Beiträge vom Januar, 2010

Segeln…

Samstag, 16. Januar 2010 11:37

für Hans-Jürgen Mende

zugleich Hommage an Hans Domizlaffs Segelbuch Dirk III (1934/37/41). Einige Passagen daraus sind in mein Drama “Der Machtberater” (Szene 13) eingeflossen

© 2010 Dirk Schindelbeck

Segeltörn in die Dänische Südsee 2005

Segeltörn in die Dänische Südsee 2005

Im Hafenbecken liegen weiß gereiht
die Boote. Hör nur, wie das Wasser gluckst
und an den Rümpfen leckt… die beste Zeit
endlich in See zu stechen. Knatternd druckst

der Dieselmotor, schiebt uns aus dem Hafen,
geschwätzig gurgelt es schon unterm Kiel.
Das Meer, die alte Platte, scheint zu schlafen.
Du stellst den Motor ab. Nun ist es still.

Hans-Jürgen Mende und DS an Deck

Skipper Hans-Jürgen Mende und seine Crew

Da kommt die Brise und das Segel steht,
und wie von selber macht das Boot jetzt Fahrt.
Der Wind sagt an, wohin die Reise geht.

Was ist die Zeit? Sanft schlägt das Tau ans Boot -
als hätte sich die Schöpfung aufgespart,
saugst du vom neuen Tag das Morgenrot.

Thema: Sonettwelt | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Und der Knabe fühlte sein Modellauto in der Tasche und träumte von einem Benz…

Mittwoch, 13. Januar 2010 15:36

© 2010 Dirk Schindelbeck

Wiking-H0-Modelle der 60er Jahre

Wiking-H0-Modelle der 60er Jahre

In der Hosentasche gut versteckt
hab ich die Modelle einst genossen,
ihre so zerbrechlichen Karossen
heimlich und für mich allein entdeckt:

Fenstersäulen, Scheiben, Hauben, Kühler,
Bodenplatten, filigran gepresst,
artig tastend wie ein Formenschüler
hielt ich jeden Typ mir blindlings fest.

Traumverloren in der Straßenbahn
sah dies Winkelglück mir keiner an:
Wo die Form war, war Idee nicht weit…

All mein Werkzeug? Fingerzärtlichkeit -
Stern der Sterne war ein Kunststoffknopf -
und der große Stern erstand im Kopf.

Hintergrundinfos (Sammeln, Soziologie, Geschichte der H0-Modelle etc.) dazu gibt’s hier.

Thema: Sonettwelt | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Begrüßungsgeld

Dienstag, 12. Januar 2010 16:07

Wie der Kanzler Weltgeschichte machte

© 1994 Dirk Schindelbeck

Abfüllstation für Begrüßungsgeld: in den Trabi

Begrüßungsgeld: in den Trabi

Aber Kohl, der Kanzler, der stets seine Stimmungsberater
Aufmerksam angehört hatte, verfolgte, historisch sensibel,
Diese Massenerregung. Er schaute nur in die Gesichter,
Menschenkenntnis braucht’ es kaum, die Mangelsyndrome
Standen auf diesen Mienen nur allzu deutlich geschrieben;
Zwangsläufig fiel der Beschluss, die aufgestauten Gefühle
Nicht sich selbst zu überlassen. Die Stunde war günstig,
Und erfahren der Kanzler, gestählt in vertrackten Debatten,
Ausgepfiffen so oft von wüsten Chaoten, er wusste,
Wie man Stimmung macht und die schwankende Meinung der Menge
Auf das eigene Konto bucht. Mit einskommasechs Milliarden
D-Mark Begrüßungsgeld, ein winziger Posten im Haushalt,
Ließ sich diesen Leuten ein Leben in Freiheit und Wohlstand,
Wie auf Rosen gebettet, versprechen. Und dies Pro-Kopf-Geld,
Einhundert D-Mark, wahrlich, das ließ sich keiner entgehen:
„Let’s go west!” und en masse. Die Kerzen-Helden, sie kamen,
Schichteten Opas und Enkel bis unter das Dach ihrer Trabis,
Steckten singend im heitersten Stau der deutschen Geschichte,
Fielen ein in westdeutsche Städte und staunten mit großen
Kinderaugen und streunten durch glitzernde Einkaufspassagen
Zwischen riesigen Warenbergen hindurch, und man hörte
Immer wieder nur eins: „Wie wurden wir alle betrogen!”
Preisen wir also, so preiswert sie war, die rühmliche Handlung,
Das Begrüßungsgeld. Es wärmte für Tage die Herzen
Zwischen Deutschen Ost und West, in der kurzen Berührung
Waren die Hand des Gebers und die des Nehmers verschmolzen
Fast wie im Sozialismus, in seinen schönsten Symbolen.
Weihnachten kam, und es weinte ein völlig verwandeltes Deutschland:
„Weltniveau!” verzeichnet sprachlos das Buch der Geschichte.

(Vgl. auch die Langversion im Lehrgedicht “Niemand ist besser für Deutschland” sowie den Sachtext “Jeder bringt noch einen mit…” Die Leipziger Montagsdemonstrationen und der Prozess der deutschen Wiedervereinigung - ein massenpsychologisches Lehrstück), ebenso die Installtionen “kanzlerfuge” als auch die gesamte Ausstellung “Poetische installationen/Lyrik als Skulptur”

Thema: Deutschlandgedichte | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Der Machtberater. Eine deutsche Karriere

Dienstag, 12. Januar 2010 15:05

Dramatische Ballade

© 2009 Dirk Schindelbeck

Vorbemerkung

Dieses Stück erzählt vom wahnwitzigen Lebenskampf eines Einzelnen gegen „die Masse”. Von seinen abgrundtiefen Verletzungen in Schule und Militär durch den rigiden Drill im deutschen Kaiserreich. Von den neuen Möglichkeiten in den zwanziger Jahren, durch Werbung auf „die Masse” langfristig einzuwirken. Von seinem sich entwickelnden Größenwahn, als eine Art Machiavelli des 20. Jahrhunderts auch politisch-propagandistisch wirken zu wollen und zu können. Vom totalen Scheitern seiner in den fünfziger Jahren als überholt geltenden Beeinflussungsmethoden. Schließlich von dem, was unter Markentechnik und Markenführung noch heute mit seinem Namen verbunden wird.

Hans Domizlaff (1892 - 1971), der in Werbefachkreisen als „Urfaust der deutschen Werbung” nach wie vor Kultstatus genießt, ist der größeren Öffentlichkeit bis heute unbekannt geblieben. Als Werbeberater gab er sich nie damit zufrieden, nur nachgeordneter Dienstleister seiner Auftraggeber zu sein, sondern pochte stets auf die fundamentale Bedeutung wirkungsvoller Massenkommunikation - nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Institutionen, Kirchen oder Staaten. [weiter...]

Thema: Bühnenwerke | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Credo: ich glaube (an Kredit)

Montag, 4. Januar 2010 14:35

© 2009 Dirk Schindelbeck

Die Zeit schreit nach Kredit. Der Mensch soll glauben,
was Banker ihm an Zukunftsbildern malen,
Vertrauen geben und dafür bezahlen.
Den schönen Glauben werden sie nicht rauben.

Sie schätzen Bonität, nicht das Bonmot.
Bonmots sind wichtig für die Volksvertreter
zu Wahlkampfzeiten und auch sowieso.
Ach wären doch die Banker Bonitäter!

Dann würd’ ich dies Gedicht beleihen. So
könnt’ ich mein Häuschen halten und den Garten,
und seine Weisheit würd’ sich noch verzinsen…

Ich trage mein Gedicht zur Bank. Man lässt mich warten.
“Wo liegt die Sicherheit?” Ich sage: „Im Bonmot!”
Ich seh’ die Banker nur noch schallend grinsen.

Eine leicht verständliche, da visualisierte, Darstellung der internationalen Kredit-Krise (engl.) finden Sie hier.

Thema: Deutschlandgedichte | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Musterstücke Konkreter Poesie

Samstag, 2. Januar 2010 9:00

© 1995-2004 Dirk Schindelbeck

Auf den folgenden Seiten finden Sie einige Stücke konkreter Poesie vor. Da diese Gedichte als Markenartikel verstanden werden wollen, werden sie in dieser verbraucherfreundlichen Packung angeboten:

Gedichtmarke konkret

Schindelbecks Gedichtmarke konkret

Einige dieser Arbeiten sind im Rahmen meiner Ausstellung “Poetische Installationen/Lyrik als Skulptur” auch zu Objekten verarbeitet worden. Dort gab es dann auch einen entsprechenden Gedicht-Supermarkt…

1. kanzlerfuge dt./türk.
2. JEDEM DAS SEINE (bfa Sonett)
3. fang den sprachfisch
4. Nietzsches Homepage
5. Tauzieher-Wettkampf
6. Der kluge Umzug
7. ein gott wer schalke dabei denkt
8. Bayerisches Pfänderspiel
9. antiauritäre erziehung (kölscher dialog)
10. am tropf der speculativen filosophie
11. neue deutsche fallweise oder: knall auf fall
12. Drehbuch Bankraub
13. Schädigung durch Straßenlärm
14. Koalitionsverhandlungen
15. Mathematische Gesetze und Formeln, Lektion 2

Die geheimen Wechselbeziehungen der Konkreten Poesie zur Barocklyrik sind schon vielen Autoren aufgefallen. Wer sich auf die Spur solcher Parallelitäten setzen möchte, dem empfehle ich meine neu-barocken Gedichte, z.B. “Aspekte des Aspiks” oder mein Kreisgedicht “Nach dem Spiel ist vor dem Spiel” u. viele andere..

Thema: Konkrete Poesie | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck