Archiv der Kategorie: '"Docere"'

Sammelfieber

Samstag, 11. September 2010 16:28

Unter dieser Überschrift finden Sie mehrere Texte zum Phänomen des modernen Sammelns. Sie stammen aus dem Volker Ilgen und mir 1997 verfassten Buch “Jagd auf den Sarotti-Mohr. Von der Leidenschaft des Sammelns”. Neu ist der Text “Wenn die Sammlung explodiert”. Eine Weiterführung des Textes “Leben und Taten der Wikinger” samt Einschätzung der aktuellen Lage im H0-Automodellmarkt folgt demnächst.

Auch in der einen oder anderen Rubrik finden sich Texte, die mit dem Sammeln zu tun haben wie  der unter “Alte Werbemethoden,-mittel und -wege” eingestellte Vortrag zum Thema Emailschilder. Gleiches gilt für die Satire “Mein Gußzylinder, mein Über-Ich. Ein Sammlertraum(a).

Im Land des Sammelns. (Einleitung aus Jagd auf den Sarotti-Mohr)

Dahinter steckt immer ein kluger Kopf. Die Büsten-Sammlung der Walhalla

Leben und Taten der Wikinger. Vom Maßstab des deutschen Mannes

HO-Modellauto 2010 - eine Bestandsaufnahme: Leben und Taten der Wikinger revisited

Das Ei des Ferrero. Vom Sammelfieber der 90er Jahre

Wer hat’s erfunden - die Schweizer. Vom Rahmdeckeli-Sammeln in der Alpenrepublik

Wenn die Sammlung explodiert. Der Fall des Radiosammlers B.

Thema: Sammelfieber | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Elfchen zur WM-Elf

Montag, 14. Juni 2010 11:17

© 2010 Dirk Schindelbeck

Gnaden-
und schnörkellos,
Leute. Elf Freunde
spielen unsere Feinde nieder:
— los

Neuer-
dings ist
unser Torwart Jungspund,
das hält, sogar die
Elfer

Schweini-
sche Geschichte:
hängender Sechser, räumt
ab, verteilt nur Zucker-
Bälle

Klose
klar wie
Kloßbrühe, abgebrüht wie
immer, aber immer öfter
wichtig

Lukas
Evangelium nach
einer göttlichen Schusstechnik
aus allen Lagen ballernd
ansatzlos

Lahm,
quirlig, nie
lahm, ganz ohne
Allüren, einfach der bessere
Berti

Ballack,
unsere blutende
Wunde. “Die Deutschen
haben nichts außer Ballack..”
Schaumermal!

Cacao:
fair trade
(ganzer Name unaussprechlich)
endlich tanzt unsere Mannschaft
Samba

Mertesacker
Lufthoheit garantiert
unten redlich ackernd
wie eben ein Mertesacker
kann

Trainerfrage
aufgeschoben, vorerst
Werbespots für Joghurt
wie früher Uns-Uwe: Milch
machts.

Thema: Fußball-Ansichten | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Donnerstag, 10. Juni 2010 13:14

Das "ballrunde" Fußballgedicht in der einzig ihm angemessenen Optik

Das "ballrunde" Fußballgedicht in der einzig ihm angemessenen Optik

© 1995 Dirk Schindelbeck

Dieses Gedicht - die geniale Strophe verdanke ich Johann Christian Günther (1695-1723; “An Leonore beim anderen Abschiede”) - arbeitet nach dem Prinzip der kalkulierten Redundanz. Es ist sowohl ein barockes

Gedichtmarke "barock"

Schindelbecks Gedichtmarke "barock"

als auch ein konkretes

Gedichtmarke konkret

Schindelbecks Gedichtmarke "konkret"

Gedicht, was das beigefügte Bild verdeutlichen möge, wo jede Strophe gleichsam zu einem Spieler auf dem Rasen wird, der den Ball aufnimmt und weitergibt. Ausgestellt wurde es im Jahr 2001 innerhalb der Performance “Poetische Installationen”. Die Besucher konnten raten, wo es anfängt und ob es überhaupt anfängt (oder aufhört)… Es findet sich auch in der von Günter Guben und Astrid Braun herausgegebenen Anthologie “Zur Zeit” (edition kanalstr. 4, S. 158ff., Stuttgart 2008), wo es leider nicht im Kreis gedruckt werden konnte. Aber dafür hier - gepriesen sei das Internet…

„Ein Null zu Null steht gar nicht zur Debatte,
schon immer lag im Angriff unser Heil,
denn den Erfolg, den meine Mannschaft hatte,
errang sie im Direktspiel, schnell und steil:
Der Offensivgeist hat sie meist zum Sieg geführt,
doch kontrolliert.”

Noch kontrolliert der Mann in schwarz die Spieler,
die Stollen, Schoner mit geübtem Blick.
Das Stadion brodelt. Plötzlich wird es stiller:
Soeben aus dem Presseraum zurück
Tritt auf der Admiral und wird bestaunt,
und alles raunt.

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Thema: Deutschlandgedichte, Fußball-Ansichten | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Roller für die Sieger

Dienstag, 18. Mai 2010 10:14

oder: Das deutsche Wunder

© 2001  Dirk Schindelbeck

wunderroller1

1 Ein Unternehmer, wohlgeraten
- Lieblingsessen Schweinebraten -,
das war Hans Glas, ein Fabrikant
aus Dingolfing im Bayernland.

wunderroller2

2 Man schrieb das Jahr des Siegs von Bern;
schon strebten unsere Helden gern
zur Heimat, die sie warm empfing
in München und auch Dingolfing.
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Thema: Balladen/Eklogen, Deutschlandgedichte, Fußball-Ansichten | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Sieger Marke Deutschland oder „Wie wir Weltmeister wurden”

Donnerstag, 13. Mai 2010 18:49

Helden-Stück in drei Akten

(aus: Dirk Schindelbeck/Andreas Weber (Hg.): Elf Freunde müsst ihr sein!” Einwürfe und Anstöße zur deutschen Fußballgeschichte <= Geschichtswerkstatt Nr. 28>, Freiburg 1995, S. 71-93, wiederabgedruckt in: Rainer Gries/Volker Ilgen/Dirk Schindelbeck: „Ins Gehirn der Masse kriechen!” Werbung und Mentalitätsgeschichte, Darmstadt 1995, S. 74-92. Dort finden sich auch die hier weggelassenen Fußnoten und Quellenbelege)

© 1994 /2010 Dirk Schindelbeck

Dies dramatische Impromptu vom Kollektivleben deutscher Seele nimmt dank eines klugen Zeremonienmeisters einen glücklichen Ausgang, und selbst der „Böse” wird hier mit Nachsicht behandelt. Die Helden aber das sind neben den Akteuren auf der Bühne ja wir selbst, die Zuschauer wie wir wurden, was wir sind.

Vorspiel auf dem Theater und Einstimmung des Publikums

„Aus der Enklave, die da bei Konstanz liegt, ich weiß den Namen nicht mehr genau ( … ), die abgeschlossen ist von unserem deutschen Land, wurde die Bitte geäußert, daß der Wagen mit der heimkehrenden Fußballmannschaft auch dort halten sollte. (…) Ein Appell an die Bundesbahn, diese prachtvolle Institution, ( … ) hatte dann auch Erfolg, und so konnten wir das Zeichen der Treue dieser Deutschen in der Enklave, die nicht mit unserem Vaterland vereint sein dürfen, entgegennehmen.” Peco Bauwens, der erste Nachkriegspräsident des Deutschen Fußball Bundes, vergriff sich im Ton; doch als der Sondertriebwagen mit der Weltmeistermannschaft kurz vor Singen bundesrepublikanischen Boden erreichte, hatte sich die Welt der Deutschen verändert.

Fritz Walter und Frau Italia

Fritz Walter und Frau Italia

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Thema: Fußball-Ansichten | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Welttheater. Kommunikationstheorie und -geschichte der Weltausstellungen

Freitag, 30. April 2010 14:39

© 1999/2010 Dirk Schindelbeck

Der folgende Essay ist eine Aktualisierung und Weiterführung meines aus Anlass der bevorstehenden Expo 2000 in Hannover geschriebenen Textes. (abgedruckt seinerzeit in: Universitas. Zeitschrift für interdisziplinäre Wissenschaft, 54. Jg., Heft 11/1999, S. 1069-1082). Er rekapitulierte die damals 150-jährige Geschichte einer Institution, die vor allem der Selbstinszenierung der westlichen Industriegesellschaften diente. Es scheint, dass diese Institution, die vor allem in den 80er Jahren des 20. Jhts. als obsolet erschien, mit dem Erstarken des asiatischen Wirtschaftsraums wieder an Attraktivität gewinnt. Das soeben eröffnete gigantische Weltausstellungsspektakel in Shanghai ist dafür ein eindeutiger Beleg. Gleichwohl hat der Aufsatz von 1998/99 kaum etwas von seiner Aktualität verloren, weil er strukturelle Aspekte dieser Großereignisse im Sinne einer globalen Kommunikationstheorie herauszuarbeiten versucht, die sich aus ihrer Geschichte speist und gerade deshalb Einblicke hinter die Kulissen des nicht enden wollenden Welttheaters „Weltausstellung” zu geben vermag.

Erinnerungsheft an die EXPO 1958 in Brüssel mit (visionärem?) Asien-Motiv

Erinnerungsheft an die EXPO 1958 in Brüssel mit (visionärem?) Asien-Motiv

Die soeben eröffnete Weltausstellung in Schanghai führt die nunmehr 160-jährige Tradition der Weltausstellungen weiter. Stets waren diese Großveranstaltungen Ausdruck ihrer Epoche wie auch der jeweils vorherrschenden Version vom „Projekt Zukunft”. Verschiedenste Regimes haben mittels Weltausstellungen versucht, ihre nationale Idee zu präsentieren. Hier wurden technische wie soziale Entwicklungstendenzen sichtbar, begründeten sich wirtschaftliche Erfolge ganzer Industriebranchen und neuer Produkte, und nicht zuletzt prägte und prägt bis heute ihre spektakuläre Architektur das Gesicht vieler Metropolen.

Gänsespiel für Kinder zur Pariser Weltausstellung 1900

Gänsespiel für Kinder zur Pariser Weltausstellung 1900

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Thema: PR & Propaganda | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Reklame & Werbung

Freitag, 30. April 2010 8:21

In dieser Rubrik finden Sie Texte zum Thema “Alte Reklame” bzw. “Werbung”. Bis heute ist sich die Kultur- bzw. Kommunikationswissenschaft nicht einig darüber, wann “Reklame” sich zu “Werbung” wandelte. Viele sehen in der Umbenennung der gleichnamigen Fachzeitschrift durch die Nationalsozialisten 1935 in “Deutsche Werbung” den entscheidenden Paradismenwechsel, andere plädieren für eine Verwendung des Begriffs Werbung erst für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Andererseits gab es schon vor dem Ersten Weltkrieg Dienstleister, die sich im vollen Bewusstsein in Absetzung von Reklameschreierei “Werbeanwalt” nannten, wie umgekehrt eins der bekanntensten Gedichte Ingeborg Bachmann von 1953 noch unter dem Titel “Reklame” figuriert.

Sinnvoller erscheint es dagegen, Phänomene  der werblichen Kommunikation strukturell zu ordnen: also Werbeformen (z.B. Emailschilder, Werbefilme usw.) von ihrern Erzeugnern (z.B. Werbeberater, Grafiker usw.) sowie den beworbenen Produkten selbst zu trennen.

Innovative Werbemethoden, -mittel und -wege

Galerie deutscher Werbefachleute

Untergegangene Produkte

Thema: Reklame & Werbung | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Lyrik, Cash und Lobby

Sonntag, 21. März 2010 10:12

brueckenflower011

aus: Brückenflower. Neue und ältere Lyrik über Brücken und Blumen, Verbindung und Verständigung, Edition L, Hockenheim 2010, S. 7-13

© 2010 Dirk Schindelbeck

Mein aufschlussreichstes Erlebnis im Hinblick auf den Platz, welcher der Lyrik in unserer Gesellschaft zugestanden wird, vermittelte mir der Redakteur einer auf soziale Themen ausgerichteten Zeitschrift. Auf die Frage, ob er nicht auch mal ein Gedicht abdrucken wolle, kam die harsche Antwort: „Nein, ich möchte kein Fass aufmachen!” Der erfahrene Redakteur wusste allzu gut um die Folgen: eine Flut von Zusendungen, derer er sich nicht mehr würde erwehren können. Wo anfangen, wo aufhören, wie auswählen? Das tat er sich nicht an.

Als Lyriker gedruckt zu werden ist ein heißer Wunsch, und - falls es gelingt - ein rares Glück. Schließlich schreiben Hunderttausende von Menschen Gedichte, aber nur ein Bruchteilchen dieser Produktion wird gedruckt. Buchverlage, mit Lyrik-Manuskripten überhäuft, lehnen dankend ab. Wenn sie überhaupt antworten. In keiner anderen Literaturgattung ist das Missverhältnis zwischen gedruckten und ungedruckten Texten größer. Das ruft findige Geschäftemacher auf den Plan, die sich Verleger nennen, bei Licht besehen aber nur eine Druckwerkstatt betreiben und als Autorenverlage längst berüchtigt sind. Sie verlangen horrende „Zuschüsse”, aber Zuschüsse für welche Leistungen? Sie beraten und lektorieren nicht, die Buchgestaltung ist mehr als oberflächlich, geht am Inhalt laienhaft vorbei, es fehlen fundierte Geleitworte, die auch für die Presse wichtig sind, und auch der Verkauf wird nicht unterstützt… [weiter...]

Thema: Deutsche Literatur | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Propaganda mit Gummiballons und Pappraketen

Montag, 14. Dezember 2009 16:53

Zum deutsch-deutschen Flugblattkrieg nach dem Bau der Mauer

© 1995 Dirk Schindelbeck

Im Sommer 1959 fuhr ich - sieben Jahre alt - mit meinen Eltern nach West Berlin, um einen Onkel zu besuchen. So gründlich meine Erinnerungen an den Aufenthalt auch verblasst sind, die obligatorische Stadtrundfahrt, die natürlich auch in den damals noch nicht abgetrennten Ostteil der Stadt führte, ist mir noch heute präsent. Als wir die Sektorengrenze passiert hatten und an den ersten grauen Häuserblocks vorbeifuhren, platzte ich ungeduldig heraus: „Und wo sind die Russen?“ Die Erwachsenen im Bus lachten. Ihre unvermutete Reaktion erweckte in mir die Lust, das Spielchen zu wiederholen, und bald hieß es an jeder dritten Straßenecke: „Wann kommen denn endlich die Russen?“

Bundeswehr-Propaganda-Ballon wird mit Gas befüllt (Quelle: Bundesarchiv-Militärarchiv)

Bundeswehr-Propaganda-Ballon wird mit Gas befüllt (Quelle: Bundesarchiv-Militärarchiv)

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Thema: PR & Propaganda | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

“Kein Vergnügen ohne Revolver”

Montag, 7. Dezember 2009 16:16

Aus der Frühzeit der Zeitungsannonce

© 2009 Dirk Schindelbeck

hippolit687

1879 erscheint in der Tagespresse eine Handzeichnung mit einem balladenartig-versifizierten Text, einen dreisten „Raubüberfall im Thiergarten” darstellend. Solche Präsentationen außergewöhnlicher Ereignisse ist das Lesepublikum im späten 19. Jahrhunderts gewohnt. Sie finden sich vornehmlich in den Illustrierten Bilderbogen (Neuruppiner, Deutsche, Münchner Bilderbogen etc.) der Zeit, sind überaus beliebt für alle Arten erbaulicher und belustigender, skurriler und moralisierender Geschichten.

In Bildtextkompositionen nach Bilderbogenmanier haben Verse die Funktion, ein gewisses literarisches Qualitätsniveau anzuzeigen; ein Gegenstand, der so behandelt wird, hat Wertigkeit, ja Würde. Im vorliegenden Fall wird dadurch zudem lange verdeckt, dass es sich hier um eine Reklame handelt. Zu breit und gewichtig erscheint die Geschichte, aus der sich erst allmählich der werbende Charakter einer Annonce herausschält.

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Thema: Reklame & Werbung | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck