Mittwoch, 15. Dezember 2010 8:48
© 2010 Dirk Schindelbeck
<Geräuschebenen: Saal- und Raumgeräusche bei der Rede des Professors, Geräusche technischer Instrumente wie Summen und Piepen, Laborgeräusche u.ä.>
Personen:
Professor
Beisel, Cheftechniker
Hans, Techniker
Stefan, Assistent
Empedokles, Philosoph (ca. 485-425 v. Chr.)i
Staatssekretär
Sekretärin des Staatssekretärs
Vortrag über alte Philosophie (Hörsaal)
Professor:
… und wie haben wir uns diese Männer vorzustellen, die die ersten waren, welche die Grundlagen des abendländischen Geistes schufen? Stolz, aus alten Adels-, ja Königsgeschlechtern, nur die vornehmsten stets, müssen sie für unsere Begriffe von einer unvorstellbar archaischen Würde gewesen sein. In welcher Welt, in welcher Umwelt lebten sie? Der Kosmos, die Natur im kleinsten und größten, lag noch in den Armen des Mythos, von seinen Göttergestalten durchseelt und durchlebt: Gesicht und Ausdruck überweltlicher Wesen. So die Naturerscheinungen, Meer, Himmel, Erde, die Vulkane Erscheinungen fremder Macht, fremder Herkunft. Wie spannungsreich, wie schicksalsträchtig muss solch ein Leben gewesen sein! Wie groß der Bereich des Unerforschlichen, Dunklen, wie klein die Macht und Reichweite menschlicher Gedanken und Kräfte! Wieviel an Fragen! Wie wenig an Antworten - in unserem Sinn…
Aber wenn diese Buchstaben aufstehen könnten, diese alten, oft verschlossenen, orakelartigen Buchstaben und Worte - und sich uns öffneten…
(Rauschen, Blende, anderer Raum: Labor, wo Versuche und Operationen durchgeführt werden)
(Telefonklingeln)
Assistent:
Institut für Denkgrundlagen und Epistemologie, Abteilung Gehirnscanning, guten Tag… Nein, der Chef ist noch nicht da, müsste jeden Augenblick eintreffen. Später, ja, in zwanzig Minuten, ja…
Techniker (liest aus Zeitung, Wissenschaftsseite, vor):
Hör das mal hier, Stefan: „Führende Vertreter der deutschen Wirtschaft trafen gestern mit dem Wissenschaftsminister zusammen. Dabei kritisierte die Wirtschaftsseite in ungewöhnlicher Schärfe die seit Jahren unausgesetzte Höhe der staatlichen Förderung an jene Institute, die lediglich Grundlagenforschung betrieben, ohne dass sich für die Realwirtschaft ein erkennbarer Nutzen zeige. Es müsse die Frage zu stellen erlaubt sein, Ideen, die über das Laborstadium nicht hinaus kämen, auf ihre Förderungswürdigkeit zu hinterfragen. Im harten Wettbewerb, dem sich die deutschen Unternehmen ausgesetzt sähen, brächten nur verwertbare Forschungsergebnisse Nutzen. Dem Vorstoß widersprach der Minister energisch. Gerade in der Grundlagenforschung sei Langfristigkeit oberstes Prinzip. Und das werde auch in Zukunft so bleiben.” Das geht doch auf uns. Ah, er kommt.. ich geh mal in den Clean-Room (Türschlagen).
Cheftechniker (gehetzt, schnaufend):
Morgen allerseits. Was ist denn das wieder für ein Chaos hier? Muss denn das ganze Zeug da rumstehen? Räumt das mal weg. Wen haben wir denn da heute auf dem Tisch liegen?
[weiter...]