Beiträge vom September, 2009

Sammelfieber

Montag, 21. September 2009 16:28

Unter dieser Überschrift finden Sie mehrere Texte zum Phänomen des modernen Sammelns. Sie stammen aus dem Volker Ilgen und mir 1997 verfassten Buch “Jagd auf den Sarotti-Mohr. Von der Leidenschaft des Sammelns”.

Auch in der einen oder anderen Rubrik finden sich Texte, die mit dem Sammeln zu tun haben wie  der unter “Alte Werbemethoden,-mittel und -wege” eingestellte Vortrag zum Thema Emailschilder. Gleiches gilt für die Satire “Mein Gußzylinder, mein Über-Ich. Ein Sammlertraum(a).

Im Land des Sammelns. (Einleitung aus Jagd auf den Sarotti-Mohr)

Dahinter steckt immer ein kluger Kopf. Die Büsten-Sammlung der Walhalla

Leben und Taten der Wikinger. Vom Maßstab des deutschen Mannes

Das Ei des Ferrero. Vom Sammelfieber der 90er Jahre

Wer hat’s erfunden - die Schweizer. Vom Rahmdeckeli-Sammeln in der Alpenrepublik

Wenn die Sammlung explodiert. Der Fall des Radiosammlers B.

Thema: Sammelfieber | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Literarische Fundstücke

Sonntag, 20. September 2009 7:17

Unter dem Titel Fundstücke werden literarische Texte eingestellt, die sich im Internet auf den sonst dafür prädestinierten Seiten wie etwa dem Gutenberg-Projekt nicht finden. So werden hier beispielsweise die Satiren des Barockdichters Joachim Rachel (1618-1669) als volldigitalisierte Texte geboten und manches andere mehr. Einen einführenden Text zu diesem fast der Vergessenheit anheim gefallenen Barockdichter finden Sie hier:

Johann Christian Günther: Hochzeitscherz (1719)

David Schirmer: Poetische Rosengepüsche (1657)

Joachim Rachel: Die fünfte Satyra: Vom Gebet

Joachim Rachel: Die vierte Satyra: Die Kinder-Zucht (1664)

Joachim Rachel: Dritte Satyra: Die gewünschte Hausmutter (1664)

Joachim Rachel: Andre (=zweite) Satyra: Der vorteilige Mangel (1664)

Karl Kraus: Die Welt der Plakate (1909), erstmals mit den entsprechenden Abbildungen

Daniel Heinsius: Hylas

Dion Chrysosotomos: Euböische Idylle (demnächst)

Thema: Dokumentationen, Literarische Fundstücke | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Air France 447

Freitag, 11. September 2009 11:01

© 2010 Dirk Schindelbeck

Jemand bemerkte
für einen kurzen Moment
in den Augen der Stewardess
ein unsicheres Flackern    Dann
vergaß er es wieder
bei einem Getränk

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Thema: Liebe et al | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Leben und Taten der Wikinger - Teil 1

Mittwoch, 9. September 2009 3:31

Vom Maßstab des deutschen Mannes

© 1997 Dirk Schindelbeck

Anmerkung 2009: auch wenn der folgende Artikel schon 13 Jahre alt ist, so hat sich im Kern am damaligen Befund, was die soziologischen, mentalen und historischen Implikationen des Sammelgebietes betrifft, bis heute wenig verändert. Es geht wie immer seinen Gang: Eine Unzahl neuer Modelle ist hinzugekommen, die “Fans” sind um einige Jahre gealtert, und nachwachsende Käuferschichten noch schwieriger zu erreichen. Vieles wird inzwischen in Osteuropa oder China produziert; deswegen sind die strukturellen Marktprobleme freilich nicht kleiner geworden.

Wer Interesse am entsprechenden Buch über Sammelphänomene generell hat (dem auch dieser Text  entstammt) - es gibt noch einige Exemplare.

»Ich möchte Plastik sein!« Ich erinnere mich noch gut, wie sehr Andy Warhols Ausspruch die Altvorderen damals, Ende der sechziger Jahre, sprachlos zurückließ. Provokant und ironisch beschrieb es das Lebensgefühl der »Kinder von Marx und Coca Cola« als satirische Utopie, als Blaue Blume der Romantiker in ihrer PVC-Version. Selbst Joseph Beuys, zur Unzeit ein Grüner, machte da noch nicht mit, hielt er doch eisern auf authentisches Material wie Kupfer und Filz, Honig und Fett. Doch der Mensch des Industriezeitalters, musste er nicht, als Produzent serieller Ästhetik, irgendwann selbst zu seinem letzten Kunstprodukt werden? Auch aus dem sozialistischen Lager kam, was die Hochschätzung der Polymerisation anging, kein Widerspruch. Chemie, die Beglückerin der Menschheit, die Garantin für Wohlstand, Schönheit und Glück! Entzückt starrte eine ganze Epoche auf die Zauberstoffe universeller Formbarkeit. »Nur ARWA«, so eine Anzeige aus den frühen Fünfzigern, »verleiht Ihnen die vollendete Beinplastik. « Plaste, die charakter und widerstandslose, die sollte erst später, deutsch deutsch gewendet, zum Schmähbegriff für allen defizitären Ersatzstoff aus einer dem Untergang geweihten Welt werden, nachdem sich im goldenen Westen die Umwertung alles verfügbaren Humus in Bio Wertmasse längst vollzogen hatte.

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Thema: Sammelfieber | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Leben und Taten der Wikinger - Teil 2

Dienstag, 8. September 2009 18:05

Vom Maßstab des deutschen Mannes

© 1997 Dirk Schindelbeck

Das Abbild des Vorbilds des Urbilds oder: Von Sammlern und Umbauern

Kehren wir in die Modellautowelt zurück, wo sie noch nicht aus den Fugen geraten ist: Von Winston Churchill, Prinz Charles und Richard von Weizsäcker geht die Rede, sie seien Modellautofanatiker (gewesen), letzterer gar ein eingeschworener Wikinger. Ob aber auch Platon, lebte er noch, sich zu ihnen bekannt hätte? Spaß daran hätte er vielleicht gehabt, zumal man ja in den großen Automobilwerken, lange bevor ein neuer Typ in die Produktion geht, zunächst einmal ein Modell anfertigt, das Urbild mithin, die Idee. Was also, so würde der Philosoph seinen Sokrates vielleicht fragen lassen, treibt den Modellautofreund zum Sammeln an? Sind es die Modelle als solche oder dasjenige, wovon sie etwas vorstellen und Abbilder sind? Natürlich, spricht Karl Heinz, geht es mir letztlich nicht um die Modelle selbst, sondern um dasjenige, was sie an vorbildgetreuer Wiedergabe der Wirklichkeit leisten. Und die Wirklichkeit, auf die sich das Modell bezieht, die erkennst du dann auch? Klar, indem ich zwischen beiden vergleiche, sagt Karl-Heinz, erkenne ich sowohl die Wirklichkeit als auch das Modell. Du meinst also, wenn du ein Modell in der Hand hast, hast du immer einen Vergleich im Kopf, denn du misst das Modell, das ein Abbild ist, an der Wirklichkeit als seinem Vorbild und erkennst auf diese Weise, was beide sind? Richtig. Und wird das Abbild jemals besser sein können als das Vorbild, worauf es sich bezieht? Natürlich nicht. Wie aber, Karl Heinz, ist es dir möglich, diesen Vergleich anzustellen, wenn es da nicht noch etwas Drittes gäbe, worauf beide, Vorbild wie Abbild, zurückgehen müssen, nämlich das Urbild? Ich meine das so: Wenn du die reine Idee des Opel X als das Urbild für beide, großes Vorbild wie kleines Abbild, nicht längst erkannt hättest, könntest du nicht sagen: In Bezug darauf ist dies hier besser und jenes schlechter. - Ich verstehe dich nicht. - Da draußen auf dem Parkplatz, was ist das? - Ein Opel X. - Und hier drinnen, auf dem Tisch, was ist das? - Auch ein Opel X, als Modell. Erinnerst du dich also der Idee des Opel X auch über das Modell oder nicht? Ja. Ist dieses Erinnern selbst ein notwendig schlechteres? Nicht unbedingt. - Aber eins ist doch klar: Die Idee des Ford Z erinnerst du dabei nicht, oder? Keinesfalls. Also Opel X, ob groß oder klein. Ja. Die Frage also, so Sokrates, ist doch, ob das Modell, von dem wir sagten, es enthalte eine Erinnerung an die Idee, ja vielleicht selbst als die Idee in ihrer konzentrierten Form gelten kann und… Hör auf, Sokrates, spricht Karl Heinz, ich versteh dich nicht mehr. Ich bleibe bei meinen Modellen.

Borgward Arabella reloaded. 1964 (blau) und 2009 (schwarz)

Wikings Borgward Arabella reloaded: 1964 (blau) und 2009 (schwarz)

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Thema: Sammelfieber | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck