Mittwoch, 24. Juni 2009 7:38
Lemma [Kunstwort aus Tetraeder und schwedisch Paket = Schachtel]
Definition: Markenname des weltweit eingesetzten Verbundverpackungssystems mit Konservierungseigenschaften für verderbliche Güter wie Milch, Saft usw.
Inhaltsverzeichnis
Die Erfindung der Marke
Von der luftdichten zur aseptischen Verpackung
Tetraeder und Oktoeder
Aufstieg zum Welt-Konzern
Nachhaltigkeit und Recycling
Weiterführende Literatur
Weblink
Die Erfindung der Marke
Als in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs noch das Einwecken als die beste Methode zum Konservieren verderblicher Lebensmittel propagiert wurde, arbeitete in südschwedischen Lund bereits ein Team von Chemikern und Ingenieuren in der Verpackungsfirma Akerlund & Rausing an einer neuartigen
Verpackung auf der Basis von Karton. 1943 gelang es ihnen, Papier mit einer hauchdünnen Kunststoffschicht zu überziehen, die die geforderten Konservierungseigenschaften besaß - die Grundvoraussetzung einer speziell für Flüssigkeiten einsetzbaren Verbundverpackung. Diese bestand in einem runden mit Milch befüllten, inwendig mit Polyethylen beschichteten Kartonrohr, das in gleichen Abständen um jeweils 90 Grad verdreht und dann luftdicht abgeklemmt wurde. Die auf diese Weise entstehenden befüllten Behälter hatten die Form von stabilen Tetraedern.
1951 gründete Firmeninhaber Dr. Ruben Rausing (1895-1983) zusammen mit dem Chemiker Erik Wallenberg (1915-1999) in Lund die Firma Tetra Pak AB - als Tochtergesellschaft von Åkerlund & Rausing - , um diese Verpackungstechnologie marktfähig zu machen. Doch erst nachdem der Ingenieur Harry Järund die dazu notwendige Maschine zur Produktionsreife gebracht hatte, konnte das Tetra Pak-System der Öffentlichkeit am 18. Mai 1951 der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Im September 1952 wurde die erste Abfüllanlage an eine ortsansässige Molkerei ausgeliefert, die damit pro Tag 10.000 Einheiten einer 100ml-Sahne-Packung herstellte.
Je nach zu verpackendem Inhalt wurde die Beschichtung später modifiziert, etwa durch eine zusätzliche hauchdünne Aluminiumfolie, die besonders lichtundurchlässig war, um Säfte besser zu schützen. Bekanntschaft mit dem Tetraeder machten große Teile der bundesdeutsche Bevölkerung aber erst gut 15 Jahre später, als die Firma Sunkist 1969 mit kleinen Fruchtsaft-Pyramiden auf den Markt kam. Beigeklebt war ein Trinkhalm, der durch ein vorperforiertes Loch zu stecken war. Die neue Verpackung erfreute sich vor allem Schulkindern großer Beliebtheit, da der Tetraeder immer sicher stand.
Von der luftdichten zur aseptischen Verpackung
Bis Ende der fünfziger Jahre gab es immer wieder Probleme mit der Dichtheit der oft als „Picasso-Euter” verspotteten Tetraeder. Hinzu kamen deren begrenzte Transport- und Stapelfähigkeit, die spezielle Hexagonalkörbe erforderten. Grenzen des Systems zeigten sich auch bei Verpackungseinheiten im Volumen von einem Liter und darüber.
Dennoch wurde das Tetra Pak System schon 1959 in über 30 Länder exportiert. Keine andere Verpackungsform entsprach dem in dieser Zeit sich rasant ausbreitenden Selbstbedienungsprinzip besser als Tetra Pak.
Mitte 1961 gelang es erstmals, während des Verpackungsprozesses mittels steriler Heißluft eine aspetische Milch zu erzeugen. Dazu wurde diese kurzzeitig auf 130 bis 155 Grad erhitzt (sogenannte UHT-Behandlung), wodurch ihre Lagerfähigkeit auch bei Zimmertemperatur auf drei bis fünf Monate gesteigert werden konnte.
Tetraeder und Oktoeder
Als in den frühen sechziger Jahren norwegische und us-amerikanische Konkurrenten (Purepak; Elopak) erstmals mit kubischen Giebeldach-Verpackungen auf den Markt drängten, wie sie noch heute zur Verpackung von Frischmilch Verwendung finden, forcierte man in Lund parallel mit der Weiterentwicklung der aseptischen Verpackungstechnik die Entwicklung des ziegelsteinförmigen Tetra Brick. Dieser kam 1963 auf den Markt, war aber wie der Tetraeder in den Anfangsjahren nicht immer dicht. Im Gegensatz zu den Giebeldachverpackungssystemen der Konkurrenz war der Tetra Brick mit seinen Bodenabmessungen von 100 x 66,7 mm exakt auf die Europapalette (80 x 120 cm) zugeschnitten und damit diesen im Hinblick auf Stapel- und Transportfähigkeit deutlich überlegen. Maschinen für den Brick aseptic wurden erstmals 1969 ausgeliefert.
1986 erschien der Prototyp eines Tetra Brick mit einer wiederverschließbaren Kunststoffkappe, doch erst in den späten neunziger Jahren löste der weiterentwickelte Tetra Top den zuvor immer noch aufzuschneidenden Tetra Brick als Standard-Verpackung ab.
Heute ist der Begriff Tetra Pak trotz großer Konkurrenz zum Synonym für das Verbundverpackungssystem schlechthin geworden.
Aufstieg zum Welt-Konzern
Allein zwischen 1970 und 1985 eröffnete Tetra Pak weltweit 17 neue Fabriken.
1992 übernahm das Unternehmen mit Alfa Laval einen Hersteller von Melkmaschinen und erreichte dadurch in Westeuropa eine marktbeherrschende Stellung, was ihm eine Strafe von 144 Millionen DM vonseiten der EU-Wettbewerbskommission bescherte. 2003 erzielte man mit 21.000 Mitarbeitern in 165 Ländern einen Umsatz von fast 7,5 Milliarden Euro, wovon etwa 62 % auf Getränkekartons für Milch entfielen.
Nachhaltigkeit und Recycling
Heute werden weit mehr als 100 Milliarden Tetra Paks jährlich gepresst, befüllt, verkauft, geleert und entsorgt. Dennoch wird die Verbundverpackung, die zu 75% aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz besteht, vom Umweltbundesamt wie die Mehrwegsysteme als „ökologisch vorteilhaft” und damit pfandfrei eingestuft, da sie leicht ist, zusammengefaltet wenig Volumen hat und sich ihre Aluminium- und Kunststoffbestandteile relativ leicht voneinander trennen lassen.
Weiterführende Literatur:
Lars Leander: Tetra Pak. Eine Vision wird Wirklichkeit. Die andere Unternehmensgeschichte, Lund 1995
Tetra Pak und die Kunst, Hochheim am Main, o.J.
Heike Leitschuh-Fecht: Nachhaltig die Zukunft managen. Pioniere in globalen Unternehmen. Porträts und Hintergründe, Bern 2005
Marcus Lüppens: Der Markendiamant. Marken richtig vermarkten. Mit Fallbeispielen: Bosch, Lacroix, Nestlé, Opel, Sparkassen Finanzgruppe, Tetra Pak, Wiesbaden 2006
Weblink: www.tetrapak.de
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