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Texte über Carl F. W. Borgward (1890-1963)

Montag, 28. November 2011 12:32

Inhaber und Geschäftsführer der Carl Borgward AG, Bremen

„Diese Männer sind selten geworden. Man findet sie fast nur noch in Romanen und Filmgeschichten. Auch in unserer Zeit gibt es Männer, die gewaltige Betriebe leiten, Werke aufbauen und sie zu erstaunlicher Blüte bringen. Sie arbeiten mit einer fremden Vollmacht, im Namen einer Gesellschaft. Man nennt sie nicht umsonst Wirtschaftskapitäne.” (Quelle: Borgward-Kurier)

„Das ist ja das Gute in meinem Fall. Wenn ich heute etwas entwerfe, dann sage ich morgen: ‚Deutsche Arbeiter, fanget an!’ und niemand kann dazwischen quatschen.” (Quelle: Eberwein/Tholen: Borgwards Fall, Bremen 1985)

„Bei den Gängen durch seine „Werkstatt”, wie er seine Automobilfabriken nannte, gehörte eine Szene wie diese zum Alltag: „Wenn ein Arbeiter etwas falsch gemacht hatte, und er sah das bei seinen Werkstattbesuchen, nahm er dem Arbeiter das Stück aus der Hand und sagte: ‚Das musst Du so und so machen!” Dass die Arbeiter ihn schätzten, ja liebten, wird auch aus anderen Äußerungen deutlich: „Ich war damals in der Halle 3 beschäftigt. Da kam jeden Morgen Carl Borgward hinten in das Werk durch die Halle 3. Ich arbeitete dort in der ersten Reihe und er ging dauernd an mir vorbei. Und wie soll ich sagen, wie ich das empfunden habe, dass er das gebaut hat? Ich fand das eigentlich ganz groß von dem Mann.” (Quelle: ebda)

Textempfehlungen: Du warst zu gut für diese Welt; Der Borgward-Mythos im Dienst der Werbung

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

NSU-Werbeschallplatte “Quickly” von 1951

Montag, 28. November 2011 12:26

Der Text der im Swing-Stil daherkommenden Werbeschallplatte erscheint insofern bemerkenswert, da schon 1951 die “Daseinsberechtigung” des Bundesbürgers an seiner Motorisierung festgemacht wird…

Hoppla, ich glaube mir fehlt etwas,
so macht das Leben mir keinen Spaß,
jeden Tag zu Fuß zu gehn,
das ist heut nicht mehr schön.

Refr.: Besser ist’s, wenn man die Schuhe schont,
weil sich’s per pedes auch gar nicht lohnt.
Erstens ist der Weg zu weit und man braucht zuviel Zeit
Was mir fehlt, das kennt ein jeder,
es fehlt nicht nur mir allein,
es hat nen Motor und zwei Räder
und kann nur eine Quickly sein.
Quickly ist so, dass man sagen kann,
das ist ein Fahrzeug für jedermann.
Einer ruft’s dem andern zu:
Fahr auch du NSU!

Jeder, der heute n’ bisschen was auf sich hält,
der ist doch motorisiert.
Weil er ja sonst im Getriebe der Welt
Die Daseinsberechtigung verliert.
Wenn ein Junge noch im Kinderschuh steckt,
ist bei ihm schon das Interesse geweckt,
und die Oma, die nun bald 80 ist,
auch die hat’s plötzlich entdeckt:
Hoppla, ich glaube, mir fehlt etwas,
so macht das Leben mit keinen Spaß.

Refr.: Besser ist’s, wenn man die Schuhe schont,
weil sich’s per pedes auch gar nichts lohnt.
Was mir fehlt, das kennt ein jeder,
es fehlt nicht nur mir allein,
es hat nen Motor und zwei Räder
und kann nur eine Quickly sein.
Quickly ist so, dass man sagen kann,
das ist ein Fahrzeug für jedermann.
Einer ruft’s dem andern zu:
Fahr auch du NSU!

Zum Thema Werbelyrik der fünfziger Jahre vgl. den Text “Konsumhymnen”

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Literaturauswahl

Montag, 28. November 2011 12:10

Becker, Ulrich: Sozialstaat Deutschland: Geschichte und Gegenwart,  Bonn 2010.

Bender, Peter: Deutschlands Wiederkehr : eine ungeteilte Nachkriegsgeschichte 1945 - 1990, Bonn 2008 (Schriftenreihe / Bundeszentrale für Politische Bildung ; Bd. 698)

Eschenhagen, Wieland/Judt, Matthias: Chronik Deutschland 1949 - 2009: 60 Jahre deutsche Geschichte im Überblick, Bonn 2008. (Schriftenreihe / Bundeszentrale für Politische Bildung; Bd. 747)

Grimm, Fred: “Wir wollen eine andere Welt”: Jugend in Deutschland 1900 - 2010 ; eine private Geschichte aus Tagebüchern, Briefen, Dokumenten, Berlin 2010.

Kleßmann, Christoph/Lautzsas, Peter (Hg.): Teilung und Integration : die doppelte deutsche Nachkriegsgeschichte als wissenschaftliches und didaktisches Problem, Bonn 2005 (Schriftenreihe / Bundeszentrale für Politische Bildung; Bd. 482)

Motte, Jan (Hg.): 50 Jahre Bundesrepublik - 50 Jahre Einwanderung: Nachkriegsgeschichte als Migrationsgeschichte, Frankfurt 1999.

Recker, Marie-Luise: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, München 2009

Reeken, Dietmar von: Deutschland nach 1945 : geteilt und doch verflochten? Berlin 2009.

Rödder, Andreas: Deutschland einig Vaterland : die Geschichte der Wiedervereinigung / Bonn 2010. (Schriftenreihe / Bundeszentrale für Politische Bildung ; Bd. 1047)

Rösgen, Petra (Red.): Flagge zeigen? Die Deutschen und ihre Nationalsymbole: Begleitbuch zur Ausstellung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, 5. Dezember 2008 bis 13. April 2009, im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, 29. Mai bis 4. Oktober 2009,  Bielefeld 2008

Scheurle, Christoph: Die deutschen Kanzler im Fernsehen: Theatrale Darstellungsstrategien von Politikern im Schlüsselmedium der Nachkriegsgeschichte, Bielefeld 2009

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Kaspar Stieler: Der Haß küsset ja nicht

Freitag, 11. November 2011 8:21

Die ernstliche Strenge steht endlich versüßet,
die quälende Seele wird einsten gesund.
Ich habe gewonnen, ich werde geküsset,
es schallet und knallet ihr zärtlicher Mund.
Die Dornen entweichen,
die Lippen verbleichen,
indem sie die ihren den meinen aufdrückt.
Ich werd aus der Erde zun Göttern verschickt! [weiter...]

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Barocklyrikerinnen und -lyriker

Dienstag, 8. November 2011 17:43

© 2011 Dirk Schindelbeck

Gedichtbeispiele etlicher Autoren finden Sie unter den entsprechenden Links. Auf Texte allzu bekannter Dichter wie Opitz, Gryphius, Fleming usw. (fett hervorgehoben) wurde hier meist verzichtet, da diese an anderer Stelle im Internet - und zwar auf vielen Seiten - leicht aufzufinden sind. In manchen Texten ist die barocke Schreibweise beibehalten worden, was der jeweilgen Vorlage geschuldet ist.

Abschatz, Hans Freiherr von, 1646 (Würbitz/Schl.) - 1699 (Liegnitz)
Albert, Heinrich, 1604 (Lobenstein) - 1651 (Königsberg)
Albinus, Johann Georg, 1624 (Unternessa) - 1679 (Naumburg)
Angelus Silesius (Johannes Scheffler) 1624 (Breslau) - 1677 (Breslau)
Anton Ulrich (Hrz. v. Braunschweig), 1633 (Hitzacker) - 1714 (Salzdahlum)
Arnold, Gottfried, 1666 (Annaberg) - 1714 (Perleberg)
Assig, Hans v. 1650 (Breslau) - 1694 (Schwiebus)
Augspurger, August, 1620 (?) - 1677 (?) [weiter...]

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Lob des Tropfenfängers (1953)

Sonntag, 6. November 2011 15:25

© 2008 Dirk Schindelbeckschindelbeck_tropfenfaenger_1953

O stiller Helfer, konntest so verschwiegen
sanft saugend unter Kaffeekannentüllen,
den Wunsch nach Rundum-Sauberkeit erfüllen,
Millionen deutscher Hausfraun zum Vernügen.

Dank deiner rann kein Tropfen mehr wie früher
herab, das Spitzendeckchen braun berändernd.
Du, alle Anstandskurse tief verändernd,
warst unser segensreichster Volkserzieher.

Am Henkel war durch Gummizug das gute
praktische Saugeröllchen eingehakt,
der Tropfenwächter jeder Kannenschnute.

Mit Dir, du kleinem schnödem Alltagsding,
hat Poesie sich in den Bundes-Alltag vorgewagt
pastell, zartrosa als ein Plastik-Schmetterling.

Die Abbildung zeigt Tropfenfänger der Firma emsa von 1953

Variante: der Tropfenfänger als Prosa-Miniatur

Mehr Sonette auf Markenartikel finden Sie hier.

Eine Kulturgeschichte des Konsums in der Bundesrepublik finden Sie hier.

Einen umfangreichen Essay zum Sonett gibts hier.

Thema: Sonettwelt | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck

Aspekte deutscher Geschichte seit 1945, WS 2011/12

Freitag, 28. Oktober 2011 7:02

In diesem Seminar wollen wir uns mit verschiedenen Aspekten der (deutsch-) deutschen Nachkriegsgeschichte beschäftigen. Das meint sowohl die Zugänge und Methoden als auch die (Unter-) Themen, Fragestellungen und Quellen. Es sind sowohl politikhistorische als auch wirtschafts- und sozialhistorische oder kultur- und mentalitätshistorische Diskurse möglich, ja erwünscht.

Erschöpfende Literaturhinweise für alle Aspekte deutscher Nachkriegsgeschichte angeben zu wollen erscheint angesichts der Fülle der Titel ebensowenig machbar wie sinnvoll. Jedes Thema erfordert eine besondere Recherche. Darum hier nur eine (sehr) kleine Auswahl.

In den bisher abgehaltenen Sitzungen ging es z.B.  um

Zu diesem Thema hier einige der in der Stunde besprochenen Quellen:

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Barocklyrik - Kommentar zum Seminar, WS 2011/12

Mittwoch, 28. September 2011 7:10

Wohl kaum eine literarische Epoche erscheint uns so fremd wie das Zeitalter des Barock. Dabei braucht man nur ein Gesangbuch aufzuschlagen, um sich der Nachwirkungen der großenKirchenliedkultur des 17. Jahrhunderts bewusst zu werden. Und selbst in den uns vielnäheren Liebesgedichten eines Goethe, Heine oder Mörike sind die prägenden Vorläufer aus der Barockzeit nicht zu übersehen.

Dennoch hat außer wenigen Gedichten eines Andreas Gryphius kaum etwas Eingang in den Kanon unserer Schulbücher gefunden. Dabei steht neben dessen berühmtem Ausruf „Es ist alleseitel!”, den existenziellen Erfahrung des irdischen „Jammertals” im 30-jährigen Krieges geschuldet, gleichberechtigt das „Carpe diem!” schon der folgenden Generation einesChristian Hofmann von Hofmannswaldau als Ausdruck von Diesseitsbejahung und Lebensfreude. [weiter...]

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Beim Anblick ungeputzter Schuhe

Sonntag, 24. Juli 2011 11:40

© 1997/2011 Dirk Schindelbeck

siehe hierzu das berühme gewordene Bild Vincent van Goghs aus dem Jahr 1886:

http://www.welt.de/kultur/article4909929/Wie-sich-Forscher-ueber-van-Goghs-Schuhe-streiten.html

Meine lieben Gesellen. Ihr seht so gequält und so streng aus,
wie als mahntet ihr mich: „Siehst Du uns, Freund, ja Du siehst!
Tollkühne Menschen wie Du, die kämpfen zwar tapfer im Unrat,
aber lassen die Spur an den Getreuen zurück.
Also stehn wir gezeichnet, Absätze und Sohlen voll Klumpen,
und von klebrigem Lehm, übergebackenem Kies
sind wir gelb und grau und fühlen uns grausam gebogen,
ach, wir liegen so krumm in dem getrockneten Schlamm -
und so durstig! Die klaren, feuchten, kühlenden Lüfte
rühren die Haut nicht mehr: Haut aber sind wir doch ganz!
Drum, lieber Freund und Halter, befrei uns aus dem Gefängnis
unserer Atemnot, habe ein Mitleid mit uns,
gib uns zu essen auch, ein wenig an Creme oder Fett nur,
und gleich tragen wir Dich, warm und geschmeidig, wie einst.”

Thema: Epigramme | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Syndetikon klebt, leimt, kittet alles…

Donnerstag, 16. Juni 2011 16:28

Das UHU unserer Urgroßväter

© 2007/11 Dirk Schindelbeck

...kittet alles, selbst Planeten...

...kittet alles, selbst Planeten...

In ihrer 1894 erschienenen Humoreske „Syndetikon” erzählt Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem (1854-1941), eine der erfolgreichsten Modeschriftstellerinnen der Kaiserzeit, die Geschichte eines „geleimten Liebhabers”.

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Mit weiblicher List und der sagenhaften Klebekraft von Syndetikon gelingt es Komtesse Käthe, einen ungeliebten Verehrer an einen Ledersessel so lange zu fixieren, bis sich die Verwicklungen ihrer wahren Liebschaft geklärt haben. Zum ersten Mal in der deutschen Literaturgeschichte war ein Markenprodukt zum Titel eines literarischen Werkes gewählt worden. Damit nicht genug: Mehrfach wurde der Slogan „Syndetikon klebt, leimt, kittet alles” darin von verschiedenen Personen wiederholt, allerdings auch auf den penetranten Geruch hingewiesen, den der Alleskleber entfaltete. [weiter...]

Thema: Reklame & Werbung | Comments Off | Autor: Dirk Schindelbeck