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Seminar “Geschichte der Wirtschaftswerbung” WS 2012/13

Freitag, 26. Oktober 2012 7:15

Fr 10-12 Uhr

Seit der Aufstellung der ersten Litfaßsäule in Berlin 1855 ist die zunehmende Besetzung des öffentlichen Raums mit Werbebotschaften (damals noch „Reklame“) nicht auszublendendes Kennzeichen unserer industriell geprägten Lebenswelt. Gleichwohl scheint die Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen, wie immer neue Vorstöße zeigen (Jüngstes Beispiel: durchgängige Umbenennung vieler Fußballstadien nach den Namen ihrer Sponsoren). Seriell hergestellte Produkte für ein Massenpublikum brauchten aber schon damals seriell produzierte Ankündigungen, Annoncen, Affichen, Emailschilder, Reklamemarken, Werbefiguren etc., um ihr Massenpublikum zu erreichen. Eine ganze Reklameindustrie entstand, die auch manchem Künstler oder Schriftsteller reiche Entfaltungsmöglichkeiten bot. (Das ist im Kern noch heute so, auch wenn sich die Spezialisten dafür heute eher Graphiker bzw. Texter nennen). Dennoch: in der „guten alten Zeit“ war Reklame tendenziell eine Abgelegenheit der Sender. Fabrikantenstolz, Ingenieur-Ideologie („Gute Ware verkauft sich von selbst!“) sowie zweimaliger Neubeginn nach verlorenen Kriegen taten ein Übriges, um sich anbieterseitig einreden zu können, die Kunden würden den entsprechenden Appelle schon Folge leisten.

Diese Haltung ist heute sicherlich nicht mehr handlungsleitend, wo sich Produkte nur noch minimal durch ihre technische Ausstattung unterscheiden, dafür aber umso größere Kommunikationsrivalen geworden sind. Die Geschichte von Produkterfolgen ist seit mindestens fünfzig Jahren fast ausschließlich die Geschichte ihrer erfolgreichen Kommunikation durch Wort und Bild. Wenn der „Walkman“ nicht so geheißen hätte, sondern als „Gerät zur kontinuierlichen Beschallung während des Gehens“ eingeführt worden wäre, wir würden ihn vermutlich gar nicht kennen.

Zwischen der Aufstellung der ersten Litfaßsäule 1855 und der Eröffnung eines modernen Produkt-Disneylands (Beispiel: Autostadt Dresden) liegt also eine ungeheure Entwicklung, die es zu analysieren gilt: wirtschaftlich, sozial, ästhetisch, kommunikationshistorisch, psychologisch, ideengeschichtlich, (werbe-)literarisch: Grund genug, an signifikanten Beispielen Phänomene und Tendenzen dieser Alltagskultur genauer unter die Lupe zu nehmen.


Materialien und Zugänge:

Einführung aus unserem Buch “Ins Gehirn der Masse kriechen.” Werbung und Mentalitätsgeschichte einleitung_werbung_mentalitaetsgeschichte


Thema: Buchladen, Dokumentationen, Genossenschaft, Keine, Lehre, Performance, Soziale Marktwirtschaft | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Literaturauswahl bzw. -anregungen

Dienstag, 24. April 2012 16:53

· Arbeitskreis Regionalgeschichte Freiburg (Hg.): Kriegsgedenken in Freiburg. Trauer - Kult - Verdrängung, Freiburg 1995
· Claudia Theune: Jüdische Friedhöfe. Kultstätte, Erinnerungsort, Denkmal, Wien;Köln; Weimar 2011
· Stefan Spohr: Das deutsche Denkmal und der Nationalgedanke im 19. Jahrhundert, Weimar 2011
· Michaela Stoffels: Kriegerdenkmale als Kulturobjekte: Trauer- und Nationskonzepte in Monumenten der Weimarer Republik, Köln, Weimar, Wien 2011
· Martin Höxtermann/Marlis Meckel: Den Opfern ihre Namen zurückgeben. Stolpersteine in Freiburg, Freiburg 2006
· Wolfgang Wippermann: Denken statt denkmalen: gegen den Denkmalwahn der Deutschen, Berlin 2010
· Dieter Angst/ Karlheinz Fuchs: Denkmal-Land Baden-Württemberg: unterwegs zu historischen Stätten, Stuttgart 2010
· Rainer Gries/Volker Ilgen/Dirk Schindelbeck: Gestylte Geschichte. Vom alltäglichen Umgang mit Geschichtsbildern, Münster 1989
· Anke Kuhrmann (Bearb.): Die Berliner Mauer: vom Sperrwall zum Denkmal, Berlin 2009
· Ute Scherb: „Wir bekommen die Denkmäler, die wir verdienen” Freiburger Monumente im 19. und 20. Jahrhundert, Freiburg 2005
· Julia Obertreis: Erinnerungen nach der Wende: oral history und (post)sozialistische Gesellschaften, Essen 2009
· Björn Bohnenkamp: Generation als Erzählung: neue Perspektiven auf ein kulturelles Deutungsmuster, Göttingen 2009
· Achim Landwehr: Historische Diskursanalyse, Frankfurt/Main 2009
· Lutz Niethammer, Alexander v. Plato, Dorothee Wierling: Die volkseigene Erfahrung. Eine Archäologie des Lebens in der Industrieprovinz der DDR; 30 biographische Eröffnungen, Berlin 1991
· Lutz Niethammer: Lebenserfahrung und kollektives Gedächtnis: die Praxis der „Oral History”, Frankfurt am Main 1985
· Rainer Gries/Volker Ilgen/Dirk Schindelbeck (Hg.): Geschichtsmarkt. Vergangenheiten als Markenprodukte (= Geschichtswerkstatt Nr. 20), Hamburg 1990
· Dirk Schindelbeck: Schöpfungsmythos und Goldenes Zeitalter - Unsere Nachkriegsgeschichte als Heldenepos, in: FORUM Schulstiftung 42. Zeitschrift der katholischen Freien Schulen der Erzdiözese Freiburg, Mai 2005, S. 53-74
· Waltraud Wende: Filme, die Geschichte(n) erzählen. Filmanalyse als Medienkulturanalyse Würzburg 2011
· Michael Heinlein: Die Erfindung der Erinnerung. Deutsche Kriegskindheiten im Gedächtnis der Gegenwart, Bielefeld 2010
· Annerose Menninger: Historienfilme als Geschichtsvermittler. Kolumbus und Amerika im populären Spielfilm, Stuttgart 2010
· Andreas Sommer: Geschichtsbilder und Spielfilme. Eine qualitative Studie zur Kohärenz zwischen Geschichtsbild und historischem Spielfilm bei Geschichtsstudierenden, Münster 2010
· Dirk Schindelbeck: Welttheater. Zur Kommunikationsgeschichte der Weltausstellungen, in: Universitas. Zeitschrift für interdisziplinäre Wissenschaft, 54. Jg., Heft 11/1999, S. 1069-1082
· Hayden White: Metahistory. Die historische Einbildungskraft im 19. Jahrhundert in Europa, Frankfurt am Main 2008
· Klaus Arnold: Geschichtsjournalismus. Zwischen Information und Inszenierung, Münster 2010
· Christoph Scheurle: Die deutschen Kanzler im Fernsehen: theatrale Darstellungsstrategien von Politikern im Schlüsselmedium der Nachkriegsgeschichte, Bielefeld 2009
· Rainer Gries/Volker Ilgen/Dirk Schindelbeck: „Ins Gehirn der Masse kriechen!” Werbung und Mentalitätsgeschichte, Darmstadt 1995
· Tilmann Robbe: Historische Forschung und Geschichtsvermittlung. Erinnerungsorte in der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft, Göttingen 2009
· Renate Höllewart: In einer Wehrmachtsausstellung: Erfahrungen mit Geschichtsvermittlung, Wien 2003
· Andreas Urban: Von der Gesinnungsbildung zur Erlebnisorientierung. Geschichtsvermittlung in einem kommunalen historischen Museum im 20. Jahrhundert, Schwalbach 1999
· Andreas Heuer: Geschichtsbewusstsein. Entstehung und Auflösung zentraler Annahmen westlichen Geschichtsdenkens, Schwalbach/Ts., 2011
· Claus Leggewie: Der Kampf um die europäische Erinnerung. Ein Schlachtfeld wird besichtigt, München 2011
· Gerd Sebald: Soziale Gedächtnisse. Selektivitäten in Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus, Bielefeld 2011
· Saskia Handro/ Bernd Schönemann (Hg.): Visualität und Geschichte, Berlin 2011
· Klaus Nannen: Wirtschaft, Geschichte und Geschichtskultur. Eine Untersuchung zur Vermarktung und Förderung von Geschichte durch deutsche Unternehmen, Münster 2010
· Martina Padberg (Hg.): Die Magie der Geschichte. Geschichtskultur und Museum, Bielefeld 2010
· Dirk Schindelbeck: Zeit-Reisen, Zukunfts-Visionen, Sinn-Bilder? Modelle und Dioramen als Erkenntnismittel, in: FORUM Schulstiftung 38, Dezember 2003, S. 7-17
· Bettina Schaefer (Hg.): Lass uns über Auschwitz sprechen. Gedenkstätte - Museum - Friedhof; Begegnungen mit dem Weltkulturerbe Auschwitz, Frankfurt 2009
· Peter März: Mythen, Bilder, Fakten. Auf der Suche nach der deutschen Vergangenheit, München 2010
· Viola B. Georgi: Crossover Geschichte. Historisches Bewusstsein Jugendlicher in der Einwanderungsgesellschaft, Hamburg 2009
· Christoph Kühberger (Hg.): Europäische Geschichtskultur - europäische Geschichtspolitik. Vom Erfinden, Entdecken, Erarbeiten der Bedeutung von Erinnerung und Geschichte für das Verständnis und Selbstverständnis Europas, Innsbruck; Wien; Bozen 2009
· Martin Nissen: Populäre Geschichtsschreibung. Historiker, Verleger und die deutsche Öffentlichkeit (1848 - 1900), Wien 2009

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Seminar “Literarische Kleinformen” (Aphorismus, Sprichwort, Epigramm usw.), SS 2012

Mittwoch, 11. April 2012 7:31

„Alles fließt!”; „Der Sozialismus siegt!”; „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!”; „Unter den Talaren Muff von tausend Jahren!”; „Vertrauen ist der Anfang von allem!”; „Wenn’s Arscherl brummt, ist’s Herzerl gesund”; „Ich hatte schlechte Lehrer: das war eine gute Schule!”; „Die Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft!”; Essen ist der Sex des Alters”; „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin!”, „Ich aber bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!”; „Besser arm dran als Arm ab.”

Eine kleine Auswahl pointierter Formeln mit großer Wirkung oder doch wenigstens großem Effekt. Lebensweisheiten, Geistesblitze, Weltbildschnipsel, Sprichwörter, Sentenzen, Parolen, Bibel-, Propaganda- und Werbeslogans: geformte Sprache, aufs äußerste zugespitzt um im Gedächtnis zu bleiben und Massenwirkung zu entfalten. Oft nicht einmal zwischen Buchdeckel gepresst, sondern an Plakatwänden aufgeschnappt, in Kleinanzeigen, Abreißkalendern, Poesie-Alben, in Heirats- oder Todesanzeigen im Umlauf, auf Baumscheiben gebrannt, die in Souvernir-Shops ausliegen oder im 140-Zeichen-Format durch das Netz getwittert.

Ist vieles davon schlicht als trash-poetry zu bezeichnen oder findet hier etwa Literatur neue Wege in den Alltag und wenn ja, warum? Welche innerliterarischen Kategorien sind es dann, die für Nachhaltigkeit sorgen (rhetorische Figuren, Bilder, Alltagsrelevanz)? Oder ist es das Bedürfnis nach Lebenshilfe und Orientierung, das sie so wirksam macht? Sind es am Ende gar mnemotechnische Qualitäten, die ihre Resonanz ausmachen?

Es gilt die Spannweite aphoristischer Kunst eines Lichtenberg, Nietzsche oder Canetti, die epigrammatischen Kunst-Stücke eines Friedrich von Logau, Angelus Silesius oder Arnfried Astel auszuloten und inBeziehung zu setzen zu Trivial- und Gebrauchsaphoristik und -epigrammatik unserer Bauernregeln, Todesanzeigen, Fleißkärtchen, Konfirmationskarten, Geburtstagstoaste, Lebenshilfe-Homepages bis hin zu den auf den Sprüchen auf den Leipziger Montagsdemonstrationen 1989. Hier könnte Feldforschung vermutlich sehr ergiebig werden, wenn einmal Todesanzeigen oder Poesiealben nach sprachlichen Strukturen oder literarischen Mustern durchforstet werden.

Es sind vier Herangehensweisen möglich:

1.) ausgehend von der literarischen Form selbst. Dies impliziert die rhetorischen, literarischen, linguistischen Qualitäten, mithin den Standort des Aphorismus, Sinnspruchs, Epigramms etc. im literarischen Feld (literarturgeschichtlich, gattungstheoretisch, Werk-bezogen usw.),

2.) ausgehend von der Genese und den “Produktionsbedigungen” des Epigramms, des Bonmots, der Maxime. Hier stehen Fragen nach der Autorschaft im Zentrum des Interesses. Ergiebig könnte der Vergleich verschiedener Autorschaften sein (z.B. eines arrivierten Aphorismen-Schreibers wie Nietzsche oder Canetti gegenüber aus sozialen Bewegungen generierten Sprüchen),

3.) ausgehend von der Wirklichkeit, auf die der Aphorismus, die Bauernregel, der Werbeslogan reflektiert, also seine Anhängigkeit von Zeit, Ort, Gesellschaft. Kultur usw. (z.B. Sponti-Sprüche der 80er-Jahre versus Sprichwörter aus einer Migranten-Kultur),

4.) ausgehend von der Breitenwirkung, der Resonanz, der sozialen/mentalen Bedeutung eines Appells (”Macht kaputt, was euch kaputt macht!”), einer Headline (”Wir sind Papst!”), eines Werbespruchs (”Hier werden Sie geholfen!”) einer Parole usw.

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Seminar “Geschichte und Öffentlichkeit” SS 2012

Dienstag, 10. April 2012 14:54

In diesem Seminar wollen wir uns mit der Schnittstelle von Geschichte und Öffentlichkeit befassen - weshalb, wie, wozu und mit welchem Ergebnis kommen historische Inhalte in die Öffentlichkeit?
Im Kern geht es hier um Transformationen, die man auch Geschichtskultur nennen kann. Wenn Geschichte in unserem Alltag stattfindet, - ist damit immer eine Art „Wahrnehmungsformat” verbunden und wenn ja, welches? Wie wird Geschichte aufbereitet, dass sie „rüberkommt”, etwa in Museen, Lehrpfaden, Brettspielen, als Werbemotiv, in einem „Oral history Projekt”, im Fernsehen (z.B. Hitlers Generäle), als Spielfilm oder als Zeitungsartikel, der nur aufgrund eines „runden” Jubiläums überhaupt geschrieben wird („100 Jahre” Titanic-Katastrophe usw.)? Welche Präsentationsformen, welche Vermittlungswege, welches „Design” mimmt Geschichte an, damit sie rezeptionsfähig wird? Was verstehen wir unter „Geschichtsklitterung”, was ist „angewandte Geschichte”? Wie populär darf sie sein oder werden? Wo liegen die Chancen, Defizite oder gar Gefahren? Was heißt letztendlich „Geschichte schreiben?”

Anregungen und Vorschläge für mögliche Arbeitsgruppen

Arbeitsgruppe „Rummel um runde Zahlen”
Keine Zeitung kommt ohne Geburtstage aus. Gerade 100 Jahre Titanic-Katastrophe, nächstes Jahr 200 Jahre Freiheitskriege, 2014 wird es der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren sein. Längst stehen Historiker, Journalisten, Drehbuchautoren usw. in den Startlöchern, um just in time zu liefern, wonach die Medien gieren..  Muss das so sein? Geht Geschichte auch ohne Jubelzahlen?

Arbeitsgruppe „Geschichte und Werbung”
Geschichte ist Rohmaterial für viele Markenkonzepte und Stories rund um Markenprodukte. Wie funktioniert die Entkernung und Luxussanierung von Geschichte zu kommerziellen Zwecken? Schauen wir den Machern auf die Finger!

Arbeitsgruppe „Geschichte im öffentlichen Raum”
Wie funktioniert Gedenken, Andenken, Totenehrungen, Jubiläen etc. Von Kriegerdenkmälern, Gedenkstättenpädagogik (Stolpersteine etc.) bis zur Inszenierung von historischen Festen und Feiern.

Arbeitsgruppe „Geschichte in Literatur, Film und Fernsehen”
Friedrich Schillers Wallenstein, „Der Arzt von Stalingrad” von Johannes Mario Simmel, Filme wie „Good bye Lenin”, „Das Wunder von Bern” oder „Der Untergang” - Geschichte ist spannend, bzw. kann entsprechend „bearbeitet”, gut unterhalten. Welcher Tribut ist zu leisten, damit sie spannend sein kann, welchen dramaturgischen Tricks und Kniffe muss sie sich gefallen lassen, damit sie “publikumswirksam” wird?

Arbeitsgruppe „Geschichte und Identität”
Wir kennen alle den berühmten Appell: „Opa, erzähl mal vom Krieg!” Wie gehen verschiedene Lebensalter mit Geschichte um, welche Rolle spielt die eigene Prägung, für die Herausbildung der eigenen Identiotät? Welche Vorstellung von Geschichte nisten in den Köpfen von: Migranten, „Ossis” und „Wessis” usw.

Arbeitsgruppe „Geschichtsverwertung und/oder -klitterung”
Hier sind diejenigen gefordert, die Spürnase mitbringen, warum, wie und wozu Geschichte instrumentalisiert, ideologisiert und verfälscht wird, um bestimmten außerhistorischen Zielen zu dienen. Wie entstehen und verfestigen sich bestimmte Geschichtsbilder, werden zu Ikonen. Was z.B. haben die “goldenen” zwanziger Jahre mit den realen zwanziger Jahren gemein? usw.

Arbeitsgruppe „Geschichte als Dienstleistung”
„Ich schreibe Ihre Biografie, ihre Firmengeschichte, die Geschichte ihrer Stadt”, Profi-Historiker gehen in Stellung gegen Laien in Geschichtswerkstätten. Schüler machen Geschichte, recherchieren, präsentieren eigene Ergebnisse in Form von Ausstellungen, Kurzfilmen, Hörspielen usw.

Arbeitsgruppe „Alternative Geschichte”
Hier lässt sich der Frage nachgehen, ob Geschichte so sein muss wie sie uns in den Lehrbücher entgegentritt. Geschichte als Denkmodell, als Experiment (”Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte…), als Science Fiction-Vorlage, als Brettspiel (z.B. Troja) oder Computeranimation und -spiel (z.B. als Mauer-Shooter-Spiel in “1378km”)

Arbeitsgruppe „Geschichte und Ethik”
Wie ist etwas gelaufen, und was lernen wir daraus? Kann man aus der Geschichte lernen oder werden immer wieder dieselben Fehler gemacht? Ist der Mensch unverbesserlich?

Ausgewählte Literaturempfehlungen

Theorietext: einleitung_werbung_mentalitaetsgeschichte (aus: Gries/ilgen/Schindelbeck: “Ins Gehirn der Masse kriechen!” Werbung und Mentalitätsgeschichte; Darmstadt 1995, S. 1-28)

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Texte über Carl F. W. Borgward (1890-1963)

Montag, 28. November 2011 12:32

Inhaber und Geschäftsführer der Carl Borgward AG, Bremen

„Diese Männer sind selten geworden. Man findet sie fast nur noch in Romanen und Filmgeschichten. Auch in unserer Zeit gibt es Männer, die gewaltige Betriebe leiten, Werke aufbauen und sie zu erstaunlicher Blüte bringen. Sie arbeiten mit einer fremden Vollmacht, im Namen einer Gesellschaft. Man nennt sie nicht umsonst Wirtschaftskapitäne.” (Quelle: Borgward-Kurier)

„Das ist ja das Gute in meinem Fall. Wenn ich heute etwas entwerfe, dann sage ich morgen: ‚Deutsche Arbeiter, fanget an!’ und niemand kann dazwischen quatschen.” (Quelle: Eberwein/Tholen: Borgwards Fall, Bremen 1985)

„Bei den Gängen durch seine „Werkstatt”, wie er seine Automobilfabriken nannte, gehörte eine Szene wie diese zum Alltag: „Wenn ein Arbeiter etwas falsch gemacht hatte, und er sah das bei seinen Werkstattbesuchen, nahm er dem Arbeiter das Stück aus der Hand und sagte: ‚Das musst Du so und so machen!” Dass die Arbeiter ihn schätzten, ja liebten, wird auch aus anderen Äußerungen deutlich: „Ich war damals in der Halle 3 beschäftigt. Da kam jeden Morgen Carl Borgward hinten in das Werk durch die Halle 3. Ich arbeitete dort in der ersten Reihe und er ging dauernd an mir vorbei. Und wie soll ich sagen, wie ich das empfunden habe, dass er das gebaut hat? Ich fand das eigentlich ganz groß von dem Mann.” (Quelle: ebda)

Textempfehlungen: Du warst zu gut für diese Welt; Der Borgward-Mythos im Dienst der Werbung

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

NSU-Werbeschallplatte “Quickly” von 1951

Montag, 28. November 2011 12:26

Der Text der im Swing-Stil daherkommenden Werbeschallplatte erscheint insofern bemerkenswert, da schon 1951 die “Daseinsberechtigung” des Bundesbürgers an seiner Motorisierung festgemacht wird…

Hoppla, ich glaube mir fehlt etwas,
so macht das Leben mir keinen Spaß,
jeden Tag zu Fuß zu gehn,
das ist heut nicht mehr schön.

Refr.: Besser ist’s, wenn man die Schuhe schont,
weil sich’s per pedes auch gar nicht lohnt.
Erstens ist der Weg zu weit und man braucht zuviel Zeit
Was mir fehlt, das kennt ein jeder,
es fehlt nicht nur mir allein,
es hat nen Motor und zwei Räder
und kann nur eine Quickly sein.
Quickly ist so, dass man sagen kann,
das ist ein Fahrzeug für jedermann.
Einer ruft’s dem andern zu:
Fahr auch du NSU!

Jeder, der heute n’ bisschen was auf sich hält,
der ist doch motorisiert.
Weil er ja sonst im Getriebe der Welt
Die Daseinsberechtigung verliert.
Wenn ein Junge noch im Kinderschuh steckt,
ist bei ihm schon das Interesse geweckt,
und die Oma, die nun bald 80 ist,
auch die hat’s plötzlich entdeckt:
Hoppla, ich glaube, mir fehlt etwas,
so macht das Leben mit keinen Spaß.

Refr.: Besser ist’s, wenn man die Schuhe schont,
weil sich’s per pedes auch gar nichts lohnt.
Was mir fehlt, das kennt ein jeder,
es fehlt nicht nur mir allein,
es hat nen Motor und zwei Räder
und kann nur eine Quickly sein.
Quickly ist so, dass man sagen kann,
das ist ein Fahrzeug für jedermann.
Einer ruft’s dem andern zu:
Fahr auch du NSU!

Zum Thema Werbelyrik der fünfziger Jahre vgl. den Text “Konsumhymnen”

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Literaturauswahl

Montag, 28. November 2011 12:10

Becker, Ulrich: Sozialstaat Deutschland: Geschichte und Gegenwart,  Bonn 2010.

Bender, Peter: Deutschlands Wiederkehr : eine ungeteilte Nachkriegsgeschichte 1945 - 1990, Bonn 2008 (Schriftenreihe / Bundeszentrale für Politische Bildung ; Bd. 698)

Eschenhagen, Wieland/Judt, Matthias: Chronik Deutschland 1949 - 2009: 60 Jahre deutsche Geschichte im Überblick, Bonn 2008. (Schriftenreihe / Bundeszentrale für Politische Bildung; Bd. 747)

Grimm, Fred: “Wir wollen eine andere Welt”: Jugend in Deutschland 1900 - 2010 ; eine private Geschichte aus Tagebüchern, Briefen, Dokumenten, Berlin 2010.

Kleßmann, Christoph/Lautzsas, Peter (Hg.): Teilung und Integration : die doppelte deutsche Nachkriegsgeschichte als wissenschaftliches und didaktisches Problem, Bonn 2005 (Schriftenreihe / Bundeszentrale für Politische Bildung; Bd. 482)

Motte, Jan (Hg.): 50 Jahre Bundesrepublik - 50 Jahre Einwanderung: Nachkriegsgeschichte als Migrationsgeschichte, Frankfurt 1999.

Recker, Marie-Luise: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, München 2009

Reeken, Dietmar von: Deutschland nach 1945 : geteilt und doch verflochten? Berlin 2009.

Rödder, Andreas: Deutschland einig Vaterland : die Geschichte der Wiedervereinigung / Bonn 2010. (Schriftenreihe / Bundeszentrale für Politische Bildung ; Bd. 1047)

Rösgen, Petra (Red.): Flagge zeigen? Die Deutschen und ihre Nationalsymbole: Begleitbuch zur Ausstellung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, 5. Dezember 2008 bis 13. April 2009, im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, 29. Mai bis 4. Oktober 2009,  Bielefeld 2008

Scheurle, Christoph: Die deutschen Kanzler im Fernsehen: Theatrale Darstellungsstrategien von Politikern im Schlüsselmedium der Nachkriegsgeschichte, Bielefeld 2009

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Kaspar Stieler: Der Haß küsset ja nicht

Freitag, 11. November 2011 8:21

Die ernstliche Strenge steht endlich versüßet,
die quälende Seele wird einsten gesund.
Ich habe gewonnen, ich werde geküsset,
es schallet und knallet ihr zärtlicher Mund.
Die Dornen entweichen,
die Lippen verbleichen,
indem sie die ihren den meinen aufdrückt.
Ich werd aus der Erde zun Göttern verschickt! [weiter...]

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Barocklyrikerinnen und -lyriker

Dienstag, 8. November 2011 17:43

© 2011 Dirk Schindelbeck

Gedichtbeispiele etlicher Autoren finden Sie unter den entsprechenden Links. Auf Texte allzu bekannter Dichter wie Opitz, Gryphius, Fleming usw. (fett hervorgehoben) wurde hier meist verzichtet, da diese an anderer Stelle im Internet - und zwar auf vielen Seiten - leicht aufzufinden sind. In manchen Texten ist die barocke Schreibweise beibehalten worden, was der jeweilgen Vorlage geschuldet ist.

Abschatz, Hans Freiherr von, 1646 (Würbitz/Schl.) - 1699 (Liegnitz)
Albert, Heinrich, 1604 (Lobenstein) - 1651 (Königsberg)
Albinus, Johann Georg, 1624 (Unternessa) - 1679 (Naumburg)
Angelus Silesius (Johannes Scheffler) 1624 (Breslau) - 1677 (Breslau)
Anton Ulrich (Hrz. v. Braunschweig), 1633 (Hitzacker) - 1714 (Salzdahlum)
Arnold, Gottfried, 1666 (Annaberg) - 1714 (Perleberg)
Assig, Hans v. 1650 (Breslau) - 1694 (Schwiebus)
Augspurger, August, 1620 (?) - 1677 (?) [weiter...]

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Aspekte deutscher Geschichte seit 1945, WS 2011/12

Freitag, 28. Oktober 2011 7:02

In diesem Seminar wollen wir uns mit verschiedenen Aspekten der (deutsch-) deutschen Nachkriegsgeschichte beschäftigen. Das meint sowohl die Zugänge und Methoden als auch die (Unter-) Themen, Fragestellungen und Quellen. Es sind sowohl politikhistorische als auch wirtschafts- und sozialhistorische oder kultur- und mentalitätshistorische Diskurse möglich, ja erwünscht.

Erschöpfende Literaturhinweise für alle Aspekte deutscher Nachkriegsgeschichte angeben zu wollen erscheint angesichts der Fülle der Titel ebensowenig machbar wie sinnvoll. Jedes Thema erfordert eine besondere Recherche. Darum hier nur eine (sehr) kleine Auswahl.

In den bisher abgehaltenen Sitzungen ging es z.B.  um

Zu diesem Thema hier einige der in der Stunde besprochenen Quellen:

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck