Beiträge vom Juni, 2010

Windelfaltung nach Hausmannsart

Mittwoch, 23. Juni 2010 12:17

schindelbeck_winderfaltung082

(Erfahrungen aus der Vor-Pampers-Zeit)

© 2009 Dirk Schindelbeck

Wenn ich die Leinenwindel mittig falte
und gleich noch einmal quer, sodass vier Lagen (Fig. 1)
entstehen, kann ich es im Zweitschritt wagen,
die obren Lagen rauszuziehn (Fig. 2), erhalte

ein Dreieck oben, drunter ein Quadrat (Fig. 3);
nun wird das Ganze sorgsam umgedreht,
dies Viereck dann zu einem Stoffpaket
dreilagig eingewickelt (Fig. 4). Somit hat

das Baby an der Stelle, wo die Nässe
sich gern und häufig zeigt, ein Maximum (Fig. 5)
an Saugkomfort. Zufrieden schläft’s schon ein:

„Ja, ja, mein Baby, gell, du bist nicht dumm!”
So lässt es mich den coolen Vater sein,
der ich jetzt ein Sonett schreib oder esse.

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Einen umfangreichen Essay zum Sonett gibts hier.

Thema: Liebe et al | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Elfchen zur WM-Elf

Montag, 14. Juni 2010 11:17

© 2010 Dirk Schindelbeck

Gnaden-
und schnörkellos,
Leute. Elf Freunde
spielen unsere Feinde nieder:
— los

Neuer-
dings ist
unser Torwart Jungspund,
das hält, sogar die
Elfer

Schweini-
sche Geschichte:
hängender Sechser, räumt
ab, verteilt nur Zucker-
Bälle

Klose
klar wie
Kloßbrühe, abgebrüht wie
immer, aber immer öfter
wichtig

Lukas
Evangelium nach
einer göttlichen Schusstechnik
aus allen Lagen ballernd
ansatzlos

Lahm,
quirlig, nie
lahm, ganz ohne
Allüren, einfach der bessere
Berti

Ballack,
unsere blutende
Wunde. “Die Deutschen
haben nichts außer Ballack..”
Schaumermal!

Cacao:
fair trade
(ganzer Name unaussprechlich)
endlich tanzt unsere Mannschaft
Samba

Mertesacker
Lufthoheit garantiert
unten redlich ackernd
wie eben ein Mertesacker
kann

Trainerfrage
aufgeschoben, vorerst
Werbespots für Joghurt
wie früher Uns-Uwe: Milch
machts.

Thema: Fußball-Ansichten | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Donnerstag, 10. Juni 2010 13:14

Das "ballrunde" Fußballgedicht in der einzig ihm angemessenen Optik

Das "ballrunde" Fußballgedicht in der einzig ihm angemessenen Optik

© 1995 Dirk Schindelbeck

Dieses Gedicht - die geniale Strophe verdanke ich Johann Christian Günther (1695-1723; “An Leonore beim anderen Abschiede”) - arbeitet nach dem Prinzip der kalkulierten Redundanz. Es ist sowohl ein barockes

Gedichtmarke "barock"

Schindelbecks Gedichtmarke "barock"

als auch ein konkretes

Gedichtmarke konkret

Schindelbecks Gedichtmarke "konkret"

Gedicht, was das beigefügte Bild verdeutlichen möge, wo jede Strophe gleichsam zu einem Spieler auf dem Rasen wird, der den Ball aufnimmt und weitergibt. Ausgestellt wurde es im Jahr 2001 innerhalb der Performance “Poetische Installationen”. Die Besucher konnten raten, wo es anfängt und ob es überhaupt anfängt (oder aufhört)… Es findet sich auch in der von Günter Guben und Astrid Braun herausgegebenen Anthologie “Zur Zeit” (edition kanalstr. 4, S. 158ff., Stuttgart 2008), wo es leider nicht im Kreis gedruckt werden konnte. Aber dafür hier - gepriesen sei das Internet…

„Ein Null zu Null steht gar nicht zur Debatte,
schon immer lag im Angriff unser Heil,
denn den Erfolg, den meine Mannschaft hatte,
errang sie im Direktspiel, schnell und steil:
Der Offensivgeist hat sie meist zum Sieg geführt,
doch kontrolliert.”

Noch kontrolliert der Mann in schwarz die Spieler,
die Stollen, Schoner mit geübtem Blick.
Das Stadion brodelt. Plötzlich wird es stiller:
Soeben aus dem Presseraum zurück
Tritt auf der Admiral und wird bestaunt,
und alles raunt.

[weiter...]

Thema: Deutschlandgedichte, Fußball-Ansichten | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck