Beiträge vom April, 2012

Literaturauswahl bzw. -anregungen

Dienstag, 24. April 2012 16:53

· Arbeitskreis Regionalgeschichte Freiburg (Hg.): Kriegsgedenken in Freiburg. Trauer - Kult - Verdrängung, Freiburg 1995
· Claudia Theune: Jüdische Friedhöfe. Kultstätte, Erinnerungsort, Denkmal, Wien;Köln; Weimar 2011
· Stefan Spohr: Das deutsche Denkmal und der Nationalgedanke im 19. Jahrhundert, Weimar 2011
· Michaela Stoffels: Kriegerdenkmale als Kulturobjekte: Trauer- und Nationskonzepte in Monumenten der Weimarer Republik, Köln, Weimar, Wien 2011
· Martin Höxtermann/Marlis Meckel: Den Opfern ihre Namen zurückgeben. Stolpersteine in Freiburg, Freiburg 2006
· Wolfgang Wippermann: Denken statt denkmalen: gegen den Denkmalwahn der Deutschen, Berlin 2010
· Dieter Angst/ Karlheinz Fuchs: Denkmal-Land Baden-Württemberg: unterwegs zu historischen Stätten, Stuttgart 2010
· Rainer Gries/Volker Ilgen/Dirk Schindelbeck: Gestylte Geschichte. Vom alltäglichen Umgang mit Geschichtsbildern, Münster 1989
· Anke Kuhrmann (Bearb.): Die Berliner Mauer: vom Sperrwall zum Denkmal, Berlin 2009
· Ute Scherb: „Wir bekommen die Denkmäler, die wir verdienen” Freiburger Monumente im 19. und 20. Jahrhundert, Freiburg 2005
· Julia Obertreis: Erinnerungen nach der Wende: oral history und (post)sozialistische Gesellschaften, Essen 2009
· Björn Bohnenkamp: Generation als Erzählung: neue Perspektiven auf ein kulturelles Deutungsmuster, Göttingen 2009
· Achim Landwehr: Historische Diskursanalyse, Frankfurt/Main 2009
· Lutz Niethammer, Alexander v. Plato, Dorothee Wierling: Die volkseigene Erfahrung. Eine Archäologie des Lebens in der Industrieprovinz der DDR; 30 biographische Eröffnungen, Berlin 1991
· Lutz Niethammer: Lebenserfahrung und kollektives Gedächtnis: die Praxis der „Oral History”, Frankfurt am Main 1985
· Rainer Gries/Volker Ilgen/Dirk Schindelbeck (Hg.): Geschichtsmarkt. Vergangenheiten als Markenprodukte (= Geschichtswerkstatt Nr. 20), Hamburg 1990
· Dirk Schindelbeck: Schöpfungsmythos und Goldenes Zeitalter - Unsere Nachkriegsgeschichte als Heldenepos, in: FORUM Schulstiftung 42. Zeitschrift der katholischen Freien Schulen der Erzdiözese Freiburg, Mai 2005, S. 53-74
· Waltraud Wende: Filme, die Geschichte(n) erzählen. Filmanalyse als Medienkulturanalyse Würzburg 2011
· Michael Heinlein: Die Erfindung der Erinnerung. Deutsche Kriegskindheiten im Gedächtnis der Gegenwart, Bielefeld 2010
· Annerose Menninger: Historienfilme als Geschichtsvermittler. Kolumbus und Amerika im populären Spielfilm, Stuttgart 2010
· Andreas Sommer: Geschichtsbilder und Spielfilme. Eine qualitative Studie zur Kohärenz zwischen Geschichtsbild und historischem Spielfilm bei Geschichtsstudierenden, Münster 2010
· Dirk Schindelbeck: Welttheater. Zur Kommunikationsgeschichte der Weltausstellungen, in: Universitas. Zeitschrift für interdisziplinäre Wissenschaft, 54. Jg., Heft 11/1999, S. 1069-1082
· Hayden White: Metahistory. Die historische Einbildungskraft im 19. Jahrhundert in Europa, Frankfurt am Main 2008
· Klaus Arnold: Geschichtsjournalismus. Zwischen Information und Inszenierung, Münster 2010
· Christoph Scheurle: Die deutschen Kanzler im Fernsehen: theatrale Darstellungsstrategien von Politikern im Schlüsselmedium der Nachkriegsgeschichte, Bielefeld 2009
· Rainer Gries/Volker Ilgen/Dirk Schindelbeck: „Ins Gehirn der Masse kriechen!” Werbung und Mentalitätsgeschichte, Darmstadt 1995
· Tilmann Robbe: Historische Forschung und Geschichtsvermittlung. Erinnerungsorte in der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft, Göttingen 2009
· Renate Höllewart: In einer Wehrmachtsausstellung: Erfahrungen mit Geschichtsvermittlung, Wien 2003
· Andreas Urban: Von der Gesinnungsbildung zur Erlebnisorientierung. Geschichtsvermittlung in einem kommunalen historischen Museum im 20. Jahrhundert, Schwalbach 1999
· Andreas Heuer: Geschichtsbewusstsein. Entstehung und Auflösung zentraler Annahmen westlichen Geschichtsdenkens, Schwalbach/Ts., 2011
· Claus Leggewie: Der Kampf um die europäische Erinnerung. Ein Schlachtfeld wird besichtigt, München 2011
· Gerd Sebald: Soziale Gedächtnisse. Selektivitäten in Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus, Bielefeld 2011
· Saskia Handro/ Bernd Schönemann (Hg.): Visualität und Geschichte, Berlin 2011
· Klaus Nannen: Wirtschaft, Geschichte und Geschichtskultur. Eine Untersuchung zur Vermarktung und Förderung von Geschichte durch deutsche Unternehmen, Münster 2010
· Martina Padberg (Hg.): Die Magie der Geschichte. Geschichtskultur und Museum, Bielefeld 2010
· Dirk Schindelbeck: Zeit-Reisen, Zukunfts-Visionen, Sinn-Bilder? Modelle und Dioramen als Erkenntnismittel, in: FORUM Schulstiftung 38, Dezember 2003, S. 7-17
· Bettina Schaefer (Hg.): Lass uns über Auschwitz sprechen. Gedenkstätte - Museum - Friedhof; Begegnungen mit dem Weltkulturerbe Auschwitz, Frankfurt 2009
· Peter März: Mythen, Bilder, Fakten. Auf der Suche nach der deutschen Vergangenheit, München 2010
· Viola B. Georgi: Crossover Geschichte. Historisches Bewusstsein Jugendlicher in der Einwanderungsgesellschaft, Hamburg 2009
· Christoph Kühberger (Hg.): Europäische Geschichtskultur - europäische Geschichtspolitik. Vom Erfinden, Entdecken, Erarbeiten der Bedeutung von Erinnerung und Geschichte für das Verständnis und Selbstverständnis Europas, Innsbruck; Wien; Bozen 2009
· Martin Nissen: Populäre Geschichtsschreibung. Historiker, Verleger und die deutsche Öffentlichkeit (1848 - 1900), Wien 2009

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Seminar “Literarische Kleinformen” (Aphorismus, Sprichwort, Epigramm usw.), SS 2012

Mittwoch, 11. April 2012 7:31

„Alles fließt!”; „Der Sozialismus siegt!”; „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!”; „Unter den Talaren Muff von tausend Jahren!”; „Vertrauen ist der Anfang von allem!”; „Wenn’s Arscherl brummt, ist’s Herzerl gesund”; „Ich hatte schlechte Lehrer: das war eine gute Schule!”; „Die Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft!”; Essen ist der Sex des Alters”; „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin!”, „Ich aber bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!”; „Besser arm dran als Arm ab.”

Eine kleine Auswahl pointierter Formeln mit großer Wirkung oder doch wenigstens großem Effekt. Lebensweisheiten, Geistesblitze, Weltbildschnipsel, Sprichwörter, Sentenzen, Parolen, Bibel-, Propaganda- und Werbeslogans: geformte Sprache, aufs äußerste zugespitzt um im Gedächtnis zu bleiben und Massenwirkung zu entfalten. Oft nicht einmal zwischen Buchdeckel gepresst, sondern an Plakatwänden aufgeschnappt, in Kleinanzeigen, Abreißkalendern, Poesie-Alben, in Heirats- oder Todesanzeigen im Umlauf, auf Baumscheiben gebrannt, die in Souvernir-Shops ausliegen oder im 140-Zeichen-Format durch das Netz getwittert.

Ist vieles davon schlicht als trash-poetry zu bezeichnen oder findet hier etwa Literatur neue Wege in den Alltag und wenn ja, warum? Welche innerliterarischen Kategorien sind es dann, die für Nachhaltigkeit sorgen (rhetorische Figuren, Bilder, Alltagsrelevanz)? Oder ist es das Bedürfnis nach Lebenshilfe und Orientierung, das sie so wirksam macht? Sind es am Ende gar mnemotechnische Qualitäten, die ihre Resonanz ausmachen?

Es gilt die Spannweite aphoristischer Kunst eines Lichtenberg, Nietzsche oder Canetti, die epigrammatischen Kunst-Stücke eines Friedrich von Logau, Angelus Silesius oder Arnfried Astel auszuloten und inBeziehung zu setzen zu Trivial- und Gebrauchsaphoristik und -epigrammatik unserer Bauernregeln, Todesanzeigen, Fleißkärtchen, Konfirmationskarten, Geburtstagstoaste, Lebenshilfe-Homepages bis hin zu den auf den Sprüchen auf den Leipziger Montagsdemonstrationen 1989. Hier könnte Feldforschung vermutlich sehr ergiebig werden, wenn einmal Todesanzeigen oder Poesiealben nach sprachlichen Strukturen oder literarischen Mustern durchforstet werden.

Es sind vier Herangehensweisen möglich:

1.) ausgehend von der literarischen Form selbst. Dies impliziert die rhetorischen, literarischen, linguistischen Qualitäten, mithin den Standort des Aphorismus, Sinnspruchs, Epigramms etc. im literarischen Feld (literarturgeschichtlich, gattungstheoretisch, Werk-bezogen usw.),

2.) ausgehend von der Genese und den “Produktionsbedigungen” des Epigramms, des Bonmots, der Maxime. Hier stehen Fragen nach der Autorschaft im Zentrum des Interesses. Ergiebig könnte der Vergleich verschiedener Autorschaften sein (z.B. eines arrivierten Aphorismen-Schreibers wie Nietzsche oder Canetti gegenüber aus sozialen Bewegungen generierten Sprüchen),

3.) ausgehend von der Wirklichkeit, auf die der Aphorismus, die Bauernregel, der Werbeslogan reflektiert, also seine Anhängigkeit von Zeit, Ort, Gesellschaft. Kultur usw. (z.B. Sponti-Sprüche der 80er-Jahre versus Sprichwörter aus einer Migranten-Kultur),

4.) ausgehend von der Breitenwirkung, der Resonanz, der sozialen/mentalen Bedeutung eines Appells (”Macht kaputt, was euch kaputt macht!”), einer Headline (”Wir sind Papst!”), eines Werbespruchs (”Hier werden Sie geholfen!”) einer Parole usw.

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck

Seminar “Geschichte und Öffentlichkeit” SS 2012

Dienstag, 10. April 2012 14:54

In diesem Seminar wollen wir uns mit der Schnittstelle von Geschichte und Öffentlichkeit befassen - weshalb, wie, wozu und mit welchem Ergebnis kommen historische Inhalte in die Öffentlichkeit?
Im Kern geht es hier um Transformationen, die man auch Geschichtskultur nennen kann. Wenn Geschichte in unserem Alltag stattfindet, - ist damit immer eine Art „Wahrnehmungsformat” verbunden und wenn ja, welches? Wie wird Geschichte aufbereitet, dass sie „rüberkommt”, etwa in Museen, Lehrpfaden, Brettspielen, als Werbemotiv, in einem „Oral history Projekt”, im Fernsehen (z.B. Hitlers Generäle), als Spielfilm oder als Zeitungsartikel, der nur aufgrund eines „runden” Jubiläums überhaupt geschrieben wird („100 Jahre” Titanic-Katastrophe usw.)? Welche Präsentationsformen, welche Vermittlungswege, welches „Design” mimmt Geschichte an, damit sie rezeptionsfähig wird? Was verstehen wir unter „Geschichtsklitterung”, was ist „angewandte Geschichte”? Wie populär darf sie sein oder werden? Wo liegen die Chancen, Defizite oder gar Gefahren? Was heißt letztendlich „Geschichte schreiben?”

Anregungen und Vorschläge für mögliche Arbeitsgruppen

Arbeitsgruppe „Rummel um runde Zahlen”
Keine Zeitung kommt ohne Geburtstage aus. Gerade 100 Jahre Titanic-Katastrophe, nächstes Jahr 200 Jahre Freiheitskriege, 2014 wird es der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren sein. Längst stehen Historiker, Journalisten, Drehbuchautoren usw. in den Startlöchern, um just in time zu liefern, wonach die Medien gieren..  Muss das so sein? Geht Geschichte auch ohne Jubelzahlen?

Arbeitsgruppe „Geschichte und Werbung”
Geschichte ist Rohmaterial für viele Markenkonzepte und Stories rund um Markenprodukte. Wie funktioniert die Entkernung und Luxussanierung von Geschichte zu kommerziellen Zwecken? Schauen wir den Machern auf die Finger!

Arbeitsgruppe „Geschichte im öffentlichen Raum”
Wie funktioniert Gedenken, Andenken, Totenehrungen, Jubiläen etc. Von Kriegerdenkmälern, Gedenkstättenpädagogik (Stolpersteine etc.) bis zur Inszenierung von historischen Festen und Feiern.

Arbeitsgruppe „Geschichte in Literatur, Film und Fernsehen”
Friedrich Schillers Wallenstein, „Der Arzt von Stalingrad” von Johannes Mario Simmel, Filme wie „Good bye Lenin”, „Das Wunder von Bern” oder „Der Untergang” - Geschichte ist spannend, bzw. kann entsprechend „bearbeitet”, gut unterhalten. Welcher Tribut ist zu leisten, damit sie spannend sein kann, welchen dramaturgischen Tricks und Kniffe muss sie sich gefallen lassen, damit sie “publikumswirksam” wird?

Arbeitsgruppe „Geschichte und Identität”
Wir kennen alle den berühmten Appell: „Opa, erzähl mal vom Krieg!” Wie gehen verschiedene Lebensalter mit Geschichte um, welche Rolle spielt die eigene Prägung, für die Herausbildung der eigenen Identiotät? Welche Vorstellung von Geschichte nisten in den Köpfen von: Migranten, „Ossis” und „Wessis” usw.

Arbeitsgruppe „Geschichtsverwertung und/oder -klitterung”
Hier sind diejenigen gefordert, die Spürnase mitbringen, warum, wie und wozu Geschichte instrumentalisiert, ideologisiert und verfälscht wird, um bestimmten außerhistorischen Zielen zu dienen. Wie entstehen und verfestigen sich bestimmte Geschichtsbilder, werden zu Ikonen. Was z.B. haben die “goldenen” zwanziger Jahre mit den realen zwanziger Jahren gemein? usw.

Arbeitsgruppe „Geschichte als Dienstleistung”
„Ich schreibe Ihre Biografie, ihre Firmengeschichte, die Geschichte ihrer Stadt”, Profi-Historiker gehen in Stellung gegen Laien in Geschichtswerkstätten. Schüler machen Geschichte, recherchieren, präsentieren eigene Ergebnisse in Form von Ausstellungen, Kurzfilmen, Hörspielen usw.

Arbeitsgruppe „Alternative Geschichte”
Hier lässt sich der Frage nachgehen, ob Geschichte so sein muss wie sie uns in den Lehrbücher entgegentritt. Geschichte als Denkmodell, als Experiment (”Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte…), als Science Fiction-Vorlage, als Brettspiel (z.B. Troja) oder Computeranimation und -spiel (z.B. als Mauer-Shooter-Spiel in “1378km”)

Arbeitsgruppe „Geschichte und Ethik”
Wie ist etwas gelaufen, und was lernen wir daraus? Kann man aus der Geschichte lernen oder werden immer wieder dieselben Fehler gemacht? Ist der Mensch unverbesserlich?

Ausgewählte Literaturempfehlungen

Theorietext: einleitung_werbung_mentalitaetsgeschichte (aus: Gries/ilgen/Schindelbeck: “Ins Gehirn der Masse kriechen!” Werbung und Mentalitätsgeschichte; Darmstadt 1995, S. 1-28)

Thema: Lehre | Kommentare (0) | Autor: Dirk Schindelbeck