Beiträge vom November, 2009

Straßenmusiker in New York

Freitag, 27. November 2009 15:09

gerd_grimm_ny_streetguitar

An hellen Sommernachmittagen, wenn Konturen
der Riesenstadt sich unterm Abendhimmel schärfen,
Passanten Schatten spitz wie Pappelreihen werfen,
das Straßenpflaster glüht und glimmt wie von Glasuren

aus letztem Zwielicht überkrustet, reißt der Strom
der Menschen, die noch streben in die Supermärkte,
nicht ab. Kaum einer unter ihnen, der bemerkte,
wie auf dem Pflaster plötzlich, fast wie ein Phantom

ein Straßenmusiker sich quer zur Promenade
platziert hat und Gitarre spielt. Doch die Akkorde
verhallen kraftlos, und so zieht die Menschenhorde

vorbei am für sich selbst nur spielenden Phantasten,
dessen samtausgeschlagener Gitarrenkasten
erleuchtet daliegt wie die leere Bundeslade.

Bild: Gerd Grimm 1982

Text: Dirk Schindelbeck 2008

Mehr Gedichte zu Grafiken finden Sie hier.

Einen umfangreichen Essay zum Sonett finden Sie hier.

Thema: Sonettwelt | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Zur Publikationsliste

Montag, 23. November 2009 12:58

Eine detaillierte Publikationsliste mit entsprechenden Zugriffen, Links und großem Download-Angebot an Word-Dokumenten und pdf-Files finden Sie hier.

Thema: Publikationen | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Entschleunigung. Inge-Czernik-Förderpreis für Lyrik

Samstag, 21. November 2009 13:09

Dieses Bändchen versammelt die drei Preisträger des Inge-Czernik-Föderpreises für Lyrik auf das Jahr 2008.

Eine Auswahl dieser Gedichte finden Sie hier.

Thema: Publikationen | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Balladen und Eklogen

Freitag, 13. November 2009 10:58

So geläufig und allgemeinverständlich uns das Wort Ballade ist, so selten und nur dem Spezialisten geläufig ist der Begriff Ekloge geworden. Dabei liegt kein geringer Teil der antiken Literaturproduktion in Form von Eklogen vor, angefangen von Werken des alexandrinischen Dichters Theokrit über die Gedichte der “goldenen Latinität” eines Vergil bis in die Spätantike hinein. Dass der Begriff bei uns nicht heimisch wurde, liegt sicherlich auch daran, dass man sich seit Mitte des 18. Jahrhunderts eher auf den Begriff der Idylle zur Bezeichnung dessen, was Ekloge meinte, geeinigt hat.

Wie dem auch sei, bei der Ballade wie bei der Ekloge (resp. Idylle) handelt es sich um erzählende Gedichte. Im Gegensatz zur meist gereimten und strophisch einherkommenden Ballade sind Verseklogen in reimlosen Hexametern verfasst. Von beiden werden hier einige Stücke geboten. Weitere Balladen und Eklogen finden Sie unter den Deutschlandgedichten (z.B. “Der Wäschemann im Altenheim” u.a.), aber auch unter den Liebesgedichten (z.B. “Im Fortgeschrittenen-Tanzkurs”).

Balladen

Philemon und Baucis

Gottfried, der Orgelbauer

Der König als Glücksritter

Den Mut abkaufen

Lebenslauf einer Gemüsebohne

Die Ballade vom Werbeberater Hans Domizlaff

Hänschen und Gänschen (Kinderlehrgedicht über gesellschaftliche Machtverhältnisse)


Eklogen

Daphnis und Chloe. Hirtengedicht aus dem Hochland der Peloponnes

Die Kinder und Landstreicher Silenus

Der Dauerhamster - ein Pädagogenprojekt

Besuch in schwerer Stunde

Pater Leppich und die Nylon-Dirnen

Machos alter Schule. Eine Offenbarung, gesprächsweise

Thema: Balladen/Eklogen | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Wie die Liebe so spielt

Donnerstag, 12. November 2009 15:37

Hier finden Sie zwei Sammlungen verschiedener Liebesgedichte.  Entstanden sind sie innerhalb eines Zeitraum von etwa 35 Jahren. Die unterschiedlichsten Lebensstationen, Situationen und Motive haben sich in ihnen niedergeschlagen. Wer ein wenig belesen ist, mag hier und da Anklänge an Autoren wie Theokrit, Catull, Johannes Secundus, Hofmannswaldau, Goethe, Mörike bis hin zu Stefan George entdecken.

A. Liebesgedichte aus drei Jahrzehnten

1 Bildnis der Geliebten
2 Daphnis und Chloe
3 Furchenglück
4 Mailied
(Chanson de Mai,  franz. Übersetzung)
5 Auf seine Oboistin
6 Philemon und Baucis
7 Zum neuen Jahr
8 Die Handschuhe
9 Tagelied
11 Liebesbriefe in Sonetten
12 Der Besuch
13 Knollenblätter- und andere Pilze
14 Insektenjagd
15 Buhlenlied und -leid
16 HerzBergWerk
17 Liesel und Albrecht
18 Verlockung zur Treue I und II
19 Mein weiches weiches Glück
(Mon Bonheur tendre tendre, franz. Übersetzung)
20 Die Freier
21 In einem Boot
22 Zwei Blätter
23 schattenspiel
24 im gras auf dem rücken
25 Im Fortgeschrittenen-Tanzkurs
(Cours de danse pour avancés, franz. Übersetzung)
26 Mein wilder Garten
27 Ghasel der Vergangenheit
28 Jahresringe
29 Air France 447

B. Alte Liebe

Das Thema „alte Liebe” in den folgenden Sonetten ist in dieser Form so in der europäischen Lyrik-Tradition noch nicht - allenfalls in wenigen Stücken des alten Goethe - erschlossen worden. Denn wann immer Liebe zu lyrischen Gebilden verdichtet wurde, angefangen vom Hohelied Salomos über Sapphos Oden, Walter von der Vogelweides Minnelieder, Dantes, Petrarkas oder Shakespeares Sonette bis hin zu Heines oder Mörikes Versen und in Produktionen der DichterInnen des 20. Jahrhunderts - immer war es die „junge”, die „neue” Liebe, die Thema war und Sprache fand. Die Rituale, die „Wiedervorlagen” in gereiften Beziehungen aber erscheinen für das Sonett als Thema wie prädestiniert….

Alte Liebe. Ein Sonettzyklus

Einen bebilderten Aufsatz zu Geschichte und Theorie des Sonetts inklusive einer kleinen Schreibwerkstatt finden Sie hier.

Thema: Liebe et al | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Pater Leppich und die Nylon-Dirnen

Montag, 9. November 2009 16:58

oder: Das Lob des Damensitzes

(satirische Ekloge in Hexametern. Der Text verarbeitet auf seine Weise zwei große zeitgenössische Spiegel-Artikel sowie eine Werbeschallplatte der Firma NSU)

© 2009 Dirk Schindelbeck

Manchmal schenkt uns die Zeit an neuerfundenen Dingen
unerwartet und schnell, was sonst die Gedanken der Menschen
höchstens im Traum bewegt: auf einmal sind Luxus-Produkte
wie sie zuvor nur gekrönten Häuptern wie etwa Soraya
vorbehalten gewesen, normalen Verbrauchern erreichbar.
So kamen über das Land, als Boten des besseren Lebens,
auch jene Hüllen aus zauberleichtem Perlon-Gewebe,
die, fast unsichtbar, der Frauen Beine umschließen:
Ruhmreich ist dieses Kapitel der deutschen Wirtschaftsgeschichte,
rühmend sind auch die Taten der Unternehmer zu preisen,
die jeden Widerstand brachen, deutschen Frauen die zarten
Strumpfkunstwerke zu liefern. Nur wenige traten als Mahner
dieser Massenverführung durch schamloses Beinfleisch entgegen:
Einer von ihnen war Pater Leppich, in brennender Sorge
immer aktiv in der Stärkung der Abwehrkräfte des Volkes. [weiter...]

Thema: Balladen/Eklogen | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck