Archiv der Kategorie: 'PR & Propaganda'

Welttheater. Kommunikationstheorie und -geschichte der Weltausstellungen

Freitag, 30. April 2010 14:39

© 1999/2010 Dirk Schindelbeck

Der folgende Essay ist eine Aktualisierung und Weiterführung meines aus Anlass der bevorstehenden Expo 2000 in Hannover geschriebenen Textes. (abgedruckt seinerzeit in: Universitas. Zeitschrift für interdisziplinäre Wissenschaft, 54. Jg., Heft 11/1999, S. 1069-1082). Er rekapitulierte die damals 150-jährige Geschichte einer Institution, die vor allem der Selbstinszenierung der westlichen Industriegesellschaften diente. Es scheint, dass diese Institution, die vor allem in den 80er Jahren des 20. Jhts. als obsolet erschien, mit dem Erstarken des asiatischen Wirtschaftsraums wieder an Attraktivität gewinnt. Das soeben eröffnete gigantische Weltausstellungsspektakel in Shanghai ist dafür ein eindeutiger Beleg. Gleichwohl hat der Aufsatz von 1998/99 kaum etwas von seiner Aktualität verloren, weil er strukturelle Aspekte dieser Großereignisse im Sinne einer globalen Kommunikationstheorie herauszuarbeiten versucht, die sich aus ihrer Geschichte speist und gerade deshalb Einblicke hinter die Kulissen des nicht enden wollenden Welttheaters „Weltausstellung” zu geben vermag.

Erinnerungsheft an die EXPO 1958 in Brüssel mit (visionärem?) Asien-Motiv

Erinnerungsheft an die EXPO 1958 in Brüssel mit (visionärem?) Asien-Motiv

Die soeben eröffnete Weltausstellung in Schanghai führt die nunmehr 160-jährige Tradition der Weltausstellungen weiter. Stets waren diese Großveranstaltungen Ausdruck ihrer Epoche wie auch der jeweils vorherrschenden Version vom „Projekt Zukunft”. Verschiedenste Regimes haben mittels Weltausstellungen versucht, ihre nationale Idee zu präsentieren. Hier wurden technische wie soziale Entwicklungstendenzen sichtbar, begründeten sich wirtschaftliche Erfolge ganzer Industriebranchen und neuer Produkte, und nicht zuletzt prägte und prägt bis heute ihre spektakuläre Architektur das Gesicht vieler Metropolen.

Gänsespiel für Kinder zur Pariser Weltausstellung 1900

Gänsespiel für Kinder zur Pariser Weltausstellung 1900

[weiter...]

Thema: PR & Propaganda | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Propaganda mit Gummiballons und Pappraketen

Montag, 14. Dezember 2009 16:53

Zum deutsch-deutschen Flugblattkrieg nach dem Bau der Mauer

© 1995 Dirk Schindelbeck

Im Sommer 1959 fuhr ich - sieben Jahre alt - mit meinen Eltern nach West Berlin, um einen Onkel zu besuchen. So gründlich meine Erinnerungen an den Aufenthalt auch verblasst sind, die obligatorische Stadtrundfahrt, die natürlich auch in den damals noch nicht abgetrennten Ostteil der Stadt führte, ist mir noch heute präsent. Als wir die Sektorengrenze passiert hatten und an den ersten grauen Häuserblocks vorbeifuhren, platzte ich ungeduldig heraus: „Und wo sind die Russen?“ Die Erwachsenen im Bus lachten. Ihre unvermutete Reaktion erweckte in mir die Lust, das Spielchen zu wiederholen, und bald hieß es an jeder dritten Straßenecke: „Wann kommen denn endlich die Russen?“

Bundeswehr-Propaganda-Ballon wird mit Gas befüllt (Quelle: Bundesarchiv-Militärarchiv)

Bundeswehr-Propaganda-Ballon wird mit Gas befüllt (Quelle: Bundesarchiv-Militärarchiv)

[weiter...]

Thema: PR & Propaganda | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Public Relations und Propaganda

Samstag, 20. Juni 2009 13:10

© 1997-2008 Dirk Schindelbeck

In dieser Rubrik finden Sie Arbeiten zum Thema Public Relations (Öffentlichkeitsarbeit) und Propaganda. Hierzu gehören im Endeffekt auch alle Texte aus dem Buch “Haste was, biste was!” Werbung für die soziale Marktwirtschaft!”, insbesondere die grundlegenden theoretischen Überlegungen im Kapitel “Eine gesellschaftsethische Therapeutik entwickeln. Die WAAGE im Dschungel der Massenbeeinflussungstheorien” oder die Ausführungen im Kapitel “Klassenkampf mit Inseraten”. Des weiteren gehören hierhin auch Arbeiten zum in der deutschen Massenbeeinflussungsgeschichte immer wieder auftauchenden Thema Gemeinschaftswerbung, ebenso die Überlegungen und Konzepte vieler Wernetheoretiker, die selbst kaum einen Unterschied darin gesehen haben, ob sie werbefachlich oder propagandistisch tätig waren: so schrieb etwa Hans Domizlaff nicht nur Bücher über Markentechnik, sondern auch über “die Propagandamittel der Staatsidee”. Hierzu finden Sie in der Rubrik “Galerie deutscher Werbefachleute” reiches Material. Schließlich können und sollen beim Thema PR/Propaganda auch Veranstaltungen und Aktivitäten im öffentlichen Raum nicht ausgeklammert werden wie etwa die Errichtung eines nationalen Symbols wie der Wahalla im 19. Jahrhundert oder die großen Weltausstellungen der Moderne ab 1851. Solche Zugänge eröffnen z.B. meine Aufsätze zum ThemaWelttheater. Zur Kommunikationsgeschichte der Weltausstellungen oder “1958: Weltausstellung als Propagandabühne”. weltausstellung_1958 (PDF, 6 S.)

Geschichte der Gemeinschaftswerbung. Von der Weimarer Republik bis in die siebziger Jahre (aus: C. Wischermann, P. Boscheid: K. Ellerbrock: Unternehmenskommunikation im 19. und 20. Jh., Dortmund 2000)

längere, bilderreiche Fassung (aus: Trödler. Das Markt- und Sammlermagazin, Nr. 9/2009) gemeinschaftswerbung (PDF)

kürzere, journalistische Fassung

Zwischen Wirtschafts- und Raketenwunder. Vom Sängerkrieg über den Stacheldraht (aus: M. Gibas/D. Schindelbeck (Hg.):  “Die Heimat hat sich schön gemacht!” 1959: Fallstudien zur deutsch-deutschen Propagandageschichte)

In der Propaganda-Werkstatt. Beeinflussungalltag in den Junkers-Flugzeug-Werken zwischen 1942 und 1944/45

Propaganda mit Gummiballons und Pappraketen. Zum deutsch-deutschen Flugblattkrieg nach dem Bau der Mauer (aus: G. Diesener/R. Gries: Propaganda in Deutschland, Dramstadt 1996).

anders gewichtete Darstellung unter Einbeziehung der Aktivitäten der Staatssicherheit (PDF, aus Forum Schulstiftung 49)

kürzere, journalistische Darstellung der Ballontruppen mit viel Bildmaterial Neckermanns Botschaft (PDF, 6 S., aus: Damals, 7/1997)


Thema: PR & Propaganda | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Über alle Systeme hinweg: Zur Geschichte der Gemeinschaftswerbung in Deutschland

Mittwoch, 17. Juni 2009 14:13

© 2001  Dirk Schindelbeck

Über kaum eine andere Werbeform ist soviel geschrieben worden wie über Gemeinschaftswerbung. Doch das Lieblingskind der Theoretiker stellte sich für die Werbepraktiker immer wieder als Sorgenkind heraus: allzu oft kamen Anspruch und Wirklichkeit nicht zusammen. Wenn z.B. Arthur Keller 1955 leichthin definierte: „Gemeinschaftswerbung stellt das bewusste oder nicht bewusste Tun und Lassen einer Zweckgemeinschaft auf dem Gebiet der Marktbeeinflussung dar”, so sah er sich schon im nächsten Satz gezwungen, auch den hohen Preis zu nennen, den alle Beteiligten dafür zu entrichten hatten, nämlich „auf einen Teil ihrer Selbstständigkeit zugunsten der gemeinsamen Interessen zu verzichten.” In der Tat überwog selbst bei gutwilligen Unternehmern immer wieder der Argwohn, bei solchen Werbemaßnahmen zu viel zu geben und zu wenig dafür zu bekommen. Hinzu kamen fundamentale markentechnische Bedenken, wie sie Hans Domizlaff schon 1939 formulierte: „Jede Gemeinschaftswerbung muss von Anfang an darauf verzichten, die propagierte Ware eindeutig und scharf mit einem einzigen Markennamen zu bestimmen. Das macht die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens unmöglich.” Und dennoch hatte die Gemeinschaftswerbung in Deutschland ihre ganz große, ihre goldene Zeit, und dies noch dazu in den entgegengesetztesten Gesellschaftssystemen: zwischen 1925 und 1965. Eine Antwort auf die Frage, was solche Aktionen warum und wie entstehen ließ, kann nur aus der Analyse der gemeinschaftsstiftenden Faktoren erwachsen. [weiter...]

Thema: PR & Propaganda | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Geschichte der Gemeinschaftswerbung

Mittwoch, 17. Juni 2009 13:57

Von der Weimarer Republik bis in die Bundesrepublik der siebziger Jahre
© 2000 Dirk Schindelbeck

„Zwei Worte - ein Bier!”; „Öfter mal was Neues!”; „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft”; „Blumen und der Mensch blüht auf”: Slogans, die jeder von uns kennt und die sich wie geflügelte Worte ins kollektive wie individuelle Gedächtnis eingebrannt haben. Was sich jedoch gleichzeitig mit ihnen nicht abgespeichert hat, ist ein Bewusstsein davon, dass es sich hierbei um eine ganz besondere Werbeform handelt: Gemeinschaftswerbung. [weiter...]

Thema: PR & Propaganda | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck