Vor allem aber soll der Blick geweitet werden für die historisch gewachsenen Möglichkeiten, die im Drama als literarischer Gattung stecken und realisiert worden sind. Die Spanne reicht dabei von den Mysterien- und Fastnachtsspielen des Mittelalters und der frühen Neuzeit über das höfische, der Oper nahe (Barock-)Drama, das bürgerliche Lust- und Trauerspiel, das Historien- und Sozialdrama, das psychologische Drama (z.B. Ehekrieg) bis hin zu neuen, offen Formen, wie sie von Brecht, Piscator und anderen eingeführt worden sind. Schließlich wird ein Blick auf ausgewiesene Drama-Schreiber (im Gegensatz zu Lyrikern oder Epikern) und deren Weltsicht unerlässlich sein.

Natürlich impliziert die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Drama auch die intensive Beschäftigung mit seinen Bauelementen wie Szenenaufbau, Figurenwahl und -einsatz, Plot-Konzeption und -Lösung, Sprache (Prosa, Dialekt, Vers usw.), aber auch seinen historischen Hintergründen, pädagogischen Zielen sowie sein Verhältnis zum Publikum (z.B. Illusionstheater vs. Episches Theater, Theater des Absurden usw.). Unverzichtbar wird auch die Diskussion um die elementaren Möglichkeiten dramatischer Kunst (vgl. Thomas Bernhard: „Ist es eine Tragödie? Ist es eine Komödie?”) sein.

Parallel zur Sichtung eines „Bestands” an signifikanten Beispielen aus der Geschichte des Dramas - womöglich gelingt uns ja sogar die Erarbeitung einer Art Systematik - erfolgt die Auseinandersetzung mit theoretischen Texten und Positionen von Aristoteles, Gottsched, Lessing, Gustav Freytag bis hin zu Brecht und anderen.

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

SS 10: Konkrete Poesie

Freitag, 6. Februar 2009 15:10

Die Konkrete Poesie ist ein literarisches Phänomen vorwiegend der fünfziger, sechziger und siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Sie verwendet die phonetischen, visuellen und akustischen Dimensionen von Sprache als literarisches Mittel, indem sie sich primär auf ihr  Material bezieht: Wörter, Buchstaben oder Satzzeichen werden aus dem Zusammenhang semantischer Strukturen herausgelöst und treten dem Betrachter „konkret”, d. h. für sich selbst stehend, gegenüber: Erste Wurzeln Konkreter Poesie finden sich bereits in den (mystischen) Sprachspielen der Barock-Lyrik, später in den Achsen-Gedichten von Arno Holz, den Nonsense-Poesien eines Christian Morgenstern, bei Surrealisten wie Stéphane Mallarmé oder Guillaume Apollinaire, bei Expressionisten wie August Stramm und natürlich im Dadaismus eines Hugo Ball, Hans Arp oder Kurt Schwitters.

Der Begriff der Konkreten Poesie wurde von einem ihrer Protagonisten, Eugen Gomringer, 1953 populär gemacht. Er hielt die hergebrachten Erscheinungsformen von Lyrik wie Strophe oder Vers für nicht mehr zeitgemäß. Fortan sollte es nur noch Konstellationen, Palindrome, Typogramme oder Permutationen geben, die mathematischen Prinzipen und einer Ästhetik der Fläche verpflichtet waren. Inhaltlich wendeten sich die Konkreten Autoren massiv gegen das, was sie „Stimmungslyrik” nannten. Max Bense und Reinhard Döhl forderten bereits 1964, die Poesie solle „kein Transportmittel für zumeist fragliche ethische Inhalte, kein Rechtfertigungsvehikel für weltanschaulichen Unfug” mehr sein. An die Stelle „metaphysischer Schwadroneure” vom Typ Goethe, Hölderlin oder Benn müsste der atheistische, „rationale und methodische Autor treten, dessen Augenmerk der Sprache, den Materialien gilt, derer er bei der Verfertigung seiner Reihen und Strukturen bedarf, die er methodisch handhabt.”

Der mit Abstand bekannteste Autor der Konkreten Poesie wurde der Wiener Ernst Jandl, vor allem wegen seiner herausragenden Fähigkeit, das Sprachmaterial immer wieder zu witzigen und phantasievollen konkreten Kombinationen zu führen. Jandl, der das konkrete Verfahren auch ins Hörspiels einführte („Fünf Mann Menschen”), blieb der führende Kopf der Wiener Schule, deren Nachfahren sie heute längst zur Video-Kunst weiterentwickelt haben. Andere bekannt gewordene Vertreter der Konkreten Poesie waren Helmut Heißenbüttel, Kurt Marti oder Diter Rot.

Die Konkrete Poesie kennt keine konsistente Theorie, sondern nur programmatische Positionen; auch eine Didaktik ist allenfalls in Ansätzen zu erkennen. Dabei erscheinen sowohl die Konzentration auf das Sprachmaterial als auch die ihr immanenten spielerischen Möglichkeiten besonders geeignet, die Konkrete Poesie schon in der Grundschule produktiv einzusetzen. In diesem Seminar wollen wir versuchen, ihre Formen und Möglichkeiten im Deutschunterricht auszuloten.

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

SS 09: Lyrik des 16. - 18. Jahrhunderts

Freitag, 6. Februar 2009 11:55

Die Lyrik des 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts ist ein wenig bekanntes Terrain. Wir wollen uns in diesem Seminar in diese terra incognita einarbeiten - nicht zuletzt, um die Vorgeschichte jener uns unmittelbar berührenden Lyrik, wie sie uns seit der Sturm-und-Drang-Periode begegnet, verstehen zu lernen. Diese Zeitspanne von etwa 250 Jahren - zwischen 1520 und 1770 - bietet ein ungeheuer vielfältiges Spektrum lyrischer Weltaneignungen. So wurde von Luther die große Tradition des (protestantischen) Kirchenliedes begründet, von Paul Gerhard und anderen 100 Jahre später fortgeführt und zur Hochblüte gebracht. Daneben beeindruckt der reiche Schatz lateinischer Dichtung deutscher Humanisten z.B. eines Conrad Celtis oder die sich parallel entwickelnde überaus derbe Volkslieddichtung, deren Texte - oft anonym überliefert - häufig in das kollektive Bewusstsein eingegangen sind. Der oft lehrhaft einherkommende Meistersang (bekanntester Vertreter Hans Sachs) wiederum stellte zur selben Zeit nach dem Muster der Handwerkszünfte frühe Qualitätskriterien für die Verfertigung poetischer Texte auf. Lehrhafte Dichtung finden wir auch 18. Jahrhundert häufig (z.B. gereimte Fabeln bis hin zum großen Lehrgedicht wie Albrecht von Hallers „Die Alpen”). Daneben führt die anakreontische Lyrik eines Gleim, Hagedorn unmittelbar zu den Liedern des jungen Goethe hin - ebenso wie Klopstocks empfindsame Oden.

In der Zwischenzeit des 17. Jahrhunderts eröffnete sich das weite Feld der barocken Lyrik, die - außer in wenigen Gedichten eines Andreas Gryphius - leider ebenfalls kaum Eingang in unsere Schulbücher gefunden hat. Dabei steht neben dessen berühmtem Ausruf „Es ist alles eitel!”, den existenziellen Erfahrung des irdischen „Jammertals” im 30-jährigen Krieges geschuldet, gleichberechtigt das „Carpe diem!” eines Christian Hofmann von Hofmannswaldau als Ausdruck von Diesseitsbejahung und Lebensfreude.

So gilt es, in diesem Seminar das reiche Spektrum lyrischer Produktionen und Entwicklungen auszuloten, wie es sich von Georg Rudolf Weckherlin (1584 -1653) bis hin zu Johann Christian Günther (1695 -1723) entfaltet hat. Ein besonderer Schwerpunkt soll auf dem Entwicklungsprozess der Liebeslyrik liegen: hier sind die Versuche deutschsprachiger Autoren, eine Art „Weltniveau” zu erreichen, bemerkenswert - sei es mithilfe der Poetik eines Martin Opitz (1597-1639) oder über die Adaption der lyrischen Bild- und Formelsprache des europäischen Petrarkismus (dieser lyrische „Qualitätsstandard” wurde von Petrarka in Italien entwickelt, in England von Shakespeare, in Frankreich von der Pleiade aufgegriffen).

Auch die Lebenssituationen der Autoren in diesen 250 Jahren werden eine Rolle spielen, ebenso Stellung und Funktion der Literatur in der Gesellschaft. Dichtende Frauen wie Regina Catharina von Greiffenberg oder Sibylla Schwarz werden Thema sein, Sprachgesellschaften oder „Blumenorden” wie die Nürnberger Pegnitz-Schäfer, die Schlesischen Dichterschulen gegen Ende des 17. Jahrhunderts sowie der Klopstock-nahe Göttinger Hain um 1770.

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

SS 2006 Hans Domizlaff - ein Werbefachmann als Literat

Sonntag, 25. Januar 2009 17:25

© 2006 Dirk Schindelbeck

Einführender Kommentar zum Seminar

Noch heute verehren ihn viele Werbefachleute wie einen Gott. Hans Domizlaff  (1892-1971), der Werbeberater von Reemtsma, Siemens und der deutschen Grammophongesellschaft, ist in die (Beeinflussungs-) Geschichte als der Erfinder der Markentechnik eingegangen. Sie besagt, dass keinesfalls durch hohen Werbedruck Lebendigkeit, Resonanz und Erfolg einer Warenmarke gesichert werden können, sondern allein durch die Einheitlichkeit ihrer Stilkomposition. Vermutlich gab es aber auch keinen dämonischeren Werbetheoretiker in Deutschland als ihn: seine weltanschaulichen Schriften zeigen ihn als einen modernen Machiavelli und Exponenten der „konservativen Revolution” (Armin Mohler): ein praktizierender Massepsychologe und Machtdenker, der bei Marke und Werbung begann und bald alle Lebensbereiche, wirtschaftliche, soziale, politische und kulturelle, durchdrang.

Einer breiteren Öffentlichkeit jedoch ist Hans Domizlaff unbekannt geblieben. Dabei hat der Mann, der 18 Bücher schrieb, keine Textsorte ausgelassen - ob Drama, Gedichtband, Reisetagebuch, Autobiographie, Philosophielehrbuch, religiöser Diskurs, Gesellschaftsanalyse, Propaganda- und Werbehandbuch usw. Stehen seine im einheitlichen Design gestalteten Bücher nebeneinander im Regal, so könnte man meinen, einen Klassiker vor sich zu haben. Ist er das wirklich, oder handelt es sich bei dem gewieften Werbefachmann dabei nur um einen Marketing-Trick?

Immerhin verwundert, dass die so facettenreiche literarische Seite seines Werks von der literarhistorischen Forschung wahrgenommen oder untersucht worden ist. Ansatzpunkte gerade für Germanisten gibt es genug. Als Bühnentechniker war Domizlaff einer der ersten, der am Leipziger Schauspielhaus Büchners Woyzeck aufführte, wo er - nach eigenen Angaben - mit dem Publikum „massenpsychologische Experimente” angestellt haben will. Ebenso scheint sein Revolutionsdrama „Idealisten” stark von Büchners Dantons Tod beeinflusst. Sein „Brevier für Könige” wiederum erinnert in vielem an Nietzsches „Zarathustra”. Anhand dieser und weiterer Texte soll in diesem Seminar Domizlaffs literarische Dimension ausgelotet werden.

Eine knappe Einführung in Domizlaffs Leben und Werk bietet mein Aufsatz: „Stilgedanken zur Macht: ‚Lerne wirken ohne zu handeln!’ Hans Domizlaff, eines Werbeberaters Geschichte”, in Gries/Ilgen/Schindelbeck: „Ins Gehirn der Masse kriechen! Werbung und Mentalitätsgeschichte”, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1995, S. 43-73.

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck