Archiv der Kategorie: 'Soziale Marktwirtschaft'

„Davon haben wir alle den Vorteil “

Freitag, 12. Juni 2009 14:20

Werben auf allen Ebenen: Das OEuvre der WAAGE

© 1999 Dirk Schindelbeck

Der Lebenszyklus des WAAGE Vereins läßt sich in fünf Abschnitte gliedern: Einer ,informellen’ Aufbruch und Formierungsphase im Zeitraum bis Ende 1953, die durch konzentriertes Engagement gekennzeichnet ist, folgt eine Zeit der Konsolidierung und Professionalisierung zwischen 1954 und Ende 1957. Nach der Bundestagswahl 1957 sind deutliche Anzeichen einer Um und Neuorientierung zu erkennen: ab 1958 werden jugendliche, die prospektiven Facharbeiter der Zukunft, verstärkt als Zielgruppen angesprochen. Als Ende 1959 die SPD ihr Godesberger Programm verabschiedet, verliert die WAAGE ihre tragende werbliche Idee. Noch einmal während der großen Tarifauseinandersetzungen in der deutschen Wirtschaft 1962/63 tritt der Verein mit Maßhalteappellen in die Öffentlichkeit. Ab 1964, unter deutlich veränderten sozialpsychologischen Rahmenbedingungen, sind Niedergangssymptome unübersehbar.

Die werbliche Produktion der WAAGE ist Ausdruck ihres Lebenszyklus, als Organisation, so daß im folgenden die fünf Phasen den Rahmen für die weitere Betrachtung bilden. Indem diese Periode der Geschichte der Bundesrepublik durch die Brille des werblichen (Euvres der WAAGE dargestellt und interpretiert wird, werden in den einzelnen Zeitschnitten jeweils etwas andere Schwergewichte gesetzt. Im Vorfeld der Bundestagswahl 1953 wird der Entwicklung des WAAGE Kommunikationsstils besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Im Abschnitt zur Mitte der fünfziger Jahre erfolgt die Verlagerung der Perspektive auf das Verhältnis zu Ludwig Erhard, zu Förderern, Konkurrenten und Feinden. Das Ende des Jahrzehnts steht im Zeichen von Wirtschaftswunder und Generationenumbruch; der interpretative Zugriff berücksichtigt folglich hier stärker die sich komplettierende Warenlandschaft. Ein Einblick in den Seelenhaushalt der Unternehmerschaft samt der sich abzeichnenden Krise der WAAGE Werbung wird 1962 getan, und 1965 schließlich wird dem Ende des Vereins bzw. dem Übergang der Kommunikationsinitiative an die Gewerkschaften stärkere Aufmerksamkeit geschenkt.

Basis des interpretativen Diskurses sind die 149 veröffentlichten Anzeigen, drei Plakate, zwei Broschüren und fünf Kinofilme der WAAGE, wie sie in der tabellarischen Übersicht samt Daten und Leitthemen zusammengefaßt sind (vgl. S. 270ff. ).2 Hauptwerbemittel des Vereins waren Zeitungs Inserate, die in Staffeln von vier bis sieben, in Einzelfällen bis zu zehn Motiven gestreut wurden. Von ihrer Gestaltung her erinnerten sie an die übliche Markenartikelwerbung: Bis zur Hälfte des Anzeigenraums nahmen sorgsam durchkomponierte Bild Illustrationen ein eine Federzeichnung, ein wie eine Fotographie wirkender Stahistich, eine Tuschzeichnung oder eine Vignette. Die Illustrationen fungierten sowohl als EyeCatcher als auch als Mittel, den immer wieder als “trocken” empfundenen Stoff mit menschlicher Wärme zu umgeben. Unter der Illustration war der erklärend erzählende oder als Wechselgespräch zwischen den Musterarbeitern Fritz und Otto (etwa 40% aller Motive) dramatisch aufbereitete und meist in einen Slogan’ auslaufende Text plaziert. An der Fußleiste abgeschlossen wurden die Inserate stets durch eine stilisierte Waage, Symbol der Justitia, zugleich Vereins Logo der “Gemeinschaft zur Förderung des sozialen Ausgleichs”.’ Hier fanden sich auch marginale, presserechtlich notwendige Angaben über Vorstand und Sitz des Vereins. Sofern eine Broschüre verfügbar war, war den Inseraten ein Ausschneidecoupon eingedruckt, der zum kostenlosen Bezug aufforderte.

In welcher Größe die Anzeigen zur Einschaltung kamen, hing vom Format des jeweiligen Printmediums ab, da bei ihrer Textlastigkeit gute Lesbarkeit sichergestellt sein mußte. Im relativ handlichen Spiegel war dies nicht anders als ganzseitig möglich, im Stern reichte dagegen eine 3/4 Seite aus; bei Zeitungen wie der Frankfurter Allgemeinen, der Welt oder der Bild am Sonntag kamen 1/3 oder 2/5 Formate zum Einsatz. Mit wenigen Ausnahmen hatten alle Inserate Serien Charakter, wodurch man sich SynergieEffekte erhoffte, vor allem, wenn sich das Thema durch Zusendung von Broschüren vertiefen’ oder durch Filme in ein anderes Medium transponieren ließ. Hinsichtlich der Insertionsorgane zeigt sich folgende Verlaufskurve: von der fast flächendeckenden Belegung der Tageszeitungen und meinungsbildenden Presse vor der Bundestagswahl 1953 führt der Weg zu Illustrierten und Frauenzeitschriften Mitte der fünfziger Jahre; vor der Bundestagswahl 1957 wird die Insertionstätigkeit auf die Wochenendpresse ausgedehnt. In den sechziger Jahren konzentriert sich die Einschaltung wieder auf die sogenannten Opinion-Leader wie den Spiegel.

Zwar machten die Anzeigen faktisch den Löwenanteil der WAAGE Propaganda aus, doch den erzieherischen Auftrag sollten die insbesondere für Multiplikatoren gedachten Broschüren leisten. Aus finanziellen Gründen ist es jedoch bei nur zwei Publikationen geblieben; vor Wahlen wurde stets der Produktion von Kinofilmen und Plakaten der Vorzug gegeben.

Von den fünf Filmen der WAAGE’ waren die Schwarz-Weiß-Streifen der Jahre 1953 und 1954 kurze, mit Schauspielern umgesetzte Dialogszenen aus den Anzeigen, die Filme von 1957 und 1959 im Trickverfahren hergestellte Farbfilme mit eigenen Plots. Von den drei Spielfilmen, die sich des schon aus der Anzeigenwerbung bekannten Arbeiter Figurenpaares “Fritz und Otto” bedienten, kamen zwei vor der Bundestagswahl im Sommer 1953 in die Kinos. Der erste (”Hamburger Hafen”) hatte nicht einmal ein eigenes Drehbuch, der Text wurde fast wörtlich aus der entsprechenden Zeitungsanzeige (”So wichtig wie das tägliche Brot”) übernommen. Der ebenfalls noch im Sommer 1953 gezeigte Film” mit Fritz und Otto als Anglern im Ruderboot, in welchem sich die beiden über die soziale Qualität jener “Wirtschaftsform, die uns seit der Währungsreform wieder hoch gebracht hat”, einig werden, stieß jedoch bei der freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft auf Vorbehalte. Erst, wenn “für jeden Filmbesucher sinnfällig in Erscheinung trete, welche konkrete Stelle des öffentlichen Lebens” den Film angeregt oder gefördert habe, werde er “zur Vorführung freigegeben”. Weiter heißt es: “Wir kommen in diesem Zusammenhang auf Ihren Film “Die WAAGE” zurück, der am 15. d. M. dem Arbeitsausschuß zur Prüfung vorgelegen hat. Wenn seinerzeit die Auflage nicht gemacht wurde, so deshalb, weil in dem Film die politische Propaganda viel weniger auffällig war, das kulturpolitische Thema viel tatsachengebundener durchgeführt wurde.”

Der von der Ufa produzierte, im hessischen Landtagswahlkampf 1954 eingesetzte Film “Meinungsverschiedenheiten zwischen Fritz und Otto”" arbeitete mit einem erweiterten Figurentableau. jetzt traten auch ein Friseurmeister und ein an seinem sächsischen Akzent deutlich zu erkennender DDR Flüchtling hinzu: dieser bezeichnenderweise in der Rolle des Lehrlings. Der Friseursalon selbst stand als Beispiel und Symbol des funktionierenden Wirtschaftssystems. “In der sozialistischen Planwirtschaft”, so führt Fritz aus, “bestimmen irgendwo ein paar hohe Tiere, was produziert wird.” Auf Ottos zweifelnden Einwurf hin: “Verstaatlichung kann doch auch mal klappen”, kontert er selbstgewiß: “Nee, bis jetzt noch nie. Staatsbeamte sind eben keine göttlichen Wesen. Wer nicht alles sieht, kann auch nicht alles lenken.” Und der Friseurmeister bestätigt: “Der Verbraucher bestimmt, nur so klappt’s.”

Schon in der ersten Einstellung, als Fritz und Otto sich auf die Frisier-Stühle begeben, deutet sich an, welch große Probleme der spröde Stoff dem Drehbuchautor bereitete, so daß er sich um jeden Preis um Auflockerung bemühte.” Doch die launigen Bemerkungen (”Ich komm’ mir vor wie’n alter Witz so’n Bart”; “so Chef, nun kratzen ’se mal ab”) wirken angestrengt und können die Mängel des Drehbuchs nicht verdecken. Selbst noch der ‘witzige’ Höhepunkt des Films ist ein Kalauer. Als der Meister bemerkt: “Sehen ’se mal hier meinen Laden. Vom Staat bekämen wir ‘ne Einheitsseife”, zischt Otto durch die Zähne: Oha!”- “Nee, HO für’n Schweinegeld!” ist die energische Replik des ‘bekehrten’ Ex DDRlers. Um so bemerkenswerter ist das Bekenntnis Fritzens und Ottos nicht zur sozialen, sondern zur “Freien Marktwirtschaft”. Dieses Indiz spricht dafür, daß der Film zwar unter dem Namen der WAAGE präsentiert und vor geführt, aber aus den Mitteln der industriellen Fördergesellschaften bezahlt wurde.”

Ab Mitte der fünfziger Jahre begannen die farbenfrohen Zeichentrickfilme Hans Fischerkösens im Bereich der politischen Werbung stilbildend zu wirken. Bis weit in die sechziger Jahre galten sie in den Parteizentralen offenbar als Geheimwaffen, die öffentliche Meinung für die eigenen Ziele einzunehmen. Auffällig ist, daß sich in fast allen Filmproduktionen der späten fünfziger Jahre Zeichentricktechnik und versifizierte Publikumsansprache verbinden, wobei die Beliebtheit dieser bewegten Lehrdichte sicherlich auf mnemotechnischen Erwägungen beruht haben dürfte.

Auch in den beiden WAAGE Filmen jehalte Deinen klaren Blick” (1957) und “Mit beiden Füßen auf der Erde” (1959) wird der erzählenden Form zugetraut, an die kollektiven (1957) und individuellen (1959) “Etappen des Aufstiegs” überzeugend zu erinnern. 17 jehalte Deinen klaren Blick” warnt vor der jalschen (d. i. der roten) Brille”, welche die Leistungen des Wiederaufstiegs und dessen Segnungen auch für den kleinen Mann notorisch verkennt. In vier Lerneinheiten’ (”Menschen, die an Maschinen stehn … ” usw.) wird die Sichtweise der richtigen’ Brille vorexerziert. Die falsche Brille’ produziert Unzufriedenheit wegen vermeintlich zu geringer Löhne und entsprechenden Wünschen nach Nachbesserung: die Lohn Preis Spirale birgt Inflationsgefahren. Ein freundlicher Angestellter demonstriert den richtigen’ Blick. Während er mit seiner Familie hoffnungsfroh der Sonne entgegenzieht, wird aus dem Off an den Zuhörer als den wahren Währungshüter appelliert: Bewahre deinen klaren Blick und du bewahrst die deutsche Mark!”

Der Filmabspann bestätigt das musterhafte Verhalten: aus der aufgehenden Sonne wächst der stilisierte Erhard Kopf und schließlich die Deutsche Mark.”
Die Suche nach dem richtigen Weg ist auch Thema des Loriot Zeichentrickfilms von 1959. Dieser liegt im Vertrauen auf die Fähigkeiten und in der harten Arbeit an sich selbst. Erst durch Weiterbildung zum Facharbeiter gelingt es dem Knollennasenhelden am Ende, “aus dem vollen” zu schöpfen und aller Segnungen der Sozialen Marktwirtschaft teilhaftig zu werden.

Das im folgenden zur Anwendung gelangende semiotisch hermeneutische Verfahren sei exemplarisch anhand des WAAGE Plakats, das in der Woche vor der Bundestagswahl 1953 an über 27.700 Anschlagstellen in der Bundesrepublik geklebt wurde 20 vorgeführt. Es hob sich deutlich von der wüsten Kalte Kriegs Rhetorik der anderen Wahlplakate ab, in welchen die Ereignisse des 17. Juni einen so starken Niederschlag (”Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau!”) gefunden hatten. Ganz auf die Binnensituation der Bundesrepublik beschränkt, fügte es sich unauffällig ins Straßenbild ein, thematisierte Alltag und Alltagswahrnehmung.
Oben links, scheinbar mit Kreide dazugesetzt, finden sich die programmatischen Worte “Nie wieder!”. Getragen sind sie vom Ernst des moralischen Imperativs “Nie wieder Krieg!”, der aufgrund der frischen Erinnerungen an den Nationalsozialismus eine weitere Intensivierung und Bestätigung erfahren hatte. Diese kollektive Abwehr “Nie wieder Krieg und Faschismus!” weiß sich das Plakat geschickt zunutze zu machen. Sein “Nie wieder!” speist sich zwar aus dem Bedeutungsumkreis des Krieges, doch es meint etwas ganz anderes: “Nie wieder Kriegsfolgen und Mangelwirtschaft!”

Aufgespießt präsentiert es die papierenen Zeugen dieser Zeit: obenauf ein eingerissener, “durchgestrichener” Bezugsschein für ein Paar Schuhe mit Holzsohle, eine Bekanntmachung, schlicht “an alle Normalverbraucher!” adressiert. “Die Reichsmarkzeit” mit ihren Lebensmittelkarten, die gerade hinsichtlich der Fett und Fleischrationen immer mehr versprachen als sie einlösen konnten, ist “abgehakt”, ist zu einem Stück Geschichte geworden. Die damit verbundenen alltagsgeschichtlichen Erfahrungen freilich sind sehr wohl abrufbar und geben das negative mentale Terrain ab, auf welchem sich das aufgehellte Bild der Gegenwart konturiert und in einen politischen Appell umwandeln läßt: “Darum weiterhin Aufstieg und Fortschritt durch Erhards Soziale Marktwirtschaft.” Insofern kommentiert das Plakat die Waren im Einkaufskorb der Hausfrau, die an diesem Anschlag vorbeikommt, es erläutert das Angebot in den Schaufenstern rings herum. Es macht sich jene berühmte Grundfrage Ludwig Erhards zu eigen, die er seiner langjährigen Sekretärin am Morgen zu stellen pflegte: “Na, Frau Muhr, sind schon wieder mehr Textilien in den Schaufenstern?”, und beantwortet sie positiv. “Es gab kein besseres Plakat”, befand denn auch die Zeitschrift Die Gegenwart, “als das von dem Haken mit dem Bezugsschein für ein Paar Schuhe mit Holzsohlen. ( … ) Die große Menge der kleinen Leute hat ein Recht darauf, Sicherheit und Prosperität zu verlangen. Das hätte die SPD wissen müssen.

Thema: Soziale Marktwirtschaft | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

“Klassenkampf mit Inseraten!”

Freitag, 12. Juni 2009 14:05

Politische Gegner der WA AGE

© 1999 Dirk Schindelbeck

Im Herbst 1951, als das WAAGE Projekt in seine entscheidende Realisierungsphase trat, war man auch auf Gewerkschaftsseite zum Entschluß gelangt: “Wir wollen uns (…) jetzt systematisch mit der Werbung beschäftigen.”‘ Zu lange sei den Unternehmern die Initiative überlassen worden mit ihrem Konzept der “menschlichen Beziehungen im Betrieb”. Im Juli 1952 lag ein Papier des Werbeausschusses mit “Vorschlägen zu einigen Grundsätzen für gewerkschaftliche Werbearbeit` dem Bundesvorstand des DGB zur Beratung vor. In der Bevölkerung, so wurde festgestellt, seien verschiedene Einstellungsmuster vorhanden, die es gleichermaßen zu berücksichtigen gelte: Neben der Gruppe der “Verantwortungsbereiten” gebe es die der “Verbitterten, Vorurteilsbelasteten”, ferner die “Bequemen” und “Resignierenden” und schließlich “Frauen und jugendliche ohne primitive Kenntnis sozialer und wirtschaftlicher Grundtatsachen und Beziehungen”. Es sei notwendig, “durch soziologische und sozialpsychologische Untersuchungen (Interviews, Beobachtungen, Tests, z. B. bei Arbeitsämtern) die Arbeitsgrundlage für eine rationelle Werbung zu gewinnen”. Weiter hieß es: “Wir brauchen eine Einrichtung, die sich zentral laufend alle gegnerischen Angriffe und ihre Argumente beschafft. Diese Institution muß eine Abwehrwerbung systematisch aufbauen und sie den einzelnen fachlichen und regionalen gewerkschaftlichen Werbeorganisationen zugänglich machen. Hierzu würde auch die Aufgabe gehören, die wissenschaftlich erarbeiteten Tatsachen in gemeinverständliche Darstellungen zu übersetzen.” [weiter...]

Thema: Soziale Marktwirtschaft | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

“Herr Brose ist nicht der Erfinder der WAAGE”

Freitag, 12. Juni 2009 13:50

Die Zusammenarbeit mit der Frankfurter Werbeagentur Brose

© 1999 Dirk Schindelbeck

Fast 15 Jahre lang, von 1951 bis 1965, hat die Zusammenarbeit zwischen der WAAGE und der Werbeagentur Brose Bestand gehabt; dies stellt einen, auch an den Verhältnissen der fünfziger und sechziger Jahre gemessen, äußerst seltenen Fall von Kontinuität dar. Ein gewichtiger Grund für die von Anfang an ungewöhnlich starke Stellung der Agentur lag darin, daß die Firma Brose schon anfangs der fünfziger Jahre zu einer Full ServiceAgentur ausgebaut war, Werbeproduktion und mittlung aus einer Hand anbieten konnte und zudem dies war einzigartig in der jungen Bundesrepublik auch über eine eigene Public Relations Abteilung, die Gesellschaft für Gemeinschaftswerbung (GfG) verfügte.’ Turnusmäßige Präsentationen ihrer werblichen Leistungen unter Wettbewerbsbedingungen, wie sie in den sechziger Jahren üblich wurden und den “Kreativen” in den Agenturen oft genug Alpträume bereiteten, wenn drei, vier oder gar acht Konkurrenten um einen Etat kämpften, kannten die WAAGE Werber nicht. [weiter...]

Thema: Soziale Marktwirtschaft | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

„Denken im Mehrzahlbereich ermöglicht die Machtausübung”

Freitag, 12. Juni 2009 13:38

Zur Rolle des Allensbacher Instituts für Demoskopie

© 1999 Dirk Schindelbeck

Im Kriegssommer 1940 erschien im deutschen Buchhandel eine bemerkenswerte Dissertation mit dem Titel “Amerikanische Massenbefragungen über Politik und Presse”, verfaßt von einer 24-jährigen Soziologiestudentin namens Elisabeth Noelle. Eigentlich hatte ihr Betreuer, der bekannte Zeitungswissenschaftler Emil Dovifat, sie zu Studien über das Leseverhalten amerikanischer Frauen über den Atlantik geschickt, seine junge Doktorantin aber kehrte mit einer Arbeit über die in den USA durch George Horace Gallup entwickelten und in der Präsidentschaftswahl 1936 erstmals erfolgreich angewandten Methoden der Meinungsbefragung auf statistischer Grundlage nach Berlin zurück. Im kriegführenden Deutschland standen die Zeichen der Zeit jedoch nicht auf Erforschung, sondern auf Lenkung der Meinung durch Propaganda. Elisabeth Noelle, die ihre Zukunftspläne gleichwohl in diesem Deutschland zu verwirklichen gedachte zielstrebig gab sie in ihrer Vita “Schriftleiter” als Berufswunsch an , stand vor einem kaum lösbaren Problem. Da die Beschäftigung mit der amerikanischen Gallup-Methodik das Rückgrat ihrer Dissertation ausmachte, sie ihre Arbeit im nationalsozialistischen Umfeld gleichwohl verkaufen wollte, blieb ihr nur, den prophylaktischen Kotau vor den braunen Machthabern zu machen: “Seit 1933 konzentrieren die Juden, die einen großen Teil von Amerikas geistigem Leben monopolisiert haben, ihre demagogischen Fähigkeiten auf die Deutschlandhetze.” Folglich berief sie sich auch auf Goebbels’ Definition von öffentlicher Meinung, die ja “zum größten Teil das Ergebnis einer willensmäßigen Beeinflussung” sei: “Das Volk soll anfangen, einheitlich zu denken, einheitlich zu reagieren, und sich der Regierung mit ganzer Sympathie zur Verfügung zu stellen Wir haben darüber zu wachen, daß das Volk nicht verhetzt wird, und daß das Volk über den wirklichen Stand der Dinge hinreichend informiert bleibt.”

“Bei der Erfüllung dieser Aufgaben”, so Noelle, “wäre ein zuverlässiges System der Massenbefragung nicht nur wertvoll als eine Kontrolle der eigenen Wirksamkeit, sondern auch als ein Hilfsmittel der Einfühlung in das wahre Wesen des Geführten, wodurch die immer drohende Gefahr der Schulmeisterei gebannt und ein fruchtbares Verhältnis der Wechselwirkung zwischen Führung und Geführtem gefördert würde.”

Doch die Bemühungen, dem Propagandaminister ein neues Instrument anzudienen, waren nicht von Erfolg gekrönt, und Noelle entschied sich, ihr Auskommen bei der Presse zu suchen. Sie durchlief ein Volontariat beim Deutschen Verlag, schrieb für die Frankfurter Zeitung, wurde schließlich Redakteurin der Wochenzeitung ‘Das Reich’. Hier begegnete sie auch ihrem späteren Ehemann, dem Journalisten Erich Peter Neumann, der “innenpolitischer Redakteur und Chef vom Dienst” war, später auch Kriegsberichterstatter”. Schnell galt Noelle beim Reich als Spezialistin für transatlantische Themen`, bis sie aufgrund einer geplanten “Doppelbilderseite über Roosevelt” Ende 1942 “auf kaltem Wege” aus der Redaktion entfernt wurde, so ihre eigene Aussage.

Mit der Zerschlagung der nationalsozialistischen Herrschaft änderten sich die Rahmenbedingungen für “Massenbefragungen” in den Westzonen Deutschlands. Über Nacht etablierten die West Allierten demoskopische` Forschungs Abteilungen, um sich über Haltungen und Einstellungen der Bevölkerung zu wirtschaftlichen Problemen, Antisemitismus, Nationalsozialismus oder den Besatzungsmächten ein Bild zu verschaffen. Gerhard Schmidtchen, nachmaliger Mitarbeiter der späteren Demoskopie Päpstin, hat dieses Coming Out der Demoskopen beschrieben:

“Es breitete sich eine geistige Haltung aus, die man als Realitätssucht bezeichnen könnte. So wurden die Methoden der empirischen Forschung gewissermaßen über Nacht aufgegriffen und mit einem Können, das einer breit angelegten sozialwissenschaftlichen Tradition entspringt, weiter entwickelt.”

Noelle Neumann sah ihre Stunde gekommen. Im ‘kaufmännischen Denken’, in ihrer Dissertation noch als ‘das Amerikanische’ schlechthin gescholten, nicht unbegabt, gründete sie, nach Gallups Vorbild, zusammen mit ihrem Mann im kleinen Bodenseeort Allensbach 1947 die “erste deutsche Forschungseinrichtung für die Durchführung von RepräsentativUmfragen auf wissenschaftlicher Stichprobenbasis”, das Institut für Demoskopie (IfD). Da ein privatwirtschaftlich arbeitendes Institut aber hauptsächlich von Aufträgen der Markenartikelindustrie lebt, war Meinungsforschung zunächst nur als Ableger von Marktforschung zu etablieren. Die ‘politische’ Kundschaft ließ allerdings nicht lange auf sich warten: Als erster gab Ludwig Erhard, seit 1935 als Mitglied der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) aufgrund eigener Erhebungen mit Umfragemethoden vertraut und an das “Denken in Merkmalen” (Noelle-Neumann) gewöhnt, zwei Studien über die Einstellung der Westdeutschen zur Währungsreform in Auftrag.

Attraktiv für die Politik war Meinungsforschung allemal, gleichviel, ob sie als probater Ersatz für die nicht mehr zur Verfügung stehenden “Meldungen aus dem Reich” angesehen wurde oder als nunmehr moderne und legitime Sonde in die Stimmungslage in der Bevölkerung. Selbstverständlich ließ sich auch Konrad Adenauer bald Monat für Monat solche Berichte liefern, dürfte doch auch er folgende Einschätzung NoelleNeumanns wohl geteilt haben: “Wer eine größere Zahl von Menschen beherrschen und lenken will, ist zum Mehrzahldenken gezwungen, und umgekehrt: Denken im Mehrzahlbereich ermöglicht die Machtausübung.”

Während die Demoskopin bestrebt war, das Institut als seriöse wissenschaftliche Forschungseinrichtung auf privater Basis auszubauen, übernahm Ehemann Erich Peter Neumann den Part des Handlungsreisenden und pflegte die Verbindung zu den Kunden in Bonn. Schon bald begannen Umfrage Ergebnisse auf die Politik zurückzuwirken, oder sie halfen deren Ergebnisse publikumswirksam zu verkaufen, wie etwa die aufgrund von Meinungserhebungen erfolgende Umbenennung des “Generalvertrags” in “Deutschlandvertrag”.”

In diesen zeitlichen und politischen Hintergrund ist der Korpus der für die WAAGE durchgeführten Erhebungen einzubetten. Was seinen Umfang und Charakter betrifft, aber auch in Hinsicht auf das fast schon intim zu nennende Wechselverhältnis zwischen Auftraggeber und Forschungsinstitut, erweist er sich als ein außergewöhnliches Zeitdokument: Mutet die Betreuung der WAAGE Kampagnen durch das IfD an wie verdecktes Wissenschaftssponsoring durch einen als zahlungskräftig angesehenen Unternehmerverein, so läßt sich die WAAGE im Gegenzug als legitime Ausgeburt der Demoskopie begreifen.

Die für den Verein relevanten Erhebungen lassen sich in drei Kategorien gliedern:

  • Zur ersten gehören diejenigen, welche Konzeption wie Gestaltung der WAAGE Aktionen selbst betreffen. Dazu zählen Pre Tests, in denen die Akzeptanz der WAAGE Figuren Fritz und Otto samt der durch sie transportierten Argumente erforscht und Werbewirkungskontrollen, mit, denen nach erfolgter Schaltung der Anzeigenstaffeln Beachtung und Wiedererinnerungswert getestet wurden, außerdem Messungen der Werbewirkung gegnerischer Propaganda wie einer DGB Anzeige im Wahlkampf 1953.
  • Die zweite Gruppe umfaßt Grundlagenforschungen. Hier waren nicht nur der Auftraggeber WAAGE alleiniger Nutzer, sondern auch Institutionen wie das Wirtschaftsministerium oder das Bundespresseamt. Dies betrifft so umfangreiche Erhebungen wie “Das soziale Klima” 1 (1951) und 11 (1955), “Die soziale Spannung” 1 (1952) und 11 (1955) oder die beiden von der Agentur Brose in Auftrag gegebenen Untersuchungen zum Unternehmerbild. Von weiteren Ifl) Berichten wie der von der Wirtschaftspolitischen Gesellschaft 1947 (Wipog) initiierten Umfrage21 über die “deutsche Situation” (im Anschluß an die Bundestagswahl von 1949) haben die WAAGE Verantwortlichen sicherlich Kenntnis gehabt, ebenso von IfD-Berichten wie “Soziale Marktwirtschaft. Untersuchungen über die Verständlichkeit und populäre Auslegung politischer Begriffe” oder “Unternehmen und Öffentlichkeit. Untersuchung zum selbständigen Unternehmertum im Jahr 1950″. Einige dieser Ergebnisse fanden in wohldosierten Auszügen den Weg in die Öffentlichkeit über die Jahrbücher der öffentlichen Meinung.
  • Einer dritten Gruppe schließlich sind Untersuchungen zuzurechnen, die der Eigenwerbung dienten, um die auf demoskopischen Erkenntnissen entwickelte Propaganda-Technik der WAAGE potentiellen Interessenten zu erläutern und zu empfehlen. Im Gegensatz zu den üblichen IfD-Studien finden sich darin kaum Tabellen; die Berichte enthalten anschauliche Beispiele und sind als resümierende Essays geschrieben. Dazu gehört die WAAGE Studie des Direktors des Münchner Werbewissenschaftlichen Instituts, H.F.J. Kropff, sowie die einzige, von Elisabeth Noelle-Neumann selbst verfaßte englischsprachige Darstellung des Projekts (”first major campaign in Germany which can properly be called a public relations campaign”).”

In dieser Studie versucht Noelle Neumann den sozialwissenschaftlich fundierten Unterbau der WAAGE Werbung darzustellen. Hier wird die Summe aller bislang erfolgten Erhebungen gezogen und zugleich deren Umsetzung und Anwendung in ausgefeilten Kampagnen vorgeführt. Die Ausgangssituation, wie sie sich für das Projekt WAAGE im Herbst 1951 dargestellt habe, sei im Gegensatz etwa zur britischen Zucker-Industrie, die sich 1949 unmittelbarem Verstaatlichungsdruck der Labour Regierung ausgesetzt sah und eine ähnlich große PR-Kampagne dagegen lancierte vergleichsweise günstig gewesen; weder hätte man gegen die regierungsamtliche Politik arbeiten müssen noch hätten unmittelbar bevorstehende Wahlen sofortige Aktionen erfordert. Gleichwohl habe man sich dank kontinuierlicher Befragungen keinen Illusionen hingegeben und den Ernst der Lage richtig eingeschätzt. Trotz unleugbarer Erfolge der Regierung Adenauer - vor allem auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik - hätten die Umfragen eine gefährliche Tendenz erkennen lassen: Leistung und Rolle Ludwig Erhards seien intellektuell nicht verstanden noch der beginnende Wiederaufstieg auf das zugrunde liegende Wirtschaftssystem (Wettbewerb und freies Unternehmertum) zurückgeführt worden. Im mentalen Urteil der Bevölkerung sei zudem die Figur des Unternehmers negativ besetzt und das Verlangen nach staatlich festgesetzten Preisen ausgeprägt gewesen. Geradezu niederschmetternde Ergebnisse hätten die Umfragen hinsichtlich des Begriffs “Soziale Marktwirtschaft” erbracht. Noch im Herbst 1952 sei er neun Zehnteln der Befragten unklar gewesen oder sei als Parole des politischen Gegners begriffen worden. Das Wort “sozial” habe dabei überaus positive Konnotationen erfahren und stünde aus Sicht der überwältigenden Mehrheit der Befragten für den höchsten Wert, den Politik ausfüllen könne. Um nun den Terminus Soziale Marktwirtschaft als eindeutig zuzuordnendes Markenzeichen in der Wahrnehmung der Masse zu verankern, habe sich als Generalstrategie empfohlen, stets auch ihren ‘Hersteller’ mitzunennen, also von “Erhards sozialer Marktwirtschaft” zu sprechen als jener Wirtschaftsordnung, die “wir seit der Währungsreform haben”. Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse habe man die einzelnen Anzeigenentwürfe gestaltet und sogar die Sympathiewerte des die Argumente transportierenden Figurenpaars Fritz und Otto (”Protagonist” und “Antagonist”) in Pre Tests an 500 Versuchspersonen überprüft.

Entwurf einer Fritz-und-Otto-Anzeige (1953)

Entwurf einer Fritz-und-Otto-Anzeige (Denkmodell 1953)

Als die Interviewer einige Tage später feststellten, daß der Antagonist den weitaus besseren Eindruck (44% hielten ihn für den fleißigeren und aufrechteren Typ) hinterlassen hatte, wurden die Figuren gründlich überarbeitet. So verschwand die Arbeitermütze Ottos, der Gesichtsausdruck wurde gemildert und das Umfeld von klassenkämpferischen Assoziationsmöglichkeiten gereinigt. Die nach diesen Vorgaben gestalteten sechs Anzeigen seien dann in einer Auflage von etwa 12 Millionen Exemplaren erschienen und hätten etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung erreicht.

Fritz und Otto in der geglätteten Version (1953)

Fritz und Otto in der geglätteten und veröffentlichten Version (1953)

Mit Hilfe des Instruments Meinungsforschung verdeckte Strömungen im Denken und Fühlen der Bevölkerung aufzuspüren und auf dieser Grundlage eine wissenschaftlich fundierte und in ihrer Beeinflussungswirkung optimal arbeitende Propaganda aufzubauen, faszinierte freilich nicht allein die WAAGE-Verantwortlichen. Daß das Resümee und nur dieses von Institutschefin Noelle-Neumann höchstselbst in englischer Sprache abgefaßt wurde, verweist mitsamt den gleichzeitig in der US-Presse geschalteten Erfolgsmeldungen Hanns W. Broses über das WAAGE-Projekt auf amerikanische Zielgruppen. Bei denen dürfte die Wahlentscheidung zugunsten der CDU und ihrer Partner und den damit bestätigten Rahmenbedingungen des ‘free enterprise’ mit Erleichterung aufgenommen worden sein. Mit ebensoviel Wohlgefallen dürfte man zur Kenntnis genommen haben, daß Massenbeeinflussung nach amerikanischem PR-Muster auch in der BRD erfolgreich angewendet werden konnte. Last, but not least hatte sich die WAAGE als gelehrige Schülerin in der Umsetzung des Reeducation Konzepts erwiesen und eine Vorreiterrolle bei der Verteidung der “freien Welt” im Kalten Krieg übernommen.

Die nationalsozialistischen Wurzeln freilich dürften den potentiellen Rezipienten in den USA verborgen geblieben sein. Elisabeth Noelle war es, wenngleich mit Verzögerung, doch noch vergönnt, mit “amerikanischen Massenbefragungen” zu einer gelungenen Propaganda beizutragen. Im Sommer 1940 nämlich, als sie sich anheischig machte, dem Propagandaminister Gallups Instrumentarium anzudienen, dürfte auch sie an den leibhaftigen Urbildern von Fritz und Otto schwerlich vorbeigekommen sein: Zu jener Zeit lief in den Kinos im Vorprogramm “Tran und Helle”, Filmspots mit einem Pärchen, das mit launigen Sketchen die Bevölkerung auf die Kriegswirtschaft einstellen helfen sollte. Nach Fritz Hippler, dem Leiter der Filmabteilung in Goebbels’ Propagandaministerium, verkörperten die Schauspieler Jupp Hussels (Helle) und Ludwig Schmitz (Tran) seinerzeit ebenfalls “zwei bestimmte Typen von Zeitgenossen ( … ), die sich in betont leichter und lustiger Form über Probleme des Alltagslebens auseinandersetzen”. Noch in seinem Tagebucheintrag vom 30. August 1940 hatte Goebbels die Bedeutung der “Tran und Helle”-Motive vor allem für die “innere Propaganda”" hervorgehoben. Diese Streifen, nach nur 63 Folgen im Herbst 1940 eingestellt, hatten sich vor allem deswegen totgelaufen, weil Tran, die blutvollere Figur, durch ihren Mutterwitz die propagandistische Absicht fortwährend in ihr Gegenteil verkehrte und das Publikum zu Lachsalven animierte. Insofern erscheinen die figurengesteuerten WAAGE-Lektionen als verbesserte Variante einer bereits im Nationalsozialismus vorexerzierten Propaganda-Pädagogik.

Szene aus dem einem "Tran (sitzend) und Helle" Propagandafilm von 1940

Szene aus dem einem "Tran (sitzend) und Helle" Propagandafilm von 1940

Im WAAGE Vorstand jedoch sollte die Begeisterung für die AllensbachMethoden schon bald nach der Bundestagswahl 1953 nachlassen. Am 10. August 1955 waren in einer für Fritz Jacobi angefertigten Notiz seines Mitarbeiters Neubauer Bedenken am IfD formuliert worden: es war von “nicht einwandfreien Geschäftspraktiken” die Rede, von “Unzuverlässigkeiten in der Erledigung von Aufträgen sowie der Einhaltung ihrer gewünschten Abgrenzung”, letztlich wurden sogar Zweifel geäußert, ob die “angewandte Methode sachlich immer in Ordnung” sei.” Was Fritz Jacobi als Sachwalter der Vereinsinteressen nicht gefallen konnte, war der Umstand, daß bis zum Frühjahr 1953 Hanns W. Brose als Initiator der IfD-Studien aufgetreten war und erst ab Herbst 1953 die WAAGE selbst. Die Allensbacher Werbewirkungskontrollen waren also durch die Werbeagentur veranlaßt! Der Verdacht lag nahe, daß hier die Kuh, d. h. die WAAGE, in einer ‘konzertierten Aktion’ von zwei Seiten für dieselbe Arbeit gemolken worden war. 1955 jedenfalls fand die bislang so intensive demoskopische Begleitung aller WAAGE Aktionen ein abruptes Ende. Werbeerfolgsmessungen größeren Stils sind danach keine mehr durchgeführt wurden; sofern die WAAGE überhaupt noch Umfragen in Auftrag gab, wurden entweder das MafoInstitut (1957, 1964) oder emnid (1958) damit betraut.

Es ist sicher kein Zufall, daß der WAAGE intern umlaufende Manipulationsverdacht gegen das IfD zeitlich mit der öffentlich aufkommenden Diskussion um die Rolle der Demoskopie in der Gesellschaft zusammenfiel. So warnte der Politologe Wilhelm Hennis 1957 davor, daß nun “nicht mehr allein der gesunde Menschenverstand von Politikern, die wiedergewählt werden wollten, sondern der Rat von Experten” bestimme, “was im Wahlkampf in den Vordergrund gerückt” werde.” In der Instrumentalisierung der Demoskopie durch die Politiker sah er gar die Gefahr einer “Untergrabung der repräsentativen Demokratie”. Um diesen, die Grundfesten demoskopischen Selbstverständnisses erschütternden Vorwurf zu entkräften, brauchte die Altmeisterin Noelle Neumann acht Jahre. Erst als sie sich selbst von den existentiellen Abhängigkeiten wirtschaftlicher wie Politischer Auftragsforschung durch eine die Unabhängigkeit sichernde Professur befreit hatte - damit auch vom Makel, Meinungsumfragen auf das Wunschergebnis des jeweiligen Auftragsgebers hin zuzuschreiben -, konnte sie sybillinische Erkenntnisse formulieren wie: “Öffentliche Meinung ist eine Kraft, die nach zwei Seiten wirkt: Sie integriert einerseits die Herrschaft und andererseits den einzelnen mit der Gesellschaft.” Damit sei sie “ein gesellschaftlicher Prozeß, der den Zusammenhalt des ganzen Systems sichert” . Die Tätigkeit der Demoskopen, so ihr seither immer wieder verkündetes Credo, diene per se der Aufklärung.” Von dieser Warte aus betrachtet, verstand es sich von selbst, daß die Phase der allzu engen demoskopischen Komplizenschaft mit bestimmten politischen Gruppierungen samt der aktiven Mitgestaltung an deren Propagandabotschaften ein für alle Mal der Vergangenheit angehören mußte.

Den vollen Text samt aller Quellenbelege finden Sie in dem Buch “Haste was, biste was!” Werbung für die soziale Marktwirtschaft, Darmstadft 1999

Thema: Soziale Marktwirtschaft | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

„Als Betriebsausgaben einwandfrei dokumentiert …”

Freitag, 12. Juni 2009 13:26

Die hohe Kunst der Finanzierungstechnik

© 1999 Dirk Schindelbeck

Daß es sich bei Postzusendungen vom WAAGE Verein in der Regel um Bettelbriefe handelte, wurde selbst mittelständischen und kleineren Unternehmern sehr bald bewußt.’ Natürlich versuchte der Vorstand, der Gefahr eines sich dadurch ausbreitenden schlechten Rufs entgegenzuwirken; peinlich genau wurde dafür gesorgt, gegenüber den Insertionsorganen absolut korrekt zu verfahren und jede Rechnung gewissenhaft zu begleichen. Auf der anderen Seite blieb die Geldbeschaffung stets problematisch, obwohl das von Alphons Horten für die WAAGE erdachte Finanzierungsmodell eine fast schon genial zu nennende Konstruktion darstellte, die in der jungen Bundesrepublik ihresgleichen nicht hatte. [weiter...]

Thema: Soziale Marktwirtschaft | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Es ist der Geist, der sich den Körper baut…”

Freitag, 12. Juni 2009 11:57

Zur Anatomie eines politisch wirkenden Vereins in der Nachkriegszeit

© 1999 Dirk Schindelbeck

Das Phänomen der informellen Kreise

Das Bild öffentlicher Kommunikation in der frühen Bundesrepublik erscheint diffus und stark mit konspirativen Zügen durchsetzt. Gründe dafür sind unschwer zu finden: die amtlichen Propagandisten des Dritten Reiches’ waren desavouiert und nicht mehr hoffähig, alliierte Besatzungsvorschriften engten die Spielräume von Administration und Behörden des jungen Staates, sofern überhaupt schon funktionsfähig, erheblich ein, zudem waren ihre Träger noch nicht an den Kommunikationsstil einer pluralen Gesellschaft im Sinne moderner PR gewöhnt. Konrad Adenauers absurder Wunsch nach einem “demokratischen Goebbels` interpretiert diesen Zustand auf seine Weise und schlug sich im Verlautbarungsalltag des Bundeskanzleramts sowohl im berüchtigten “informationspolitischen Dauertief” als auch im viermallgen Wechsel des Regierungssprechers’ innerhalb von nur knapp zwei Jahren nieder.

Erst mit der Bestallung des charmant chevaleresken Felix von Eckhardt zum Bundespressesprecher Ende 1951 sollte sich dieser Mißstand spürbar bessern.
Ende der vierziger/Anfang der fünfziger Jahre machten sich verschiedene Gruppierungen durch Broschüren, Handzettel’ und Veranstaltungen im öffentlichen Raum bemerkbar, die sich als informelle Kreise charakterisieren lassen. Ihre Gründung ging in vielen Fällen von Privatpersonen aus, welche, die besondere Gunst der Stunde nutzend, hierin die Chance sahen, Politisch wirksam werden zu können. Ausgangsort ihrer Tätigkeit war in vielen Fällen ein unscheinbares Büro unter einem unverdächtig klingenden Namen.’ Hier liefen Informationen zusammen, wurden Karteien über Personen und Vorgänge angelegt, Flüchtlinge betreut und Kuriere abgefertigt.’ Daß in der nach Kriegsende sich verschärfenden Systemauseinandersetzung zwischen Ost und West bald Bedarf entstand, derartige Anlaufstellen einzurichten, erkannten natürlich auch die großen Parteien. Sie bauten entsprechende eigene Organisationen’, die sogenannten Ostbüros auf, von denen dasjenige der SPD durch seine Aktionen und Verstrickungen in geheimdienstliche Tätigkeiten schnell die meiste Aufmerksamkeit auf sich zog. Nicht wenige solcher informeller Strukturen wurden aber auch von Vertrauensleuten der Regierung Adenauer selbst geschaffen,’ schon um den durch die Besatzungsmächte eingeengten politischen Spielraum auf diesem Feld etwas auszuweiten. Als Anreger und Initiator tat sich dabei Adenauers Propagandafachmann und Staatssekretär im Kanzleramt Otto Lenz hervor, der nach der gewonnenen Bundestagswahl 1953 selbst gern Chef eines großen Informationsministeriums’ geworden wäre.”‘ Durch ihn begann schon bald eine “Vielzahl von Organisationen zu florieren, die mit Hilfe von Presseamtssubventionen öffentliche Meinungsbildung zugunsten der Regierung betrieben”.” Lenz war Geburtshelfer so illustrer Institutionen wie der Deutschen Atlantischen Gesellschaft, der Gesellschaft für Auslandskunde, der Bundeszentrale für Heimatdienst, der Mobilwerbung, des Europa Bildungswerks, der Gesellschaft Freies Europa, des Bundes europäischer Jugend, der Staatspolitischen Aktion, der Europäischen Arbeitsgemeinschaft, des Bundes aktiver Demokraten oder der Wirtschaftspolitischen Gesellschaft 1947.

Wenngleich der Adenauer Regierung bald ein Schwarm dienstbarer Geister zuarbeitete, zum “Apparat des Kalten Krieges” gehörten noch längst nicht alle von ihnen.` Zu unterschiedlich waren im Einzelfall ihre Entstehungsbedingungen und Wirkungsabsichten, zu viel hing ab von den Mitteln und Möglichkeiten, die ihnen institutionell wie ideell, personell wie finanziell gegeben waren. Zwar gab es durchaus Bestrebungen, die Tätigkeit der informellen Kreise zu koordinieren und zu vernetzen hier sei nur das Informationsbüro West (IWE) genannt, von einem System zu sprechen erscheint jedoch übertrieben. Die informellen Kreise können vielmehr als zeitgebundenes wie zeittypisches Phänomen im “Konsens des Kalten Krieges” und Ausdruck einer sich im Wandel befindlichen Ideenwelt gelten.

Kennzeichnend für viele der informellen Netzwerke und ihrer Mitarbeiter war die propagandistische Kompetenz’: Stellungslose, aber sendungsbewußte Publizisten wie Rainer Hildebrandt, der Gründer der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU)ll, oder glühende Antikommunisten wie Eberhard Taubert, Initiator des Volksbundes für Frieden und Freiheit (VFF), der wie so manch anderer aufgrund seiner nationalsozialistischen Vergangenheit nicht hoffen konnte, wieder ein öffentliches Amt zu bekleiden, fanden hier ein ihren Fähigkeiten entsprechendes Betätigungsfeld. Vor dem Hintergrund von Berlin Blockade und Korea Krieg wurden sie zu gesuchten Spezialisten, die diskreter, effektiver und vor allem risikofreudiger arbeiten konnten als jede Behörde. Ihre Auftraggeber wußten, was sie an ihnen hatten: hier arbeitete schließlich eine Art Kornmunikations Guerilla hochmotiviert am Großprojekt “Antikommunismus als nationale Aufgabe” mit, ohne daß auf seiten der Regierung
Verantwortung für ihr munteres Treiben zu übernehmen gewesen wäre.”

Gleichwohl legte man von seiten der Regierung Wert darauf, die Kontrolle über diese Dominikaner zu behalten, was sich am besten über finanzielle Zuwendungen bewerkstelligen ließ.” Doch nicht nur die intensive und zugleich durch Abgrenzungsstrategien öfters beeinträchtigte Zusammenarbeit mit den informellen Zirkeln kennzeichnet die erste Hälfte der fünfziger Jahre: Informelle Strukturen waren es auch, welche die Entstehung so mancher Behörde und manches Ministeriums überhaupt erst möglich machten etwa wenn es um so brisante Vorhaben wie die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik ging. Die Dienststelle Blank, Keimzelle des späteren Bundesministeriums der Verteidigung, unterschied sich in der Anfangszeit de facto kaum von jenen Büros, die als Kommandozentralen der Kommunikations
Guerilla fungierten.”

Mit Erreichen der Souveränität und dem Ausbau der Ministerialbürokratie nach 1955 wurden viele von ihnen obsolet oder ihre Funktionen von Organen des Staates übernommen: Beispielsweise führten nach dem Bau der Mauer Angehörige der Psychologischen Kampfführung der Bundeswehr (PSK) die Flugblatt Propaganda des Ost Büros der SPD oder der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) in die DDR fort.` Daneben gab es Gruppen, die über Jahrzehnte hin großzügigste finanzielle Unterstützung aus Bundesmitteln erfahren hatten und damit auch zu einem zahlenmäßig beträchtlichen Mitarbeiterstab gekommen waren, um schließlich doch
politischen Entwicklungen zum Opfer zu fallen: dieses Schicksal ereilte die Arbeitsgemeinschaft demokratischer Kreise (AdK) Hans Edgar Jahns, welche aus
parteitaktischen Erwägungen beim Zustandekommen der Großen Koalition 1966 als quantité négligeable “verfrühstückt” (Jahn) wurde.

Im folgenden können keine vollständigen Listen oder gar Organigramme aller Gruppierungen vorgelegt werden; gleichwohl seien einige der wichtigsten von ihnen kurz vorgestellt, um den WAAGE Verein in der Kornmunikationslandschaft der fünfziger Jahre zu verorten. Nicht nur hinsichtlich ihrer Auftraggeber, sondern auch ihrer Stellung zur Öffentlichkeit unterschieden sich diese Kreise beträchtlich. Das Spektrum reichte von bildungsbürgerlichen Entre nous Debattierklubs über karitative Goodwill
Organisationen und pseudo religiÖse Missionswerke zur Rettung des Abendlandes bis hin zu (para-) militärisch agierenden StoßtruppunternehInen in der DDR.
Paradebeispiel für den Typ informeller Gruppierung in unmittelbar politischer Funktion war die schon genannte AdK. Wäre sie nicht das Lieblingskind Konrad Adenauers gewesen und zum großen Teil aus seinem Reptilienfonds (Titel 300) finanziert worden schon aus diesem Grunde stets beargwöhnt und nicht nur der Opposition suspekt ,auch aus ihr hätte sich statt des Amtes Blank das Verteidigungsministerium entwickeln können. 1951 von Otto Lenz gegründet, arbeitete die AdK durch Publikationen und Veranstaltungen zu einer Zeit auf die Wiederherstellung des W,ehrwillens in der Bevölkerung hin, als sich dies in der Öffentlichkeit eigentlich noch verbot. Ihr kommunikatives Service Angebot war überaus vielfältig: Um die Menschen vor Ort zu agitieren, reisten Propagandaredner über Land, staatsbürgerliche Seminare und Filmvorführungen wurden veranstaltet und ein reichhaltiges Informations Broschürenmaterial erarbeitet und verteilt. Schließlich wurden bei Versammlungen politischer Gegner wie der KPD sogar Infiltrations- und Störversuche betrieben. Selbstverständlich nennt ihr Chef Hans Edgar Jahn in seinem 1953 erschienenen Buch den wahren Zweck der AdK nicht. Statt dessen betont er, sie sei die “erste deutsche Organisation, die aufgrund der Erfahrungen, die man in der human und public relations Arbeit in den USA gewonnen hat, in Deutschland auf politischer Ebene arbeitet.”

Vor allem der “abwartenden Haltung” des überwiegenden Teils der Bevölkerung ohne “innerliche Bindung” an das neue Staatsgebilde könne mit dieser neuen US Methode begegnet werden, indem der einzelne “ganz persönlich und ganz menschlich angesprochen und in seinem Lebensbereich verstanden werde”. Damit nahm Jahn für sich und seine Organisation in Anspruch, eine weiterhin notwendige Beeinflussungsarbeit, die fortan nicht niehr mit dem Wort Propaganda` etikettiert werden konnte, in eine zukunftsweisende Form überführt und der großen Politik dienstbar gemacht zu haben.
Eine ganze Reihe informeller Kreise arbeitete aus naheliegenden Gründen mit dem Ministerium für Gesamtdeutsche Fragen zusammen. Auf seiten der Regierung war ja hier die Differenz zwischen Kommunikationsbedürfnissen und möglichkeiten besonders groß. Um Informationen aus der DDR zu beschaffen oder dorthin einzuschleusen, war man auf Handlangerdienste subversiver Spezialorganisationen angewiesen, z. B. auf den vom Ministerium finanzierten Untersuchungsausschuß freiheitlicher Juristen (UfJ). Die Strategie der Öffentlichkeitsarbeit bedurfte zu ihrer Realisierung neuartiger Wege des Transfers. Es (das Ministerium) mußte sozusagen freischwebend operieren und seine operative Planung drahtlos’ auf die verschiedenartigsten Einrichtungen mit multiplikatorischem Effekt umzusetzen versuchen.’

Im Gegensatz zu den in konspirativem Fahrwasser operierenden und verdeckt arbeitenden Gruppierungen wie etwa dem militanten Bund Deutscher Jugend (BDJ) Paul Egon Lüths, der KgU oder dem Volksbund für Frieden und Freiheit gab es andere, welche den öffentlichen Raum gezielt suchten und sich zu zeitweise angesehenen Quasi Institutionen entwickelten wie beispielsweise das Kuratorium Unteilbares Deutschland e.V. mit dem Bundespräsidenten als Ehrenmitglied an der Spitze.` Dem Kuratorium, das sich selbst als “Volksbewegung für die Wiedervereinigung” titulierte, dürfte angesichts einer faktisch kaum mehr verfolgten Wiedervereinigungspolitik zu seinen besten Zeiten gar eine “deutschlandpolitische Kompensationsfunktion”" zugewachsen sein.

Weniger auf unmittelbare politische Wirkung denn auf ideologische Immunisierung im Geiste christlicher Grundwerte zielend, arbeiteten etliche weltanschaulich ausgerichtete Organisationen wie die Abendländische Akademie, die angetreten war, das “uralte Freiheitsideal der westlichen Welt” zu retten.` Das mit Abstand populärste Missions Werk war jedoch die Moralische Aufrüstung” des Amerikaners Frank Buchman, dessen Auftritte an einen säkularisierten Kreuzzug mit Hilfe der Fischer Chöre erinnerten. Programmatisch heißt es in einer Broschüre mit dem Titel “Ideologie und Koexistenz” anfangs der sechziger Jahre: “Die Moralische Aufrüstung ist die wahre Ideologie der Demokratie. Sie gibt der Demokratie das moralische Rückgrat, das ihr fehlt. Darum ist die Wahl für die Welt nicht Krieg oder Koexistenz, sondern Moralische Aufrüstung oder Kommunismus.”
In Caux am Genfer See hatte Initiator Buchman seine Europazentrale eingerichtet; hierher lud er in regelmäßigen Abständen zur “Gipfelkonferenz für ideologische Strategie” ein, von hier aus organisierte er seine Massen SingOuts und “patriotischen Revuen” quer durch die Bundesrepublik.` Auch großformatige Anzeigen, in bundesdeutschen Zeitungen vorwiegend konservativen Zuschnitts geschaltet, warben für eine ideologische Runderneuerung des Westens.

So vielstimmig das Konzert auch war, das die informellen Kreise in den fünfziger Jahren im öffentlichen Raum der Bundesrepublik veranstalteten, ihr Auftreten kann als Phänomen einer Gesellschaft begriffen werden, deren existentielle Verfassung sowohl in der massiven antikommunistischen Panzerung nach außen als auch in starken konsolidierenden Bestrebungen nach innen lag. In diesem Sinne können die wirtschafts- und sozialpolitisch ausgerichteten Kreise durchaus als die friedlich sanften Gegenstücke zu den kriegerischen Agenturen des Kalten Krieges bezeichnet werden.

Mitunter reichte deren Genese weit in die Kriegs- und Vorkriegszeit zurück, vor allem unter den Wirtschaftstheoretikern, zumal wenn sie stark weltanschaulich ausgerichteten Vorstellungen nachhingen. Eine solche schon Mitte des Zweiten Weltkriegs tätige Gruppe war der Freiburger Beckerath Kreis,” eine Professorenrunde, hervorgegangen aus der Arbeitsgerneinschaft für Volkswirtschaftslehre2′ Kurz nach der Katastrophe von Stalingrad wurde begonnen, Konzepte für eine wirtschafts und sozialpolitische Nachkriegsordnung auf der Basis einer aus christlichem Geist erneuerten Gesellschaft zu entwickeln. Im sogenannten Freiburger Konzil hatten schon seit der Reichspogromnacht 1938 regelmäßig die Nationalökonomen Constantin von Dietze, Adolf Lampe und Walter Eucken mit Theologen wie Otto Hof und Historikern wie Gerhard Ritter kommende probleme erahnt und diskutiert. Nach dem Krieg gründete Ritter eine “überparteiliche Studiengemeinschaft für politisch ökonomische Fragen”. Gerade die Kombination von christlichen mit sozio ökonomischen Denkmustern sollte in der unmittelbaren Nachkriegszeit die Zukunftskonzeptionen sehr stark
bestimmen und auch im Ahlener Programm der CDU von 1947 deutliche Spuren hinterlassen. “Die sittliche Gefahr alles Wirtschaftens ist der Dämon der Habgier!” befand Ritter kategorisch und empfahl: “Das Arbeitsverhältnis muß so gestaltet werden, daß der Mensch nicht zur bloßen Arbeitsmaschine herabsinkt, sondern seine Arbeit mit Freudigkeit tun kann als den ihm von Gott zugewiesenen Auftrag, als seinen Beruf’, im vollen Sinn dieses von Luther geprägten Wortes.”
Daraus ergebe sich die Forderung nach einer “gerechten Lohnpolitik”.” Hinsichtlich der Frage einer ethisch bzw. religiös untermauerten Wirtschaftspolitik gab es Ende der
vierziger Jahre geradezu einen Wettlauf zwischen Vorstellungen, die aus der evangelischen Sozialethik stammten, und jenen, die der katholischen Soziallehre verpflichtet waren. Die Gründung des Bundesverbandes der katholischen Unternehmer (BKU) durch den späteren Vorsitzenden der WAAGE Franz Greiss in dieser Zeit ist kein Zufall. Laut Grundsatzprogramm sollte der BKU “weder ein Fachverband noch ein Arbeitgeberverband (sein). Er verfolgt die langfristigen gesellschaftspolitischen Intentionen seiner Mitglieder, nicht aber wirtschaftliche Interessen.” Die dezidiert soziale Verpflichtung, auf der katholischen Soziallehre Oswald von Nell Breunings beruhend, fand naturgemäß im BKU in stark paternalistisch geprägten Denkbildern ihren Ausdruck.

Als Sammelbecken fast aller Wirtschaftspragmatiker hingegen kann die im Herbst 1947 gegründete Wirtschaftspolitische Gesellschaft von 1947 (Wipog) gelten. Sie wurde “mit der Absicht ins Leben gerufen, in den westlichen Besatzungszonen des ehemaligen Deutschen Reiches’ zunächst für Multiplikatoren, dann aber für die Bevölkerung überhaupt “für eine weltoffene, moderne und soziale Marktwirtschaft zu werben”.” Zu ihren Gründungsmitgliedern gehörten neben Kurt Pentzlin, dem späteren Vorsitzenden des Arbeitskreises Soziale Sicherheit und Geschäftsführers der hannoverschen Keksfirma Bahlsen AG (die später zu den Förderern der WAAGE zählen sollte), auch Rudolf Mueller und Ludwig Erhard. Zum Teil knüpften die nüchternen Überlegungen der Wipog an diejemgen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) an, die 1935 in Nürnberg durch Wilhelm Vershofen, Erich Schäfer und Ludwig Erhard gegründet worden war. Hier wurde über Markt und Wettbewerb, Absatz und
Werbung nachgedacht, während das Wirtschaftsleben seitens der Nationalsozialisten und interessierter Industriekreise auf die Erfordernisse des zukünftigen Krieges hin
ausgerichtet wurde.

Der GfK sehr verwandte Vorstellungen, die vor allem auf der Idee des freien Wettbewerbs fußten, machten sich nach dem Krieg durch die sogenannten Transatlantiker geltend wie etwa den in die USA emigrierten Sozialphilosophen und WAAGE Vordenker Götz Briefs oder Eric W. Stoetzner, den ehemaligen Anzeigenleiter der Frankfurter Zeitung, der mit seiner großen Rede “The coming battle of human minds”" in den USA schon im Februar 1943 nicht nur den kommenden Kalten Krieg angekündigt, sondern auch entscheidende Denkanstöße für die nach dem gewonnenen Kriege anstehende Westintegration Deutschlands gegeben hatte. Die Transatlantiker waren gewissermaßen die Transmissionsriemen US amerikanischer Vorstellungen, die darauf hinausliefen, daß eine prosperierende, auf der Basis von privatem Kapital und privater Initiative beruhende Volkswirtschaft der beste Garant sei, den Westen Deutschlands zum Bollwerk gegen den sich ausbreitenden Weltkommunismus zu machen. In der ersten Broschüre der Wipog vereinen sich diese Strömungen, wenn es dort programmatisch heißt, daß das “Vertrauen des Volkes in den Sinn der politischen Arbeit erschüttert” und deshalb die Wipog gegründet worden sei.` Es gehe um eine “sozial verpflichtete” Wirtschaftsordnung, wobei es unumgänglich sei, “das Interesse der breiten Masse unseres Volkes an wirtschaftlichen Fragen” zu wecken. Der Betrieb müsse in seiner realen und sozialpsychologischen Funktion wiederhergestellt werden, jenseits aller staatlichen Bevormundung: “Die Wirtschaft der Vorkriegszeit hat auf vielen Gebieten die Unternehmerfunktion an Organisationen abgegeben.” Das deutsche Volk, “an sich gesetzesfromm und diszipliniert”, sehne sich nach einer privatwirtschaftlich ausgerichteten Wirtschaftsform, es lehne hingegen den Gedanken ab, daß früher oder später die östliche Zentralverwaltungswirtschaft das Schicksal ganz Deutschlands werden müsse. Der Klassenkampf und jede darauf gegründete Politik wird von nachdenkenden Menschen als überlebt empfilnden. Der Deutsche neigt weder zur kollektiven Wirtschaftsordnung, noch zur kollektiven Lebenform. Er will eine Verbesserung seiner individuellen Lage und gleiche Aufstiegsmöglichkeiten für alle zur Entwicklung der freien Persönlichkeit.”
Daraus entwickelte die Wipog ihr Zukunftsprogramm: “Die Wirtschaft soll, von der freien Persönlichkeit getragen und weiterentwickelt, Arbeit, Brot und Lebensfreude geben.” Damit waren natürlich auch die auf einen christlichen Sozialismus ausgerichteten und unternehmerlosen’ Vorstellungen des Ahlener Programms der CDU außer Kraft gesetzt, gewannen privatwirtschaftlich geprägte Modelle hinsichtlich der weiteren Wirtschaftsentwicklung die Oberhand: “Bis 1949 konnte sich die Wirtschaftspolitische Gesellschaft als ideologisch führende Kraft in der westdeutschen Unternehmerschaft durchsetzen.”‘

Ähnlich wie die späteren Akteure der WAAGE waren die der Wipog schon aufgrund ihrer starken GfK Traditionen modernen, in den USA entwickelten sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen gegenüber aufgeschlossen, was sich nicht zuletzt in einem frühen Auftrag für das Allensbacher Institut für Demoskopie hinsichtlich der sozialpolitischen Situation 1948/49 niederschlug.` Weltpolit’sches Engagement, verbunden mit konkreten wirtschaftspolitischen Vorstellungen, kam auch in der Ansprache des WipogVorsitzenden Rudolf Mueller im Januar 1953 auf der vierten Jahrestagung der Gesellschaft zum Ausdruck, als er vom “Sieg der freien Völker schon im Kalten Kriege” sprach und das Fazit zog: “Wir können die Entscheidung für den Westen gar nicht fällen, ohne die soziale Gemeinschaft im Innern zu verwirklichen.” Hinsichtlich der Entwicklung der informellen Kreise kann die Wipog als das Stammholz angesehen werden, von dem sich bis Mitte der fünfziger Jahre verschiedene Gruppierungen und Kreise abspalteten, je nachdem, auf welcher Ebene und mit welchen Mitteln ihre Protagonisten wirtschaftspolitische Vorstellungen umzusetzen gedachten.

So entstand beispielsweise im Februar 1956 der Arbeitskreis Soziale Sicherheit (ASS), ein Zusammenschluß von sozialpolltisch interessierten Unternehmern, Publizisten und Werbefachleuten unter dem Vorsitz Kurt Pentzlins.44 Mit Kino Filmen wie “Unser Karussell” nahm der ASS ins besondere zu Fragen der Arbeitszeitverkürzung, wie sie durch die populäre Gewerkschaftskampagne “Samstags gehört Vati mir!” Mitte der fünfziger Jahre als wirkungsvolle Forderung im Raum standen, Stellung. Im GegenSatz zu den auf langfristige Gewinnung und Erhaltung von Goodwill berechneten WAAGE Kampagnen waren die ASS Aktionen jedoch als kurzfristig angelegte und oft auch nur innerbetrieblich eingesetzte Maßnahmen konzipiert. In der Wahl seiner werblichen Ansprache gab sich der ASS betont humorvoll und versuchte mittels Zeichnungen und Versen dem brisanten Thema die Sprengkraft zu nehmen.

Ein hinsichtlich der öffentlichen Konturierung des Unternehmerbildes ernsthafter Konkurrent der WAAGE war der Arbeitkreis selbständiger Unternehmer (ASU) unter Vorsitz des Bocholter Mittelständlers Alfred Friedrich Flender.” Im Zentrum der werblichen Bemühungen des ASU stand jedoch nicht die Bewerbung eines allgemeinen Ideenguts, sondern die leibhaftige Person des musterhaften Unternehmers selbst respektive dessen auch in sozialen Belangen vorbildhafter Betrieb.
Eine vor allem in den Jahren 1951 bis 1957 unliebsame Konkurrenz im öffentlichen Raum erwuchs der WAAGE in der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM). Hinter dieser Vereinigung, die sich ziemlich gespreizt auch als “Freiwirtschaftsbund. Bund für natürliche Ordnung von Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft” bezeichnete, steckte eine eher an Rotary Club Gepflogenheiten erinnernde elitäre Verbindung konservativer Intellektueller wirtschafts- und sozialpolitischer Provenienz, die unter der Ägide der Professoren Franz Böhm, Wilhelm Röpke und Alexander Rüstow durch eine Reihe von Sammelbänden, Diskussionsveranstaltungen, Aufrufen und Presseartikeln hervortrat. Im Gestus stets besserwisserisch verstanden sich die Mitglieder der ASM als die Gralshüter der Sozialen Marktwirtschaft und brachten dies selbst gegenüber ihrem Ehrenmitglied Ludwig Erhard unmißverständlich zum Ausdruck, so etwa in ihrer am 30. November 1951 pathetisch inszenierten “Magna Charta der Sozialen Marktwirtschaft”: “Wir sind besorgt um das Schicksal der Bundesrepublik, weil die Bundesregierung die Konzeption der sozialen Marktwirtschaft bis heute noch nicht durchgesetzt hat.”

Auch nach der Bundestagswahl 1953 änderte sich am dozierenden Stil der ASM wenig: Vom Wirtschaftsminister wurde alsbald ein “Grundgesetz der Wirtschaftsordnung” mit dem Verweis darauf, daß “Demokratie und Zentralverwaltungswirtschaft” unvereinbar seien, angemahnt. Der Einfluß der ASM auf Denken und Handeln Erhards kann kaum überschätzt werden. Er reichte sogar so weit, daß der Wirtschaftsminister in ihrer Publikation unter dem Titel “Wir fordern von Regierung und Bundestag die Vollendung der Sozialen Marktwirtschaft” einen Beitrag ablieferte” und sich damit geradezu der Nichterledigung seiner eigenen Hausaufgaben bezichtigte. Obwohl 1962 Alexander Rüstow beklagte, “daß eine richtig erkannte Theorie wie die Marktwirtschaft im Kampf gegen den Weltkommumsmus propagandistisch nicht stärker herausgestellt”" werde, ließ es doch gerade die ASM zeit ihres Bestehens an einer empfängerorientierten Bewerbung der Marktwirtschaft fehlen. Dessenungeachtet sollte sich dieser Kreis, der ja nicht wie die WAAGE auf ein kontinuierliches Engagement seiner Geldgeber angewiesen war, als überaus langlebig erweisen,” bot doch sein Club Charakter den idealen Nährboden für die Perpetuierung einer Elite, deren Einstellungen und Haltungen sich hier offenbar unbeschadet aller politischen Veränderungen generationenübergreifend reproduzieren ließen und sich noch 1970 in einem typischen Kommentar zur antizyklischen Fiskal- und Wirtschaftspolitik
Karl Schillers niederschlugen. Dessen “Erklärung zur Stabilitäts-Politik der Bundesregierung” verfüge, so die ASM In bester Oberlehrer Manier, über die Qualität einer
“Sextaner Ökonomie”.”

Die Akteure der WAAGE

Wie bei einigen anderen wirtschaftspolitisch tätigen Gruppen rekrutierte sich ein großer Teil der WAAGE Akteure aus ehemaligen Wipog Mitgliedern. Unter dem neuen Dach sammelten sich jene Kräfte, die generell an werbliche Überzeugungsarbeit glaubten und bereit waren, eigensüchtige Pläne d. h. nur industrielobbyistisch Einfluß zu nehmen, hintanzustellen. Bei ihnen handelte es sich naturgemäß um Markenartikler, deren Firmen auf Gedeih und Verderb von wirkungsvoller Wirtschaftswerbung abhängig waren. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn eines der aufschlußreichsten Pamphlete zur Einrichtung einer solchen auf psychische Beeinflussung der Massen abzielenden Propagandazentrale aus dem werbefachlichen Umfeld stammte. Die Schrift mit dem vielsagenden Titel “Es geht um Deutschland. Massenpsychologische Stichworte für eine sozialpolitische Reform” wurde 1952 von Hans Domizlaff, einem der profiliertesten deutschen Markentechniker, Werbeleiter und Massenpsychologen, veröffentlicht. 12 Der ,Urfaust der Werbung’, ein Intimus des WAAGE Gründungsmitglieds PhiliPP F Reemtsma, für den er die berühmten
Zigarettenmarken R 6 und Ernte 23 kreiert hatte, entwirft darin ein ideelles Rüstzeug, das für die Stoßrichtung der WAAGE wie maßgeschneidert erscheint.` Um seine Lösungsvorschläge effektvoll ins Licht zu setzen, bedient der Werbefachmann seine Adressaten zunächst mit einem unternehmerischen Inferno’ “Es ist durchaus möglich, daß die nächste Revolution eine sozialdemokratisch gewerkschaftliche sein wird.” Dagegen zeichnet er die Position der Unternehmerschaft als äußerst schwach, da “nach dem pausenlosen moralischen Trommelfeuer der Sozialisten ( … ) die meisten ihr Selbstbewußtsein verloren haben. Sie fühlen sich als Vertreter einer aussterbenden Epoche gerade noch geduldet.” Eine tragende Kommunikationsplattform zur Wiederherstellung der Macht dieser Elite entwickelt Domizlaff aus dem Begriff der Produktivität: nur diese zeichne “die Unternehmer zusammen mit ihren Arbeitern gegenüber den Gewerkschaftssekretären”" aus. In der Tat sollten nicht wenige der späteren WAAGE Anzeigen gedanklich um die Wiederherstellung einer paternalistisch inspirierten betrieblichen Werkgemeinschaft kreisen. Aber nicht nur ideell half Domizlaff den Unternehmern der WAAGE auf die Sprünge, sondern auch mit ganz praktischen Vorschlägen: “Für den Anfang ist es ausreichend, wenn sich vier oder fünf zuverlässige und angesehene Unternehmen verpflichten, die Lebensfähigkeit einer politischen Zentralstelle zu garantieren, und zwar etwa in der Art eines Fonds für Gemeinschaftswerbung nach einer geeigneten Schlüsselzahl.”"

Die zeitunglesende Öffentlichkeit, die wissen wollte, wer sich hinter den volkswirtschaftlichen Nachhilfekursen eines Vereins mit dem mirakulösen Namen “Die WAAGE.
Gemeinschaft zur Förderung des sozialen Ausgleichs e.V.” verbarg, konnte sich nur an die den Anzeigen beigegebene Anschrift der IHK Köln, später die des Büros in der Kölner Schildergasse wenden. Die WAAGE war und das macht ihre Spezifik als informeller Kreis aus für Außenstehende also kaum zu durchschauen und sollte es auch nicht sein. Unsichtbar blieb immer ihr Kern, aber auch der größere Teil ihrer funktionalen Elemente. Den Kern bildeten die Unternehmer, die durch ihre finanziellen Zuwendungen den Verein und seine Aktivitäten unterhielten. Darüber war eine Gruppe wirtschafts- und marketingtheoretischer Inspiratoren angesiedelt, Männer wie der schon erwähnte Götz Briefs oder Walter Raymond, Public Relations Vordenker wie H.W.F. Kropff, Herbert Gross oder Carl Hundhausen sowie direkt in die politischen Machtzentren hineinreichende Persönlichkeiten wie Staatssekretär Alfred Müller Armack. Ihnen gesellten sich Verbindungsleute aus Verwaltung und Industrie zu, welche z. B. als Lobbyisten die unerläßliche Anbindung an die politischen Entscheidungsträger garantierten. Natürlich gehört hierher auch das Markenzeichen und Symbol des Vereins, Ludwig Erhard selbst. Der Wirtschaftsminister durfte auf keiner WAAGE Zusammenkunft fehlen und beschränkte sich, wie die Vereinsprotokolle unschwer ausweisen, beileibe nicht auf einen Zuhörerpart, sondern aglerte stets als spiritus rector. Im weiteren Umfeld tauchten schließlich wohlwollend gesinnte Funktionsträger anderer Institutionen des öffentlichen Lebens auf wie etwa der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) Hans Constantin Paulssen.
Für den Geschäftsbetrieb unverzichtbar war die reibungslose Zusammenarbeit mit einer professionell arbeitenden Werbeagentur, der bereits genannten Gesellschaft für
Gemeinschaftswerbung (GfG) Hanns W. Broses in Frankfurt. Den Bürobetrieb des Vereins hielten die Geschäftsführer Karl Jesch in den Jahren 1954 bis 1960″ und anschließend Hans Wellmann bis zur Aufgabe des Büros 1966 aufrecht. Außenwerbung für die Ideen der WAAGE trieben spezielle Repräsentanten, die in regelmäßigen Abständen Firnien in ihren Bezirken’ aufsuchten und dann auch als Geldakquisiteure auftraten. Zur Reihe der dienstbaren Geister zählten schließlich die Denloskopen von Allensbach, Emnid oder Mafo, deren Umfrageergebnisse bewirkungskontrollen sowohl im Vorstand als auch in der Werund Werbeagentur kursierten.

Thema: Soziale Marktwirtschaft | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

“Eine gesellschaftsethische Therapeutik entwickeln”

Freitag, 12. Juni 2009 11:41

Die WAAGE im Dschungel der Massenbeeinflussungstheorien

© 1999 Dirk Schindelbeck

Als 1950 ein Stuttgarter Verlag den in den USA bereits Ende der zwanziger Jahre erschienenen Bestseller des Werbefachmanns Claude C. Hopkins unter dem Titel “Propaganda. Meine Lebensarbeit. Die Erfahrungen aus 37-jähriger Anzeigen Arbeit im Werte von vollen 100.000.000 Dollar für amerikanische Gross Inserenten” in einer deutschen Übersetzung herausbrachte, fühlte sich der Verleger veranlasst, dem Buch ein Glossar beizugeben, worin er erklärte, dass Hopkins mit „Propaganda” natürlich nicht das meine, was man im deutschen Sprachgebrauch darunter verstehe, sondern ausschließlich Tätigkeiten im Bereich der Wirtschaftswerbung und des Marketings. Die Befürchtung des Verlegers, missverstanden zu werden, war nicht aus der Luft gegriffen, assoziierten die Bundesbürger mit dem Begriff Propaganda ganz selbstverständlich dessen Ausgestaltung durch Joseph Goebbels. Der Fall ist symptomatisch für die sprachliche „Abgrenzungs Neurose gegenüber verwandten Tätigkeiten” in der Bundesrepublik der frühen fünfziger Jahre. Bislang unbelastete Termini für die Akte der Einflussnahme („Öffentlichkeitsarbeit”) hatten die alten in der Absicht zu ersetzen, auch Botschaft und Beeinflussungsziele („Information”) in einem lauteren Licht erscheinen zu lassen.

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland kam also die Zeit für „Public Relations”. Allerdings brachte der gesellschaftliche Großversuch der Amerikaner, ihr Demokratie und Wirtschaftsmodell in Deutschland zu verankern („Reeducation”), auf diesem Feld seine ganz spezifischen Verständigungs und Verständnisprobleme mit sich: „Die ‚Amerika Pilgerväter’ des deutschen Managements hörten, erlebten und fühlten sich animiert durch die PR Botschaft. Sie nahmen sie auf und schickten sich an, sie in die Praxis umzusetzen. In Wirklichkeit nahmen sie nur auf, was sich mit ihrer fachlichen Herkunft verbinden ließ.”
In den fünfziger Jahren habe sich, so der PR Fachmann Friedrich H. Korte, letztlich jeder den Begriff nach seinem Vorverständnis ausgelegt, der Werbefachmann ihn als zusätzliche Form der Werbung, der Vertriebschef als Mittel zur Förderung des Absatzes, der Polit Werber als Wahlkampfwunderwaffe verstanden. Fatal an der amerikanischen Wortprägung war, dass sie automatisch zur Einschätzung (ver )führte, PR müssten „auf amerikanischem Boden gewachsen” sein. Ob es eine von der Tätigkeit her vergleichbare deutsche Tradition gegeben habe, stand zunächst auch gar nicht zur Diskussion. Man war allzu beflissen, sich das neue Instrument zu eigen zu machen ein Unterfangen, dessen Schwierigkeiten sehr bald zutage traten, wie das von der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit 1951 initiierte und ergebnislos verlaufene Preisausschreiben, mit dessen Hilfe die beste deutsche Übersetzung ausfindig gemacht werden sollte. Zur gängigen deutschen Entsprechung für PR setzte sich schließlich der vom heutigen Nestor der Branche Albert Oeckl favorisierte Terminus Öffentlichkeitsarbeit durch, der seither als Synonym für alle Tätigkeiten, die nur irgendwie unter PR subsumiert werden, gilt.

Doch so schwierig der Umgang mit Public Relations auch war, der Begriff evozierte nicht nur den westlichen Stil der Massenbeeinflussung : unverdächtige, da persuasive Kommunikation, sondern schien ein Kennzeichen der offenen und demokratisch verfaßten Industriegesellschaft selbst zu sein. Die Funktion von PR sei, so befinden etwa Franz Ronneberger und Manfred Rühl ganz folgerichtig, „beim Suchen und Finden des wohlverstandenen allgemeinen Interesses in der öffentlichen Kommunikation behilflich zu sein. ( … ) PR wird daher in immer neuen Ansätzen zu zeigen haben, wie sich die zahllosen partiellen Interessen im Gesamtinteresse aufheben.” Um den Ort der WAAGE im diffusen Spannungsfeld von Begriffen und Tätigkeitsfeldern zu bestimmen, erscheint es sinnvoll, die Traditionslinien moderner Massenbeeinflussung, wie sie in diesem Sender auf eine ganz spezifische Art zusammenliefen, herauszuarbeiten bzw. die Knotenpunkte, an denen sich deutsche und transatlantische Einflüsse verdichteten, zu bestimmen.”

In den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts klagten in den USA sozial engagierte Schriftsteller und Journalisten wie Upton Sinclair die großen Familiendynastien der Vanderbilts oder Astors an, ihre Vermögen durch Korruption und Ausbeutung ihrer Arbeiter zusammengerafft zu haben und mit diesen Geschäftsgepflogenheiten’ auch weiterhin ihre Macht zu sichern. In der ihm eigenen Selbstherrlichkeit scherte sich William Vanderbilt um das Treiben dieser publizistischen “Mistharken” (”muckrakes”), die seinem Ruf in der Öffentlichkeit so nachhaltig zusetzten, allerdings wenig (”the public to be damned”). Weitsichtigere Großindustrielle hingegen wie John D. Rockefeller fingen an, über Maßnahmen nachzudenken, um sich schon prophylaktisch eine gute Presse zu verschaffen (”the public to be fooled”). Zum Zweck gezielter Weißwaschungen’ beauftragte der Öl Magnat einen Presse Agenten namens Ivy Lee, der seit 1903 Unternehmen bei ihren Problemen mit der Presse beriet. Lee hatte seine Arbeitsgrundsätze in einer “Declaration of principles” formuliert, in der sich bereits beeinflussungsstrategische mit berufsethischen Gedanken verbanden: „Unser Plan ist, kurz und offen, die Presse und die Bevölkerung schnell und genau über die Tatsachen zu unterrichten, die für sie von Wert und Interesse sind.”
Bemerkenswert an dieser frühen Äußerung ist der fast unmerkliche Wechsel der Perspektive von der Sender auf die Empfängerseite. Der Agent tat so, als spräche er gar nicht für seinen Auftraggeber, sondern als Anwalt des Publikums. Bis heute wird Lees Definition gern als die Geburtsstunde der modernen Public Relations gesehen (”the public to be informed”). Auch Rockefellers Sohn John D. junior war von dessen Arbeit so beeindruckt, dass er ihn 1914 zu seinem PR Assistenten mit dem Auftrag berief, “in breiten Kreisen Verständnis für die Politik der Standard Oil zu schaffen”.

Der eigentliche Durchbruch als allseits anerkannte Methode, die öffentliche Meinung zu bewerben und zu beeinflussen, gelang der PR während des Ersten Weltkrieges. Um einer mehrheitlich kriegsunwilligen und desinteressierten Öffentlichkeit die Notwendigkeit des amerikanischen Engagements auf dem fernen europäischen Schauplatz begreiflich zu machen bzw. den Wehrwillen junger Amerikaner zu wecken, wurde auf Initiative Präsident Woodrow Wilsons im April 1917 das Committee on Public Information gegründet. Journalisten und PR Fachleute wie George Creel oder Edward L. Bernays sorgten hier für gezielt betriebene Propaganda unter der so typisch amerikanischen Missionsidee “Make the World Safe for Democracy”. Dass der militärische Sieg ihre Überzeugungsarbeit’ (”psychological warfare”) nachhaltig beglaubigte, sollte die weitere Entwicklung ihres Berufsstandes positiv bestimmen. Nach Kriegsende und Auflösung des Committee drängten die arbeitslosen Kommunikationsstrategen in die Privatwirtschaft, um ihr Know how” für die Durchsetzung friedlicher Ziele zu nutzen” (Bernays ).

Die PR Fachleute trafon auf eine US amerikanische Gesellschaft im Wandel. Alte puritanische Vorstellungen von Lebenszuschnitt und Moral wichen zunehmend einem hedonistisch geprägten Weltbild. In der neuen urbanen Philosophie des Fordismus begriff sich die Gesellschaft selbst als eine klassen und schrankenlose, in der für die tradierte Sozialkritik eines Upton Sinclair kein Raum mehr war. Ein neues Menschenbild schien sich zu konturieren: der homo oecologicus, der zugleich auch ein homo psychologicus war. Sogar ‚business’, der amerikanischste aller Begriffe, erfuhr eine Bedeutungswandlung: Nun hieß es vor allen Dingen ‚verkaufen’ und nicht mehr primär ‚produzieren’. Der Meinungsmarkt boomte, Werbung wurde Haltung und Lebensform einer ganz ihrem Individualismus huldigenden Gesellschaft, wie sie etwa E Scott Fitzgerald in seinem Roman „The Great Gatsby” beschrieben hat. Die PR Fachleute schienen wie gerufen, die ideelle Beschaffenheit des neuen Lebensweltzugriffs und seine Ausdrucksgesten wie formen nicht nur wahrzunehmen, sondern auch interpretieren zu können und damit neben der pragmatischen Verwertung in Werbebotschaften dessen sich erst bildende Moralstandards vorab zu formulieren. Ihre Tätigkeit, als eine Art Meta Theorie der Rhetorik, beinhaltete insofern die „Schaffung eines öffentlichen Gewissens” (Bernays) als einer Instanz, welche die vorherrschenden Haltungen und Einstellungen der US Gesellschaft nachhaltig formen und prägen sollte.”

Dieses von Bernays als “Crystallizing Public Opinion” definierte Konzept einer aus Public Relations entwickelten Systemtheorie war zugleich als praktische Handlungsanweisung gedacht, eine plurale Gesellschaft durch kommunikative Maßnahmen zu steuern. Das Ziel war “managing multiple corporate identities”, die Strategie “segmental approach”, um die bereits hochgradig ausdifferenzierten Teilöffentlichkeiten adäquat ansprechen und deren Interessen vermitteln zu können. Damit war aber auch die Qualität der Beziehung des PR Fachmanns zum Publikum auf der denkbar empfängerorientiertesten Stufe angelangt (”the public to be understood”) und die im Ersten Weltkrieg noch sehr plakative und senderlastige PR zumindest vom Anspruch her zu einer Two way street Kommunikation ausgebaut worden.

An der Nahtstelle dieser kapitalistischen Gesellschaft, dort, wo privates und allgemeines Wohl in Kollision zu kommen drohten, setzte der Kommunikationsspezialist an. Natürlich konnte eine solche Mittlerposition zwischen Wirtschaft und Öffentlichkeit nicht auf der Basis festgeschriebener Abhängigkeitsverhältnisse wahrgenommen werden; zwangsläufig entstand als Organisationstyp die Public Relations Agentur. Von dieser ,selbständigen’ Position aus konnte Bernays apodiktisch erklären: „Public Relations hat in der Gesellschaft eine soziale Rolle zu erfüllen. Das, was die Wirtschaft tut, muß im öffentlichen Interesse liegen. Die Übereinstimmung von öffentlichem und privatem Interesse muß das letzte Ziel sein.”

Dieser Begriff von PR, aus der Tradition einer demokratisch verfaßten und bereits fortgeschrittenen Konsumgesellschaft entstanden, ließ sich natürlich nach dem Zweiten Weltkrieg nicht gleich auf die bundesrepublikanischen Verhältnisse übertragen. Einer der wenigen, der die Bernayssche PR Gesellschaftsphilosophie des “adjustment” (Aus und Angleichung der Interessen) schon 1937 bewundernd rezipiert und während der NS Zeit erfolglos zu propagieren versucht hatte, war Carl Hundhausen. 1967, dreißig Jahre später, formulierte Hundhausen dann im Nachwort zur deutschen Ausgabe von Bernays’ Buch “Biography of an Idea”, dieser habe „für unsere moderne Massen und Industriegesellschaft die Lehre einer gesellschaftsethischen Therapeutik entwickelt und an vielen praktischen Fällen in allen Lebens und Wirtschaftsbereichen mit großen Erfolgen unter schwierigsten Bedingungen überprüft”.

Genauer betrachtet war dieses Bernayssche Konzept allerdings eine brillante Ideologie für die PR selbst und die darin ausgeführte Idee herrschaftsfreier, „symmetrischer” Kommunikation natürlich weitgehend Fiktion. Ungeachtet dessen war es ein probates Mittel, den Berufsstand der PR Fachleute aufzuwerten und diese als Sozialingenieure der Gesellschaft zu empfehlen. In der Tat waren ihre Erfolge beeindruckend: Ob beim Umschalten von ‚Kriegs’ auf ‚Friedens’ Kommunikation 1918 oder während der Großen Depression in den dreißiger Jahren, als Massenentlassungen viele Unternehmen dazu zwangen, sich mit Hilfe von PR Fachleuten öffentlich zu erklären, stets waren die PR Leute aus Krisensituationen als Gewinner hervorgegangen. Bezeichnend waren auch Dynamik und Geschmeidigkeit, mit welcher sie es verstanden, privatwirtschaftliche ebenso wie staatliche Auftraggeber zu bedienen. Die deutschen Verhältnisse hingegen waren mit ihrem auf einer langen Verwaltungs und Beamtentradition beruhenden Institutionengefüge viel zu statisch angelegt, als dass sie der Ausbreitung des PR Agenturwesens einen Nährboden hätten bieten können.

Gleichwohl hat es auch deutsche Traditionen und Wurzeln von PR respektive Öffentlichkeitsarbeit gegeben, auf die im folgenden noch einzugehen ist. Freilich verlief deren historische Entwicklung zögerlicher und vor allem sehr viel weniger spektakulär als in den USA. Weder existierte eine breite Theoriediskussion noch gab es an den Hochschulen Vorträge oder Seminare über PR. Im Deutschland der zwanziger Jahre spielte sich die noch stark von sozialdarwinistischen und massenpsychologischen Ideologemen inspirierte Beeinflussungsdiskussion fast gänzlich unter dem Oberbegriff Propaganda ab und zielte auf die Politik. Hingegen pflegten die Beeinflussungsprobleme der Privatwirtschaft hinter verschlossenen Türen ,werbefachlich’ abgehandelt zu werden; hier existierte dann auch schon früh eine reiche Literatur vom klassischen Handbuch „für den Kaufmann” bis hin zur ausgefeilten Reklamepsychologie.

Es mutet wie eine dämonische Parallele an, wenn zur selben Zeit, als sich in den USA Begriff und Praxis von PR in ihrer prinzipiell noch heute gültigen Form herausschälten, in Deutschland Johann Plenges Buch “Propaganda” (1922) und kurz darauf Adolf Hitlers “Mein Kampf” (1925) erschienen. In einem Sammelbilder Album “Adolf Hitler”, 1935 von den Reemtsmaschen Zigarettenfabriken als Werbezugabe in Millionenauflage unters Volk gebracht , äußert sich Joseph Goebbels höchstpersönlich zu Sinn und Zweck seiner ‚Aufklärungsarbeit’:  „In dieser geschichtlich so kurzen Zeitspanne (seit 1918) hat sich in Deutschland die Propaganda als eine politische Machtgröße allererster Ordnung erwiesen; denn es bedarf heute keines Beweises mehr dafür, dass das kaiserliche Deutschland unter dem Ansturm der marxistischen Propaganda zum Sturz kam, und dass das marxistischdemokratische Regime allein hat beseitigt werden können, weil ihm nicht nur die nationalsozialistische Idee, sondern auch die nationalsozialistische Propaganda eine überlegene neue Ordnung und Fähigkeit entgegenstellte.”

Goebbels’ Äußerung erscheint symptomatisch für Stellung und Funktion von Propaganda in ideologischen Systemen. Im Gegensatz zur empfängerorientierten PR (”the public to be understood”), die stets das differenzierte Meinungsspektrum einer pluralen Gesellschaft zu berücksichtigen hat, scheint Propaganda generell eine senderorientierte Strategie der Massenbeeinflussung zu meinen; „Relations”, die Beziehungen (gerade die plurale Form macht Sinn) zum Publikum bleiben zweitrangig. Anders ausgedrückt: die beeinflussungsstrategische Intention geht dahin, die Empfänger auf die Botschaft auszurichten und nicht, wie es die PR anstrebt, die Botschaft nach Fassungsvermögen und Wahrnehmungskonventionen der Empfänger zu gestalten. Dem entspricht eine andere Verteilung der energetischen Mittel im Kommunikationsprozess. Der fast kühl anmutende psychologische Pragmatismus von PR ist der Propaganda fremd: dafür bedient sie sich gern demagogisch rhetorischer Mittel als auch einer zu großer Leidenschaftlichkeit fähigen Gestensprache.

Ein anderer sinnfälliger Unterschied in den Beeinflussungsstilen liegt in der Verwendung von Feindbildern. Deren konturierte Betonung scheint eine der basalen Säulen des propagandistischen Handwerks zu sein: der Strategie der Polarisierung wird die größte Beeinflussungswirkung zugetraut. Umgekehrt mutet die Verwendung von Feindbildern in PR Kampagnen eher marginal an, sofern sie überhaupt stattfindet. Der PR Fachmann akzentuiert nicht die abzulehnenden Weltentwürfe, sondern arbeitet prinzipiell an positiven’ Botschaften, um adjustment, also Zustimmung auf wahrnehmungspsychologischem Wege zu erzeugen. Augenfällig ist die Nähe der PR zur Wirtschaftswerbung; schließlich funktioniert doch auch diese nach dem Motto „Persil spricht nur von Persil”. Mit einem Wort Carl Hundhausens: „Eine gesunde Public Relations Policy ist gründlich, umfassend, aber nicht laut.”

In Gesellschaftssystemen, deren Nomenklatura sich offen dazu bekennt, Propaganda zu betreiben, ist diese integraler Bestandteil der Staatsideologie: Propaganda ist hier die Ausdrucksseite eines in sich konsistenten und als wahr’ definierten Weltbildes. Zwangsläufig leitet sich daraus der (totale) Anspruch ab, auch noch den letzten Bürger gewinnen zu wollen und „auf Linie” zu bringen. Exemplarisch ist auch hier wieder die Äußerung Von Joseph Goebbels: „Wenn diese Regierung nun entschlossen ist, niemals mehr zu weichen, niemals und Unter keinen Umständen ( … ), dann wird sie auf die Dauer nicht damit zufrieden sein können, 52 Prozent hinter sich zu wissen ( … ), sondern sie wird ihre nächste Aufgabe darin sehen müssen, die übrigen 48 Prozent für sich zu gewinnen.”

Ein ähnlicher Anspruch, was Reichweite und Erfolg von Propaganda betrifft, ist auch aus sozialistischen und kommunistischen Systemen bekannt. Natürlich dient auch PR dazu, Konsens zu stiften, um Machtstrukturen zu konstituieren und zu konservieren. Gleichwohl sind PR Fachleute angesichts konkurrierender Sender und einer heterogenen Öffentlichkeit von vornherein dazu gezwungen, undogmatisch und flexibel vorzugehen und ihre Erfolgschancen realistisch einzuschätzen. Ihre Aufgabe ist ja schließlich schon erfüllt, wenn es gelingt, die für Entscheidungsprozesse notwendigen Mehrheiten sicherzustellen.

Public Relations in diesem Verständnis ist natürlich auch schon im deutschen Kaiserreich faktisch betrieben worden, sowohl von staatlicher Seite (z. B. über das “Preßdezernat” im Auswärtigen Amt ab 1871) als auch von vorausschauenden Unternehmen, die in den neunziger Jahren „literarische Büros” (Krupp 1893, Henkel 1898, Siemens 1900) einzurichten begannen. Elisabeth Binder hat am Beispiel des „Nachrichten Bureaus” der Bayer Werke in Leverkusen deren ab 1906 einsetzende Öffentlichkeitsarbeit, die zu jener Zeit freilich kaum etwas anderes sein konnte als privatwirtschaftlich organisierte Pressepolitik, als ein exemplarisches deutsches Gegenstück zu den in den USA unter Public Relations firmierenden Tätigkeiten herausgestellt. Das Büro umfasste neben dem eigentlichen Nachrichtendienst auch eine Bibliothek und ein Archiv mit Materialsammlungen zu verschiedenen Themengebieten. Nach Gründung der I.G. Farben AG im Jahre 1925 wurde es aufgelöst bzw. nach Berlin verlegt. Hauptaufgabe der neuen Zentralen Pressestelle war nun, ganz im Sinne moderner PR, dafür zu sorgen, „dass sich die Menschen beim Stichwort 1.G. Farben ebensoviel vorstellen können wie bei der Nennung einer großen Benzinfirma.” Der Aufbau einer entsprechenden Corporate Identity bzw. Communications folgte Stück für Stück: 1937 erschien dann eine gemeinsame Werkzeitschrift ‚Von Werk zu Werk’, und bald darauf folgte eine Publikation Erzeugnisse unserer Arbeit’, die in einer hohen Auflage in Deutschland und in der gesamten Welt zur Verteilung gelangte. Die Aufgabenstellung war ausdrücklich mit Schaffung von good will’ für das Unternehmen festgelegt worden.”

Angesichts der Wahlverwandtschaft zwischen der bei der IG Farben praktizierten Art von Öffentlichkeitsarbeit und dem in den USA gewachsenen Stil von Public Relations war es kein Zufall, wenn die Beeinflussungsarbeit ebenso austauschbar erschien wie die sie repräsentierenden Personen: Seit 1929 stand jedenfalls der bereits erwähnte PR Pionier Ivy Lee im Sold des deutschen Chemie Konzerns und vertrat die Tochtergesellschaft der 1.G. in den USA. Insofern war es nur konsequent, wenn der spätere WAAGE-Verein, dessen Genese und Existenz ja hauptsächlich den Nachfolgegesellschaften der IG Farben zu danken war, in deren erprobten und bewährten Stil seine Kampagnen durchführte.

Neben dieser im deutschen Weltkonzern gewachsenen Grundauffassung, wie Beeinflussungsarbeit zu praktizieren sei und auszusehen habe, lassen sich natürlich auch einzelne konkrete Vorbilder diesseits und jenseits des Atlantiks anführen. So verwies H.F.J. Kropff 1953 auf den Advertising Council, eine „Einrichtung, die seit 10 Jahren in aller Stille so segensreich wirken konnte” und zum „Gewissen der amerikanischen Nation” geworden sei. Dieser Kreis habe für eine Rehabilitierung der durch marktschreierische und übertriebene Anzeigen Anfang der vierziger Jahre in Misskredit geratenen amerikanischen Wirtschaftswerbung gesorgt. Durch Spenden großer und kleiner Geschäftsleute und Werbeagenturen finanziert, sei der Advertising Council „eine von allen äußeren Einflüssen unabhängige Vereinigung zur Planung und Durchführung großer Werbefeldzüge, deren Ziel es ist, das Verständnis der Allgemeinheit für wichtige wirtschaftliche, soziale und nationale Probleme zu fördern.”
Ob Unfallverhütung, Schulkrise, Waldbrandbekämpfung, Kampf gegen Vorurteile welches Thema der Advertising Council auch immer beworben habe, „die Erfolge haben bewiesen, dass die Prinzipien, Methoden und Mittel der Wirtschaftswerbung genau so gut zur Propaganda allgemein nützlicher Ideen oder Ideale verwendet werden können wie für die Werbung zum Verkauf von Waren.”

Der auf reichsdeutschem’ Boden gewachsene und gewissermaßen legitime Vorläufer der WAAGE war ein vom deutschen Werbefachmann Hanns W. Brose initiiertes „Werbewerk Glückauf”, eine gigantische, während des Zweiten Weltkriegs ab 1942 ins Auge gefasste Kampagne zur Propagierung des Bergmann Berufes, die, obwohl zu ihrer Durchführung volle fünf Jahre vorgesehen und die gewaltige Summe von 1.440.000 RM „problemlos bewilligt” worden waren, über das Planungsstadium nie hinauskam. Dieses Werbewerk Glückauf, so Brose, dessen Agentur später die Kampagnen für die WAAGE durchführte, sei schon der konkrete Plan einer „ersten public relations Aktion in Deutschland” gewesen. Bezeichnend ist auch, welche Hochachtung einer der WAAGE Initiatoren, ihr späterer Schatzmeister Alphons Horten, dieser Kampagne retrospektiv entgegenbrachte: „Das war echte Aufklärungsarbeit: über den Weg der Wissensvermittlung sollte die Kohle generell bekannter gemacht und speziell für die Schaffung eines berufsverbundenen Bergmannsstandes geworben werden.”

Die Notwendigkeit des “engineering of Public Consent” (Bernays) sollte sich in den fünfziger Jahren in der Bundesrepublik als die gesellschaftskonstituierende Hauptaufgabe erweisen. Zur innerbetrieblichen Aufklärung hatte sich Alfred Müller Armack bereits 1950 geäußert, indem er ausführte, die industrielle Gesellschaft brauche zu ihrer Konsolidierung die Zustimmung der in ihr Arbeitenden. Um die schwierige Frage der Identitätsstiftung zu meistern, sei vor allem Offenheit im Betrieb wichtig sowie die Schaffung einer Vertrauensatmosphäre durch fortlaufende Aufklärung der Belegschaft. Nur durch diese Publizität und die bewußte Anerkennung der öffentlichen Verantwortung werde langfristig ein „neuer Betriebsgeist in einer sozialen Ordnung” entstehen.

Die weltpolitische Spannungssituation der Jahre 1950/51 dürfte den entscheidenden Anstoß gegeben haben, mit der Herstellung von „public consent” wirklich Ernst zu machen. Es ist sicher kein Zufall, dass 1951 gleich drei gewichtige Publikationen vorlagen, deren Autoren sich Gedanken zur sozialpsychologischen Stabilisierung gemacht hatten. Alle Bücher warteten mit Elitetheorien auf, die ‚zeitgemäßes’ Herrschaftswissen diskutierten und dies im wirtschafts wie gesellschaftspolitischen Bereich angewendet wissen wollten. Zwei von ihnen führten überdies den Begriff des ,so benötigten „öffentlichen Vertrauens” im Titel. Carl Hundhausen entwickelte in seiner Schrift „Werbung um öffentliches Vertrauen. Public Relations” die Grundlage einer eng an Bernays ausgerichteten universellen Gesellschafts und Beeinflussungstheorie für bundesrepublikanische Verhältnisse. Für einen zweiten, aber nicht erschienenen Band stellte Hundhausen ,alte” und “neue” Instrumente der PR einander gegenüber. Lokalisierte er die wenigen alten „Mittel der Werbung um öffentliches Vertrauen” fast ausschließlich im Bereich der klassischen Pressepolitik, so scheint das neue Instrumentarium der PR vollständig aus einer Open door Ideologie abgeleitet: Derselbe Geist, der innerbetrieblich als Human Relations wirkte, sollte als Public Relations nach außen in die Öffentlichkeit treten. War Hundhausen über die intensive Bernays Rezeption zur Idee des öffentlichen Vertrauens gestoßen, so kam Hans Domizlaff über die Traditionen der Massenpsychologie der zwanziger Jahre sowie seine eigenen, werbepraktischen Erfahrungen in seinem Buch „Die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens. Ein Lehrbuch der Markentechnik” auf denselben Begriff. Aus seiner Sicht war die Durchsetzung eines Markenprodukts, beeinflussungstechnisch gesehen, kein anderes Problem als die Propagierung einer politische Idee. Dass in beiden Fällen dieselben oder nur geringfügig andere Mittel zum Einsatz kommen sollten, stand für ihn außer Zweifel. Insofern war sein vordergründig als Werbefachbuch daherkommendes Werk letztlich als universelle unternehmerische Beeinflussungstheorie gedacht.”

Mehr auf den praktischen Sinn abzielend und auf die Mentalität deutscher Unternehmer besser berechnet wirkte die „Moderne Meinungs-Pflege” des Handelsblatt Gründers Herbert Gross. Schon aus der Unternehmerfunktion selbst leite sich das besondere Recht her, auf die öffentliche Meinung Einfluß zu nehmen: In ihm, der „Synthesekraft” in der Firma, vereinigten sich schließlich die verschiedenen Funktionen wie Arbeit und Kapital, öffentliche Hand, Organisationen, Lieferanten und Abnehmer. Er trage somit Verantwortung innerhalb der Firma und außerhalb. Da die Firma zum „bestimmenden Teil unserer Lebensordnung” geworden sei, sei sie eine „öffentliche Einrichtung auf privater Grundlage”. Von diesen Voraussetzungen aus erklärt Gross, was Sinn und Zweck von Meinungspflege sei: „Sie fordert nichts, verurteilt niemand, klagt nicht an; sie ist nur bemüht, die Identität der öffentlichen Interessen mit denen der betreffenden Einrichtung selbst nachzuweisen und erstrebt so bei den verschiedensten Gruppen und damit bei den Wählern das Vertrauen in die Unternehmung.”

Der Unternehmer handle also als „Sachverwalter des öffentlichen Interesses”. Damit steht für Gross fest: „Die Gemeinsamkeit der Interessen führt zur Gemeinsamkeit der Abwehr ordnungsfremder Kräfte wie der staatlichen Zwangswirtschaft.” Diejenige Ordnung, von der es alle Bevölkerungsschichten zu überzeugen gelte, da nur sie das Gemeinwohl fördere, sei die Marktwirtschaft. Für den Unternehmer bedeute dies: „Diese Überzeugung, Träger der besten aller denkbaren Ordnungen zu sein, führt zu einer Haltung geistiger und politischer Souveränität.” Was die Grossschen Darlegungen gerade für jene Kreise, die sich in der WAAGE zusammenfanden, besonders attraktiv machte, war das in ihnen mitschwingende, paternalistisch idealistisch überhöhte Unternehmerbild. Insofern nimmt es nicht wunder, dass auf der Seite der Adressaten diese Botschaft ihre Wirkung nicht verfehlte. So forderte etwa Joseph Winschuh im Sommer 1951 in einem Vortrag unter dem Titel „Ein Unternehmerprogramm tut not!” dazu auf, eine unternehmerische PR Initiative zu gründen, um ein neues Unternehmerbild zu schaffen.

Wie aber konnte PR konkret aussehen, wenn es darum ging, ein Wirtschaftssystem, das im Grunde eine Idee Intellektueller („Soziale Marktwirtschaft”) war, an ein davon noch kaum berührtes Publikum heranzutragen? Es gab anfangs gar keinen anderen Weg, als diese zu propagieren. Von echten „Relations”, lebendigen Beziehungen zum Publikum also, die eine Two way street Kommunikation im Sinne von Bernays ermöglicht hätten, konnte jedenfalls vorerst die Rede nicht sein. Was das Publikum jedoch verstand, da es sie gewohnt war, waren die Mittel der Wirtschaftswerbung, welche die Markenartikel Industrie seit Jahrzehnten zur Bewerbung ihrer Produkte einsetzte: Eye Catcher, Schlagzeile, Text, Appell und Logo. Vom „werbewissenschaftlichen Standpunkt”, wie ihn vor allem H.F.J. Kropff vertrat, war der Schluß sehr wohl nachvollziehbar, mit dem Erscheinen der WAAGE in der bundesdeutschen Öffentlichkeit sei „die deutsche Werbung in eine neue Phase” getreten.

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“Das Neueste wärmte nicht”

Freitag, 12. Juni 2009 11:13

Die ökonomische und sozialpsychologische Situation 1951

© 1999 Dirk Schindelbeck

In seinem Roman „Tauben im Gras” entwirft der Schriftsteller Wolfgang Koeppen mit der Darstellung eines einzigen Tages im München des Jahres 1951 auch ein scharfsichtiges Bild der damaligen Stimmungslage: “Was schrieben die Zeitungen? Krieg um Öl, Verschärfung im Konflikt, das Öl den Eingeborenen, die Flotte ohne Öl, Anschlag auf die Pipeline, Truppen schützen Bohrtürme. Schah heiratet, Intrigen um den Pfauenthron, die Russen im Hintergrund, Flugzeugträger im Persischen Golf. ( … ) Das Neueste wärmte nicht. Spannung, Konflikt, man lebte im Spannungsfeld, östliche Welt, westliche Welt, man lebte an der Nahtstelle, vielleicht an der Bruchstelle, die Zeit war kostbar, sie war eine Atempause auf dem Schlachtfeld.” Die Diagnose des Dichters fand ihre Bestätigung in den nüchternen Worten eines Wirtschaftsjournalisten: “Der Mensch”, so hieß es 1951 im Stamm, einem verbreiteten Handbuch für Presse und Werbung, “ist von Angst erfüllt und wagt nur noch kurzfristig zu disponieren. Diese Labilität wird auch in der Wirtschaft spürbar ( … ). Es ist kein Zufall, daß in solcher Zeit ,da der Mensch selbst in Unordnung geraten ist’ ein besonderes Interesse an seelischen Vorgängen erwacht.” [weiter...]

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Einleitung “Haste was, biste was…”

Freitag, 12. Juni 2009 6:05

© 1999 Dirk Schindelbeck/Volker Ilgen

Bundesrepublik Deutschland, Herbst 1952: In Zeitungen und Zeitschriften erscheint die erste Anzeige einer Kampagne, die für das noch neue Wirtschaftssystem der jungen Demokratie, die Soziale Marktwirtschaft, werben will. Nicht etwa amtliche Stellen sind die Initiatoren dieser Public-Relations Aktion, sondern Unternehmer, die dermaßen wirtschafts und sozialpolitische Fragen allgemeinen Interesses in die Öffentlichkeit tragen wollen. Daß dies im Sinne des eigenen Standpunkts geschieht, dürfte selbstverständlich sein. Dennoch versetzt der Versuch, einem sich erst konsolidierenden Staat hinsichtlich der Vermittlung und Akzeptanz einer auf freien Wettbewerb gegründeten Wirtschaftsordnung flankierende und wie es scheint uneigennützige Schützenhilfe zu leisten, den heutigen Betrachter in Erstaunen. Wenngleich die Sympathien dieser Unternehmergruppe unzweifelhaft im Lager der bürgerlichen Parteien anzusiedeln waren, handelte es sich doch keineswegs um eine politische pressure group. Der Adressat ihrer, wie sich herausstellen sollte: über lange Zeiträume kommunizierten Botschaften blieb stets der “kleine Mann” auf der Straße. Als einziger “Lohn” ihrer Bemühungen mochte sich in demoskopischen Untersuchungen ein ansteigender Goodwill für den unternehmerischen Standpunkt im Rahmen eines liberalen Wirtschaftsmodells in der Bevölkerung niederschlagen, ein Goodwill hinsichtlich des gesellschaftlichen Konsenses der fünfziger Jahre, der unter dem Stichwort “sozialer Friede” das mentale Gerüst für den Wiederaufstieg Westdeutschlands bildete. [weiter...]

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Werbung für die Soziale Marktwirtschaft

Freitag, 12. Juni 2009 6:02

© 1999 Dirk Schindelbeck/Volker Ilgen

Im Folgenden präsentiere ich Ihnen  den Volltext aller von mir verfassten Kapitel aus dem Buch “Haste was, biste was!” Werbung für die soziale Marktwirtschaft, erschienen bei der wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt 1999. Das große von Volker Ilgen geschriebene Kapitel über die Förderer der WAAGE, zugleich eine Analyse der Anatomie personaler Verflechtungen deutscher Unternehmer im Dritten Reich, während des Krieges und in der Nachkriegszeit, wird hier ausgespart. Sie können es im Buch nachlesen. Gleiches gilt für die hier nicht wiedergegebenen Quellen- und Zitatnachweise: Wer darauf Wert legt, findet sie im Anhang des Buches auf den entsprechenden Seiten (S. 207-268).

Einleitung

Das Neueste wärmte nicht Die ökonomische und sozialpsychologische Situation 1951

“Eine gesellschaftsethische Therapeutik entwickeln” Die WAAGE im Schungel der Beeinflussungstheorien

Es ist der Geist, der sich den Körper baut…” Zur Anatomie eines politisch wirkenden Vereins in der Nachkriegszeit

“Als Betriebsausgaben einwandfrei dokumentiert..” Die Hohe Kunst der Finanzierungstechnik

“Denken im Mehrzahlbereich ermöglicht die Machtausübung” Zur Rolle des Allensbacher Instituts für Demoskopie

“Herr Brose ist nicht der Erfinder der WAAGE” Die Zusammenarbeit mit der Frankfurter Werbeagentur Brose

“Klassenkampf mit Inseraten” Politische Gegner der WAAGE

Werben auf allen Ebenen Das OEvre der WAAGE

“Können wir besser leben?” 1953: Weichenstellung für die Marktwirtschaft

“Der Klassenkampf ist zu Ende!” 1956: Rationalisiierung und Hochkonjunktur

“Mit beiden Füßen fest auf der Erde!” 1959: Marktwirtschaft mit Wohlstandsbauch

“Was ist Sachlichkeit?” 1962: Maßhalteappelle und Lohnkämpfe

“Der kluge Ludwig!” Von Aktualität und Redundanz eines marktwirtschaftlichen Lernprogramms

“Der Teufel schläft nie, aber die WAAGE wacht!” Bilanz: Eine PR-Organisation als Kommunikationsphänomen in ihrer Zeit

Mehr zum Buch finden Sie hier.

Thema: Soziale Marktwirtschaft | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck