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Dirk Schindelbeck » Reklame & Werbung

Archiv der Kategorie: 'Reklame & Werbung'

Syndetikon klebt, leimt, kittet alles…

Donnerstag, 16. Juni 2011 16:28

Das UHU unserer Urgroßväter

© 2007/11 Dirk Schindelbeck

...kittet alles, selbst Planeten...

...kittet alles, selbst Planeten...

In ihrer 1894 erschienenen Humoreske „Syndetikon” erzählt Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem (1854-1941), eine der erfolgreichsten Modeschriftstellerinnen der Kaiserzeit, die Geschichte eines „geleimten Liebhabers”.

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Mit weiblicher List und der sagenhaften Klebekraft von Syndetikon gelingt es Komtesse Käthe, einen ungeliebten Verehrer an einen Ledersessel so lange zu fixieren, bis sich die Verwicklungen ihrer wahren Liebschaft geklärt haben. Zum ersten Mal in der deutschen Literaturgeschichte war ein Markenprodukt zum Titel eines literarischen Werkes gewählt worden. Damit nicht genug: Mehrfach wurde der Slogan „Syndetikon klebt, leimt, kittet alles” darin von verschiedenen Personen wiederholt, allerdings auch auf den penetranten Geruch hingewiesen, den der Alleskleber entfaltete. [weiter...]

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„Lieber Herr Flieger! Schreiben Sie doch einmal Ursel… So heiße ich..“

Freitag, 20. Mai 2011 12:09

Aufstieg und Fall der Himmelsschreiber von Henkel

© 2008 Dirk Schindelbeck

„Der Potsdamer Platz bot für einige Minuten ein Bild absoluter Ruhe, und straßauf und straßab hielten Autos und Straßenbahnen, gestikulierten aufgeregte Menschen. (…)  Dolle Gerüchte entstanden: Weltuntergang, Kriegsgefahr, Pestankündigung…“ Der Werbeleiter der Firma Henkel, Paul Mundhenke, war begeistert. Wie von Geisterhand geschrieben standen die Worte „Hallo Berlin!“, von zwei Flugzeugen produziert, deutlich lesbar im stahlblauen Himmel über der Hauptstadt: „Kurz nach ½ 7 Uhr endlich erreichte die Spannung die höchste Steigerung, als wiederum hoch droben ein silberner Vogel seine Kreise zog und des Rätsels Lösung brachte. Mit dem Erscheinen des Wortes Persil war der Bann gebrochen, und der Strom fröhlicher Spaziergänger zog weiter – sprach von Persil und zerbrach sich den Kopf über das Wesen dieses Wunders…“

Werbefaltblatt zur Himmelsschreiber-Aktion von 1927

Werbefaltblatt zur Himmelsschreiber-Aktion von 1927

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Die Geburt des Markenartikels aus dem Geist der Apotheke

Dienstag, 26. April 2011 8:37

© 2005/11 Dirk Schindelbeck

Schon die Kleinsten wissen heute ganz genau, was eine Marke ist: ein Image, ein Zeichen, eine Vorstellung. Markenartikel sind Qualitätswaren, die an vielen Orten in gleichbleibender Qualität zu stets demselben Preis zu kaufen sind. Mit großer Selbstverständlichkeit bezieht sich unsere Wahrnehmung alt dessen, was „Marke” sei, ausschließlich auf industriell hergestellte Dinge. Gleichwohl sind die Bestrebungen, sich über seine Produktionen einen „guten Namen” zu erarbeiten, sehr viel älter. Künstler und Schriftsteller arbeiteten von jeher als Propagandisten in eigener Sache. Johann Wolfgang von Goethe etwa inszenierte sein Image überaus geschickt, sodass die Erzherzogin von Sachsen-Weimar bereits 1818 „die einheimischen Erzeugnisse der Einbildungskraft und des Nachdenkens” pries: Ihr erschienen die Werke der ortsansässigen Dichter gewissermaßen als Markenartikel.

Odol Anzeige aus "Die Jugend" (1906)

Odol Anzeige aus "Die Jugend" (1906)

Als sich in der Hochphase der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert die technisch serielle Produktionsweise mit Macht durchsetzte, verlangten auch die Ingenieure danach, einem Millionen-Publikum ihre Erfindungen möglichst effektvoll zu präsentieren. Geeignete Bühnen, auf denen sich die industriell hergestellten Wunderwerke gut inszenieren ließen, wollten gefunden sein. Diese Funktion übernahmen die seit 1851 durchgeführten Weltausstellungen. Sie sorgten dafür, dass sich in der allgemeinen Wahrnehmung bestimmte Vorstellungen von Produkt Qualitäten verfestigten, wie sie noch heute in so klangvollen Namen wie Thonet, Bell und anderen lebendig sind. [weiter...]

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Gerd Grimm - zum 100. Geburtstag

Mittwoch, 10. November 2010 12:17

Mode, Mädchen. Metropolen

© 2010 Dirk Schindelbeck

Weitere Informationen und vor allem mehr Bildmaterial finden Sie auf den Seiten der  grimm-foundation; hier finden sich auch diverse Texte zu speziellen Arbeitsgebieten Grimms.

Zur englischen Version dieses Artikels bitte hier klicken.

Gerd Grimm im Jahr 1954

Gerd Grimm im Jahr 1954


1  Renaissance der Modezeichnung

2 Ein Modezeichner aus Deutschland

3 Uneitel und arbeitsbesessen

4 Überleben als „Halbjude” in der NS-Zeit

5 Neue Perspektiven nach dem Krieg

6 Als Gebrauchsgrafiker im Wirtschaftswunder-Deutschland

7 Das Reval-Engagement und seine Folgen

8 Weltreisen und Menschenbilder


1  Renaissance der Modezeichnung

Über Jahrzehnte hin schien sich die Modezeichnung als grafische Gebrauchskunst überlebt zu haben. Doch nachdem René Gruau (1909-2004), dem Grafiker Christian Diors, im Musee de la Mode et du Costume in Paris 1989 eine erste Retrospektive gewidmet worden war, ist das Interesse an ihr wieder kontinuierlich angestiegen. Die Ausstellung damals vermochte nicht nur erstmals Profil und Qualität eines Werbegrafikers einem größeren Publikum vor Augen zu führen, „sondern dokumentierte auch die Wertschätzung der Mode und ihrer Darstellung im Bild als Kunst.” (Birgit Liesenklas) Heute kann man von einer kleinen Renaissance der Modegrafik sprechen.

Gerd Grimm: Modezeichnung (1950)

Gerd Grimm: Modezeichnung (1950)

Bereits in den neunziger Jahren tauchten auch wieder verstärkt Modegrafiken in Werbeanzeigen auf. Zwar wolle, wie Donald Schneider, Artdirector bei Paris Vogue, feststellte, das Publikum stets das reale Kleidungsstück sehen, wozu seit Jahrzehnten die Fotografie das adäquate Mittel zu sein schien: „Wenn es jedoch darum geht, eine Einstellung oder einen Stil auszudrücken, dann stellen Zeichnungen ein ebenso effektives Kommunikationsmittel dar. Und da es so lange vernachlässigt wurde, wirkt es nun frisch und unverbraucht, fast wie eine ‚neue Darstellungsart’”.

Gerd Grimm: Modegrafik (1950)

Gerd Grimm: Modegrafik (1950)

Natürlich haben auch Modezeichnungen in erster Linie mit Kleidung zu tun, aber es geht dabei längst nicht nur um „Stoffe”. Eine Modezeichnung fängt auch die Haltung, die Lebenseinstellung und die Stimmung ein, sei es ohne Hintergrund oder in einer betont modischen Umgebung oder einfach nur andeutungsweise. Eine Modezeichnung ist suggestiv, anregend. So verstanden, präsentiert sich Mode als romantische Fiktion, die uns verblüfft, verzaubert und verlockt, als visueller Luxus.

2 Ein Modezeichner aus Deutschland

Wie die Mode selbst ist auch die Modezeichnung ein internationales Phänomen, das im Umfeld der großen Modemetropolen wie Mailand, New York oder Paris gedeiht. Vor allem Paris mit seiner Haute Couture bot als genius loci dazu von jeher ideale Voraussetzungen. Und nur hier konnte René Gruau zusammen mit Christian Dior groß und bekannt werden.

Solche Rahmenbedingungen hatte ein Gerd Grimm nie, obwohl auch er als einer der Großen seines Faches gelten darf - neben George Lepape, Paul Iribe, Jean Patou oder Elsa Schiaparelli. Für den deutschen Sprachraum kann er sogar als singuläre Erscheinung gelten. Branchenkenner und Kollegen haben das stets erkannt. Schon 1951 schrieb Eberhard Hölscher in der Fachzeitschrift „Graphik”, Grimm gehöre „zu jenen wenigen deutschen Gebrauchsgrafikern, die sich mit Sicherheit auf dem internationalen Parkett zu bewegen verstehen.” Und die Modezeichnerin Gi Neuert bekannte: „Wir bewunderten seinen Strich, seine Eleganz und Leichtigkeit”. Dennoch ist Gerd Grimm der breiteren Öffentlichkeit bis heute so gut wie unbekannt geblieben. Warum?

Gerd Grimm: Akt (1990)

Gerd Grimm: Akt (1990)

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„Amerikanische Reklame” ‑ „Deutsche Werbung”

Montag, 25. Oktober 2010 8:09

Zur Entwicklungsgeschichte eines transatlantischen (Konkurrenz‑) Verhältnisses von 1900 bis 1970

© 2008 Dirk Schindelbeck

Cary Grant steigt aus dem Aufzug. Wie immer sieht er blendend aus, gut gekleidet, selbstbewusst, ein Charmeur alter Schule. Während er durch die Empfangshalle des Hotels eilt, gibt er seiner Sekretärin letzte Anweisungen für einige Geschäftsbriefe. Draußen wartet das Taxi, das ihn auf einen mysteriösen Landsitz entführen wird.

Die Anfangsszene des Hitchcock‑Films „Der unsichtbare Dritte” präsentiert uns das Bild eines amerikanischen Werbefachmanns. Kein Zweifel: Er ist eine respektable Persönlichkeit, ein seriöser Geschäftsmann wie jeder andere des produzierenden Gewerbes auch. Welche Figur gibt dagegen ein deutscher Werbefachmann ab? Und bleiben wir in den fünfziger Jahren, als dieser Hitchcock‑Film entstand. Hätte er der Held eines Kriminalfilms sein können? Sicherlich nicht. Der deutsche Werbefachmann war als eigenständige, ja eigenwertige Figur im Bewusstsein der Öffentlichkeit nicht existent. Vom deutschen Werbefachmann erwartete man, dass er hinter den Kulissen blieb und dort unbemerkt seiner Tätigkeit nachging. Während sein amerikanischer Kollege sich ins Licht stellen durfte, sollte er das Licht scheuen, ja sein Licht unter den Scheffel stellen. [weiter...]

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Gerd Grimm (1911 - 1998)

Mittwoch, 29. September 2010 7:08

Fashion - Young Women - Mega Cities

Life and works of a German graphic artist - Hommage to his 100 th birthday in Oct 2011

© 2010 Dirk Schindelbeck: text

See also the exposition of Grimm’s graphics from 13.11.2010 to 20.02.2011 in the kunsthalle Riegel/Kaiserstuhl. A catalogue has appeared and is available (12,80 Euro, ISBN 978-3-923288-73-1)

messmer_grimm_katalog_2010

German version of the following text klick here, please

Gerd Grimm: Modegrafik (1947)

Gerd Grimm: fashion graphic (1947)

Gerd Grimm was one of the masters in a very particular metier. Born in 1911 in Karlsruhe, he is - like George Lepape, Paul Iribe or René Gruau - one of  the outstanding graphic artists for fashion of the 20th century. He can be described as unique in German speaking countries. His colleagues and those knowing the field have always acknowledged: “We admired his dash, his elegance and his ease.” (Gi Neuert) But why did Gerd Grimm remain almost unknown to the public during all those years?

Gerd Grimm im Jahr 1954

Gerd Grimm in 1954

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Reklame & Werbung

Freitag, 30. April 2010 8:21

In dieser Rubrik finden Sie Texte zum Thema “Alte Reklame” bzw. “Werbung”. Bis heute ist sich die Kultur- bzw. Kommunikationswissenschaft nicht einig darüber, wann “Reklame” sich zu “Werbung” wandelte. Viele sehen in der Umbenennung der gleichnamigen Fachzeitschrift durch die Nationalsozialisten 1935 in “Deutsche Werbung” den entscheidenden Paradismenwechsel, andere plädieren für eine Verwendung des Begriffs Werbung erst für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Andererseits gab es schon vor dem Ersten Weltkrieg Dienstleister, die sich im vollen Bewusstsein in Absetzung von Reklameschreierei “Werbeanwalt” nannten, wie umgekehrt eins der bekanntensten Gedichte Ingeborg Bachmann von 1953 noch unter dem Titel “Reklame” figuriert.

Sinnvoller erscheint es dagegen, Phänomene  der werblichen Kommunikation strukturell zu ordnen: also Werbeformen (z.B. Emailschilder, Werbefilme usw.) von ihrern Erzeugnern (z.B. Werbeberater, Grafiker usw.) sowie den beworbenen Produkten selbst zu trennen.

Innovative Werbemethoden, -mittel und -wege

Galerie deutscher Werbefachleute

Untergegangene Produkte

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“Kein Vergnügen ohne Revolver”

Montag, 7. Dezember 2009 16:16

Aus der Frühzeit der Zeitungsannonce

© 2009 Dirk Schindelbeck

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1879 erscheint in der Tagespresse eine Handzeichnung mit einem balladenartig-versifizierten Text, einen dreisten „Raubüberfall im Thiergarten” darstellend. Solche Präsentationen außergewöhnlicher Ereignisse ist das Lesepublikum im späten 19. Jahrhunderts gewohnt. Sie finden sich vornehmlich in den Illustrierten Bilderbogen (Neuruppiner, Deutsche, Münchner Bilderbogen etc.) der Zeit, sind überaus beliebt für alle Arten erbaulicher und belustigender, skurriler und moralisierender Geschichten.

In Bildtextkompositionen nach Bilderbogenmanier haben Verse die Funktion, ein gewisses literarisches Qualitätsniveau anzuzeigen; ein Gegenstand, der so behandelt wird, hat Wertigkeit, ja Würde. Im vorliegenden Fall wird dadurch zudem lange verdeckt, dass es sich hier um eine Reklame handelt. Zu breit und gewichtig erscheint die Geschichte, aus der sich erst allmählich der werbende Charakter einer Annonce herausschält.

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Kukirol: Fortsetzung Teil 4

Sonntag, 16. August 2009 15:21

Und ein drittes Mal kehrte Dr. Unblutig zurück, elf Jahre nach dem Tod seines Textvaters Iversen und nunmehr von seinem Sohn Olaf (1900-1956) aus seiner ersten Ehe (der als Karikaturist beim Simplicissimus einige Bekanntheit erlangen sollte) getreu nach den alten Vorgaben umgesetzt, sodass ihn die „ältere Generation“ auf Anhieb wiedererkennen konnte. In Erinnerung an die „guten alten Zeiten“ versuchte der Arztgnom ab August 1952 von seinem vermeintlichen Bekanntheitsbonus zu zehren und so seinen Relaunch ins Werk zu setzen, denn „was während der ersten Jahre erlebt wurde, ist so kurzweilig und spannend, dass es von Millionen verschlungen würde, wie einst die Inseraten-Serien von Frau Schnatterich und Herr Piedecubiste…“

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Anzeigenseite aus Quick, August 1952

Doch schon die neue Produktpalette zeigte deutlich, dass das Hauptinteresse der inzwischen in Weinheim an der Bergstraße ansässigen Firma längst nicht mehr auf dem Hühneraugenmittel Kukirol lag – längst hatten Zahnpflege-Produkte (vor allem die Haftcreme Kukident) ihm die Bedeutung als Brot-und-Butter-Artikel abgelaufen. Auch wenn man dennoch eine Zeit lang versuchte, aus Dr.-Unblutig eine zeitgemäße Comic-Figur – etwa nach dem Muster Nick Knattertons – zu machen, musste man doch einsehen, dass ihr Bekanntheitsgrad für eine echte und nachhaltige Wiederbelebung im Publikum nicht mehr ausreichte. Mitte der fünfziger Jahre schließlich verschwand Dr. Unblutig für immer aus den Anzeigenspalten.

Dr. Unblutig im Stil Nick Knattertons

Dr. Unblutig im Stil Nick Knattertons, gezeichnet von Olaf Iversen

15. Lehren aus einer dahingeschiedenen Werbefigur

So sehr Dr. Unblutig als Musterbeispiel für den lauten, mitunter bizarren Reklamestil der zwanziger Jahre stehen kann, so sehr zeigt sein Schicksal auch exemplarisch, welche strukturellen Probleme (bis heute) die Verwendung von Werbefiguren in sich birgt.

Der "wirkliche" Dr. Unblutig

Der "wirkliche" Dr. Unblutig (Anzeige 29.8.1926)

1.) Eine Werbefigur, die zugleich als (reale) Autoritäts- und als (gezeichnete) Witzfigur fungieren soll, hat ein fundamentales Kommunikationsproblem. Klaus Brandmeyer hat Werbefiguren einmal in vier Kategorien unterteilt: Erlöser (deus ex machina), Vorbilder (z.B. Frau Sommer), Lehrer (z.B. Dr. Best) und Kobolde. Der reale Dr. Unblutig in seiner Weltreisevilla sollte als Lehrer fungieren, der gezeichnete war - als Karikatur eines Arztes - nie mehr als ein Kobold. Diese Bruchstelle im Konzept ist auch der Firma Kurt Krisp nicht verborgen geblieben; mehrfach wurde in Anzeigen auf den realen Dr. Unblutig rekurriert („Dr. Unblutig - wie er wirklich aussieht”). Und dennoch wurde an der Comic-Figur über fünf Jahre hin eisern festgehalten. Diese doppelte Kommunikationsstrategie konnte das Publikum nicht nachvollziehen. Sollte es über Dr. Unblutig nun lachen oder sollte es ihn ernst nehmen? Beide Kommunikationsstrategien neutralisierten einander in ihrer Wirkung.

2.) Sicherlich werden sich Kurt Krisp und Johannes Iversen gefragt haben, warum sich die ungeheure Popularität der Comic-Figur nicht in entsprechend hohen Umsätzen niederschlug. Wir haben hier zum ersten Mal in der Geschichte der deutschen Werbung das Phänomen des Vampir-Effektes. Spätestens im Herbst 1924 war die Comic-Figur des Dr. Unblutig ihrer dienenden Funktion gegenüber dem zu bewerbenden Hühneraugenpflaster entwachsen und hatte in der Wahrnehmung des Publikums ein Eigenleben entfaltet, das sie himmelhoch über das zu bewerbende Produkt hinaustrug. Sie schadete dem Produkt mehr als dass sie ihm nützte. Aus eben diesem Grund ließ man das HB-Männchen Ende der 80er Jahre sterben. Dass Werbefiguren per se die Gefahr in sich bergen, zulasten des beworbenen Produktes zuviel Aufmerksamkeit auf sich (und vom Produkt ab-) zu ziehen, konnten Iversen und Krisp allerdings noch nicht wissen.

3.) Das fundamentale Problem der Kukirol-Werbung bestand darin, dass die Semper-idem-Idee, die bis heute die Seele jedes echten Markenartikels ausmacht und im übrigen das einzige Mittel ist, das Vertrauen des Publikums nachhaltig zu gewinnen, in jeder einzelnen Anzeige schamlos verraten wurde. Auf ihrer Grundlage erfolgte und erfolgt - bis heute - die kontinuierliche und wirksame Bewerbung bekannter Convenience-Produkte großer Hersteller. Bekannte Zigarettenmarken aus dem Haus Neuerburg oder Reemtsma gehörten dazu, Zahnpasten von Beiersdorf oder Lingner (Pebeco; Chlorodont), ebenso Pixavon oder „Elida”, die legendäre Seife  der zwanziger Jahre. Auch wenn sie alle in ihren Anzeigenmotiven ständig variierten, sie veränderten nie auch die scheinbar unwichtigsten Konstanten in ihren werblichen Auftritten. Auch unter diesem Aspekt macht die Kukirol-Kampagne den Eindruck einer Wanderbaustelle, auf der immer wieder Neues ausprobiert wurde - selbst auf die Gefahr hin, bereits erworbenes Vertrauenskapital ungenutzt verfallen zu lassen. So ist zum Beispiel Ende 1924 das stets wiederkehrende Logo samt Hinweis auf die Schutzmarke „Hahnenkopf mit Fuß” - offensichtlich zugunsten des Imperativs „Kukirolen Sie!” - ersatzlos gestrichen worden.

Ein Motiv aus der Elida-Kampagne (1926)

Ein Motiv aus der Elida-Kampagne (1926)

4.) Insgesamt gesehen trug die berühmt-berüchtigste Werbefigur der 20er Jahre alle Kennzeichen eines „verhängnisvollen Jahrmarkt-Stils” (Hans Domizlaff). Einmal die Ressentiment-Trommel angeschlagen gab es für Kukirol von Anfang an nur noch eine Richtung: die Flucht nach vorn, mit einem stets sich steigernden Aufwand an Phantasieeinsatz, in immer spektakulärere, waghalsigere und unglaubwürdigere Kampagnen hinein. Es war nur eine Frage der Zeit, wann der Zusammenbruch dieser Strategie aufgrund von Erschöpfung erfolgen musste. Auf die Dauer kann niemand seine Seriositätsprobleme mit immer neuen Sensationen und Absurditäten kompensieren.

16. “…mit noch nie dagewesenen Texten…”

Selbstverständlich war Iversen selbst in seinem Lehrwerk (2. Buch, S. 57/58) stets des Lobes voll über die Kukirol-Kampagne und pries sie als Musterbeispiel herausragender Reklame: „’Kukirolen Sie!’ Diese freche Benutzung eines Phantasienamens als Grundlage eines Zeitwortes imponierte selbst Gebildeten und wurde infolge steter Wiederholung bald Gemeingut.” Wenig später spricht er sogar vom Durchbruch des “Kukirol-Stils in der Reklame: Als Der, der dies schreibt, die hässlichen Kukirolbilder … mit bisher noch nicht dagewesenen Texten versah, weil es die einzige Möglichkeit war, sie wirksam zu verwerten, und es ein großer Erfolg wurde, erfasste alle Reklamebeflissenen, einerlei, ob sie fähig waren, einen nicht langweiligen Text zu schreiben, oder nicht, der heftige Wunsch, ähnliche Umsatzrekorde zu schaffen.”

Dass der Fall “Kukirol” hingegen eher ein Negativ-Beispiel dessen darstellte, wie man es eben nicht machen sollte, kam bereits in dem oben angeführten Lehrwerk “Erfolgreiche Werbung” von 1935 zur Sprache: “An dem noch nicht allzu weit zurückliegenden geldlichen Zusammenbruch einer bekannten Fabrik für Hühneraugen- und Fußpflegemittel waren zweifellos auch in hohem Maße die Reklameausgaben beteiligt. Es wurde ein wichtiges Grundgesetz der Werbung nicht beachtet, das besagt, dass jede Werbung im richtigen Verhältnis zu der Eigenart des Unternehmens, der Ware und den Absatzmöglichkeiten stehen muss.“

Insofern kann das Urteil über Johannes Iversen als der mit dieser Reklame und ihrem Stil auf Engste verbundenen Person nur so ausfallen: Aus der ersten Generation deutscher Werbefachleute war er der mit Abstand größte Scharlatan, Schaumschläger und Hochstapler seiner Zunft.

Epilog
(von Kurt Tucholsky: Alte Schauspieler, in: Die Weltbühne, 23. März 1926)

„Die Mode von gestern ist lächerlich. Selig, wer das Übermorgen erlebt. Seiner ist das Klassische, ein ewiger Wert ist er geworden, und so geht er ein in die Unsterblichkeit: Fritz v. Unruh, die bekannte Schöpfung des ›Berliner Tageblatts‹; Paul v. Hindenburg, der Vater der Republik; und Kukirol, der Erfinder der schwarzen Füße. Ihrer ist das Himmelreich.”

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Thema: Reklame & Werbung | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Kukirol: Fortsetzung Teil 3

Sonntag, 16. August 2009 15:20

11. Kukirol wirbt - mit Beschimpfungen, Ressentiments und Monströsitäten

Typische Negativ-Kampagne (Januar 1925)

Typische Negativ-Kampagne (Januar 1925)

Lassen wir einige Inserate der Firm Kurt Krisp aus den Jahren 1924 und 1925 Revue passieren: Kukirols wüste Beschimpfungen der Konkurrenz begannen Anfang November 1924. Sie erfolgten in einer Form, die in ihrer Aggressivität bis dahin beispiellos war. Sie richteten sich vor allem gegen den seit 20 Jahren unbestrittenen Marktführer bei den Hühneraugenpflastern „Lebewohl”. Unter der Schlagzeile: „Wer hat sechseckige Hühneraugen?” inspizierte Dr. Unblutig im Januar 1925 in einer Annonce das Konkurrenzprodukt süffisant und machte es in allen seinen Bestandteilen madig, vom „Pflasterkern der Hühneraugenbinde”, der sogar die „gesunden Hautteile” entzünde und „rasende Schmerzen” verursache über „den Filzschutzring”, der den Druck und somit die Schmerzen erhöhe bis hin zum „Heftplasterstreifen”, der sich durch die Fußwärme zusammenrolle und „Nervöse noch nervöser, als sie es schon sind” mache. „Der einzige Vorzug des Konkurrenz-Präparates ist die sechseckige Form des Pflasters. Wenigstens für diejenigen, die sechseckige Hühneraugen haben….”  Iversen, der Werbetexter, war seiner Vitriol-Schreibe treu geblieben und zur Hochform aufgelaufen. Die diskreditierte Konkurrenz wehrte sich - zumindest öffentlich - nicht. Sie tat gut daran und blieb bei ihrer Werbelinie.

Anzeige des "sechseckigen" Konkurrenzprodukts (1926)

Anzeige des "sechseckigen" Konkurrenzprodukts (1926)

Im Februar 1925 kehrte Kukirol resp. Dr. Unblutig zu den Ressentiment-geladenen, ja revanchistischen Affekten, wie sie bereits die Piedecubiste-Annoncen geprägt hatten, zurück. Jetzt inspizierte der Arzt-Gnom eine Einheit der angetretenen Reichswehr: “Rührt euch! Was ich Ihnen mitzuteilen habe, ist als militärisches Geheimnis zu behandeln, sonst könnte es wieder diplomatische Schwierigkeiten geben. Denn bekanntlich hängt die Schlagkraft einer Truppe von ihrer Marschfähigkeit ab. Da nun die Ententekommission in jeder alten Gummiunterunterlage und in jedem Luftkissen eine Gasmaske wittert, besteht die Gefahr, dass sie bei Verwendung der vorzüglichen Kukirol-Präparate bei der Reichswehr eine unzulässige deutsche Rüstungsmaßnahme erblickt und die Zerstörung der Kukirol-Fabrik verlangt. Deshalb rate ich Ihnen: Kukirolen Sie! aber kukirolen Sie heimlich. Die Entente darf nicht wissen, dass der deutsche Soldat keine Hühneraugen und keinen Fußschweiß mehr hat und dass es bei uns kein Wundlaufen der Füße mehr gibt, sonst bekommen es die Sieger wieder mit der Angst…”

Spätestens zur Jahresmitte 1925 konnte keine deutschsprachige Kampagne, noch dazu von einer so kleinen Firma, solch einen Popularitätstriumph feiern wie Kukirol. Offensichtlich bemaß auch Kurt Krisp die Werbewirkung seiner Kampagne am Grad der Publikumsresonanz, die sie erregte. Ihr Unterhaltungswert jedenfalls war unbestritten: diese Anzeigen wurden gelesen. Stets wurde auch daran appelliert, die einzelnen Folgen wie einen Fortsetzungsroman auszuschneiden und aufzubewahren. Und selbst dann, wenn Dr. Unblutig für Monate in der Versenkung verschwand, wurden in der Zwischenzeit Anzeigen mit vergleichbarer Vitriol-Dosis lanciert. Schon im Frühjahr 1924 z.B. eine Serie über „Adolar, den Unbeweibten” mit „sektkorkengroßen” Hühneraugen, wenig später dann „Tante Josephine” („Besitzerin von sechs gut entwickelten hypothekenfreien Hühneraugen, zwei eingewachsenen Nägeln und einer stadtbekannten Warze”), im Frühsommer 1925 schließlich „Bilder zur Zeitgeschichte”, in denen sich Kukirol gar als Kommentator aktueller Finanz-Skandale (Kutisker-Barnat) gerierte. Wenig später gab sich Kukirol sogar als Global Player - als in einer Serie ein alter chinesischer Mandarin auftrat, der die Kolonialpolitik der alten Großmächte China gegenüber scharf kommentierte:

„Seit Jahrzehnten zerbrechen sich unsere uneigennützigen Freunde, die Engländer, unsere edelen Wohltäter, die Amerikaner, die ritterlichen Franzosen und unsere lieben Nachbarn, die Russen, die Köpfe darüber, was zu unserem Wohle noch geschehen könnte. Deutschland, zurzeit machtloseste Großmacht, hat uns kein Ultimatum und keinen Panzerkreuzer geschickt, sondern nur die freundliche Aufforderung: Kukirolen Sie! Von allen Errungenschaften der westlichen Kultur schätzen wir nur das Kukirol…”

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Ein wahres Monströsitätenkabinett führte im Sommer 1925 schließlich die Serie „Eheirrungen in der Tierwelt” vor; anhand skurriler Grafiken wurden die phantastischsten Tierkreuzungen vorgeführt wie das Kamelkrokodil, die Heringskuh oder der Mückenelefant. Der Anzeigentext des letzteren zeigt, welche Verrenkungen der Text unternahm, um von diesem an den Haaren herbeigezogenen Aufhänger zur Produktanpreisung zu gelangen:

„Dem bekannten Afrikaforscher Knatterbull ist es gelungen, in der Nähe des Wendekreises in den Gebieten der Negerstämme der Dämelacks und der Kanaphagen ein bislang unbekanntes Tier zu entdecken und es lebend nach Europa zu bringen: den Mückenelefanten (elephas müccensis Knatterbulli).
Dieses Tier, dessen bizarre Formen dem entzückten Forscherauge so manchen Liebreiz bieten, scheint seine Entstehung dem Umstand zu verdanken, dass die Kanaphagen die Dämelacks unterjocht haben und bestrebt, ihnen das recht fühlbar zu machen. Ihre Medizinmänner verwandeln deshalb jeden Mückenschwarm, den sie im Bereiche der Dämelacks entdecken, durch sogenannten faulen Zauber in eine Elefantenherde und verlangen davon neue Tribute. Durch die oftmalige Wiederholung hat sich dann eine Zwischenform von Mücke und Elefant herausgebildet, dessen Konstruktion, was das Untergestell betrifft, als nicht wohlgelungen bezeichnet werden kann.
Hagenbeck in Hamburg, bei dem das Tier einstweilen verpflegt wird, hat sich deshalb die gesamte Literatur über Kukirol bestellt und im Elefantengehege, wo es untergebracht ist, ein Plakat aufgehängt: Kukirolen Sie!”

Jahrmarktstil ohne Ende: Selbst der Zirkuselephant "kukirolt" (1926)

Jahrmarktstil ohne Ende: Selbst der Zirkuselephant "kukirolt" (1926)

12. Die Welt „kukirolt!”

Noch 1924 hatte es schlicht geheißen „Hühneraugen groß und klein beseitigt Kukirol allein!” bzw. “Hühneraugen klein und groß wirst durch Kukirol du los!” und sich damit nicht im geringsten vom biederen  Merkvers-Stil der Konkurrenz unterschieden - jetzt hieß es imperativisch kurz und knapp: „Kukirolen Sie!”
In der Tat galt dem Laien dieses Kunstwort in zwanziger Jahren bald als das Nonplusultra raffinierter Reklamestrategie. Neben der gezeichneten Figur des Dr. Unblutig wurde es zur zweiten Konstante in den Anzeigenkampagnen von Kurt Krisp. Erstmals tauchte „Kukirolen Sie (auch selbst. Treiben Sie sachgemäße Fußpflege!)” im Dezember 1924 auf, als Dr. Unblutig in einer Werbeanzeige die neue „Kukirol-Weihnachtspackung” anpries, welche im Hinblick auf das herannahende Weihnachtsgeschäft gleich drei Produkte auf einmal bewarb: Fußbad, Streupulver und Hühneraugenpflaster. Zugleich wurde zum Bezug der Broschüre „Die richtige Fußpflege” aufgefordert, dafür aber kein Hinweis mehr auf die Schutzmarke „Hahnenkopf mit Fuß” gebracht wie in den Wochen zuvor. In der Folge-Anzeige fragte Dr. Unblutig die Familie unterm Weihnachtsbaum: „Habt ihr auch brav kukirolt?” Fortan sollte „Kukirolen Sie!”, nun immer auch optisch durch Freistellung hervorgehoben, für den fortgeschrittenen Konsumenten stehen, dem alle drei Krisp-Produkte gleichermaßen vertraut waren.

Wie sehr das Kunstwort „kukirolen” samt dem Bild des gnomenhaften Dr. Unblutig schon 1925 in den Köpfen spukte, dokumentieren diverse Reaktionen - auch aus dem Ausland. Für den Moskauer Regisseur Alexander Tairoff, den Erfinder des „entfesselten Theaters” kam Dr. Unblutig wie gerufen; er verarbeitete dieses Material 1925 zu seiner avantgardistischen Kurikol-Revue. Damit glaubte er dem Moskauer Publikum die Quintessenz dessen, was in Deutschland en vogue war, zu präsentieren. Im August 1925 versuchte der Journalist Paul Morgan ein Interview mit Carl Lämmle, dem deutschstämmigen, in die USA ausgewanderten allmächtigen Präsidenten der Universal Pictures zu machen. Lämmle hielt sich gerade in Karlsbad auf, als es dem Journalisten gelang, sich zu ihm vorzuarbeiten. In der Film-Revue (17. August 1925) stellt Morgan dieses Zusammentreffen so dar: „Laemmle wird gerade pedikürt. “Good Morning, Mister President”, rufe ich verwegen. (Blitzartig durchlief mich einen Hühneraugenblick lang der Gedanke, wieviel wohl von jenem unblutigen Drogisten zu erzielen wäre, wenn ich plötzlich dem Dollarmann zuriefe: Kukirolen Sie!)…” Der Höhepunkt von Dr. Unblutigs Ruhm stellte jedoch zweifellos das Titelbild des Simplicissimus vom 14. Dezember 1925 dar. Als Karikatur traten auf und als „Dr. Blutig” apostrophiert, Benito Mussolini und, als sein Widerpart, der Gnom Dr. Unblutig. Darunter stand als Kommentar schlicht: „Kukolini und Mussirol”. Bis in den Simplicissimus hatte es also Dr. Unblutig gebracht…

Titelbild vom Simplicissimus 14.12.1925

Titelbild vom Simplicissimus 14.12.1925

13. Das Maß ist voll: Demontage in der Fachpresse

Doch die Umsätze der Firma Krisp entsprachen offenbar in keiner Weise dem ohrenbetäubenden Reklamespektakel, das sie entfaltet hatte. Es schien, dass die Firma kurz vor dem Konkurs stand; zahllose Rechnungen bei den Insertionsorganen waren nicht bezahlt worden. Kurt Krisp jedenfalls hatte „Geschäftsaufsicht” beantragt.
Vor diesem Hintergrund erschien Anfang April 1926 in der Fachzeitschrift „Die Reklame” ein Artikel, der gnadenlos mit der bisherigen Kukirol-Reklame abrechnete. Sein Autor Hans Will Hebsacker brachte es auf den Punkt: „Von der Dackelschlange und dem Kamelkrokodil bis zum Minister Stresemann und dem Volkskommissar Radek mußten wir den Kelch der Kukirolreklame kosten. Vom Weiteren (Die Weltreise) ins Engere (Wo bleibst Du, Schatz, fragt er verstohlen? Ich muß erst, sagt sie, kukirolen!) schweifte der neckische Doktor Unblutig, und es gibt wohl keine Sünde wider den guten Geschmack, die der Brave während seines kurzen Erdenwallens nicht verbrochen hätte.
Am betrüblichsten für das deutsche Werbewesen ist aber nicht einmal Herr Doktor Unblutig selbst, der wenigstens ein Original darstellt, als vielmehr die Seuche, die er - fortzeugend - in Deutschland verbreitete. Jede bessere Firma der Markenartikelbranche versuchte, Herrn Krisp zu imitieren oder nach Möglichkeit zu übertrumpfen… Es soll nicht geleugnet werden, daß die Kukirolfabrik zu Anfang mit ihrer Reklame Erfolg hatte. Warum? Die Sache war neu, das Publikum, auch das „bessere”, reagierte lebhaft auf starke Reize, was mit der geistigen Einstellung der Bevölkerung zusammenhing, die Krieg, Revolution und Inflation durchgemacht hatte.
Auf einen Kardinalfehler der Kukirolreklame habe ich schon in einem früheren Aufsatz hingewiesen. Es war der ‚falsche Ton’, auf den die ganze Werbung Krisps gestimmt war, das Ressentiment und das allzu Volkstümliche, man kann schon sagen Gewöhnliche (im schlechten Sinn). Herr Doktor Unblutig hat von Anfang an zu laut geschrien, da mag es nicht verwunderlich erscheinen, wenn ihm zuletzt die Puste ausging.”

14. Totgesagte leben länger

Offenbar gelang es doch noch, die Firma vor dem Konkurs zu retten. Im November 1926 jedenfalls taucht Dr. Unblutig in den Anzeigenspalten nach längerer Abwesenheit wieder auf - und kann sich natürlich nicht versagen, seinen eilfertigen Grabrednern eine lange Nase zu drehen unter der fetten Schlagzeile: „Dr. Unblutig lebt!” Im Hintergrund sieht das Publikum einen frustrierten Sensenmann davonschleichen. Nur „die mörderische Wirtschaftsgrippe” sei schuld an seinem Schwächeanfall gewesen. Und nun dreht Dr. Unblutig in altbekannter Manier wieder auf: „Da stand er vor mir, der knöcherne Lebensfadenabschneidergehilfe, und tanzte vor Freude wie wild einen Charleston… Gewiss, etwas unpässlich bin ich vorübergehend gewesen, aber keineswegs lebensgefährlich erkrankt… Der aber meinte, dass er das besser wissen müsste. Mein Lebenslicht wäre am Erlöschen. Als ich ihm das ausreden wollte, nahm er mich an der Hand und führte mich in den großen Saal, in dem unendlich viele Lebenslichter brennen. Als uns beide dort der Tod selbst sah, schüttelte er missbilligend den Kopf und sagte zu seinem Gehilfen: ‚Das hast du falsch gemacht. Sieh hier den Stein des Lichtes!’ und er wies dabei auf den funkelnden Stein, der wie hunderttausend Lichter strahlte: „Das ist der Kukirol. Der wird nie erlöschen, weil es immer Menschen geben wird, die an Hühneraugen, Hornhaut, Fußschmerzen und an kalten und nassen Füßen leiden…”

unblutig_lebt_07_11_1926

Dr. Unblutig lebt... im November 1926

Damit war Dr. Unblutig offenbar in seine mystisch-weltanschauliche Phase eingeschwenkt; Ende Mai 1927 erreichte er spielend den Gipfel der Geschmacklosigkeiten: “Wenn die vielen, vielen Millionen Hühneraugen auf einen Lagerplatz zusammengetragen würden, die infolge meiner guten Ratschläge durch das vielmillionenfach bewährte, noch nie übertroffene Kukirol-Hühneraugen-Pflaster schmerzlos in wenigen Tagen beseitigt worden sind, so könnte man zu ihrer industriellen Verwertung eine große Fabrik daneben bauen. Und wenn alle Schmerzen, die durch das Kukirol schon gestillt worden sind, zu einem großen Schmerze zusammengefasst werden würden, so würde das Weltall aufheulen: Kukirolen Sie!

Das Weltall heult auf...

Das Weltall heult auf...

Und wieder wurde Dr. Unblutig zu Grabe getragen. Diesmal von keinem Geringeren als Carl Zuckmayer, der ihm - ebenfalls in „Die Reklame” - Ende April 1928 ein Epitaph widmete:

O Jammer, dass er nicht mehr lebt!
Ich habe zwar niemals Hühneraugen besessen,
doch jahrelang danach gestrebt,
so lang er wirkte unvergessen.

Ein Volk in Hühneraugen statt in Waffen,
den großen Fuß ins herbe Joch gezwängt.
Er hätte Deutschlands Sohle neu geschaffen:
Zu spät, zu spät!
Der Tod, ein Judensöldling, hat auch ihn verdrängt.

Und wieder erhob sich Dr. Unblutig von seinem Sterbebett, diesmal freilich nur noch als matter Schatten seines einstigen, von übersprudelnder Phantasie und Energie strotzenden Selbst. Die 1929 noch geschalteten Anzeigen boten nämlich keine neuen Geschichten mehr: Sie wiederholten exakt dieselben Motive, die schon vier Jahre zuvor, nämlich 1925, in der Presse zu lesen gewesen waren. Dr. Unblutig war endgültig „die Puste ausgegangen”.

Hühneraugen-Notfall für Dr. Unblutig (1925, 1929 wiederholt)

Hühneraugen-Notfall für Dr. Unblutig (1925, 1929 wiederholt)

Seine Spur verlor sich in den Wirren der Weltwirtschaftskrise. Nicht einmal das Kunstwort „kukirolen” blieb, im Gegensatz zum ebenfalls nur durch eine Werbekampagne geprägten „einwecken” (von Hanns W. Brose 1940 erfundenes Kunstwort für das Einmachen ausschließlich mit Produkten der Firma „Weck), im sozialen Gedächtnis haften.

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Thema: Reklame & Werbung | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck