Montag, 23. Februar 2009 11:16
Gestylte Geschichte
Vom alltäglichen Umgang mit Geschichtsbildern
Mit Essays von Hermann Glaser und Michael Salewski
Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 1989, 315 Seiten (zus. mit R. Gries/V. Ilgen), ISBN 3924550360
Warum die Fünfziger Jahre in den Achtzigern Hochkonjunktur haben…
Kanzler Kohl im Kabinenroller: Was treibt den Enkel dazu, sich hinter den Lenker des Messerschmidt-Vehikels zu zwängen, von dem die Werbung 1954 behauptete: „Er kippt nicht”?
Helmut Kohl ist keine Ausnahme: in den achtziger Jahren feiert die Adenauer-Ära fröhliche Urständ. „Geschichte”, hier: die Geschichte der Fünfziger Jahre, wird zu einem Alltags- und Gegenwarts-Phänomen: sie wird als Droge den Defiziten unserer Zeit entgegengestellt.
Diese alltägliche Aneignungen von Geschichte werden nicht schriftlich, sondern in Form von Bildern vermittelt. Die Analyse dieser Geschichtsbilder führt nicht nur in die Vergangenheit, sondern gerät überdies zur Archäologie der Gegenwart.
Die Autoren sind den umlaufenden Geschichtsbildern von jener Epoche auf ungewöhnliche art nachgegangen. Aussagekräftige Bilder der fünfziger Bilder der fünfziger Jahre manifestieren sich beispielsweise im Modellbau, werden in vielfältiger Weise von der Werbung aufgegriffen und von Politikern wie Helmut Kohl und Norbert Blüm benutzt.
Geschichte wird in der entwickelten Konsumgesellschaft gebraucht und verbraucht, gestylte und verkauft. Geschichte wird als „Heimat” zum Konsumgut. [weiter...]