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Dirk Schindelbeck » 2009 » Februar

Beiträge vom Februar, 2009

„Der Sozialismus in seinem Lauf…”

Freitag, 27. Februar 2009 11:04

Preispolitik und Konsum in der DDR der Honecker-Ära

© 2003 Dirk Schindelbeck

Nur wenige Zeitgenossen nahmen - sowohl im Westen als auch in der DDR - den schleichenden ökonomischen Niedergang der sozialistischen Planwirtschaft schon während der Anfangsjahre der Ära Honecker wahr. Dies lag vor allem an der populistischen, auf stabile und für die Güter des täglichen Bedarfs garantierte Endverbraucherpreise ausgerichteten Wirtschaftspolitik. Wenngleich dieser Kurs Erich Honeckers von seinen Parteifreunden und -genossen immer wieder kritisch begleitet und kommentiert worden war, so wurde er in der letzten Konsequenz und wider besseres Wissen (freilich stets auch im Sinne des eigenen Machterhalts) mitgetragen, bis - spätestens wohl 1979 - alle Chancen eines grundlegenden Richtungswechsels vertan waren. In Wahrheit steuerte die Ära Honecker wirtschaftspolitisch von Anfang an auf ihren Untergang zu; ebenso wenig war das eingesetzte Instrument der Preispolitik geeignet, diesen aufzuhalten. Im Gegenteil: spätestens in den frühen achtziger Jahren konterkarierte, ja karikierte es die abenteuerliche Mischung aus immer unverhohlener zur Schau getragenem Populismus des Parteivorsitzenden - von der DDR-Bevölkerung als plumpe Anbiederungstaktik durchschaut und zunehmend abgelehnt - und astronomischen Phantasiepreisen für rare Gebrauchsgüter wie Autos oder Unterhaltungselektronik. [weiter...]

Thema: DDR-Geschichten | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

“Haste was, biste was!”

Mittwoch, 25. Februar 2009 11:02

“Haste was, biste was!”
Werbung für die soziale Marktwirtschaft

Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1999, 290 Seiten (zus. mit V. Ilgen), ISBN 3896781146

Haste was, biste was ISBN 3896781146Haste was, dann biste was!? Im Sinne dieses Credos der deutschen Wirtschaftswunder-Zeit machte in den fünfziger und sechziger Jahren der in Köln eingetragene Verein “Die Waage”, eine Interessenvertretung der deutschen Unternehmerschaft, von sich reden. Die soziale Marktwirtschaft, ein für die meisten Deutschen zunächst inhaltsleerer Begriff, wurde von der “Waage” als Markenartikel kreiert und verkauft. Fritz und Otto, die Vertreter der Arbeitnehmerschaft in zahllosen gezeichneten Anzeigen, erklärten über ein Jahrzehnt lang in allen großen Tageszeitungen die Segnungen der Marktwirtschaft. Selbst Loriots “Knollennasenmann” wurde in den Dienst der “Waage” gestellt. Nach der Katastrophe des Nationalsozialismus sollte Wohlstand für alle in die Haushalte der Bundesrepublik einziehen. Das Buch zeichnet diesen Public-Relations-Prozess nach und bietet damit einen interessanten Einblick in die Wirtschafts-, Sozial- und Mentalitätsgeschichte der jungen Republik.

Einen Großteil des Textes aus diesem Buch finden Sie hier.

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Das “diskrete Embonpoint” (1905)

Dienstag, 24. Februar 2009 12:45

PilulesPilules Orientales (1905)

© 2008 Dirk Schindelbeck

Schönheit des Busens ist ein Frauen-Reiz,
bei der sich die Natur nicht oft verschwendet.
Doch gibt’s ein Mittel, das sie ihrerseits
jetzt zwingt, nicht so zu kargen. Angewendet

wird dies von Damen in Paris seit Jahren.
Erfunden von Monsieur Ratie, sind die Pilules
Orientales ein patentiertes Heilverfahren
mit Wirkung auf das kleinste Nahrungs-Molekül:

Dies wandeln sie in plastische Substanzen,
die das Gewebe festigen und sich im ganzen
Bereich der Büste sammeln und sie formen.

Dies hören alle Damen mit Vergnügen, scheint’s,
wenn sich auch ihre Brüste heben zu enormen
diskreten (doch konkreten) Embonpoints.

Anmerkung: Der Anzeigentext wurde so weit und so getreu als möglich ins Sonett eingearbeitet

Mehr Hintergrundinformationen zum Thema “Alte Reklame” finden Sie in diesem Buch.

Thema: Sonettwelt | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Sprechchöre und Transparente der Montagsdemonstranten

Dienstag, 24. Februar 2009 11:14

zwischen dem 9. Oktober und dem 11. Dezember 1989 in Leipzig

aus: Leipziger Demontagebuch, Leipzig 1990.

Die Texte der Sprechchöre und Transparente wurden gesammelt und aufgeschrieben von Konstanze Neumann-Gast, Ursula Gast, Uwe Hartung, Bernd Lindner, Hannelore Reinhardt-Fischer, Jörn Richter, Günter Roski, Wolfgang Schneider

Die Sammlung ist als PDF-Dokument aufbereitet und umfasst 24 Seiten:

pdf_icon_ohne_adobe Leipziger Demosprüche (PDF, 132 KB)

Thema: DDR-Geschichten | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Mensaspeiseplan August bis Dezember

Montag, 23. Februar 2009 13:10

© 2008 Dirk Schindelbeck

„Der Mensaspeiseplan für den August
sieht Nudeln vor – das lieben die Studenten:
Sie wählten das auch, wenn sie wählen könnten:
Sie sind ja nicht sehr vitaminbewusst.

Im Mensaspeiseplan für den September
gibt’s dann den Auflauf aus der Nudelmasse.
Das schmeckt vor allem Erst-Semestern klasse:
So reicht uns das Budget bis zum November.

Was übrigbleibt, lässt sich bequem verwerten
im Folgemonat, oder eingefrieren
zu nahrhaft-guten Pasta-Voll-Gerichten.

Es gab bislang nur zwei, die sich beschwerten.
Das gibt uns Mut, ganz neu zu disponieren -
wir sollten endlich eigne Schweine züchten.“

Thema: Deutschlandgedichte | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Jagd auf den Sarotti-Mohr

Montag, 23. Februar 2009 13:00

Jagd auf den Sarotti-Mohr
Von der Leidenschaft des Sammelns

Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 1997, 214 Seiten (zus. mit Volker Ilgen), ISBN 3596134854

Jagd auf den Sarotti-Mohr ISBN 3596134854In der Beziehungsgeschichte zwischen dem Menschen und den Dingen ist Sammeln, die Urhandlung allen Bewahrens, die vermutlich intensivste. Doch wenn, wie die Demoskopen festgestellt haben, fast jede (r) Zweite heute sammelt, reicht der individualpsychologische Blick („phallisch - narzißtische Persönlichkeiten“) allein nicht mehr aus. Sammeln heute ist ebenso gut ein Wirtschaftsfaktor wie ein Stück Alltagskultur.

So wuchs allein die innerhalb von nur drei Jahren entstandene Gemeinde der Ü-Ei-Figurensammler in den neunziger Jahren auf 800.000 Personen. Christie’s versteigert ein Reklame-Emailschild der Jahrhundertwende für 30.000 €. In einer gut sortierten Bahnhofsbuchhandlung sind 15 verschiedene Teddybär-Spezialzeitschriften erhältlich. Zahlen, die Fragen aufwerfen.

Was gibt der Durchschnittsammler für seine Leidenschaft aus? Warum sammeln Frauen anders – und anderes – als Männer? Wann und warum entsteht oder stirbt ein Sammelgebiet?
Warum wurde Deutschland zwischen 1977 und 1983 zur professionellen Sammelnation? Welche Rolle spielt der Flohmarkt, die Entstehung von Preiskatalogen, die Sammelgemeinde und deren Rituale?

In einer unterhaltsamen, multimedialen Tour d’ horizont versucht das Buch, solchen Fragen auf den Grund zu gehen und Sammelkultur als Spiegelbild gesellschaftlichen Wandels zu begreifen. Eine Auswahl von Texten aus diesem Buch finden Sie hier.

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Thema: Publikationen | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Gestylte Geschichte

Montag, 23. Februar 2009 11:16

Gestylte Geschichte
Vom alltäglichen Umgang mit Geschichtsbildern
Mit Essays von Hermann Glaser und Michael Salewski

Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 1989, 315 Seiten (zus. mit R. Gries/V. Ilgen), ISBN 3924550360

Gestylte Geschichte ISBN 3924550360Warum die Fünfziger Jahre in den Achtzigern Hochkonjunktur haben…

Kanzler Kohl im Kabinenroller: Was treibt den Enkel dazu, sich hinter den Lenker des Messerschmidt-Vehikels zu zwängen, von dem die Werbung 1954 behauptete: „Er kippt nicht”?

Helmut Kohl ist keine Ausnahme: in den achtziger Jahren feiert die Adenauer-Ära fröhliche Urständ. „Geschichte”, hier: die Geschichte der Fünfziger Jahre, wird zu einem Alltags- und Gegenwarts-Phänomen: sie wird als Droge den Defiziten unserer Zeit entgegengestellt.

Diese alltägliche Aneignungen von Geschichte werden nicht schriftlich, sondern in Form von Bildern vermittelt. Die Analyse dieser Geschichtsbilder führt nicht nur in die Vergangenheit, sondern gerät überdies zur Archäologie der Gegenwart.

Die Autoren sind den umlaufenden Geschichtsbildern von jener Epoche auf ungewöhnliche art nachgegangen. Aussagekräftige Bilder der fünfziger Bilder der fünfziger Jahre manifestieren sich beispielsweise im Modellbau, werden in vielfältiger Weise von der Werbung aufgegriffen und von Politikern wie Helmut Kohl und Norbert Blüm benutzt.

Geschichte wird in der entwickelten Konsumgesellschaft gebraucht und verbraucht, gestylte und verkauft. Geschichte wird als „Heimat” zum Konsumgut. [weiter...]

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Epilog

Donnerstag, 12. Februar 2009 16:19

(Halbdunkel; ein großer Zigarettenautomat steht auf der Bühne; aus dem Off eine Kultursendung aus dem Radio unter dem Thema „Die konservative Revolution in Deutschland”: Ein Professor spricht)

Radiomoderator: Was also ist die „konservative Revolution”, Herr Professor?
Professor: Die konservative Revolution, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist bis heute, trotz des grundlegenden Buches von Armin Mohler, noch immer eine terra incognita geblieben. Bis heute sind ihre Nachwirkungen nicht nur spürbar, sondern sie bestimmen unser Leben und unsern Alltag…

(der Kommentar verebbt, Domizlaff schleicht sich wie ein Dieb auf die Bühne und drückt ganz zart auf eine bestimmte Taste am Zigarettenautomat und verschwindet blitzartig. Zunächst passiert nichts, dann setzt sich der Apparat wie magisch in Bewegung, spukt Schachteln erst langsam und einzeln, dann immer mehr und zuletzt in einem nicht enden wollenden Strom auf die Bühne. Plötzlicher Stop).

Domizlaff 3 (schleicht noch einmal mit spitzen Zehen zurück auf die Bühne, nimmt eine Schachtel hoch, schaut sie fast verliebt an und flüstert ins Publikum):

eine marke hat ein gesicht wie ein mensch
nun kennen sie den zauberer der warenseele
der das öffentliche vertrauen gewann
das war ich

(Vorhang)

Thema: Bühnenwerke | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Szene 20

Donnerstag, 12. Februar 2009 16:16

Sänger:

als hans domizlaff
im fünfundsiebzigsten jahr
und die bundesrepublik
schon in ihrem zwanzigsten war
da erlebte er noch einmal
zur zeit der studentenunruhen
wie die masse sich wieder erhob
e r hatte das immer gewusst
doch seit etlichen jahren
hörte ihm keiner mehr zu
vergessen längst
sein „regelbuch der elite”
die lebens- und weisheitsbilanz
des massendompteurs
genüsslich sah er jetzt aus der distanz
ho ho ho chi minh
hierin sensibel war
domizlaff hans

Domizlaff 3: (in Künstlerkluft seinem Haus im Studio des Instituts für Markentechnik, Hamburg, Elbchaussée 191, Sommer 1968)
(Domizlaff verfertigt gerade ein Selbstporträt, sieht dabei abwechselnd auf die Staffelei und in einen Spiegel):

mal bin ich ich und mal nicht ich
und mal mein bild (lacht)
wer so oft außerhalb
seiner selbst spazieren geht
und nur gelegentlich
nach hause kommt der findet
sich selbst zuweilen befremdlich
kehrt er
wieder heim
(lacht, nimmt dann ein Buch: es ist die Festschrift zu seinem 75. Geburtstag):
immerhin: urfaust der werbung
das hat doch was
(während seines Monologs hört man draußen anschwellend Hohoho chi mihn Rufe, gegen die er immer lauter anschreit)
Domizlaff 3 (erfreut):
die masse!
lange stillgestellt
durch wohlstandsphrasen
die geistige not der zeit
die jugend braucht einen infektionsherd
wie diesen dutschke
in tausend formen magst du dich verstecken
gleich erkenn ich dich
ich biete meinen ernst auf
die dinge leicht zu machen
(die Ho chi Minh Rufe verstummen, Domizlaff lauscht)
vorbei schon wieder vorbei
verebbt und abgelebt
ich habe sie besiegt
dutschke junge du begreifst es nie
diese kurzatmigen moden
wo es um ewigkeiten geht
was ist der zeitgeist als ein müder furz
was aber war und ist und immer sein wird
das ist das schöpferische das nicht stirbt
das ist gewiss so wie das jenseits nah ist
und immer webt und dem vernehmlich pocht
dem der nur zu hören weiß
(Rufe: „Enteignet Springer!” er lacht unwirklich, dann verkrampft schreiend):
ich wirke nicht genug!
(Plötzlich tritt Dutschke real aus einer Papierwand, deklamiert unvermittelt wie aus seiner Rede heraus)
Dutschke: es ist notwendig zuallererst
unsere historische lage zu analysieren
die momentane situation
zeigt das bild einer spätkapitalistischen gesellschaft
gekennzeichnet von
kapitalakkumulation und massenkonsum
in den zwei vergangenen jahrzehnten
hat sich in der brd das kapital formiert
restaurative und revanchistische kräfte
gestützt vom us-imperialismus
haben die oberhand gewonnen
allerorten konnten sich die alten
herrschaftsstrukturen restaurieren
sind die alten kriegstreiber und revanchisten
wieder in die machtpositionen zurückgekehrt
selbst unsere lokalpolitiker
korrumpiert vom kapital
sind nichts mehr als erfüllungsgehilfen
des weltweiten imperialismus
die wahren entscheidungen
fallen in der chefétagen der rüstungskonzerne
Domizlaff 3 (gluckst)
Dutschke: doch der fundamentale klassengegensatz
von kapital und arbeit
tritt heute kaum mehr in erscheinung
er wird verdeckt und vernebelt
weil die instrumente der herrschenden
deutlich feiner geworden sind
die wohlstandsapostel haben es verstanden
mit propaganda und werbung
die arbeitenden massen einzulullen
unterstützt von den zeitungszaren
die mit millionenauflagen ihrer massenblätter
die öffentliche meinung kneten
und die arbeitende bevölkerung
mit glücksversprechungen betäuben
künstliche bedürfnisse erzeugen
im eigenen profitinteresse
so unterdrückt das kapital
systematisch das denken
Domizlaff 3 (applaudiert): sehr gut sehr gut beobachtet
Dutschke: die ganze westliche welt
ist moralisch verrottet…
zu spüren bekommen dies
die unterdrückten und ausgebeuteten völker
der sogenannten dritten welt
überall auf dem globus
wachsen die spannungen
zwischen arm und reich
es ist der historische zeitpunkt gekommen
eine wende einzuleiten
die unterdrückten völker dieser erde
machen es uns vor
sie lehnen sich gegen ihre unterdrücker auf
schauen wir nach vietnam
wo sich ein einfaches bauernvolk
jahrelang erfolgreich und tapfer
gegen eine hochgerüstete
verbrecherische söldnerarmee wehrt
dort in vietnam wird
dem kapitalismus dem imperialismus
die maske heruntergerissen
insofern ist vietnam ein anfang
für eine bewusstseinswende
auf der ganzen welt
Domizlaff 3: charmant charmant
Dutschke: die flamme der aufklärung
lässt sich auf dauer nicht
ersticken überall erhebt sich
getragen von einer anderen generation
widerspruch gegen die herrschende praxis
im bewusstsein dass
was von menschen gemacht ist
auch von menschen verändert werden kann
Domizlaff 3: wie wahr wie wahr
Dutschke: es wäre ein gewaltiger fortschritt
wenn sich dieses bewusstsein
allgemein und schnell verbreitete
dass nämlich alles was wir denken und tun
politisch ist nicht nur was sich von haus aus so nennt
auch die ökonomie
auch die sexualität
bis ins privateste hinein
fangen wir bei uns selber an
einzig das streben
nach wahrheit und gerechtigkeit
ausschließlich menschlichkeit
darf richtschnur unseres denkens und handelns sein
Domizlaff 3: finale furioso!
Dutschke: für eine bewusstseinswende
auch bei uns
die quälend lange zeit
eines ‚ohne mich’ ist vorbei
zwei drei viele vietnams
muss es geben
als zeichen
hier bei uns aber
gilt eine andere strategie
wir müssen
kraft unseres denkens
in eine neue phase treten
und die verkrusteten herrschaftsstrukturen
aufbrechen
Domizlaff 3: mein lieber junger freund
sie sind bestimmt
nicht unintelligent
ein denkselbständiges individuum
womöglich das sich
aus verschiedenen mir wohlbekannten schriften
ein weltbild zurechtgebastelt hat
und dieses sehr wirkungsvoll
- sie sind ein naturtalent -
nach außen zu tragen weiß
doch von der masse
wissen sie nichts
Dutschke: die wahre erkenntnis muss verbreitet werden
überall wohin ich mich begebe
finde ich wache augen und ohren
menschen die diskutieren wollen
menschen die verändern wollen
menschen die sich nicht mehr
für dumm verkaufen lassen
Domizlaff 3 (schmunzelt): mein lieber junger freund
sie glauben ja sogar was sie sagen das spürt man
auch wenn es der größte blödsinn ist
die masse spürt das
und empfindet es
ihr junges alter einmal abgerechnet
als eine art format
doch sie unterschätzen bei weitem
das bild das von ihnen umläuft
dass sich dank der presse die sie so verteufeln
sich in die köpfe eingebrannt hat
die art wie sie reden
mit glühenden augen
mit feuriger zunge
wirklich beeindruckend
ein smarter beschaller
der mit messianischem appeal
das megaphon hält
wirklich beeindruckend
ihre haare dabei noch
lässig nach hinten werfen
und immer im selben
karierten pullover
das mögen die seelchen
damit sind sie eine marke
die vor allem bei den jungen damen gut ankommt
Dutschke: sie sind ein zyniker der übelsten sorte
Domizlaff 3: wenn die wahrheit zynisch ist dann ja
ich will es ihnen in aller ruhe erklären
wenn in der wahrnehmungswelt der masse
eine neue marke wie sie es sind auftaucht
entsteht folgender effekt
all die vielen ungebundenen begriffsteile
die in den köpfen und seelchen bisher
lose umhergeschwirrt waren
romantische vorstellungen von heldenhaften kempen
wie all die che guevaras james deans usw
unbestimmte hochgespannte zukunftshoffnungen
veränderungswünsche vielerlei provenienzen
sehnsucht nach einer person die dafür einsteht
suchen sich ein gefäß das all dem ausdruck gibt
die masse ist unendlich dankbar wenn sie
eine sinnliche vorstellung davon haben
und mit dem namen dutschke bezeichnen darf
von nun an haftet dem namen
eine art magie an
sie sind die erste marke
eines jugendlichen politikers
Dutschke: meine person ist nicht wichtig
ich bin zwangsläufiger ausdruck
einer bestimmten historischen situation
jahrzehntelang hat sich die intelligenz
vom monopolkapital diktiert
ihr fremden verwertungsinteressen angepasst
ihre eigentlichen fähigkeiten ungenutzt
in krieg und wiederaufbau
in armee wirtschaft und verwaltung verschlissen
jetzt wo der widerspruch
immer offensichtlicher wird
ist der zeitpunkt gekommen
politisch zu handeln
massenhaft vorzugehen
und im neuen geist
frei von profitinteressen
positionen zu besetzen
in den schlüsselfunktionen des systems
Domizlaff 3: mein guter junge
niemand versteht was du sagst
niemand - oder von mir aus dreie oder fünfe
doch diese fünf das glaube mir
das sind deine ärgsten feinde
sie neiden es dir und verdrücken ihre attacken
noch halten sie still
solange die masse dir ihre liebe
zu füßen legt doch wehe…
Dutschke: es geht nicht um personen
es geht um die sache allein
die sache ist heilig viel zu heilig als dass sie
der eitelkeit einer person geopfert werden kann
ich bin nur werkzeug
des historischen prozesses
meinetwegen sprachrohr der wahrheit
nicht mehr
die niedertracht die sie
meinen kampfgenossen unterstellen
entlarvt sie selbst
Domizlaff 3: ich kenne das individuum und die masse
kenne das menschenherz
von innen und außen
eben weil ich immer außerhalb war
weil ich den unbestechlichen blick habe
dutschke junge du wirst
von einer woge der sympathie getragen
selbst noch bei denen die deine ansichten nicht teilen
ein bemerkenswertes zeichen übrigens
deiner qualität als markenartikel
doch ihnen selbst verstellt es
notwendigerweise den blick
Dutschke: welche niedertracht
nieder…
(Man hört - wie von fern und immer weiter abschwellend, nach beendeter Dutschke-Rede nur noch die Masse der Studenten brüllen: „Nieder, nieder, nieder.. mit Springer. Dieser verschwindet wie er gekommen war)
Domizlaff 3 (windet sich, dann fast verrückt heiter):
vielleicht bin ich zu lange tot
(er verzieht sein Gesicht zu einem tonlosen lachen)
oder zu kurz doch was sind
zwanzig knappe jahre
was hundertzwanzig jährchen
für mich der nur in ewigkeiten denkt auf dauer
bin ich nicht totzuschweigen
wie die vielen aufgeblasenen
(er wiehert laut auf)
politiker mit ihren
automatenhaften phrasen
ich war ich bin und werde immer sein…
(er schaut wieder in den Spiegel)
nur der endsieg zählt
und den erringt nur wer das leben kennt
und seine seinsgesetze
wahre größe
(er posiert im Spiegel)
zeigt sich nur selten oder spät
die wahren ideen wachsen
unendlich langsam durch die zeit und schlagen
ihre feinen wurzeln im gehirn der masse
verbreiten unterirdisch sich wie pilze
um eines tages wenn es
kaum einer weiß kaum einer ahnt
hervorzubrechen:
auf einmal steht die masse auf im glauben
formiert sich zwingend wie ein organismus
und alles lose menschenzeug umher
wird wachs und fließt in einen strom zusammen
und mit urwüchsiger gewalt der seele
der niemand widersteht regiert und herrscht…
visionen…
(er bricht ab)
ein könig sind das nicht glocken?
(Man hört die Glocken der Nikolaikirche in Leipzig von 1989)
meine wahrheit läutet meine wahrheit
wie treibholz weggefegt die morschen sprüche
wie treibholz
(aus einem schlurfenden Marschtritt erwachsen plötzlich Rufe: „Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!” Domizlaff erfreut)
das deutsche volk dies beste volk der welt
in seiner duldsamkeit in seinem opfermut
treuherzig sehnt es sich nach einem guten führer
unendlich viel verheißung wohnt ihm inne
(Die Rufe „Wir sind das Volk” gehen über in „Wir sind ein Volk!”, durchbrochen von einzelnen „Sieg Heil!” Rufen. Domizlaff schaut aus dem Fenster, in dem ab und zu die Reichskriegsflagge erscheint)
Domizlaff 3: da ist der adler wieder! endlich! sehnsucht
hat wieder einen leib der lebt
endlich schluss
mit diesem schwachen lappen aus drei bahnen
die notstandsflagge notdürftig
zusammengenäht die zeit ist da
der auferstehung mächtiger symbole die
verkünden was zu lange schwieg: das reich!

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Thema: Bühnenwerke | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Szene 19

Donnerstag, 12. Februar 2009 16:12

Sänger: als hans domizlaff
im jahre siebenundfünfzig
sein gesellschaftspolitisches hauptwerk
„die seele des staates
regelbuch der elite”
drucken lassen wollte
stellte er fest
dass es dafür keinen verleger gab
entrüstet und erbost
über soviel ignoranz
druckte er es schließlich selbst
als manuskript
hierin sensibel war
domizlaff hans

(Im Büro des Verlegers Hans Dulk. Schreibtisch, im Hintergrund große Bücherwand, aus der die in den Jahren 1950 bis 1953 erschienenen Leinenbände der Domizlaff-Ausgabe herausstechen. Domizlaff, gerade eingetreten, hat gegenüber seinem Verleger Platz genommen, deutet auf seine Bücher, Hamburg 1957)

Domizlaff 3: sie stehen immer wieder prachtvoll da
so sieht format aus
Dulk: allein der verkauf herr domizlaff
lahmt nach wie vor
Domizlaff 3: für die tagesmode oder -politik
sind diese bücher ja nicht geschrieben
das haben wir von anfang an gewusst
ein klassiker wächst nicht an einem tag
Dulk: herr domizlaff seit fast vier jahren warte ich
dass der verkauf anzieht inzwischen decken
die erlöse mir kaum noch die kosten
der lagerhaltung für die restbestände
Domizlaff 3: (generös) ich selber nehme noch mal zwanzig
von jedem meiner titel gegen rechnung
in meinem umfeld jedenfalls
ist die nachfrage unvermindert rege
Dulk: das mag ja sein
ich weiß mir dennoch keinen rat mehr
sollten wir es nicht doch einmal
mit werbung versuchen durch einen prospekt
dem publikum das von den büchern nichts weiß
sie überhaupt erst mal bekannt zu machen
Domizlaff 3: zu starke werbung lähmt das markenwachstum
sie muss wurzeln schlagen das braucht zeit
Dulk: und bis dahin ist mein verlag ruiniert
Domizlaff 3: (unbeeindruckt)
sehn sie zum beispiel mein brevier für könige
seit nietzsches zarathustra gibt es nichts
das auch nur ansatzweise solchen tiefgang hätte
spätestens mit diesem buch
ist machiavellis fürst
doch nichts als eine petitesse
Dulk: (schweigt)
Domizlaff 3: wie ist es mit dem neuen manuskript
die seele des staates regelbuch der elite
schlussstein und krönung meines werks
wann wird es denn erscheinen
Dulk: (nach längerem Schweigen)
herr domizlaff ich kann das buch nicht machen
schon viele ihrer andern schriften waren
hart an der grenze des erlaubten
wie oft hab ich befürchtet
dass sie auf den index kämen
doch bislang hatten wir immer glück
bei diesem aber gibt es keinen zweifel
dass es direkt verboten werden würde
da sparen wir uns lieber gleich die mühe
als dass wirs drucken ums zu makulieren
Domizlaff 3: (fassungslos)
das wichtigste meiner bücher
soll nicht erscheinen
das aktuellste das gerade jetzt
benötigt wird die wende einzuleiten
Dulk: es gibt darin zu viele stellen…
Domizlaff 3 (unterbricht): das buch ist eine wertvolle ethik
für alle die in verantwortung stehen
und für die gemeinschaft tiefe sorge tragen
Dulk: allein schon ein kapitel mit dem titel
„die judenfrage” darf es nicht mehr geben
Domizlaff 3: die judenfrage gibt es seit ewigkeiten
politisch ist sie ungelöst und schwelt
nur wegen zwölf hitlerjährchen
lässt sie sich doch nicht
für alle zeit aus dem bewusstsein streichen
Dulk (wechselt genervt das Thema): oder dies hier: ihre
ausführungen über die funktion des zensors
wie wollen sie das in einer demokratie erklären
Domizlaff 3: das wird selbst hier doch täglich praktiziert
gibt es nicht eine stelle gegen schmutz und schund
nicht jeder soll und darf alles lesen
was soll an einem zensoramt denn schlecht sein
ich hab mir lediglich erlaubt das einmal gründlich
und systematisch zu durchdenken
darf man in diesem land
denn nichts mehr unverhüllt benennen
Dulk (wechselt wieder das Thema): oder nehmen sie diesen satz:
„die schwarzen werden nicht mehr als sklaven
dezimiert sondern viele menschenfreunde
erleichtern ihre vermehrung so dass die frage auftaucht
wie lange noch die zwar unzweifelhaft
edlere höher gezüchtete und kulturtragende
weiße rasse den zukünftigen ansturm
der entfesselten primitiven neger aushalten kann
Domizlaff 3: jedes einzelne wort ist nachprüfbar
von der exorbitanten geburtenrate in den negerkralen
bis hin zur feststellung
welche rasse kulturtragend ist
es ist jene die in europa
die gotischen dome baute
als man in afrika
wie übrigens heute immer noch
sich antilopenfelle für die trommeln suchte
Dulk: herr domizlaff verstehen sie
ich kann das buch nicht machen
Domizlaff 3: dass wir hier pressefreiheit haben sollen
ist doch ein ammenmärchen ich verstehe nicht
dass irgendjemand das ernsthaft glauben kann
ich aber lasse mir es nicht verbieten
die dinge die für jedermann so offensichtlich liegen
beim namen zu nennen ich werde es selbst
wenn mein verleger dem ich bislang traute
den mut nicht aufbringt und sich feige drückt
auf eigne kosten drucken und vertreiben
dass alle die es angeht und die deutschland lieben
eine richtschnur für ihr handeln haben
als kommende elite dieses staates guten tag herr dulk

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Thema: Bühnenwerke | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck