Beiträge vom November, 2008

Sigmund v. Birken: Der Friede spricht

Sonntag, 9. November 2008 18:24

Nun lustig, ihr Helden, laßt Fröhlichkeit walten,
mich Frieden ein freudiges Einzugsmahl halten!
Ertränket, versenket die Fehden in Wein,
laßt alles vergeben, vergessen heut sein! [weiter...]

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Caspar Kirchner: Phoebus pfleget jetzt zu rennen…

Sonntag, 9. November 2008 18:21

Phoebus pfleget jetzt zu rennen /
Durch deß runden Himmels Saal /
Da er pfleget vberal
Den Erdboden zu verbrennen.
Doch brennt Phoebus nicht so sehr /
Weil mein Hertze brennt viel mehr. [weiter...]

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Ernst Christoph Homburg: Was ist die Liebe?

Sonntag, 9. November 2008 18:17

Ein Feuer sonder Feur, ein lebendiger Tod,
ein Zorn, doch ohne Gall, ein angenehme Not,
ein Klagen außer Angst, ein überwundner Sieg,
ein unbeherzter Mut, ein freudenvoller Krieg;
ein federleichtes Joch, ein nimmerkrankes Leid,
ein zweifelhafter Trost und süße Bitterkeit,
ein unverhofftes Gift und kluge Narretei,
ja, kürzlich: Lieben ist nur bloße Phantasei.

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Heinrich Mühlpfort: Als Herr —– aus den 6ten in den 4ten Ordinem als Schul-Collega gesetzet wurde.

Sonntag, 9. November 2008 18:14

Triumph/ mein A.B.C./ ich bin nunmehr gerücket!
Ach allerliebster schatz/ nun wird es besser gehen;
Es wird den cedern gleich ietzt deine wohnstatt stehn/
Nachdem der himmel mich so freundlich angeblicket.

Ich sehe schon im geist/ in freunden schon entzücket/
Wie die frau Ilse dich im paaren wird erhöhn:
Wie die frau Cantorin/ und wär sie noch so schön/
Wird zwey par hinter dich; ach wenn/ ach lust! geschicket.

Dir/ Priscian/ sey danck/ so lang ich dancken kann/
Dass ich ein schulen-liecht in solchem glantz bin worden.
Schaut mich verwundernde/ Syntax-Verwandte/ an/

Wie aus dem sechsten ich spring in den vierten orden.
Frau/ käm ins künfftige mir fleißig die parüque/
Es heist mich sauber gehen mein blühendes gelücke.

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Johann Peter Titz: Wald-Gesang

Sonntag, 9. November 2008 18:08

Amarunt Di quoque sylvas.

Hier / wo die dicken Bäume stehn /
Jn derer Schatten man kan gehn /
Wil ich verlassen alles Leid /
Vnd meine lange Trawrigkeit
Beyseite thun auf eine Zeit.

Wie hat doch die Natur den Thal
So schön gezieret überal!
Wer hier nicht loß wird seiner Pein /
Wer hier nicht Frewd vnd Lust nimbt ein
Muß ja gar vnempfindlich seyn. [weiter...]

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Georg Greflinger: drei Oden

Sonntag, 9. November 2008 15:51

Die folgenden drei Oden des zum poeta laureatus gekrönten Georg Greflinger zeigen sehr deutlich, warum ihm dieser Titel verliehen wurde. Virtous in der formalen Handhabung rhetorischer Figuren und Satzkonstruktionen, erfindungsreich in Bildern und Reimen, raffiniert in der gedanklichen Führung und Irreführung seiner Lesers gehörte Greflinger - wie auch David Schirmer - eigentlich in die erste Reihe deutscher Barocklyriker. Gleichwohl ist er bis heute so gut wie unbekannt geblieben.

Sein gutes Gefängnüs

Mein Herze liegt bestricket,
Bestricket was? entzücket,
Von ungemeinen Banden,
Was Band? in allen Landen,
Was Land? so weit die Strahlen
Den Erdenkreis bemalen,
Ist nicht dergleichen funden
Als sie, die mich gebunden.

Hab ich auf sie zu klagen?
Was klagen? mehr zu sagen,
Was sagen? mehr zu schreiben,
Was schreiben? es muß bleiben,
Ihr Lieben nach Geziemen
Ist nicht genug zu rühmen,
Was rühmen? ihr Bestrahlen
Kann Mund und Faust nicht malen. [weiter...]

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Georg Rodolf Weckherlin: Die Spiegelmacher an das Frauenzimmer

Sonntag, 9. November 2008 14:38

(frühe Fassung, vor den Opitzschen Reformen)

Nymfen, deren anblick mit wunderbarem schein
Kan unser hertz zugleich hailen oder versehren;
Und deren angesicht, ein spiegel aller ehren,
Uns erfüllet mit forcht, mit hofnung, lust, und pein:
Wir bringen unsern kram von spiegeln klar und rein,
Mit bit, ihr wollet euch zuspieglen nicht beschweren:
Die spiegel, welche uns ewere schönheit lehren,
Lehren euch auch zumahl barmhertziger zusein.
So gelieb es euch nun, mit lieblichen anblicken
Erleuchtung gnädiglich unsern leuchtenden dantz,
Und spieglend euch in uns, uns spiegler zu erquicken:
Wan aber ungefehr ewerer augen glantz
Uns gar entfreyhen solt, so wollet uns zugeben,
Das wir in ewerm dienst fürhin stehts mögen leben. [weiter...]

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Otto Christoph Eltester: Zwei Sonette

Sonntag, 9. November 2008 14:33

An die Vollkommenheit seiner Solimene

Die Schönheit, welche dir aus allen Gliedern blickt,
der Hals, dem Elfenbein und Alabaster weichen,
der Mund, vor welchen selbst der Purpur will erbleichen,
die Augen, deren Blitz fast alle Welt entzückt,

und deren keusche Glut die Herzen fest verstrickt,
die Stirne, die den Glanz der Perlen kann erreichen,
die Wangen, welchen nie kein Silber zu vergleichen,
in denen Lieb und Huld ihr Bildnis eingedrückt;

die wohlgestalte Läng’, das anmutsvolle Wesen,
die atlasweiche Hand, die Schnee zuschanden macht,
der Haare Kostbarkeit, und überird’sche Pracht,

und was du sonsten mehr zu deinem Schmuck erlesen,
macht, dass man dich verehrt vor andern weit und breit:
Ein Fehler bleibt dir nur, der ist die Grausamkeit. [weiter...]

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Johannes Plavius: Courante oder Drähe-Tanz

Sonntag, 9. November 2008 14:21

Gedencket wie kräncket vnd lencket einn doch
Die lieb’ vnd jhr trübe betrübetes joch!
Vor dacht’ ich; wer macht mich: wer achtt mich mit fug
Wie Plato / wie Cato / wie Crates / so klug
Nu reisst meinen sinn /
Als ich nu werd’ inn’/
In liebe die liebe beliebete hin.
So zwinget / so dringet / so bringet vns weh
Mit tücken mit blicken / mit stricken in d’ eh. [weiter...]

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Johann Georg Schoch: An Amarellen

Sonntag, 9. November 2008 14:14

Schönste Amarelle/
Hier an deiner Schwelle
Hab ich fast die Nacht
Halb vorbey gebracht/
Deiner Augen Zier
Macht/ dass ich allhier
Noch so späte bin an deiner Thür. [weiter...]

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