Sonntag, 22. Juni 2008 18:24
© 1976 Dirk Schindelbeck
(Sestine)
O dass mich wieder diese Wucht ergriffe,
die plötzlich eines jungen Menschen Leben
mit Werten, Sehnsucht, Hoffnungen des ganzen
Daseins auf einmal überschüttet, Wege
ihn sehen macht, die plötzlich er gegangen,
ein Suchender nach seinem tiefsten Wesen!
Vorbei dies alles, aus, vorbei, gewesen,
wie seine Kraft und Wucht auch im Begriffe
war, aufzuzehren, was wie Rausch vergangen,
doch lang noch leuchten blieb aus frühem Leben:
So münden reifend die geheimsten Wege
am End in Eines zum enthüllten Ganzen.
Vorbei der Drang zum allumfassenden Ganzen,
das je noch früher Träume Ziel gewesen.
Es führen der Erkenntnis tiefste Wege
allein nicht über Netze und Begriffe,
die, weit gespannt, den Raum für alles Leben
ausdehnen sollen, bis es eingegangen.
Erkennen ist nie fliehend vorgegangen
vom Einzelnen zum allgemeinen Ganzen.
Wer fassen wollte Macht und Kraft im Leben
und das Geheimnis und den Glanz im Wesen,
nie brauchte der noch weiteste Begriffe,
der - wunderbar - ging endlichere Wege.
So werd auch ich erkunden meine Wege
und staunend sehn zurück, wo ich gegangen,
ein Stück der Reifung, das ich nie begriffe,
wenn ich nicht wüsste um die Macht des Ganzen,
die immer schon in jedem Teil gewesen
und in ihm bündelte die Kraft zum Leben:
Denn nur was strahlt, was Grenze hat als Leben,
daraus die Kraft zwar brechen will, die Wege
nach außen noch nicht findet, wird, ein Wesen,
sich rein erkennen lassen, eingegangen
Unendliches in ihm zu seinem Ganzen,
zur Fassbarkeit im endlichen Begriffe.
Geladen im Begriffe strahlt das Leben!
Als Eins, im Ganzen, findet es die Wege
uns aufgegangen als umfassendes Wesen.