Sonntag, 31. Mai 2009 15:38
© 1977 Dirk Schindelbeck
Die liebliche Lycoris,
die sehnig-schwarze Doris:
in beiden liegt mein Ziel.
Lycoris’ Seidenspitze
und Doris’ Augenblitze -
bei keiner bleibt mir kühl.
Wenn eine wohlig streichelt,
die andre neckt und schmeichelt
mit einem süßen Spruch.
Bei jener schwingt das Löckchen,
bei dieser schwingt das Röckchen
und schwingt ihr Busentuch.
Zur rechten volle Lippen,
die samten mich benippen,
die sind mir lieb und wert,
doch auch ein Mündchen spitzig
zur linken, keck und witzig,
auch das scheint nicht verkehrt.
Verwirrt in Geist und Sinnen
weiß ich nicht, wo beginnen,
beim Körper oder Geist?
Stell’ ich mich einer hörig,
der andern ehr gelehrig,
ich halt mich besser dreist.
Doch wehe! Weh! Inmitten
der beiden muß ich bitten:
„Ach, beiß mich keine wund!”
Ein Apfel, angebissen,
so hin- als hergerissen,
bin ich von Mund zu Mund.
Der beide will, der Buhle,
der fällt von seinem Stuhle,
weiß nicht mehr, wo er sieht.
Will sanft Lycoris küssen,
braucht Doris scharfe Bissen -
Zeit, daß der Buhle flieht.