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Dirk Schindelbeck » Epigramme

Archiv der Kategorie: 'Epigramme'

Beim Anblick ungeputzter Schuhe

Sonntag, 24. Juli 2011 11:40

© 1997/2011 Dirk Schindelbeck

siehe hierzu das berühme gewordene Bild Vincent van Goghs aus dem Jahr 1886:

http://www.welt.de/kultur/article4909929/Wie-sich-Forscher-ueber-van-Goghs-Schuhe-streiten.html

Meine lieben Gesellen. Ihr seht so gequält und so streng aus,
wie als mahntet ihr mich: „Siehst Du uns, Freund, ja Du siehst!
Tollkühne Menschen wie Du, die kämpfen zwar tapfer im Unrat,
aber lassen die Spur an den Getreuen zurück.
Also stehn wir gezeichnet, Absätze und Sohlen voll Klumpen,
und von klebrigem Lehm, übergebackenem Kies
sind wir gelb und grau und fühlen uns grausam gebogen,
ach, wir liegen so krumm in dem getrockneten Schlamm -
und so durstig! Die klaren, feuchten, kühlenden Lüfte
rühren die Haut nicht mehr: Haut aber sind wir doch ganz!
Drum, lieber Freund und Halter, befrei uns aus dem Gefängnis
unserer Atemnot, habe ein Mitleid mit uns,
gib uns zu essen auch, ein wenig an Creme oder Fett nur,
und gleich tragen wir Dich, warm und geschmeidig, wie einst.”

Thema: Epigramme | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Eine Tasche voller Epigramme

Donnerstag, 4. Juni 2009 16:18

© 1975 - 2006 Dirk Schindelbeck

Im Folgenden präsentiere ich Ihnen einen bunten Strauß von Epigrammen zu verschiedensten Anlässen und Themen. Diverse literarhistorische Einflüsse sind spürbar und wollen auch spürbar sein, von der Antike über Friedrich von Logau oder Goethe bis in die Moderne hinein. Dabei wird auf den beiden großen Traditionssträngen der europäischen Epigrammatik  gleichermaßen aufgebaut: einerseits im eher sanften Epigramm, wie es musterhaft bereits in der Anthologia Graecia vorgegeben war, anderseits durch das scharfe, pointierte Epigramm, als dessen Begründer der römische Dichter Martial gilt. Weitere Epigramme in barocker Spielart finden Sie hier und hier.

Kleine Anfrage

„Sag mir, wen die Frauen lieben,
Freund, o sag’s mir im Vertraun!”
- „Der sich zutraut, sie zu lieben,
diesen lieben auch die Fraun.”

Schwierige Gegenwart

Die Erinnerung geht zu schnell dahin
und die Zukunft kommt zu lahm heran -
Hätt’ nur die Erinnerung noch den Sinn,
den die Zukunft noch nicht haben kann.

Memento mori
(bei Betrachtung eines Rinderbratens)

O schieres Fleisch, o kubisch’ Stück:
Wir beide kennen unser Glück!
Du schlangst das Gras, nun schling’ ich dich,
und später schlingt das Gras dann mich.

Neues Geschichtsdenken

Wir rollen Geschichte herunter
von der Geschichtstoilettenrolle,
so Blatt um Blatt und Tag für Tag.
Und innen drin, die Pappe? - - -
Der jüngste Tag, der schlappe.

Das Sparschwein spricht

Das Sparschwein spricht: „Ich schweine spar,
was mir im Bauch von Herzen kollert,
sind höchstens Peanuts, wie’s ein Banker klar
euch blödem Volke eingebollert
die spar-ribs aber, Leute, nämliche,
die sind für Banker, nicht für Dämliche.”

Todesursache

Ich höre, Alfred starb. - Woran? Er schien robust,
im Streit mit seiner Frau empfand er doch nur Lust…
- Schon richtig, das macht ihm auch nicht Beschwer,
nur eins verwand er nimmermehr,
dass sie trug’s auf den Markt:
Herzinfarkt.

Grabschrift eines Angestellten

Hier war ich angestellt, gestellt ganz hinten an,
ich diente treu und brav, wie man nur dienen kann.
Den Abtritt stellt ich dar, ich war der letzte Dreck.
Dann stellte ich mich quer, dann stellten sie mich weg.

Grabschrift eines Beamten

Ich liege nicht korrekt. Es stimmt nicht mal die Tiefe
des Aushubs für den Sarg. Und dann: Dies Umfeld ist
beleidigend: Kein Arzt, nicht mal ein Prokurist
liegt neben mir. Ach Gott, der du den Dienstweg kennst,
es kann doch gar nicht sein, dass Du mir das missgönnst:
Auch du hast von Pension doch höhere Begriffe!
(frz. Übersetzung)

Grabschrift eines Ostfriesen

An meinem Unglücks-Tag, da glitt ich von dem Deiche
zur falschen Seite ab und sank tief in ein Moor.
Dies wird mein Glückstag sein: Denn zieht man mich hervor,
so seh’ ich besser aus als jede andre Leiche.

Grabschrift der letzten Winter-Mode

Das Frühjahr zieht herauf. Hinweg mit den Klamotten
der öden Winterzeit. Weg, weg! Fahrt hin, habt Dank.
Reiz-Pulver ausgestreut. Herbei, ihr süßen Motten,
macht euern Biotop in diesem Kleiderschrank.

Maßwerkfenster

Welche Fontäne auftauchender Fische! Und gleich durch das Dach noch!
Ach, in der Krümmung gedrängt müssen die Springenden ruhn.
Ob auch von Säulen getragen, von strengen, senkrecht gesetzten,
zuckend bewegen sie sich, werfen wie Blasen den Leib -
und, o Verwandlung, das Fenster erscheint als ein Kelch von der Seite,
und aus gefülltem Pokal quillt ein gar lustiger Schaum.

Onomatopoein

Chrash, im Sand steckt der Speed. Nicht doch, der Speed ist ja englisch,
aber Geschwin-dig-keit: das ist die Bremse an sich.

Touristische Sprachverwirrungen

Ah! Beim Anblick der Männer und Oh! beim Anblick des Torre,
dazu Olivensalat: Bella Italia, olé!

Unbestimmt

Irgendwie willst du’s immer und irgendwo kannst du’s nimmer.
Sag mir, warum mein Freund. Oder ist’s irgendwarum?

Diskreditiert

Glasklar piss ich hinein, das Gelbe kommt nur aus dem Würfel,
also verleumdet steh ich vor dem Emaille-Lavor.

Der Taucher

Klopstock warf sich ins Pathos; er badete lange und brünstig,
und aus der tosenden Flut stieg uns ein Schiller heraus.

Auf ein hässliches geiles Weib

Für den Falle, dass einer komme,
dir die Geilheit stille,
schluckst du stets die Pille.
Toll ist diese Grille,
fast schon eine fromme.

Reden und (Zu)hören

Als ich dich noch nicht näher kannte, sprach ich so
vom Fußball, glaub ich, Handball, nun ja, wie’s kam.
Du nicktest schweigend. Gut, ich holte weiter aus,
begann mit Leichtathletik, Tennis, Schwimmen, Ski -
Du hörtest zu. Nun kam ich voll in Fahrt, erzählt’
jetzt schneller und von schnelleren Disziplinen, Rad-
und Pferderennen, Surfen, Formel Eins zu letzt.
Dann sprachst du, dich als Theologen kratz’ das nicht.

Genealogie einer Dicken

Aus der dürren Mannesrippe dehnte Gott das Weib geschwind,
nun, da du so dick bist, Ulla, scheint der Ausgangsstoff verdünnt.

Auf ein permanent stänkerndes Weib

Meiner kleinen Ätzerin,
die zwei Büch’ gelesen -
gerne wär sie Ketzerin,
bleibt doch nur ein Besen.

Unter der Dusche

Wie ich doch heute gelassen unter der Dusche steh,
spritzt mir die Seife weg. Ich bück mich,
da gerat ich doch gleich in äußerst kühne
Sensibilität. Denn auf dem Afterteile
Spür ich, wie die Musen dort freundlich prasseln.
Ei, so denk ich, bist du denn gar ein Wilhelm Meister,
dem des Vaters trefflicher Schlag seit langem abgeht,
der nun hier im Studentenheime
Kräfte, Talente virtuos auferzieht?
O gesegnet sei der gereifte Mensch,
der sich selbst ist Freiheit, Stachel und Erzieher!

Ein Genießer im Straßencafé

Jeans um Jeans geht vorbei -
Wie traurig ist dies Einerlei,
nur Stiefelchen, nur Stiefelchen,
das sind die kleinen Trösterchen.

Distanzstrategie

Carla gibt sich burschikos:
So kommt sie von den Burschen los.

Recherche

Nach Gründen magst du buddeln,
doch fördre uns keine Kuddeln.

Weltkenntnis

Kenntnis von Welt ist ein Puzzlespiel,
manch einer hat ihrer Steinchen viel,
und legt doch nur Eckchen von Tag zu Tage -
er hat keine breite Unterlage.

Bilanz

Hab einiges gelitten,
noch weniger gerettet,
Verlust bei allen Schritten,
doch niemals angekettet.

Brandenburger Tore, sortiert
(groß, in repräsentativer Geschenkpackung, heroische Ausführung)

Freiheit, deutsches Gedicht, ewig in unsrer Brust,
offne Wunde von einst, mahnend im Stacheldraht,
Dornenkrone der deutschen
Nachkriegswelten, du bist jetzt frei!

Brandenburger Törchen
(Kinder-Ausführung, Margarine-Figur, 50er Jahre)

Wer kennt ein deutsches Märchen?
Nun schlurfen wir durchs Törchen.
Wir sind das Volk,
wir sind die Kinder,
einer zupft,
einer schlupft,
einer ist schon drüber weggehupft.

Profi-Touristen

Bei Ansicht des Kölner Doms
sprachst du bedeutungsvoll von Sankt Peter in Rom;
im zu heißen Rom schwärmtest du vom Portal
der Kathedrale von Reims; in Reims
hattest du Bilder von Tintern Abbey zur Hand.
Nun hoff ich, im Schatten von Tintern Abbey
gedenkst du mit Anstand
des Kölner Doms.

Das Distichon (im Schwimmbad)

Langsam zieht er sich hoch, bezwingt mit Mühe die Stufen,
und vom Sprungturm herab stürzt sich prosaisch ein Held.

Die Grammatik

Du hast gute Ideen, doch immer erdrückt die Grammatik
Dir dann die besten - schon gut: Reden wir nicht mehr davon.

Die Werte

Demokratisch waren sie nie: Kommt einer zur Herrschaft,
zwingt er, Tyrann, sich als Gott dir und den anderen auf.

Treue als Gedichtthema

Mancher singt von Treue, die ihm anliegt
wie ein klassischer Anzug. Ich hingegen
sing am liebsten von Treue, die noch neu ist,
die noch spannt, und die’s Spaß macht einzulaufen.

Falsches Mittel

Nun bist du, lieber Helmut, auch noch Bartträger,
lässt wuchern aus dir fort und findest kein Ende!
Wo früher glatt und kantig dir das Kinn ragte,
sprießt nun ein krauses Wollgras, wo sich stark abhob
der Lippe breiter Bogen, wuchert jetzt Wollgras.
Der hohe Wangenknochen, der sich voll wölbte,
den, o ich kenn die Psychen, alle Fraun liebten,
verschwunden unter Wollgras: klein selbst, so mickrig,
der schöne Nasenzinken! Helmut, du wolltest
noch mehr aus dir und bist nun vielen so ähnlich!

Karneval und Fastenzeit

Zu Zeiten, wo der Geist sich zieht in sich zurück,
da wird so manches Fleisch verachtet oder dick.

Eiszapfen

Eiszapfen sind wir, hängend gewachsne, verknorpelte Brüder,
schmelzend nur werden wir klar, rein wie Kristalle und zart.
Die an der Luft sich bilden, Häute und Hüllen verlassen,
kennen einander im Sein, Pflanzen so Tiere als Mensch.
Wir aber, abwärts tastend, die Füße am Dachtrauf geheftet,
wenn wir nicht brechen, nur wir weinen Entstehn und Vergehn.

Der informierte Frühaufsteher

Ich sei von gestern, mir mangele Nachricht, so lautet dein Vorwurf,
der du im Schlafanzug sämtliche Zeitungen last.
Dafür hast du bestens geschlafen, bescheidene Träume
durchgenossen, mir war laut und gesellig die Nacht,
aber du bist von heut: Die Sonne serviert dir die Nachricht,
und wie recht du hast: Ich bin von gestern noch heut.

Morgenepigramm

Schläfst du mein Liebes und siehst es nicht dämmern? Es rauschen die Blätter
über die Dächer hin - seltsame Luft sie bewegt.
Horch, wie die Vögel erwachen, die Zwielichtgestalten des Sommers
klopfen ans Fenster. Horch! Jubelnder Baum, der erwacht.
Aber du schläfst, mein Liebes, so sicher schläfst du ins ungewisse
Licht des erwachenden Tags, ach, und dann findst mich nicht mehr

My Way

Wirft man dir vor, du seiest nicht frei, so habe den Mut doch
ihnen das zuzugestehn, du du nicht frei bist im Sinn
ihres Verständnisses! Sage, du seist verpflichtet, gebunden
an einen höheren Wert, seist nicht das Opfer dein selbst!
Gleich doch wird man dir helfen wollen, die Fesseln zu lösen,
dann sei frei und sag: Du seist das Opfer dein selbst.

Maßwerkfenster

Welche Fontäne auftauchender Fische! Und gleich durch das Dach noch!
Ach, in der Krümmung gedrängt müssen die Springenden ruhn.
Ob auch von Säulen getragen, von strengen, senkrecht gesetzten,
zuckend bewegen sie sich, werfen wie Blasen den Leib -
und, o Verwandlung, das Fenster erscheint als ein Kelch von der Seite,
und aus gefülltem Pokal quillt ein gar lustiger Schaum.

Erechtheion
(als die Karyatiden auf der Akropolis noch vorhanden waren)

Wie ich mir Weiber gewünscht, mit zartem Nacken, doch kräftig,
also formte den Stein einst eine attische Hand.
Säulen und Mauern der Tempel umher zwar liegen zerbrochen,
und der mächtigste Bau, Parthenon, steht ohne Dach,
nur die Weiber dauerten aus, geduldig, und trugen
durch die Jahrhunderte hin-über die klassische Last,
dass wir Heutigen staunen und wieder und wieder uns fragen,
wie diese Demut so stolz, wie dies ihr Tragen so frei,
leicht und fast schwerelos zum bleibenden Mahnmal gerann und
fühlen verzweifelt den Wunsch, unter uns Weiber zu sehn,
die, nach solchem Vorbild gemacht, uns würdige Zeugen
wären lebendiger Tat - wenn wir sie redlich verdient.

Auf Spitzwegs „armen Poeten”

Nicht doch, Kollege, du sitzest und eifrig schnippst du den Finger -
Oder liegst du? Wer weiß: Hoffentlich schnippst du im Takt.
Doch auf Ehre, glaubst du denn wirklich, die Muse sei Dienstmagd?
Kam sie dir schnippisch auch vor, bleibt sie doch immer ein Weib.
Dir mag schnippen ein Billiges dünken, das Mädchen zu locken,
doch dies Weib ist kein Kauf! Freund, es will Fordrung und Sieg!
Sieh doch, sie ärgert dich wieder, sie flieht dich indem sie sich nähert:
Zeit ist’s, gewinne sie grad: Klampfe und schnippe zugleich.

Unbeschränkt

Wo sind die Schranken des Geistes? - Der Geist gebiert sich die Schranken,
hat er die Schranke gesetzt, reißt er die Schranke auch ein.

Sustainability

Der Harte wird gescholten
und später abgegolten.

Im Literaten-Hotel

Zwei Türen stoßen aneinander,
aus der tritt Plautus, aus der Menander,
und dann verwechseln sie die Zimmer,
und fortan wurd es immer schlimmer.

Latin Lover

Anneliese, du christliche Erzogne, was müssen wir sehen?
Menschen, braun und behaart, dafür begeisterst du dich?
Gell, dir gefallen die feurigen Augen, du magst auch die Locken,
die sich über der Stirn kräuseln! Und erst die Figur - - !
Lehnt solch ein Mensch dir gegenüber im Stadtbus, mit spitzen
Lackstiefeln wippend und dreist Kaugummi blasend zum Ball,
trägt er dazu - dezent! - ein Seidenhemdchen, ein knappes,
wo vorn jeglicher Knopf platzt, wenn er zart sich bewegt,
ja, dann wirst du wohl rot, und wir alle wissen den Grund auch,
denn ihm baumelt am Hals ja das versilberte Kreuz.

Umgang mit der Antike

Lieblich fluten die Töne aus dieser griechischen Syrinx:
Kommt, ich spiel euch was vor. Uh, schmeckt der Knüppel nach Lack.
Alles deckt heute Lack, verkleistert die klassischen Spuren
und beschützt vor Gebrauch auch dies geborgne Gerät.
Ausstellungsstück! Nun denn, ich leg’s ja zurück in den Kasten.
Freunde, es sollte nicht sein! Kloppen wir Skat im Archiv.

Beim Anblick ungeputzter Schuhe

Meine lieben Gesellen. Ihr seht so gequält und so streng aus,
wie als mahntet ihr mich: „Siehst Du uns, Freund, ja Du siehst!
Tollkühne Menschen wie Du, die kämpfen zwar tapfer im Unrat,
aber lassen die Spur an den Getreuen zurück.
Also stehn wir gezeichnet, Absätze und Sohlen voll Klumpen,
und von klebrigem Lehm, übergebackenem Kies
sind wir gelb und grau und fühlen uns grausam gebogen,
ach, wir liegen so krumm in dem getrockneten Schlamm -
und so durstig! Die klaren, feuchten, kühlenden Lüfte
rühren die Haut nicht mehr: Haut aber sind wir doch ganz!
Drum, lieber Freund und Halter, befrei uns aus dem Gefängnis
unserer Atemnot, habe ein Mitleid mit uns,
gib uns zu essen auch, ein wenig an Creme oder Fett nur,
und gleich tragen wir Dich, warm und geschmeidig, wie einst.”

Kreuzgang am Basler Münster

Wieviel Sandalen wohl habt ihr, Brüder, hier wandelnd verschlissen,
schwer nachsinnend fürwahr, dass heut der Boden gewellt,
ausgetreten uns ansieht, doch bibelfest und -erfahren,
wenn wir mit leichtem Gepäck, heitren Gedanken uns nahn?
Wohl, wir wandeln nicht mehr, wir treten nicht Woche für Woche
hin und wieder wie ihr, machen nur einmal den Gang -
Aber sagt doch, wie hinterlässt man solch Geistesgefurche:
Braucht es ein Mönchsgewicht? Oder den schlurfenden Schritt?
Fehlt uns zum Denken am Ende ein nötiger Ernst? - Exegese,
dreimal täglich, so scheint’s, wellt auf die Dauer den Stein.

Der Fetischist

Ungerufen steht er dabei, wenn wir mit dem Fußball
auf dem Aschenplatz grad’ uns begeben zum Spiel.
Laden wir ein ihn, so sagt er, er habe soeben zwölf Runden,
drei Kilometer gut, unter Belastung gedreht,
sei nun zu müde. Auch gut. Wir beginnen ohne sein Zutun,
gleich ist Partei gemacht, Stärke und Schwäche verteilt.
Lange Hosen nun aus und gekickt. Doch siehe, da steht er,
hält sein Trainingszeug an, dass ihm sein Knöchel nicht frier’.
Läuft unser Ball die ersten Passagen, gleich zieht er den eignen
aus dem Gebüsch hervor, sieht nach dem unseren scheel,
streichelt den seinen indes, des Leders Geschmeidigkeit prüfend,
lotet Härte und Druck, legt gar sein Ohr aufs Ventil.
Dann fällt das erste Tor bei uns, gleich rennt er zur Hauswand,
auf einen einzelnen Stein setzt er gezirkelten Schuss.
Nimmt unterdessen ein Spieler den Ball verkehrt an, verstolpert,
wirft er den seinen sich zu, rollt auf dem Rücken ihn ab,
hebt ihn überkopf mit äußerst lässigem Fersschwung,
beugt sich zurück und bekommt tanzend das Ding auf die Brust.
Unser Torwart ist schwach und fängt nicht sicher. Gleich schießt er
wild in die Luft und fängt einhändig, liegend und links.
Uns misslingen die Kopfbälle oft. Er sieht es und köpfelt
eins und eins und noch eins fünfzehn Minuten und mehr.
Schade, dass wir so selten foulen, sonst hätte er längst schon
selbst sich ein Bein gestellt, läg eleganter im Dreck
als wir es jemals vermöchten. Indessen, er schaut unserm Spiel zu,
schaut, macht’ s besser und schaut, macht es uns nach und uns vor.
Lösen wir auf unser Spiel, längst dürstend nach kühlendem Biere,
jetzt, wenn keiner mehr schaut, schleicht er zur Abendmilch heim.

Thema: Epigramme | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Epitaphe d’un fonctionnaire

Sonntag, 17. Mai 2009 15:57

© 2007 traduction Danielle Fiedler-Rasson

Ma position n’est pas correcte. Même la profondeur de la fosse
ne correspond pas à la norme. Et en plus: cet entourage
est vraiment vexant: pas de médecin, pas même
un fondé de pouvoir à côté de moi. Oh! Seigneur!
toi qui connais les voies hiérarchiques, serais-tu jaloux de mon état?
Ce n’est guère possible: tu te fais donc, toi aussi, une plus haute idée de la retraite!

Thema: Epigramme | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck