Mittwoch, 24. Juni 2009 7:43

Anzeige für UHU Alleskleber von 1955
Lemma [Vogelart aus der Gattung der Uhus, die zur Ordnung der Eulen gehört: hier bildhaft gebraucht]
Definition: Markenname des ersten Allesklebers auf Kunstharz-Basis, der zum Synonym für Klebstoff wurde. Erfolgreichstes Produkt der Firma Lingner & Fischer in Bühl
Inhaltsverzeichnis
Vom Fischleim zum Kunstharz
Aufbaujahre eines Markenartikels
Werbetrommel und Jugendarbeit nach dem Krieg
Chemische Superkonzerne
Vom Fischleim zum Kunstharz
Noch im Deutschen Kaiserreich und bis zum Ende der Weimarer Republik galt die Marke „Syndetikon” als Synonym für Klebstoff. Sein Hersteller Otto Ring hatte sein Produkt über Jahrzehnte hin nicht nur sehr humorvoll beworben, sondern mit kluger Strategie dafür gesorgt, dass der Verkauf mittels komplementärer Produkte wie Ausschneide- und Bastelbögen stets stimuliert wurde. Der Slogan „Syndetikon leimt, klebt, kittet alles” war allgegenwärtig.
Ab 1932 waren die Tage dieses auf Fischleim basierenden Produkts gezählt. Dem Apotheker August Fischer im badischen Bühl war es gelungen, einen Klebstoff auf der Basis von Kunstharz zu entwickeln. Dieser war glasklar, eignete sich zum Kleben von Papier, Pappe, Leder, Keramik, Porzellan und sogar für den damals neuen Kunststoff Bakelit - eben ein Alleskleber. Die Klebestelle blieb zudem elastisch, wasserfest und unempfindlich gegen verdünnte Säuren.
Aufbaujahre eines Markenartikels
Nach dem Muster vieler Wettbewerber, die ihre Klebstoffe nach Vögeln zu benennen pflegten (Pelikan, Greif, Marabu, Schwan) erhielt auch das Produkt des Bühler Familienbetriebs einen solchen Namen: Uhu. August Fischer und seine Söhne waren sich im Klaren, dass sich der neue Alleskleber auf Kunstharz-Basis zu einem Markenartikel machen ließ. In Handarbeit lief die Produktion an, etwa 2500 Tuben am Tag, nach Augenmaß abgefüllt. Von Anfang an setzte man auf junge Verwender, schrieb regelmäßig Schulen an, überließ Kindergärten den Ausschuss kostenlos, brachte 1938 mit Uhu hart einen Spezialklebstoff für die an Modellbau interessierte Jugend auf den Markt. Geschickte Werbung tat ein übriges, Uhu schnell bekannt zu machen. Gern wurde der Satz kolportiert, Graf Zeppelin habe sein Luftschiff mit Uhu geklebt. Noch in den dreißiger Jahren erlangte Uhu auf diese Weise in der Wahrnehmung der Verbraucher die Stellung, die Syndetikon einst besessen hatte: Synonym für Klebstoff schlechthin zu sein.
Werbetrommel und Jugendarbeit nach dem Krieg
Musste in der unmittelbaren Nachkriegszeit aufgrund schlechter Produktionsbedingungen Uhu zeitweilig sogar in Tablettenform angeboten werden, so änderte sich mit der Währungsreform nicht nur die Rohstofflage zum besseren, sondern auch das Erscheinungsbild des Artikels. Mit nur geringfügigen Änderungen hat sich die auf schwarz und gelb gestellte Packung bis auf den heutigen Tag erhalten; sie führte in den achtziger Jahren zu einem zeitweiligen Sponsor-Engagement beim farbengleichen Fußballverein Borussia Dortmund.
Auch die bereits in den dreißiger Jahren angelegte Strategie der Marktdurchdringung über komplementäre Produkte wurde aufgenommen und perfektioniert. Seit 1955 bietet die Firma Graupner den Segelflugzeug-Baukasten „Der kleine Uhu” an, dessen Zusammenkleben der Balsaholz-Teile nur der Klebstoff Uhu hart garantiert. Nichts aber dürfte den Bekanntheitsgrad von Uhu mehr gesteigert haben als der sprichwörtlich gewordene und nicht zu verbessernde Werbeslogan „Im Falle eines Falles klebt Uhu wirklich alles”. Seit den fünfziger Jahren versinnbildlicht er mit humorvollen Karikaturen die Qualitäten des Klebstoffs. Dass Syndetikon einst mit fast denselben Worten beworben worden war, wusste zu dieser Zeit kein Verbraucher mehr.
Diversifizierung und Globalisierung
Schon in den fünfziger Jahren versuchte die Firma Fischer auch auf anderen Märkte erfolgreich zu sein, etwa mit der Wäschesteife Uhu-Line. Heute ist Uhu als Tochter der Bolton-Gruppe ein weltweit tätiges Unternehmen, das - vom Hauptsitz Bühl aus - mit einer großen Palette von Klebstoff-Produkten über 60 Prozent seines Umsatzes im Ausland erzielt.
Weiterführende Literatur:
Uhu 50 Jahre. Die Uhu-Story, Sonderdruck aus dem Heimatbuch des Landkreises Rastatt 9/1982
Wolfgang Hars: Lexikon der Werbesprüche, München 1999
Hans-Georg Böcher: Design in Hülle und Fülle. Gefaltete Schachteln - entfaltete Marken, Heidelberg 2001
Weblinks:
www.uhu.de
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