Archiv der Kategorie: 'Bühnenwerke'

Szene 5

Sonntag, 8. Februar 2009 18:54

Sänger:

als hans domizlaff
am stadttheater zu leipzig
ein bühnenbildner war
da führte er den woyzeck auf
stellte mit lichteffekten
massenpsychologische
exp p perimente
mit dem publikum an
schaut wie der arme tropf
erbsen isst die katze fängt
und auf befehl
mit den ohren wackelt
versuchskaninchen der wissenschaft
ein menschlicher popanz
hierin sensibel war
domizlaff hans

(Proben zur domizlaffschen Inszenierung des Woyzeck am Leipziger Schauspielhaus. Während der Probe wechselt Domizlaff seine Position vom Regiesessel knapp neben der Bühne in die erste Reihe im Zuschauerraum, um die Wirkung der Szene auszutesten. Die Bühne selbst ist augenfällig durch den oben-unten-Gegensatz gekennzeichnet und entsprechend ausgeleuchtet. Auf einer Art Dachvorsprung steht anfangs im grellen Scheinwerferlicht der Doktor dozierend, unten ein paar - schattenhaft und stumm - Studenten. Woyzeck erhebt sich erst später aus dem Dunkel. Domizlaff, Regieassistent, Doktor, Woyzeck, Studenten, Leipzig 1915)

Domizlaff 2 (im Regiesessel, zum Doktor): noch einmal bitte anfangen mit:
meine herren…
Doktor: meine herren wir sind an der wichtigen frage
über das verhältnis des subjekts zum objekt
wenn wir nur eins von den dingen nehmen
worin sich die organische selbstaffirmation des göttlichen…
Domizlaff 2 (unterbrechend): halt - das muss getragener kommen blasierter
Regieassistent (laut): getragener und blasierter bitte
Doktor: selbstaffirmation des göttlichen
auf einem so hohen standpunkte manifestiert
und ihre verhältnisse zum raum zur erde
zum planetarischen untersuchen meine herren
wenn ich diese katze zum fenster hinauswerfe:
Domizlaff 2: halt die katze viel länger zeigen das ist ein stimulans
dann lange pause endlich theatralisch fallen lassen
Doktor: wenn ich diese katze
zum fenster hinauswerfe
wie wird diese wesenheit
sich zum centrum gravitationis
gemäß ihrem eigenen instinkt verhalten?
he woyzeck woyzeck!
Domizlaff 2: brüllen rücksichts brüllen
unmenschlich brüllen wie auf dem kasernenhof
Doktor (brüllt): woyzeck!
Domizlaff 2: gnadenloser unmenschlicher
Doktor: woyzeck!
Domizlaff 2: gut so gut so
Woyzeck (fängt die Katze auf): herr doktor sie beißt
Domizlaff 2 (begeistert): er ist objekt er lässt sich beißen fühlt den schmerz -
und sagt nichts sehr gut sehr gut
Doktor: kerl er greift die bestie so zärtlich an als wär’s seine großmutter
(steigt vom Gerüst herunter).
Woyzeck: herr doktor ich hab’s zittern
Domizlaff 2: halt moment
(wechselt die Position, setzt sich in die erste Reihe im Zuschauerraum):
noch einmal aber zart fast winselnd unterwürfig bis zur willenlosigkeit
Woyzeck: herr doktor ich hab’s zittern
Domizlaff 2: nein nein so nicht
wir brauchen hier ganz anderes licht
kann man das licht nicht bündeln kegelartig
so dass das gesicht des woyzeck wie
eine grelle flache scheibe wirkt
aus der ein restbestand von mensch noch spricht
(grelleres Licht)
Domizlaff 2: besser ich will dass jeder der hier unten sitzt
unbewusst spürt dass er genauso gut
so ein versuchskanichen sein könnte
wie woyzeck dieser arme tropf
dass er ihn wie sein reduziertes ich begreift
die mächte spürt die ihn im alltag drücken
Regieassistent: noch mal
Woyzeck: herr doktor ich hab’s zittern
Doktor: ei ei! schön woyzeck!
meine herren sehen sie: der mensch
seit einem vierteljahr isst er nichts als erbsen
bemerken sie die wirkung
fühlen sie einmal was ein ungleicher puls
und die augen!
Domizlaff 2: wir müssen jetzt die gesichtsscheibe sehn
ganz nackt ganz blass
Woyzeck: herr doktor es wird mir dunkel!
(Woyzeck setzt sich)
Doktor: courage woyzeck noch ein paar tage
und dann ist’s fertig
fühlen sie meine herren fühlen sie!
(Die Studenten treten aus dem Dunkel, betasten Woyzecks Schläfe, Puls und Brust.)
woyzeck beweg den herren doch einmal die ohren
ich hab’ es ihnen schon zeigen wollen
zwei muskeln sind bei ihm tätig
allons frisch!
Woyzeck: ach herr doktor!
Domizlaff 2: in diesem ach muss der ganze abgrund
seiner existenz zum vorschein kommen
dieses ach muss schwach sein fast ein röcheln
aber durchdringend
Woyzeck: ach herr doktor
Doktor: bestie soll ich dir die ohren bewegen
willst dus machen wie die katze
so meine herren das sind so übergänge zum esel
ja die erbsen meine herren
Domizlaff 2: halt noch einmal und wie zum finale furioso
siegesgewiss und triumphal: ja die erbsen meine herren
Doktor: ja die erbsen meine herren
Domizlaff 2: gut so ende
(zum Regieassistenten) ich möchte dass sie sich während der vorstellung
in den zuschauerraum setzen und sich notizen machen
was sie hören aus dem publikum wie es auf den armen tropf
reagiert furcht und mitleid aristoteles sie verstehen
ich will das mitleid bis zum äußersten hervorkitzeln
den masseninstinkt der leute freilegen
und ihr verdrücktes stöhnen winseln wimmern hören

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Thema: Bühnenwerke | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Szene 4

Sonntag, 8. Februar 2009 18:52

Sänger:

als hans domizlaff
student und malelève war
kam er auch nach paris
- bohème, bohème -
traf modigliani und legèr
und viele andre malgenies
mit spanier pablo teilte er sich
so manchen hübschen akt
mit seinen kuben und dessins collés
wurde picasso bald weltberühmt
der junge deutsche aber fand
mit seinem drögen dürerstil
so gut wie keinerlei resonanz
hierin sensibel war
domizlaff hans

(Kunstausstellung in der Galerie Daniel Henry Kahnweiler in Paris 1913. Jeweils ein kubistisches Werk von Braque, Picasso und Gris an Stellwänden nebeneinander, daneben ein Werk von Domizlaff „südliche Landschaft”. Zwei Ausstellungsbesucher, Kunstkritiker Maurice Raynal und Wilhelm Uhde, in Begleitung ihrer Damen R und U, in Diskussionen über die Bilder. Domizlaff, der sich auch als Ausstellungsbesucher gibt und seine Vaterschaft als Maler eines der Bilder bewusst verschweigt, sucht das Gespräch, um Meinungen über sein Bild zu erfahren, Paris 1913)

Raynal (vor Domizlaffs Bild):
südliche landschaft wie gehabt
Uhde (sie gehen ein Bild weiter, zu Picassos Bild)
Begleiterin U (lacht amüsiert):
was ist denn das
Begleiterin R (gluckst): so schief und zerknickt
(beide Paare gehen vorüber, kehren nach einer Weile zurück, bleiben vor Picasso stehen)
Begleiterin R: als wenn mehrere entwürfe
vom selben motiv übereinlägen
Begleiterin U: das hat fast infantile züge
Raynal (geht mehrfach auf Picassos Bild zu und wieder rückwärts zurück):
ich finde einfach keinen standort
wie bei renoir und bei cézanne
das beunruhigt mich
Uhde: wenn man nur lange genug davor stehenbleibt
fühlt man sich ins bild hineingezogen
ja fast hineingesaugt
Raynal: man wird ganz schwindelig und erregt
es arbeitet in dir
Uhde: abgestoßen irritiert
und fasziniert zugleich
Raynal: doch mit welcher kraft das an sich glaubt
etwas sagen zu können das so zuvor noch niemals
in eine fläche gezwungen worden ist
Uhde: das ist die revolution der perspektive
Raynal: geometrische körper fast ohne farbe
Uhde: junger mann ich sehe dass auch sie
ganz fasziniert auf diese bilder starren
was denken sie davon
Domizlaff 2: das sind hochinteressante versuche
Raynal: o nein das ist viel mehr viel mehr
das ist die revolution
von jetzt an wird
die kunst nie mehr dieselbe sein
die sie bis heute war
Uhde: stoßen sie an mit uns auf diese neuen maler
(nimmt sich von einem Bistrotisch ein Glas Champagner)
wie heißt der eine können sie das lesen
Domizlaff 2: picasso
Raynal: und der daneben
Domizlaff 2: braque so viel ich entziffern kann
Uhde: ich möchte weil ich einfach muss darüber schreiben
alle dimensionen
alle wahrnehmungskonventionen gesprengt
Domizlaff 2: das sind doch eigentlich nur experimente
mit geometrischen flächen und figuren
Raynal: o nein das hat eine innere logik
Domizlaff 2: aber die perspektiven wie sie
seit michelangelo und dürer geltung haben
sind völlig außer kraft gesetzt
Raynal: genau das ist es ja hier wird nichts mehr abgebildet
die wirklichkeit ereignet sich in den köpfen der maler
Domizlaff 2: die gesetze der perzeption einfach ignorieren
Raynal: sie sehen doch es geht es geht
Domizlaff 2: ich kann nur versuche erkennen
Raynal: nein nein wie soll ich ihnen das erklären schauen sie
(zieht ihn vor Domizlaffs Bild)
schauen sie das hier sind versuche
Domizlaff 2: das ist doch sauber konstruiert
hier stimmen die linien noch…
(wendet sich an Raynals Begleiterin) was meinen sie dazu
Begleiterin 1: ganz hübsch südliche land nicht
Domizlaff 2: ja
Raynal (schüttelt den Kopf): doch der hier (zeigt auf Picassos Bild)
und dieser (zeigt auf Braques Bild)
die haben etwas zu sagen das ist neu
das tief versteckt längst in uns allen arbeitet und wühlt
Uhde: nennen sie es die nervosität unserer zeit
Raynal: aber der dagegen (zeigt auf Domizlaffs Bild)
vertraut auf eingefahrenen traditionen
und er bedient sie wo er kann
Uhde: und unter uns er kann es nicht
Raynal: junger mann seien sie dem schicksal dankbar
das sie in diese galerie geführt hat
denn was sie hier und heute sehen
das wird die kunst der welt verändern
Uhde: es wird das leben sehen und denken
der menschen revolutionieren
Raynal: diese künstler lassen uns teilhaben
an ihren form-problemen
Domizlaff 2 (süffisant, fast hämisch): lassen uns teilhaben
an ihren form-problemen ich verstehe
Raynal (macht einen neuen Erklärungsversuch, zeigt auf das Domizlaff-Bild): schauen sie
das hier ist von gestern und wird gestrig bleiben…
Uhde (springt ein): sie haben mich doch beobachtet junger mann
sie sahen doch wie hilflos ich davor stand
anfangs
bis irgendetwas an dem bild mich packte
figuren formen flächen
ich verstand mit einem schlag die sprache
die spannung die zwischen diesen linien pulst
die ladung die mich seither nicht mehr loslässt
ich fing an mich selbst in dieses bild hineinzukomponieren
erinnerungsbilder stiegen in mir hoch
mein denkapparat war wie aufgewühlt
verstehen sie was ich meine
das ist das 20. jahrhundert
was für eine befreiung
(prosten Domizlaff zu, ab)
Raynal: freuen sie sich mit uns junger mann
Domizlaff (allein, nach einer Pause):
welch wunderbar entflammte idioten
der idiot ist einer der im abseits steht
und keinerlei kontakt zur masse hat
das weiß ich noch vom griechisch-unterricht
(zu dem Bild gewandt):
charmant charmant
(schüttelt den Kopf und geht)

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Thema: Bühnenwerke | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Szene 3

Sonntag, 8. Februar 2009 18:51

Sänger:

als hans domizlaff
nach zahllosen versuchen
auf dem normalen bildungsweg einen schulabschluss mit abitur
zu erreichen schon früh
gründlich gescheitert war
wurde der hoffnungslose fall
von internat zu internat geschickt
doch selbst in solchen anstalten wurde
dem pubertierenden knaben
zum dauerverhängnis seine
außergewöhnliche eitelkeit
und seine extravaganz
hierin sensibel war
domizlaff hans

(Erziehungsanstalt Schnepfenthal, 4-Bett-Zimmer mit Doppel-Etagen-Betten, kleinem Tisch und Stühlen am Fenster, die drei 14-jährigen Anstaltsschüler Eilert, Jacoby und Steinbrecher in entsprechenden Uniformen, ähnlich den Bleyle-Matrosen-Anzügen, später kommen der Schul-Pedell und Domizlaff hinzu, Schnepfenthal bei Naumburg, 1907)

Jacoby: habt ihr den neuen schon gesehn der gestern ankam
wetten der wird zu uns gelegt
seit engelhard letzte woche ging
ist auf unserer stube ja noch ein bett frei
Eilert: dumslaff oder so ähnlich soll er heißen
Jacoby: dumslaff das klingt…
Eilert: wie dummer affe
Jacoby: ja ja grad so (sie lachen)
Steinbrecher: wenn einer mitten im schuljahr herkommt
dann ist er bestimmt woanders rausgeflogen
Eilert: ich hab gehört dass er schon drei-
oder viermal die schule gewechselt haben soll
Jacoby: er soll auch schon 15 sein
Steinbrecher: dann wird er unser stubenältester und darf befehlen
Eilert: wir müssen fest gegen ihn zusammenhalten top
(sie schlagen ein; es klopft)
Alle: herein
(Pedell mit Hans Domizlaff, der in Zivilkleidung erscheint, treten ein)
Alle: achtung
Jacoby: stube 9 eilert jakoby steinbrecher
Pedell: danke
(Die Schüler sind angenehm überrascht, als sie bemerken, wie klein Domizlaff ist und dass er dazu noch eine Brille trägt; sie grinsen sich verstohlen zu)
Domizlaff 1: guten tag
Pedell: das hier ist euer neuer mitschüler
hans domizlaff mit namen
es wird erwartet dass ihr euch vertragt
wenn nicht der karzer wartet
(Pedell ab)
Eilert (abtastend): wie alt bist du
Domizlaff 1: in zwei monaten werde ich 16
Eilert: dann bist du unser stubenältester
denn wir sind alle unter 15
Steinbrecher: du hast ja noch gar keine anstalts-uniform
wann bekommst du sie denn
Domizlaff 1: ich werde keine uniform bekommen
und solang ich hier bin auch nie eine tragen
meine mutter will das so
und die heimleitung hat es akzeptiert
Eilert (staunt mit offenem Mund): keine uniform die ganze zeit nicht
Steinbrecher: als einziger im internat ohne uniform
Domizlaff 1: ja
Jacoby: dann hast du ja auch gar keinen dienstgrad
und kannst auch nie einen bekommen
Steinbrecher: dann ist es auch egal wie alt du bist
Eilert: unser stubenältester kannst du nicht werden
(Mit schnell wachsendem Vergnügen erkennen die drei ihre Machtposition gegenüber Domizlaff, es beginnt ein abgefeimtes Spielchen)
Jacoby: du warst wohl vorher
auf einem städtischen gymnasium
(Domizlaff nickt)
Eilert: hier gelten allerdings andere regeln
Steinbrecher: befehl und gehorsam und eiserne disziplin
Jacoby: absoluter gehorsam gegenüber vorgesetzten
Eilert: zum beispiel sind wir drei
seit diesem schuljahr offiziere
Steinbrecher: du siehst das an dem zeichen hier am ärmel
(zeigt Domizlaff demonstrativ seine Balken)
Jacoby: wo immer du dieses zeichen siehst heißt das für dich
Eilert: dem muss ich gehorchen
Steinbrecher: lerne also lieber gleich unsere befehle auszuführen
Domizlaff 1: ich lasse mir von jüngeren nichts befehlen
Eilert (hochnäsig): du solltest nicht am ersten tag schon widersprechen
Jacoby: ich sags noch einmal und zum letzten mal
hier gilt befehl und gilt gehorsam
Steinbrecher: wir möchten deinen ungehorsam
nicht melden müssen
Eilert: du hasts gehört der karzer wartet
Jacoby (zu 2 und 3): er muss lernen wozu er hier ist
wir werden ihn zu einem nützlichen glied
unserer gemeinschaft erziehen
Eilert: du kannst dich in diesem sinne nützlich machen
zum beispiel … unsere schuhe putzen
Domizlaff 1: ich bin nicht euer knecht das tu ich nicht
(alle drei bilden einen Ring um ihn)
Eilert: runter auf die knie
(sie zwingen ihn zu dritt runter, Domizlaff wehrt sich nicht, man sieht ihn nur noch schemenhaft zwischen ihren Beinen)
Jacoby: putzen
(nach einer Weile)
Jacoby: zeig her
(hält den Schuh hoch und gegen das Licht) das soll geputzt sein
was meint ihr dazu
kann sich ein offizier bei sonntagsausgang
mit so schlecht geputzten schuhen
vor den damen zeigen
ich sage nein
Eilert: ich auch
Steinbrecher: eine schande für unser institut
(nimmt den Schuh, wirft ihn vor die Wand)
aufheben domizlaff noch mal putzen
ein offiziersschuh domizlaff muss blinken verstehst du
(es klopft, ruckartig lassen alle drei von Domizlaff ab, der sich langsam erhebt)
Alle (nach einer Pause): herein
Pedell (tritt ein): hans domizlaff bekommt nun seine tägliche stunde
in der er ganz allein sein darf das ist
so angeordnet worden vom direktor
dazu begleite ich ihn von nun ab jeden abend
schlag sechs in einen abgeschiedenen raum
schlag sieben bring ich ihn zurück
zum abendessen ist er wieder in der gruppe
seine mutter hat das so gewollt
(Pedell mit dem sichtlich triumphierenden Domizlaff ab)
Alle drei (bleiben fassungslos mit offenen Mund stehen)
Eilert (nach längerer Pause den Pedell nachäffend):
seine mutter hat das so gewollt
Jacoby: das muttersöhnchen braucht besondere lektionen
die wird er kriegen und die kriegt er nicht zu knapp
denkt euch was aus wie gemein auch immer
sein ganzes leben soll er’s nicht vergessen

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Thema: Bühnenwerke | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Szene 2

Sonntag, 8. Februar 2009 18:49

Sänger:

als hans domizlaff
vom lehrer arg verdroschen ward
schmerzt ihn sein hinterteil
und seine weiche seele
verhärtete sich schnell
wie niedrig kamen ihm vor
die andern die ihn so verlachten
der pöbel der mob die masse
umso mehr fühlte er selbst sich
gehörig zur herrenklasse
und seine erfahrung sagte ihm
es wird stets angefeindet
weil unverstanden in seiner brillanz
des künstlers extravaganz
hierin sensibel war
domizlaff hans

(Teilansicht einer Schulklasse mit 11-12 jährigen Knaben. Im Hintergrund eine große Afrikakarte. Lehrer mit Paradeschnurrbart, geradezu ein Abbild Kaiser Wilhelms des II., Lehrer, Schüler, später Domizlaffs Eltern, Erfurt 1904)

Lehrer (klappt seine Hände kurz und trocken zusammen):
achtung
eins!
(die Schüler erfassen ruckartig und geschlossen die unter ihren Bänken liegenden Bücher)
Lehrer (nachdem er kurz abgewartet hat, bis alle fertig sind, klappt wieder kurz und trocken mit den Händen):
zwei!
(Die Schüler heben die Bücher über die Schultafel; der Lehrer wartet ab, bis alle in dieser Stellung verharren, klappt erneut kurz und trocken mit den Händen)
drei!
(Die Schüler versuchen das Buch geräuschlos auf ihre Tafeln zu legen, es gelingt nicht ganz)
Lehrer: das muss viel geräuschloser passieren
zurück noch einmal
von vorn
zwei
(Die Schüler nehmen ruckartig die Bücher wieder auf, halten sie wie in Stellung zwei schwebend über ihren Tafeln, der Lehrer wartet lange ab)
drei
(Diesmal gelingt es)
sitzen
füße parallel gesetzt mich angeschaut
konzentration
(Lehrer wartet eine Weile, pathetisch)
die deutschen kolonien
(effektheischende Pause)
warum braucht unser vaterland kolonien
Schüler Meusel (eifrig, meldet sich)
Lehrer: meusel steh auf tritt vor
Schüler Meusel (steht auf):
herr lehrer die bevölkerung wächst in unserm land
viel schneller als in frankreich oder england
unser boden kann die menschen bald nicht mehr ernähren
Lehrer: setzen meusel bravo beispielhaft
erklärung für alle
mitschreiben schreibhefte vornehmen
(kurze Pause, Lehrer klappt wieder jeweils kurz und trocken mit den Händen, während die Schüler unter den Pulten die Hefte vorziehen)
eins
zwei
drei
schreiben
(Lehrer wartet einen Augenblick, rezitiert):
kein staat auf erden der voranschreiten will
kann sich selbst genügen
jedes volk erschöpft bald die natur seines landes
es muss die fesseln der heimat sprengen
es muss sich die welt öffnen
und sich einen unmittelbaren
anteil an ihren schätzen sichern
so bleibt ein volk jung während andere
zurückgedrängt werden
von der weltbühne und
allmählich verkümmern
(Lehrer wartet) also lautet die conclusio: kolonien
(laut und fordernd) alle
Schüler im Chor: kolonien
Lehrer: sehr richtig
(deutet auf die Karte hinter ihm):
welche kolonien besitzt unser vaterland
in afrika
Schüler Kleinschmidt (meldet sich, steht auf):
herr lehrer togo
Lehrer: an die karte kleinschmidt zeigen
Schüler Kleinschmidt (tritt aus der Bank, geht an die Karte, zeigt)
Lehrer: richtig kleinschmidt setzen
alle notieren
(diktiert) die zu den sudannegern
gehörenden einwohner togos sind
kräftig gebaut friedfertig
arbeitsam und geschickt
ende des diktats
weiter
welches ist
deutschlands großer fruchtgarten in afrika
und welche gebiete umfasst er
Schüler Gebhardt: herr lehrer das ist kamerun
Lehrer: richtig gebhardt und warum
Schüler Gebhardt: dort wachsen viele früchte
Lehrer: wer hätte das gedacht du dummkopf
an die karte zeigen gebhardt
Schüler Gebhardt (tritt aus der Bank, zeigt auf den Kongo):
Lehrer: falsch gebhardt falsch
das dort ist
von unsern feinden besetztes land
du wirst bis morgen eine karte zeichnen
von afrika mit allen deutschen kolonien
wer zeigt uns kamerun wer
erklärt uns warum gerade kamerun
deutschlands großer fruchtgarten ist
Schüler Knapp (tritt aus seiner Bank):
herr lehrer ich kann’s zeigen
Lehrer: geh an die karte knapp und nimm den stock
und wehe dir du zeigst uns etwas falsches
Schüler Knapp: herr lehrer das hier das ist kamerun
hier ist das klima nicht wie in den savannen
sondern sehr feucht und heiß zugleich
man nennt das tropische fruchtbarkeit
drum wachsen hier die früchte ganz ungehemmt
Lehrer: magna cum laude knapp ganz ausgezeichnet
nehmt euch an knapp ein beispiel
(Pause) wie aber kommen die früchte
aus diesem schönen garten her zu uns
Schüler Meusel (meldet sich): mit schiffen
Lehrer: wer hätte das gedacht
was brauchen wir also
Schüler Gebhardt: eine flotte
Lehrer: nur eine
nein wir brauchen zwei
zwei flotten brauchen wir
eine handelsflotte und eine kriegsflotte
wir notieren in die hefte
was harms in seiner
vaterländischen erdkunde schreibt
erstens
schiffe bauen immer mehr schiffe
sie sind die brücken auf denen der güteraustausch
hin- und zurückflutet
zweitens
in den kultur- und industrielosen
erdräumen besitzrechte erwerben
damit die brücken auch am jenseitigen ufer
an möglichst vielen stellen
auf eignem grund und boden ruhen
macht müssen wir haben
darum kriegsschiffe
rechte müssen wir draußen besitzen
darum kolonien
denn
unsere zukunft liegt auf dem wasser
(Lehrer verschmitzt) von wem stammt der letzte satz
Schüler (alle im Chor): von unserer majestät dem kaiser
Lehrer (selbstzufrieden): richtig und darum
und darum hatte ich euch letzten montag schon
als hausarbeit aufgegeben
ein kriegsschiff zu zeichnen dass ihr lernt
was unsere kaiserliche marine
von unserer handelsflotte unterscheidet
zeichnungen vorlegen
(Lehrer klappt wieder in die Händen wie oben):
eins
zwei
drei
Lehrer: domizlaff was zappelst du
schon wieder so in deiner bank
vortreten
zeig deine arbeit vor
Domizlaff 1(voller Stolz, entrollt seine Zeichnung)
hier herr lehrer
Lehrer (erblickt die Zeichnung, ganz kurz bewundernd)
ei
(nimmt sich zurück, spektisch)
und das hast du allein gemacht
Domizlaff 1: ja herr lehrer das habe ich allein gemacht
Lehrer (ungläubig): das glaub ich nicht das kannst du nicht allein
Domizlaff 1 (stolz): jawohl herr lehrer das hab ich allein gemacht
Lehrer (hält die Zeichnung hoch):
schaut euch das an
Schüler (raunen unschlüssig):
Lehrer: so zeichnet niemand mit zwölf jahren
Domizlaff 1: doch herr lehrer ich habe es allein gemacht
Lehrer: du lügst du willst dich hier produzieren
mit fremden federn schmücken
(zornig) das wird dir nicht gelingen
(nimmt den Rohrstock, schlägt ihn)
das hier ist für die lüge
(nach drei leichteren Schlägen)
hast du das allein gemacht
Domizlaff 1 (wimmernd): ja
Lehrer (schlägt mit doppelter kraft):
allein
Domizlaff 1 (vor Schmerzen aufschreiend):
nein
Lehrer (lässt ab): siehst du so kommt die wahrheit an den tag
in die ecke jetzt gesicht zur wand
und fühl die wahrheit
auf deinem hintern brennen
Domizlaff 1 (läuft steif in die Ecke, leise wimmernd)
Schüler (glucksen verstohlen)
Lehrer (dozierend): keine gemeinschaft
darf lügner in ihren reihen dulden
wehret den anfängen bekämpft die lüge
wo immer ihr sie antrefft mit allen mitteln
vor allem wenn sie noch so dreist
nur auf den eigenen vorteil schielt
(zu Domizlaff gewandt)
das war erst der lektion erster teil
tritt vor domizlaff noch einmal vor
(nimmt den Rohrstock erneut)
und das hier ist
der lektion zweiter teil
(zerreißt das Blatt mit großer Geste)
Domizlaff 1 (aufschreiend): nein bitte bitte nicht
Lehrer (zerreißt es in zahllose kleine Schnipsel):
o ja
(schlägt ihn mit voller Kraft)
und das für deine eitelkeit
du wolltest dich fremden federn rausputzen
und deine kameraden hinter dir lassen
sie überragen
ich aber sage dir du bist ein wurm
nichts als ein wurm
ein ganz missratener eitler kleiner wurm
(diebische Freude beim Rest der Klasse)
Lehrer (zieht eine Trillerpfeife aus der Tasche, pfeift schrill):
achtung
Schüler (stehen ruckartig auf und verlassenen in Zweierformationen schweigend den Raum; Lehrer folgt dem letzten Pärchen, Domizlaff tritt aus seiner Ecke, reibt sich den Hintern, tritt nach vorn an den Bühnenrand, währenddessen verdunkelt sich der Klassenraum. Domizlaffs Eltern treten von links auf ihn zu)
Mutter: hans berichte doch…
wie wurde deine zeichnung aufgenommen
du warst so überzeugt so stolz
Domizlaff 1 (etwas stammeln): niemand
niemand hatte über dem schiff solch einen rauch gemalt
sie haben alle nur gestaunt
das hatten sie noch nie gesehen
Mutter: zu hause hängen wir das bild gleich auf
direkt unter das porträt von unserm kaiser
über das vertiko
es gibt auch schon einen schönen rahmen
Domizlaff 1 (stotternd): das das geht nicht
Mutter: warum denn nicht hans
Domizlaff: ich habe es nicht mehr
es es ist in der schule geblieben
es wurde gleich dort aufgehängt
weil es das beste war
Mutter (enttäuscht): es hätte sich bei uns so gut gemacht
ein echtes bild kein dutzenddruck dein erstlingswerk
schlachtkreuzer von domizlaff unter unserm kaiser
Vater: seis drum
wenn nur der teure zeichenunterricht
am ende sein gutes gehabt hat

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Thema: Bühnenwerke | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Szene 1

Sonntag, 8. Februar 2009 18:48

Sänger:

als hans domizlaff
noch ein knabe war
nahm er sich gleichwohl schon
als etwas ganz besonderes wahr:
in den sälen des elternhauses in leipzig
fand reichlich gelegenheit
der junge musensohn
zu künstlerischer tätigkeit
des wilhelmkaisers bildnis hing
wie eine ikone in jedem raum
so komponierte sich der bub
von ruhm und größe einen lebenstraum
inmitten deutscher ehre
deutschen reiches glanz
war hierin sensibel
domizlaff hans

(Esszimmer in Domizlaffs großbürgerlichem Elternhaus in Leipzig; seine Eltern im Gespräch, später der 9-jährige Hans Domizlaff und sein zukünftiger Zeichenlehrer, der als „sächsischer Katzen-Raffael” bekannt gewordene Fedor Flinzer, Leipzig 1901)

Mutter: hast du die zeichnungen gesehn
die unser hans verfertigt hat
Vater: nein warum ist das von wichtigkeit
Mutter: dann schau sie dir bitte einmal an (zeigt ihm zwei Blätter)
Vater: was ist daran so extraordinär
Mutter: er hat talent der hans siehst du das nicht
Vater: das weiß ich nicht
Mutter: siehst du denn nicht dass er mit neun
schon zeichnet wie andere buben erst mit zwölf
Vater (wittert etwas): was willst du mir damit bedeuten
Mutter: sein talent braucht förderung
Vater (skeptisch): ach so
Mutter: und wir als eltern haben die verpflichtung
wo immer wir nur können und es sehen
die gaben unserer kinder auszubilden
Vater: und du hast natürlich schon einen plan
wie ich dich kenne
Mutter: kein plan nur ein gedanke
deswegen rede ich ja mit dir
Vater: und zwar
Mutter: ich möchte dass der hans zeichenunterricht bekommt
und zwar so instruktiv als möglich
drei mal die woche dachte ich
Vater: und das gerade jetzt wo er in allen sprachen
fast hoffnungslos im rückstand ist
und sich auf diese dinge konzentrieren müsste
Mutter: ich weiß das auch doch ein von gott gegebenes talent
nicht auszubilden würden wir uns nie verzeichen können
auch wenn er nie ein großer maler wird
Vater: ein großer maler gott wo träumst du hin
latein französisch englisch soll er lernen
dafür einen hauslehrer anzustellen machte sinn
Mutter: alles was wir unsern kindern an ausbildung
ihrer talente ermöglichen macht sinn
Vater: zuerst das allgemeine
und dannn das besondere
wie schon so oft verkehrst du wieder mal
die reihenfolge aller dinge
Mutter (unbeeindruckt):
ich habe herrn fedor flinzer
einen anerkannten zeichner und kunstmaler
gebeten sich heute bei uns vorzustellen
er wird bald hier sein
Vater: ich hatte nichts anderes von dir erwartet
Mutter: herr flinzer soll ja heute nur ein urteil fällen
über hans’ begabung
dann wird man weitersehen
Vater: was ziehst du hans’ interesse ab
von dingen die weit wichtiger sind als zeichnen
und erweckst in ihm noch dazu
trügerische hoffnungen er sei außerdem
ein ganz besonderes menschenkind
Mutter: und wenn schon ist das so verwerflich
ich weiß wie gern er zeichnet das ist grund genug
Vater: und dass auch ich so manchen zukunftsplan
für ihn mit mir herumtrage
kommt dir nicht in den sinn
im diplomatischen dienst etwa
da müsste er fremde sprachen fließend sprechen können
da nützt sein zeichentalent ihm nichts
Mutter (unbeeindruckt): herr flinzer ist berühmt für seine katzen
die malt er allerliebst
Vater: allerliebste katzen als ersatz für fremde sprachen
Mutter: sei nicht so ungerecht
(es klingelt) das wird er sein
Vater: du hast’s ja doch schon wieder auf den weg gebracht
da braucht es meine präsenz nun auch nicht mehr
doch mache hans das eine klipp und klar
wenn er von jetzt an zeichenunterricht bekommt
auf kosten andrer fächer geht das nicht
(durch die Tür, durch die er abgeht, kommt Fedor Flinzer herein)
Flinzer: meine verehrung gnädige frau
gestatten fedor flinzer zeichenlehrer
Mutter: ich hab von ihnen manches gelesen und gesehen
man nennt sie auch den sächsischen katzen-raffael
Flinzer (lächelt): gnädige frau wenn sie das für einen ehrentitel halten
werde ich ihnen da nicht widersprechen
Mutter: es geht um unterricht drei mal die woche
für unsern hans er zeichnet für sein leben gern
Flinzer: wie alt
Mutter: neun jahre
schauen sie das hier hat er selbst gemacht
Flinzer (angetan): recht beachtlich durchaus talentiert
kann ich ihn sehn
Mutter: gern herr flinzer
(geht zur anderen Tür, öffnet sie, ruft): hans komm doch bitte einmal her
Domizlaff 1 (tritt ein): guten tag
Mutter: das ist herr fedor flinzer zeichenlehrer
Flinzer: guten tag hans deine frau mutter glaubt
dass ich dich da du so gern zeichnest
doch etwas lehren könnte was meinst du
Domizlaff 1 (erfreut): gern sehr herr flinzer
Flinzer: dann zeichne mir doch gleich mal einen baum
damit ich sehen kann wie weit du bist
(Domizlaff 1 setzt sich, zeichnet)
gnädige frau wie oft dachten sie dass ich dem hans
pro woche unterricht erteile und wie lange jeweils
Mutter: drei mal und jedes mal zwei stunden mindestens
Flinzer: wenn wirklich etwas daraus werden soll
sind sechs stunden in der woche kaum zu wenig
(beugt sich zu Domizlaff herunter):
das sollen äste sein
das sind krickel krakel
hier krickel krakel
dort krickel krakel
und da auch krickel krakel
aber gemach getrost du bist ja noch sehr jung
in einem halben jahr sieht das schon anders aus
Mutter: danke hans geh bitte wieder auf dein zimmer
Domizlaff 1: auf wiedersehen herr flinzer
Flinzer: ich hoffe bald mein junger freund (Domizlaff ab)
Mutter: was sagen sie nach dieser kleinen prüfung
lohnt es ihm unterricht zu geben
ich bitte sie um ihr ehrliches gerechtes urteil
Flinzer (nach einer Pause): ich hatte eigentlich nur einen schüler
der von natur aus eine ähnliche begabung hatte
das war max klinger
Mutter: max klinger der große der berühmte künstler
Flinzer: eben der
Mutter: jetzt schmeicheln sie herr flinzer doch zu sehr
Flinzer: nein gnädige frau in ihrem sohn steckt ein talent
das danach ruft ausgebildet zu werden
Mutter: dann fangen wir noch diesen freitag an
Flinzer: gnädige frau ich empfehle mich (ab)
Mutter: ich habs geahnt ich habs gewusst (ruft)
hans

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Thema: Bühnenwerke | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Prolog zum ersten Akt

Sonntag, 8. Februar 2009 18:46

(vor dem Bühnenvorhang, Lichtkegel; Hans Domizlaff in dreifacher Gestalt, als Knabe, junger und alter Mann, tritt vor)

Domizlaff 1: ich habe mich entschieden
Domizlaff 2: ich habe mich entschieden
Domizlaff 3: ich habe mich entschieden
Domizlaff 1: aus den kulissen zu treten
Domizlaff 2: vor sie das publikum
Domizlaff 3: und ihnen meine geschichte zu erzählen
Domizlaff 1: sie sitzen hier im theater und erwarten eine inszenierung
Domizlaff 2: ich sage ihnen die ganze welt ist eine inszenierung
Domizlaff 3: denn schon wenn sie hinausgehen
und in den nächsten supermarkt hineinPr
Domizlaff 1: sind sie von inszenierungen des alltags umstellt
Domizlaff 2: tausend farben und formen wirken auf sie ein
Domizlaff 3: tausend botschaften umgaukeln sie
Domizlaff 1: tausend appelle flüstern leise
Domizlaff 2: sie wissen nicht wer dahinter steckt
Domizlaff 3: wer diese beeinflussungsströme sorgsam aufbereitet hat
Domizlaff 1: zu wem haben sie eigentlich vertrauen
Domizlaff 2: sodass sie nicht mehr darüber nachdenken
Domizlaff 3: sondern
Domizlaff 1: nur funktionieren
Domizlaff 2: nur wählen
Domizlaff 3: nur kaufen
Domizlaff 1: dem einen vertrauen sie einfach
Domizlaff 2: und dem anderen nicht
Domizlaff 3: sie kennen die nicht die sie in wahrheit beherrschen
Domizlaff 1: die hinter den kulissen feine fäden spinnen
Domizlaff 2: die sie als ihr massenpublikum dressieren
Domizlaff 3: ich bin es
Domizlaff 1: sie sind mein spielball
Domizlaff 2: die masse der ich meine ideen ins weichhirn flöße
Domizlaff 3: sie werden klüger aus diesem theater hinausgehen
Domizlaff 1: aber seien sie versichert
Domizlaff 2: sie werden auch weiterhin
Domizlaff 3: von mir beherrscht
Domizlaff 2: von mir

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