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	<title>Dirk Schindelbeck</title>
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	<description>Geschichte ▪ Kommunikation ▪ Kultur ▪ Literatur</description>
	<pubDate>Sat, 22 Dec 2012 07:49:59 +0000</pubDate>
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		<title>Seminar &#8220;Geschichte der Wirtschaftswerbung&#8221; WS 2012/13</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Oct 2012 06:15:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Schindelbeck</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Buchladen]]></category>

		<category><![CDATA[Dokumentationen]]></category>

		<category><![CDATA[Genossenschaft]]></category>

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		<category><![CDATA[Performance]]></category>

		<category><![CDATA[Soziale Marktwirtschaft]]></category>

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Fr 10-12 Uhr
 
 
Seit der Aufstellung der ersten Litfaßsäule in Berlin 1855 ist die zunehmende Besetzung des öffentlichen Raums mit Werbebotschaften (damals noch „Reklame“) nicht auszublendendes Kennzeichen unserer industriell geprägten Lebenswelt. Gleichwohl scheint die Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen, wie immer neue Vorstöße zeigen (Jüngstes Beispiel: durchgängige Umbenennung vieler Fußballstadien nach den Namen ihrer [...]]]></description>
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<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 14pt;">Fr 10-12 Uhr</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 14pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 14pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 14pt;">Seit der Aufstellung der ersten Litfaßsäule in Berlin 1855 ist die zunehmende Besetzung des öffentlichen Raums mit Werbebotschaften (damals noch „Reklame“) nicht auszublendendes Kennzeichen unserer industriell geprägten Lebenswelt. Gleichwohl scheint die Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen, wie immer neue Vorstöße zeigen (Jüngstes Beispiel: durchgängige Umbenennung vieler Fußballstadien nach den Namen ihrer Sponsoren). Seriell hergestellte Produkte für ein Massenpublikum brauchten aber schon damals seriell produzierte Ankündigungen, Annoncen, Affichen, Emailschilder, Reklamemarken, Werbefiguren etc., um ihr Massenpublikum zu erreichen. Eine ganze Reklameindustrie entstand, die auch manchem Künstler oder Schriftsteller reiche Entfaltungsmöglichkeiten bot. (Das ist im Kern noch heute so, auch wenn sich die Spezialisten dafür heute eher Graphiker bzw. Texter nennen). Dennoch: in der „guten alten Zeit“ war Reklame tendenziell eine Abgelegenheit der Sender. Fabrikantenstolz, Ingenieur-Ideologie („Gute Ware verkauft sich von selbst!“) sowie zweimaliger Neubeginn nach verlorenen Kriegen taten ein Übriges, um sich anbieterseitig einreden zu können, die Kunden würden den<span> </span>entsprechenden Appelle schon Folge leisten.<span> </span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 14pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 14pt;">Diese Haltung ist heute sicherlich nicht mehr handlungsleitend, wo sich Produkte nur noch minimal durch ihre technische Ausstattung unterscheiden, dafür aber umso größere Kommunikationsrivalen geworden sind. Die Geschichte von Produkterfolgen ist seit mindestens fünfzig Jahren fast ausschließlich die Geschichte ihrer erfolgreichen Kommunikation durch Wort und Bild. Wenn der „Walkman“ nicht so geheißen hätte, sondern als „Gerät zur kontinuierlichen Beschallung während des Gehens“ eingeführt worden wäre, wir würden ihn vermutlich gar nicht kennen. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 14pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 14pt;">Zwischen der Aufstellung der ersten Litfaßsäule 1855 und der Eröffnung eines modernen Produkt-Disneylands (Beispiel: Autostadt Dresden) liegt also eine ungeheure Entwicklung, die es zu analysieren gilt: wirtschaftlich, sozial, ästhetisch, kommunikationshistorisch, psychologisch, ideengeschichtlich, (werbe-)literarisch: Grund genug, an signifikanten Beispielen Phänomene und Tendenzen dieser Alltagskultur genauer unter die Lupe zu nehmen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 14pt;"><br />
</span></p>
<p class="MsoNormal">
<p><strong><span style="font-size: 14pt;">Materialien und Zugänge:</span></strong></p>
<p><span style="font-size: 14pt;">Einführung aus unserem Buch &#8220;Ins Gehirn der Masse kriechen.&#8221; Werbung und Mentalitätsgeschichte </span><a href="http://dirk-schindelbeck.de/wp-content/uploads/2012/10/einleitung_werbung_mentalitaetsgeschichte.pdf">einleitung_werbung_mentalitaetsgeschichte</a></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 14pt;"><br />
</span></p>
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		<title>Literaturauswahl bzw. -anregungen</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 15:53:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Schindelbeck</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Lehre]]></category>

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		<description><![CDATA[· Arbeitskreis Regionalgeschichte Freiburg (Hg.): Kriegsgedenken in Freiburg. Trauer - Kult - Verdrängung, Freiburg 1995
· Claudia Theune: Jüdische Friedhöfe. Kultstätte, Erinnerungsort, Denkmal, Wien;Köln; Weimar 2011
· Stefan Spohr: Das deutsche Denkmal und der Nationalgedanke im 19. Jahrhundert, Weimar 2011
· Michaela Stoffels: Kriegerdenkmale als Kulturobjekte: Trauer- und Nationskonzepte in Monumenten der Weimarer Republik, Köln, Weimar, Wien 2011
· [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>· Arbeitskreis Regionalgeschichte Freiburg (Hg.): Kriegsgedenken in Freiburg. Trauer - Kult - Verdrängung, Freiburg 1995<br />
· Claudia Theune: Jüdische Friedhöfe. Kultstätte, Erinnerungsort, Denkmal, Wien;Köln; Weimar 2011<br />
· Stefan Spohr: Das deutsche Denkmal und der Nationalgedanke im 19. Jahrhundert, Weimar 2011<br />
· Michaela Stoffels: Kriegerdenkmale als Kulturobjekte: Trauer- und Nationskonzepte in Monumenten der Weimarer Republik, Köln, Weimar, Wien 2011<br />
· Martin Höxtermann/Marlis Meckel: Den Opfern ihre Namen zurückgeben. Stolpersteine in Freiburg, Freiburg 2006<br />
· Wolfgang Wippermann: Denken statt denkmalen: gegen den Denkmalwahn der Deutschen, Berlin 2010<br />
· Dieter Angst/ Karlheinz Fuchs: Denkmal-Land Baden-Württemberg: unterwegs zu historischen Stätten, Stuttgart 2010<br />
· Rainer Gries/Volker Ilgen/Dirk Schindelbeck: Gestylte Geschichte. Vom alltäglichen Umgang mit Geschichtsbildern, Münster 1989<br />
· Anke Kuhrmann (Bearb.): Die Berliner Mauer: vom Sperrwall zum Denkmal, Berlin 2009<br />
· Ute Scherb: „Wir bekommen die Denkmäler, die wir verdienen&#8221; Freiburger Monumente im 19. und 20. Jahrhundert, Freiburg 2005<br />
· Julia Obertreis: Erinnerungen nach der Wende: oral history und (post)sozialistische Gesellschaften, Essen 2009<br />
· Björn Bohnenkamp: Generation als Erzählung: neue Perspektiven auf ein kulturelles Deutungsmuster, Göttingen 2009<br />
· Achim Landwehr: Historische Diskursanalyse, Frankfurt/Main 2009<br />
· Lutz Niethammer, Alexander v. Plato, Dorothee Wierling: Die volkseigene Erfahrung. Eine Archäologie des Lebens in der Industrieprovinz der DDR; 30 biographische Eröffnungen, Berlin 1991<br />
· Lutz Niethammer: Lebenserfahrung und kollektives Gedächtnis: die Praxis der „Oral History&#8221;, Frankfurt am Main 1985<br />
· Rainer Gries/Volker Ilgen/Dirk Schindelbeck (Hg.): Geschichtsmarkt. Vergangenheiten als Markenprodukte (= Geschichtswerkstatt Nr. 20), Hamburg 1990<br />
· Dirk Schindelbeck: Schöpfungsmythos und Goldenes Zeitalter - Unsere Nachkriegsgeschichte als Heldenepos, in:  FORUM Schulstiftung 42. Zeitschrift der katholischen Freien Schulen der Erzdiözese Freiburg, Mai 2005, S. 53-74<br />
· Waltraud Wende: Filme, die Geschichte(n) erzählen. Filmanalyse als Medienkulturanalyse Würzburg 2011<br />
· Michael Heinlein: Die Erfindung der Erinnerung. Deutsche Kriegskindheiten im Gedächtnis der Gegenwart, Bielefeld 2010<br />
· Annerose Menninger: Historienfilme als Geschichtsvermittler. Kolumbus und Amerika im populären Spielfilm, Stuttgart 2010<br />
· Andreas Sommer: Geschichtsbilder und Spielfilme. Eine qualitative Studie zur Kohärenz zwischen Geschichtsbild und historischem Spielfilm bei Geschichtsstudierenden, Münster 2010<br />
· Dirk Schindelbeck: Welttheater. Zur Kommunikationsgeschichte der Weltausstellungen, in: Universitas. Zeitschrift für interdisziplinäre Wissenschaft, 54. Jg., Heft 11/1999, S. 1069-1082<br />
· Hayden White: Metahistory. Die historische Einbildungskraft im 19. Jahrhundert in Europa, Frankfurt am Main 2008<br />
· Klaus Arnold: Geschichtsjournalismus. Zwischen Information und Inszenierung, Münster 2010<br />
· Christoph Scheurle: Die deutschen Kanzler im Fernsehen: theatrale Darstellungsstrategien von Politikern im Schlüsselmedium der Nachkriegsgeschichte, Bielefeld 2009<br />
· Rainer Gries/Volker Ilgen/Dirk Schindelbeck: „Ins Gehirn der Masse kriechen!&#8221; Werbung und Mentalitätsgeschichte, Darmstadt 1995<br />
· Tilmann Robbe: Historische Forschung und Geschichtsvermittlung. Erinnerungsorte in der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft, Göttingen 2009<br />
· Renate Höllewart: In einer Wehrmachtsausstellung: Erfahrungen mit Geschichtsvermittlung, Wien 2003<br />
· Andreas Urban: Von der Gesinnungsbildung zur Erlebnisorientierung. Geschichtsvermittlung in einem kommunalen historischen Museum im 20. Jahrhundert, Schwalbach 1999<br />
· Andreas Heuer: Geschichtsbewusstsein. Entstehung und Auflösung zentraler Annahmen westlichen Geschichtsdenkens, Schwalbach/Ts., 2011<br />
· Claus Leggewie: Der Kampf um die europäische Erinnerung. Ein Schlachtfeld wird besichtigt, München 2011<br />
· Gerd Sebald: Soziale Gedächtnisse. Selektivitäten in Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus, Bielefeld 2011<br />
· Saskia Handro/ Bernd Schönemann (Hg.): Visualität und Geschichte, Berlin 2011<br />
· Klaus Nannen: Wirtschaft, Geschichte und Geschichtskultur. Eine Untersuchung zur Vermarktung und Förderung von Geschichte durch deutsche Unternehmen, Münster 2010<br />
· Martina Padberg (Hg.): Die Magie der Geschichte. Geschichtskultur und Museum, Bielefeld 2010<br />
· Dirk Schindelbeck: Zeit-Reisen, Zukunfts-Visionen, Sinn-Bilder? Modelle und Dioramen als Erkenntnismittel, in: FORUM Schulstiftung 38, Dezember 2003, S. 7-17<br />
· Bettina Schaefer (Hg.): Lass uns über Auschwitz sprechen. Gedenkstätte - Museum - Friedhof; Begegnungen mit dem Weltkulturerbe Auschwitz, Frankfurt 2009<br />
· Peter März: Mythen, Bilder, Fakten. Auf der Suche nach der deutschen Vergangenheit, München 2010<br />
· Viola B. Georgi: Crossover Geschichte. Historisches Bewusstsein Jugendlicher in der Einwanderungsgesellschaft, Hamburg 2009<br />
· Christoph Kühberger (Hg.): Europäische Geschichtskultur - europäische Geschichtspolitik. Vom Erfinden, Entdecken, Erarbeiten der Bedeutung von Erinnerung und Geschichte für das Verständnis und Selbstverständnis Europas, Innsbruck; Wien; Bozen 2009<br />
· Martin Nissen: Populäre Geschichtsschreibung. Historiker, Verleger und die deutsche Öffentlichkeit (1848 - 1900), Wien 2009</p>
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		<title>Seminar &#8220;Literarische Kleinformen&#8221; (Aphorismus, Sprichwort, Epigramm usw.), SS 2012</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Apr 2012 06:31:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Schindelbeck</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Lehre]]></category>

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		<description><![CDATA[„Alles fließt!&#8221;; „Der Sozialismus siegt!&#8221;; „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!&#8221;; „Unter den Talaren Muff von tausend Jahren!&#8221;; „Vertrauen ist der Anfang von allem!&#8221;; „Wenn&#8217;s Arscherl brummt, ist&#8217;s Herzerl gesund&#8221;; „Ich hatte schlechte Lehrer: das war eine gute Schule!&#8221;; „Die Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft!&#8221;; Essen ist der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Alles fließt!&#8221;; „Der Sozialismus siegt!&#8221;; „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!&#8221;; „Unter den Talaren Muff von tausend Jahren!&#8221;; „Vertrauen ist der Anfang von allem!&#8221;; „Wenn&#8217;s Arscherl brummt, ist&#8217;s Herzerl gesund&#8221;; „Ich hatte schlechte Lehrer: das war eine gute Schule!&#8221;; „Die Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft!&#8221;; Essen ist der Sex des Alters&#8221;; „Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin!&#8221;, „Ich aber bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!&#8221;; „Besser arm dran als Arm ab.&#8221;</p>
<p>Eine kleine Auswahl pointierter Formeln mit großer Wirkung oder doch wenigstens großem Effekt. Lebensweisheiten, Geistesblitze, Weltbildschnipsel, Sprichwörter, Sentenzen, Parolen, Bibel-, Propaganda- und Werbeslogans: geformte Sprache, aufs äußerste zugespitzt um im Gedächtnis zu bleiben und Massenwirkung zu entfalten. Oft nicht einmal zwischen Buchdeckel gepresst, sondern an Plakatwänden aufgeschnappt, in Kleinanzeigen, Abreißkalendern, Poesie-Alben, in Heirats- oder Todesanzeigen im Umlauf, auf Baumscheiben gebrannt, die in Souvernir-Shops ausliegen oder im 140-Zeichen-Format durch das Netz getwittert.</p>
<p>Ist vieles davon schlicht als trash-poetry zu bezeichnen oder findet hier etwa Literatur neue Wege in den Alltag und wenn ja, warum? Welche innerliterarischen Kategorien sind es dann, die für Nachhaltigkeit sorgen (rhetorische Figuren, Bilder, Alltagsrelevanz)? Oder ist es das Bedürfnis nach Lebenshilfe und Orientierung, das sie so wirksam macht? Sind es am Ende gar mnemotechnische Qualitäten, die ihre Resonanz ausmachen?</p>
<p>Es gilt die Spannweite aphoristischer Kunst eines Lichtenberg, Nietzsche oder Canetti, die epigrammatischen Kunst-Stücke eines Friedrich von Logau, Angelus Silesius oder Arnfried Astel auszuloten und inBeziehung zu setzen zu Trivial- und Gebrauchsaphoristik und -epigrammatik unserer Bauernregeln, Todesanzeigen, Fleißkärtchen, Konfirmationskarten, Geburtstagstoaste, Lebenshilfe-Homepages bis hin zu den auf den Sprüchen auf den Leipziger Montagsdemonstrationen 1989. Hier könnte Feldforschung vermutlich sehr ergiebig werden, wenn einmal Todesanzeigen oder Poesiealben nach sprachlichen Strukturen oder literarischen Mustern durchforstet werden.</p>
<p>Es sind vier Herangehensweisen möglich:</p>
<p>1.) ausgehend von der <strong>literarischen Form</strong> selbst. Dies impliziert die rhetorischen, literarischen, linguistischen Qualitäten, mithin den Standort des Aphorismus, Sinnspruchs, Epigramms etc. im literarischen Feld (literarturgeschichtlich, gattungstheoretisch, Werk-bezogen usw.),</p>
<p>2.) ausgehend von der Genese und den <strong>&#8220;Produktionsbedigungen&#8221;</strong> des Epigramms, des Bonmots, der Maxime. Hier stehen Fragen nach der Autorschaft im Zentrum des Interesses. Ergiebig könnte der Vergleich verschiedener Autorschaften sein (z.B. eines arrivierten Aphorismen-Schreibers wie Nietzsche oder Canetti gegenüber aus sozialen Bewegungen generierten Sprüchen),</p>
<p>3.) ausgehend von der <strong>Wirklichkeit</strong>, auf die der Aphorismus, die Bauernregel, der Werbeslogan reflektiert, also seine Anhängigkeit von Zeit, Ort, Gesellschaft. Kultur usw. (z.B. Sponti-Sprüche der 80er-Jahre versus Sprichwörter aus einer Migranten-Kultur),</p>
<p>4.) ausgehend von der Breitenwirkung, der <strong>Resonanz,</strong> der sozialen/mentalen Bedeutung eines Appells (&#8221;Macht kaputt, was euch kaputt macht!&#8221;), einer Headline (&#8221;Wir sind Papst!&#8221;), eines Werbespruchs (&#8221;Hier werden Sie geholfen!&#8221;) einer Parole usw.</p>
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		<title>Seminar &#8220;Geschichte und Öffentlichkeit&#8221; SS 2012</title>
		<link>http://dirk-schindelbeck.de/archives/9796</link>
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		<pubDate>Tue, 10 Apr 2012 13:54:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Schindelbeck</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Lehre]]></category>

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		<description><![CDATA[In diesem Seminar wollen wir uns mit der Schnittstelle von Geschichte und Öffentlichkeit befassen - weshalb, wie, wozu und mit welchem Ergebnis kommen historische Inhalte in die Öffentlichkeit?
Im Kern geht es hier um Transformationen, die man auch Geschichtskultur nennen kann. Wenn Geschichte in unserem Alltag stattfindet, - ist damit immer eine Art „Wahrnehmungsformat&#8221; verbunden und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In diesem Seminar wollen wir uns mit der Schnittstelle von Geschichte und Öffentlichkeit befassen - weshalb, wie, wozu und mit welchem Ergebnis kommen historische Inhalte in die Öffentlichkeit?<br />
Im Kern geht es hier um Transformationen, die man auch Geschichtskultur nennen kann. Wenn Geschichte in unserem Alltag stattfindet, - ist damit immer eine Art „Wahrnehmungsformat&#8221; verbunden und wenn ja, welches? Wie wird Geschichte aufbereitet, dass sie „rüberkommt&#8221;, etwa in Museen, Lehrpfaden, Brettspielen, als Werbemotiv, in einem „Oral history Projekt&#8221;, im Fernsehen (z.B. Hitlers Generäle), als Spielfilm oder als Zeitungsartikel, der nur aufgrund eines „runden&#8221; Jubiläums überhaupt geschrieben wird („100 Jahre&#8221; Titanic-Katastrophe usw.)? Welche Präsentationsformen, welche Vermittlungswege, welches „Design&#8221; mimmt Geschichte an, damit sie rezeptionsfähig wird?  Was verstehen wir unter „Geschichtsklitterung&#8221;, was ist „angewandte Geschichte&#8221;? Wie populär darf sie sein oder werden? Wo liegen die Chancen, Defizite oder gar Gefahren?  Was heißt letztendlich „Geschichte schreiben?&#8221;</p>
<p><strong>Anregungen und Vorschläge für mögliche Arbeitsgruppen</strong></p>
<p><em>Arbeitsgruppe „Rummel um runde Zahlen&#8221;</em><br />
Keine Zeitung kommt ohne Geburtstage aus. Gerade 100 Jahre Titanic-Katastrophe, nächstes Jahr 200 Jahre Freiheitskriege, 2014 wird es der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren sein. Längst stehen Historiker, Journalisten, Drehbuchautoren usw. in den Startlöchern, um just in time zu liefern, wonach die Medien gieren..  Muss das so sein? Geht Geschichte auch ohne Jubelzahlen?</p>
<p><em>Arbeitsgruppe „Geschichte und Werbung&#8221;</em><br />
Geschichte ist Rohmaterial für viele Markenkonzepte und Stories rund um Markenprodukte. Wie funktioniert die Entkernung und Luxussanierung von Geschichte zu kommerziellen Zwecken? Schauen wir den Machern auf die Finger!</p>
<p>Arbeitsgruppe „Geschichte im öffentlichen Raum&#8221;<br />
Wie funktioniert Gedenken, Andenken, Totenehrungen, Jubiläen etc. Von Kriegerdenkmälern, Gedenkstättenpädagogik (Stolpersteine etc.) bis zur Inszenierung von historischen Festen und Feiern.</p>
<p><em>Arbeitsgruppe „Geschichte in Literatur, Film und Fernsehen&#8221;</em><br />
Friedrich Schillers Wallenstein, „Der Arzt von Stalingrad&#8221; von Johannes Mario Simmel, Filme wie „Good bye Lenin&#8221;, „Das Wunder von Bern&#8221; oder „Der Untergang&#8221; - Geschichte ist spannend, bzw. kann entsprechend „bearbeitet&#8221;, gut unterhalten. Welcher Tribut ist zu leisten, damit sie spannend sein kann, welchen dramaturgischen Tricks und Kniffe muss sie sich gefallen lassen, damit sie &#8220;publikumswirksam&#8221; wird?</p>
<p><em>Arbeitsgruppe „Geschichte und Identität&#8221;</em><br />
Wir kennen alle den berühmten Appell: „Opa, erzähl mal vom Krieg!&#8221; Wie gehen verschiedene Lebensalter mit Geschichte um, welche Rolle spielt die eigene Prägung, für die Herausbildung der eigenen Identiotät? Welche Vorstellung von Geschichte nisten in den Köpfen von: Migranten, „Ossis&#8221; und „Wessis&#8221; usw.</p>
<p><em>Arbeitsgruppe „Geschichtsverwertung und/oder -klitterung&#8221;</em><br />
Hier sind diejenigen gefordert, die Spürnase mitbringen, warum, wie und wozu Geschichte instrumentalisiert, ideologisiert und verfälscht wird, um bestimmten außerhistorischen Zielen zu dienen. Wie entstehen und verfestigen sich bestimmte Geschichtsbilder, werden zu Ikonen. Was z.B. haben die &#8220;goldenen&#8221; zwanziger Jahre mit den realen zwanziger Jahren gemein? usw.</p>
<p><em>Arbeitsgruppe „Geschichte als Dienstleistung&#8221;</em><br />
„Ich schreibe Ihre Biografie, ihre Firmengeschichte, die Geschichte ihrer Stadt&#8221;, Profi-Historiker gehen in Stellung gegen Laien in Geschichtswerkstätten. Schüler machen Geschichte, recherchieren, präsentieren eigene Ergebnisse in Form von Ausstellungen, Kurzfilmen, Hörspielen usw.</p>
<p><em>Arbeitsgruppe „Alternative Geschichte&#8221;</em><br />
Hier lässt sich der Frage nachgehen, ob Geschichte so sein muss wie sie uns in den Lehrbücher entgegentritt. Geschichte als Denkmodell, als Experiment (&#8221;Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte&#8230;), als Science Fiction-Vorlage, als Brettspiel (z.B. Troja) oder Computeranimation und -spiel (z.B. als Mauer-Shooter-Spiel in &#8220;1378km&#8221;)</p>
<p><em>Arbeitsgruppe „Geschichte und Ethik&#8221;</em><br />
Wie ist etwas gelaufen, und was lernen wir daraus? Kann man aus der Geschichte lernen oder werden immer wieder dieselben Fehler gemacht? Ist der Mensch unverbesserlich?</p>
<p><a href="http://dirk-schindelbeck.de/archives/9818">Ausgewählte Literaturempfehlungen</a></p>
<p>Theorietext: <a href="http://dirk-schindelbeck.de/wp-content/uploads/2012/04/einleitung_werbung_mentalitaetsgeschichte.pdf">einleitung_werbung_mentalitaetsgeschichte</a> (aus: Gries/ilgen/Schindelbeck: &#8220;Ins Gehirn der Masse kriechen!&#8221; Werbung und Mentalitätsgeschichte; Darmstadt 1995, S. 1-28)</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Rasterfahndung</title>
		<link>http://dirk-schindelbeck.de/archives/9783</link>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 17:08:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Schindelbeck</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Sonettwelt]]></category>

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		<description><![CDATA[© 2010 Dirk Schindelbeck
für Horst Herold
(dem Erfinder derselben in den siebziger Jahren)
Du hast ein Ziel, du kennst nicht Ort noch Namen,
weißt nur: Sind Terroristen, Mord ausheckend
in großen Wohnanlagen sich versteckend,
du träumst von einem Zugriffs-Netz mit Rahmen&#8230;
Du weißt: Die überweisen nichts, selbst Strom
bezahlen die in bar. Das tun nicht viele.
Sind das nicht Infos? Jag&#8217; sie durch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>© 2010 Dirk Schindelbeck</p>
<p><em>für Horst Herold<br />
(dem Erfinder derselben in den siebziger Jahren)</em></p>
<p>Du hast ein Ziel, du kennst nicht Ort noch Namen,<br />
weißt nur: Sind Terroristen, Mord ausheckend<br />
in großen Wohnanlagen sich versteckend,<br />
du träumst von einem Zugriffs-Netz mit Rahmen&#8230;</p>
<p>Du weißt: Die überweisen nichts, selbst Strom<br />
bezahlen die in bar. Das tun nicht viele.<br />
Sind das nicht Infos? Jag&#8217; sie durch die Mühle,<br />
gleich lüftet sich der Schleier vom Phantom.</p>
<p>Was dann noch übrig bleibt, ist Bodensatz,<br />
genutzt von Dealern als ein Umschlagplatz -<br />
vielleicht nur ein Privat-Puff in &#8216;ner Wohnung?</p>
<p>Die Rasterfahndung gibt dir die Belohnung.<br />
Schau an: der Terrorist steht seinerseits<br />
fixiert als Ziel in deinem Fadenkreuz.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Vergangenheiten, abgehakt: Das „Waage&#8221;-Plakat von 1953 - ein visuelles Zeit-Gedicht</title>
		<link>http://dirk-schindelbeck.de/archives/9756</link>
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		<pubDate>Mon, 02 Jan 2012 10:34:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Schindelbeck</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Soziale Marktwirtschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://dirk-schindelbeck.de/?p=9756</guid>
		<description><![CDATA[© 1991 Rainer Gries / Dirk Schindelbeck
weitere Texte zum Thema
Das Plakat, das in der Woche vor der Bundestagswahl, also zwischen dem 28. August und dem 1. September 1953, an über 27.700 Anschlagstellen in der Bundesrepublik zu sehen war, hob sich wegen seiner Schlichtheit und Zurückhaltung angenehm vom Geschrei anderer Wahlplakate ab. Schließlich war Kalter Krieg, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>© 1991 Rainer Gries / Dirk Schindelbeck</p>
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<p>Das Plakat, das in der Woche vor der Bundestagswahl, also zwischen dem 28. August und dem 1. September 1953, an über 27.700 Anschlagstellen in der Bundesrepublik zu sehen war, hob sich wegen seiner Schlichtheit und Zurückhaltung angenehm vom Geschrei anderer Wahlplakate ab. Schließlich war Kalter Krieg, der Arbeiteraufstand vom 17. Juni des Jahres noch in frischer Erinnerung: dementsprechend regierte wüste Rhetorik die Anschlagwände: „Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau!&#8221; und „Wo Ollenhauer pflügt, sät Moskau!&#8221; lauteten die Parolen. Noch heute ist die historischen Wahrnehmung der fünfziger Jahre durch diese überlauten Botschaften geradezu stigmatisiert: sie scheinen ihr so sehr die signifikanten Tendenzen des Zeitalters zu sein, daß ein stilles Plakat wie dieses, das Bezugsscheine ins Zentrum rückt, kaum wahrgenommen wird. Gegenüber der platten Einschüchterungstaktik mit der Beschwörung irrationaler Bolschewisten-Angst arbeitete dieses Plakat ja auch mit außergewöhnlichen, weil in der Sache positiven, Argumenten. Es konnte dies tun, weil es sich strikt auf die wirtschafts  und sozialpolitische Binnensituation der Bundesrepublik beschränkte. Obwohl das Plakat namentlich für Erhard und dessen Idee der ‚Sozialen Marktwirtschaft&#8217; warb und somit auch zur Wahl der Christdemokraten aufforderte, also ein politisches Plakat war, zeichnete jedoch keineswegs eine Regierungspartei dafür verantwortlich. Dies war ein Novum für die junge Bundesrepublik.</p>
<div id="attachment_9760" class="wp-caption aligncenter" style="width: 118px"><a href="http://dirk-schindelbeck.de/wp-content/uploads/2012/01/1953_waage-plakat.jpg"><img class="size-medium wp-image-9760" title="1953_waage-plakat" src="http://dirk-schindelbeck.de/wp-content/uploads/2012/01/1953_waage-plakat-108x150.jpg" alt="WAAGE-Plakat zur Bundestagswahl 1953" width="108" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">WAAGE-Plakat zur Bundestagswahl 1953</p></div>
<p><span id="more-9756"></span></p>
<p>Geschaffen hatte das Plakat der Graphiker Walter Müller (1919 bis 1988) im Auftrag eines eingetragenen Vereins, der sich im Laufe des Jahres 1952 gebildet hatte. Er nannte sich „Die Waage. Gemeinschaft zur Förderung des sozialen Ausgleichs e.V&#8221;. Im Spätherbst 1952 war beim Amtsgericht Köln der Eintrag erfolgt. Vorsitzender war Franz Greiss, seinerzeit Präsident der Industrie  und Handelskammer zu Köln (IHK) und zugleich geschäftsführender Gesellschafter der Glanzstoff Courtauld GmbH. Bis zu seiner Auflösung im Jahr 1978 war Köln Sitz des Vereins, von hier aus operierte er, zuerst aus den Räumen der IHK, später, nach Einrichtung eines Büros, aus der Schildergasse. In dieser Organisation hatten sich eine ganze Reihe namhafter Unternehmer zusammengefunden, die offenbar nur wenig Vertrauen sowohl auf die Regierungskunst als auch die Überlebensfähigkeit des Kabinetts Adenauer hatten. Nur ein Mitglied der Regierungsmannschaft besaß ihr uneingeschränktes Vertrauen: Ludwig Erhard. Er allein schien ihre vitalen Interessen zu verstehen; somit schien er aus ihrer Sicht der einzige Garant für die Fortsetzung des eingeschlagenen wirtschaftsliberalen Kurses zu sein. Grund genug, Ludwig Erhard helfend beizuspringen. So entstand mit dem Verein „Die Waage&#8221; ein Public Relations-Instrument in unternehmerischer Hand mit der Zielvorgabe, die Vorteile dieses Wirtschaftssystems der Öffentlichkeit eindringlich vorzuführen.<br />
Dem aufmerksamen Beobachter war es schon 1953 nicht entgangen, welch wichtige Rolle gerade dieses Plakat der „Waage&#8221;-Organisation im Konzert des Wahlkampfes spielte. So bemerkte die kluge, von Friedrich Sieburg, Dolf Sternberger und anderen Intellektuellen herausgegebene Zweiwochenschrift &#8216;Die Gegenwart&#8217; kurz nach der Wahl:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>&#8220;&#8230;es gab kein besseres Plakat als das von dem Haken mit dem Bezugsschein für ein paar Schuhe mit Holzsohlen. Die große Menge der kleinen Leute fürchtete das Experimentieren in der Außenpolitik während einer gefährlichen Weltlage. So wandte sich die Menge dem rundlichen Herrn mit der Zigarre zu, der so freundlich der Hausfrau einen Brief schrieb, und nicht zum geringsten wandte sie sich an den Staatsmann, dem selbst ein Churchill Bismarcksches Format attestierte. Die große Menge der kleinen Leute hat ein Recht darauf, Sicherheit und Prosperität zu verlangen. Das hätte die SPD wissen müssen.&#8221;</em></p>
<p>Und in ihrer Wahlanalyse bestätigten Elisabeth Noelle  und Erich Peter Neumann vom Allensbacher Institut für Demoskopie, daß Adenauers Sieg entscheidend auf das Nachlassen der wirtschaftlichen Existenzfurcht in der westdeutschen Bevölkerung zurückzuführen gewesen sei.</p>
<p><strong>„Nie wieder!&#8221;: Das Ende der Kriege?</strong></p>
<p>Eben dieses Thema hat das Plakat angeschlagen und formuliert. Worin aber liegen seine suggestive Kraft und Glaubwürdigkeit? Wodurch gewinnt es seine an sprechende Wirkung? Zumal auf Köpfe ja gänzlich verzichtet wird: weder erscheint ‚der gute Kandidat&#8217; noch ‚die grauenerregende Fratze&#8217;. Geradezu unaufdringlich und bescheiden fügt sich das Plakat ins Straßenbild. Die Botschaft, die es verkündet, hängt an einem Baum oder einem Bauzaun; von diesem in ihm selbst zitierten, aber doch gleichwohl äußerst realistischen und glaubwürdigen Ort aus thematisiert es Alltag und Alltagsbewußtsein. Zugleich geht es über den unmittelbaren Alltag hinaus und versucht den Alltags Blick zu weiten: es vergleicht ihn mit anderen, früheren Alltagen und reflektiert auf diese Weise Vergangenheit. Seine eigentümliche Wirkung scheint eben in dieser Re Inszenierung, Deutung und Einordnung von Geschichte, die jeden betrifft, zu liegen. Und dieser Konstruktion von Zeit Räumen und Zeitschichten weiß es einen guten Sinn und glücklichen Ausgang unterzulegen. Somit ist das Plakat ein Stück symbolische Verdichtung, ein visuelles Zeitgedicht, das eine Interpretation durch den Historiker herausfordert.</p>
<p>Als Auftakt finden sich oben links, scheinbar mit Kreide dazugesetzt, die programmatischen Worte „Nie wieder!&#8221; In dieser rigorosen Form und ihrem gesammelten Ernst macht die Aussage den Imperativ des menschlichen Gewissens geltend, der sich ausschließlich den höchsten ethischen Maßstäben verpflichtet weiß. Somit erwächst die Exposition dieses Plakats zunächst aus der Geschichte dieses ethischen Imperativs, und die Gesamtkomposition bezieht hieraus einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Würde.</p>
<p>Mit der ihm eigenen Gründlichkeit hatte Immanuel Kant 1795 seine selbstreflexive Ethik des &#8220;Kategorischen Imperativs&#8221; aus der individuellen Sphäre herausgeführt und zu einer Art allgemeinen Menschheitsethik weitergedacht; seine Spätschrift &#8220;Zum ewigen Frieden&#8221;, die die Funktion des Imperativs für die Völkerfreundschaft beschreibt endet mit dem Satz:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>„Wenn es Pflicht, wenn zugleich gegründete Hoffnung da ist, den Zustand eines öffentlichen Rechts, obgleich nur in einer ins Unendliche fortschreitenden Annäherung wirklich zu machen, so ist der ewige Friede, der auf die bisher fälschlich so genannten Friedensschlüsse (eigentlich Waffenstillstände) folgt, keine leere Idee sondern eine Aufgabe, die, nach und nach aufgelöst, ihrem Ziele (weil die Zeiten, in denen gleiche Fortschritte geschehen, hoffentlich immer kürzer werden) beständig näher kommt.&#8221;</em></p>
<p>Kants Hoffnungen auf eine zunehmend sich beschleunigende Entwicklung hin zu einer letztlich weltumspannenden Friedenskultur haben sich nicht erfüllt. Die Hoffnung indessen nach der regulativen Kraft eines Kategorischen Imperativs ist geblieben, auch wenn dieser unter den schlimmen Zeiterfahrungen bald zu einer Negativformulierung mutierte. Hatte Kant noch schlicht &#8220;Friede!&#8221; gefordert, so konnte der Imperativ spätestens nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gar nicht mehr anders lauten als: &#8220;Nie wieder Krieg!&#8221; Untilgbar ist das Wissen um grauenhafte Massenvernichtung ins kollektive Bewußtsein des zwanzigsten Jahrhunderts eingegraben. Wie tief und nachhaltig diese Eindrücke waren und sind, davon künden nicht zuletzt die Werke unzähliger bildender Künstler und Schriftsteller wie Käthe Kollwitz oder Erich Maria Remarque: Nicht in der Hinwendung zu einem Ziel, sondern in der Abwendung von einem Unziel formuliert sich die imperativische Friedenssehnsucht, ihr liegt das geronnene ungeheure Erschrecken zugrunde: &#8220;Dies darf sich niemals wiederholen!&#8221; Daß es sich dennoch wiederholen konnte - und mit der systematischen Vernichtung der europäischen Juden eine nochmals grauenhaftere Dimension erreichte - ließ den Imperativ zu einer Schwurformel mit überzeitlichem Anspruch werden: „Nie wieder Krieg und Faschismus!&#8221; Neben ihrem durch die Erweiterung nun auch eindeutig politischen Auftrag verweist diese Formel damit auch auf ihre Herkunft aus der linken Arbeiterschaft.<br />
Dieser Nachhall ist es, der durch das Plakat zittert, dieser konzentrierte Ernst, der entschlossene Wille zur Abwehr des schlechthin Bösen. Und doch ist das vom Plakat zitierte, noch scheinbar in der moralischen Tradition stehende „Nie wieder!&#8221;, genauer betrachtet, ein anderes. Es meint keineswegs: &#8220;Nie wieder Krieg!&#8221;, sondern schlicht &#8220;Nie wieder Kriegsfolgen!&#8221;, nie wieder Mangelwirtschaft, von konservativer Seite auch gern umgedeutet in &#8220;Nie wieder Planwirtschaft!&#8221; Nicht der Krieg an sich erscheint demnach hier als der größte Widersacher der ethischen Grundforderung überhaupt; von ihm als Verursacher abgetrennt werden die Kriegsfolgen, also die Auswirkungen der Rohstoff  und Lebensmittelbewirtschaftung. Sie trafen den einzelnen Bürger nicht so sehr seit Kriegsbeginn 1939, sondern erst ab 1942/43 ganz individuell und existentiell spürbar.</p>
<p>Wenn auch die ethische Dimension dieses „Nie wieder!&#8221; sich jetzt, 1953, größtenteils verflüchtigt hat, so speist sich die Formel doch aus dem allgemeinen Konsens: Die Zeit der Bewirtschaftung galt, aus der Perspektivik von 1953, als eine ‚böse Zeit&#8217;, an die jedermann/frau mit Schrecken zurückdachte. Eben weil diese Bewußtseinsbestände damals noch abrufbar waren, kann das „Waage&#8221; Plakat die Gegenwart als einen verhältnismäßig guten Daseinsentwurf vorstellen. Und dies mit Hilfe eines Topos, der aus dem geistigen Besitzstand des politischen Gegners entstammte!<br />
Nach Meinung der Auftraggeber hatte das Plakat freilich einen ‚Haken&#8217;: „Die Worte ‚Nie wieder!&#8217; waren in deutscher Handschrift geschrieben und konnten von vielen der jungen Generation nicht entziffert werden. Diese Schrift hatte man nicht mehr gelernt.&#8221;  Die Sütterlin Schrift, vom badischen Graphiker Ludwig Sütterlin (1865 bis 1917) zwischen 1911 und 1917 geschaffen und in Berliner Schulen probeweise eingeführt, war die Grundlage der 1935 an den deutschen Schulen als Normalschrift eingeführten „Deutschen Schreibschrift&#8221;, die allerdings im Jahre 1941 durch die Deutsche Normalschrift, eine lateinische Schrift, ersetzt wurde. Sütterlin hatte 1917 die NS Ideologie teilweise vorweggenommen, als er seine Schrift als ein Erziehungsmittel gegen die „lateinische Entartung&#8221; anpries. Obwohl also gerade erst erfundenes Kunstprodukt, transportierte die Schrift einen Großteil des nationalsozialistischen Ideologiekomplexes: Geschichte, Kultur und Tradition im Zeichen eines imaginären ‚Ewigen Deutschtums&#8217;. Wenig verwunderlich ist es daher, wenn in der Nachkriegszeit die Intention des Werbegraphikers darauf zielt, die abgelebte Zeit auch durch jene abgelebte Schrift darzustellen. Die Zeit der Kriege  der Korea Krieg endete 1951sollte endgültig vorbei sein; tatsächlich hatte die Kriegsfurcht in der Bevölkerung seit 1945 deutlich abgenommen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Sütterlin Schrift als das äußerliche Signal einer finster grauen Vorzeit des Nationalsozialismus, die nun, gerade acht Jahre später, schon in die Requisitenkammer der Geschichte abgestellt werden darf. Keineswegs sollten die Worte „Nie wieder!&#8221; Ausdruck von Kollektivschuld und, daraus folgend, eines in die Zukunft gerichteten Besserungsgelöbnisses sein. Das mentale Versatzstück „Nie wieder!&#8221; soll vom moralischen zum konsumtiven Imperativ &#8220;Nie wieder Not!&#8221; umgedeutet werden.</p>
<p>Das Plakatarrangement will dem Betrachter insinuieren, die beiden Worte seinen von geübter Hand und mit Kreide nachträglich hinzugefügt worden. Wer könnte es sein, dessen Kommentar das Plakat ein für alle Mal fixiert haben möchte? Es ist kein anderer als ‚Otto Normalverbraucher&#8217;, also der unbekannte Verbraucher, welcher dem unbekannten Soldaten nach ruft: „Nie wieder!&#8221;<br />
Das Plakat, das mustergültige Bilder von Vergangenheiten aus der Sicht der frühen Fünfziger produziert, wird damit zu einer erstrangigen Quelle zur Geschichtskultur in der Bundesrepublik. Unstrittig dürfte inzwischen auch in der deutschen Historikerzunft sein, daß Wahrnehmung von Vergangenheiten vom Bedürfnis und vom Interesse der Gegenwart strukturiert wird. So können „Epochen&#8221; über Bild  und Bedeutungsraster miteinander kommunizieren. Die achtziger Jahre beispielsweise zelebrierten auf fast exzessive Weise ihren Bildertraum von den Fünfzigern. Über ein psychosoziales Kindchen Schema wurden die fünfziger Jahre als Heilmittel einer allenthalben bedrohten Gegenwart in Dienst gestellt und idyllisiert.  Und heute, Anfang der neunziger Jahre, ist sogar die unmittelbare Nachkriegszeit bis hin zur Kriegsweihnacht 1944 längst keine &#8220;Nie-wieder&#8221;-Zeit mehr. Stellen die mit den Ruinen geradezu im Takt swingenden Trümmerfrauen aus Joseph Vilsmaiers Trümmer Melodram &#8220;Rama dama&#8221; (1991) ihren Zuschauern nicht fortwährend die Frage: &#8216;Warum eigentlich nicht wieder?&#8217;  &#8220;Ach, es war&#8230; eine gute Zeit, dachte Leni und kippte ihren Whisky. Eine andere hatten wir halt nicht.&#8221;</p>
<p><strong>Nachruf auf die Rationen-Gesellschaft</strong></p>
<p>Am Zettelhaken hängen die Zeitzeugen des Mangels und des Hungers: obenauf ein eingerissener, &#8220;durchgestrichener&#8221; Bezugsschein für ein Paar Schuhe mit Holzsohle, Ausrisse aus Lebensmittelkarten, schließlich eine Bekanntmachung, schlicht „an alle Normalverbraucher!&#8221; adressiert. Es sind die Zeugnisse einer ungeliebten Zeit, die seit der Währungswende von 1948 in der Alltagssprache gemeinhin als „die Reichsmarkzeit&#8221; gilt, die Jahre der Bezugsscheine, deren Abschaffung Ludwig Erhard ohne Unterlaß für sich in Anspruch nahm. Gemeint sind die „schlechten Zeiten&#8221; der letzten Kriegsjahre seit 1943, als die Rationen auch infolge der verstärkten Bombenangriffe stetig verringert werden mußten, und natürlich die Nachkriegsjahre bis zur ersten Deutschen Mark und zur letzten Nährmittel  und Brotkarte. Deren Gültigkeit lief mit dem Jahresende 1949 aus. Die Kölnerinnen und Kölner konnten zu diesem Zeitpunkt auf 160 Monate oder 4.800 bittere Rationierungstage zurückblicken. Die Geschichte dieser Jahre ist zu Ende, darf künftig als „abgehakt&#8221; gelten, das ist das Credo des Plakates: der vorerst letzte Beitrag zur Geschichte des Hungers in Deutschland.</p>
<p>Er habe ja gar nicht gewußt, was Verzweiflung sei, gesteht ein siebzehnjähriger Kölner. Die Welt schien ihm mit einem Male ganz grau und trostlos, an einen Ausweg, an ein Entrinnen, an Hilfe oder Rettung konnte er nicht mehr glauben. Ihm war das Undenkbare zugestoßen - er hatte die Lebensmittelkarten für die ganze Familie verloren! Heinrich Böll erzählt die Geschichte des Jungen „Am Ufer&#8221;, der sich aus Gram über sein Vergehen in den Rhein stürzt, dabei von einem schwarzen US Soldaten beobachtet und gerettet wird. Dem satten Amerikaner freilich muß unergründlich bleiben, was den Jungen ins Wasser trieb: „&#8230;wegen so ein paar Fetzen Papier, die vielleicht nicht mal n&#8217;en Dollar wert sind&#8221;? Von diesen Papieren, die das Plakat von 1953 so demonstrativ an den Nagel hängt, hing das Überleben in der Großstadt nach dem Kriege ab. Die Lebensmittelkarten waren in den Westzonen wie in der Sowjetzone Urteile, ausgesprochen über Leben und Tod des Verbrauchers. Hinter diesen Scheinen stand der hehre Anspruch des Staates, die materiellen Grundlagen des Rechtes auf Leben, mithin dieses Grundrecht selbst, garantieren und organisieren zu können. Die Karte war nicht irgendeinem Ausweispapier gleichzusetzen: daß sich die hungernden Menschen an die Märkchen klammerten, lag diesmal nicht an der preußischen Obrigkeitstreue oder dem allzudeutschen Glauben an Stempel und Unterschrift, sondern daran, daß die Karte zum Lebensberechtigungsausweis avancierte. Die Drohung einer Behörde unbotmäßigen Klienten gegenüber, den Entzug der Karte in die Wege zu leiten, entbehrte zwar jeder rechtlichen Grundlage, denn eine Verurteilung zum Hungertod konnte keine Strafverordnung decken, tat aber gleichwohl ihre erschreckende Wirkung.</p>
<p>Die Karte hatte zwei Gesichter: sie war unter strapaziösem Anstehen vor heruntergekommenen Ausgabestellen zuweilen korrupten Staatsdienern abgerungen, womöglich samt einer ersehnten Zulagekarte. Sie dokumentierte vielleicht eine mit Mühen erreichte Umgruppierung in eine bessergestellte Verbrauchergruppe. Sie versprach Versorgungssicherheit. Die Versorgungswirklichkeit freilich sah anders aus. Selbst wer eine Lebensmittelkarte innehatte, war damit längst nicht vorm Verhungern gefeit. Am schlimmsten traf es in allen Zonen diejenigen Bevölkerungsgruppen, die als ‚Normalverbraucher&#8217; eingestuft wurden. Ein amtliches Wort nenne den Menschen, der nur auf seine Einheitskarte lebe, einen Normalverbraucher, kommentierte die ‚Kölnische Rundschau&#8217; damals bissig, auch wenn sein Verbrauch jenseits der Grenzen aller Normen liege und die ihm gewährten Rationen weder zum Leben noch zum Sterben reichten. Zu diesen Normalverbrauchern, angewiesen auf die Grundration, fern aller Zulagen, zählten in allen Zonen die Hausfrauen und die Alten. Kein außergewöhnliches Beispiel ist daher die 75jährige Magdalene R., Patientin eines Lindenthaler Arztes. Die 150 Zentimeter große Hausfrau war auf 42,5 Kilogramm abgemagert, der Mediziner diagnostizierte herausfordernd: „Staatlich conc. Hungerl(eiderin)&#8230; marant. Zustand.&#8221; Im Antrag auf zusätzliche Krankenkost führte er weiter aus, die Invalidenrente der Frau betrage DM 34,40, und stellte die provokante Frage, wie hoch demgegenüber wohl das Gehalt von Kölns Oberbürgermeister Pünder sei. Also, verlangte er, &#8220;adaequates Verhältnis necesse est.&#8221;</p>
<p>2.000 Kalorien täglich hatte der britische Feldmarschall Montgomery gleich nach Kriegsende den Deutschen seiner Zone versprochen, später sollte eine Karte zumindest für 1.550 Kalorien pro Tag gut sein. Zu keinem Zeitpunkt konnte in Köln dieses Kalorienziel erreicht werden. Ganz im Gegenteil, die Kölner NormalverbraucherInnen vegetierten im Herbst 1946 bei wenig mehr als 700 Kalorien dahin! Es war die 100. Zuteilungsperiode im Frühjahr 1947, die mit nahezu leeren Händen daherkam. In der letzten Woche des unrühmlichen Kartenjubiläums blieben die Versorgungsschecks nahezu ungedeckt: Es gab nichts zu essen   außer 125 Gramm Zucker, 15,6 Gramm Käse, seit zwei Wochen wieder einmal 62,5 Gramm Fett, 250 Gramm Fisch und 1.500 Gramm Brot. Die Hungerdiät ergab zusammengerechnet gerade 737 Kalorien. Dabei ist es kein Zufall, daß das Plakat von 1953 gerade diejenigen Abschnitte der Karten vorführt, die für Fett und Fleisch stehen sollten. In ganz Deutschland war die Fett  und Fleischlücke in aller Munde: gerade diese Marken mußten im Bewußtsein der VerbraucherInnen als die trügerischsten gelten, als Denkmale des Hungers. In Köln kam verschärfend hinzu, daß darüber hinaus auch die Brotbons vielfach wertlos waren. Während in Städten wie München, aber auch in Leipzig, die Brotversorgung durchweg gesichert war, mußten die RheinländerInnen zuweilen selbst um ihr Grundnahrungsmittel bangen.</p>
<p>Zu Anfang der fünfziger Jahre sind diese Bilder noch virulent, die Empfindungen nicht verschüttet, ihre Suggestionskraft ungebrochen. Mit einem Schlag vermag das Plakat die Szenerie der Katastrophengesellschaft ins Gedächtnis zu rufen. Die Lebensmittelkarte steht 1953 für das überwundene Versorgungsgefängnis der unmittelbaren Nachkriegszeit, ihre Abschnitte gewinnen die Gestalt von Zellen. Das Kartenraster wird hier zum Muster einer ganzen Zeit: Aus dem Hungerkerker konnte seinerzeit nur „ausbrechen&#8221;, wer mit enormen Geldmengen auf dem Schwarzmarkt wettbewerbsfähig war, und wer etwas zum Tausch anzubieten hatte. Die übergroße Mehrzahl der Bevölkerung war auf den uneinlösbaren Fürsorgeanspruch einer Bürokratie angewiesen, der es an Autorität und Redlichkeit nur allzuoft erheblich gemangelt hatte. Stück für Stück, Portion um Portion wollte die Karte, nach den gesellschaftspolitischen Vorgaben der jeweiligen Zonen, suum cuique zumessen, reklamierte den noblen Anspruch auf Sicherheit und Gerechtigkeit, und erwies sich im Alltag doch als das genaue Gegenteil. Abschnitte wie die abgebildeten 5 Gramm Fett  oder 50-Gramm Fleisch Märkchen waren nicht dazu angetan, Vertrauen neu zu begründen. Nichts könnte dagegen die kollektive Erfahrung des uneingelösten Versprechens augenfälliger versinnbildlichen als solch hohle Kartenabrisse. Sicher hatte es im individuellen Rahmen auch Solidarität, Aufbruchstimmung und Hoffnung gegeben, die psychosoziale Grundstruktur der Rationen Gesellschaft  jedoch war geprägt vom existentiellen Kampf um Versorgungsvorteile, vom Wettlauf um Hausbrand, vom Ringen um Wohnraum.<br />
Und selbst die politische Topographie Nachkriegsdeutschlands ist vom Geist und vom Raster der Lebensmittelkarte gekennzeichnet: Nachdem „das Reich&#8221; obsolet war, hatte sich radikaler Regionalismus Bahn gebrochen. Die Deutschlandpartikel hatten sich eingeigelt, voneinander abgeschlossen, mit Vorliebe eiserne Vorhänge heruntergelassen, um, was man herübergerettet hatte oder produzierte, in den eigenen Grenzen halten zu können. Erbittert hatten Zuschuß-  und Überschußländer Kartoffel , Fleisch  und Fettkriege ausgefochten! Zone stand gegen Zone, Land gegen Land, Stadt gegen Stadt, ja sogar Arbeiter gegen Arbeiter. Einen Glauben an „die Demokratie&#8221;, an eine „neue Ordnung&#8221; von Staat und Gesellschaft oder gar an „die Einheit&#8221; ließ das Rationenbewußtsein der unmittelbaren Nachkriegszeit nicht zu.</p>
<p><strong>1953: Die Zukunft hat bereits begonnen!</strong></p>
<p>Kein Wunder, daß die Erfahrung der unmittelbaren Kriegsfolgen im Zentrum des Plakates und eindringlich visualisiert vermittelt werden: Die wüste Lebensmittel Kartographie gibt das probate negative mentale Terrain ab, auf welchem sich das erwünschte Bild der Gegenwart zeichnen läßt, verknüpft mit dem politischen Appell an die Zukunft. Diese Botschaft bleibt nüchtern und wird rein verbal vorgetragen: „Darum weiterhin Aufstieg und Fortschritt durch Erhards Soziale Marktwirtschaft&#8221;. Die deiktische Oualität dieser Schlußsentenz liegt darin, daß sie nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich unmittelbar über das Plakat hinausweist: Unmißverständlich wird hier die Alltagswirklichkeit des Zeitgenossen in den Zeugenstand gerufen. Das Plakat versteht sich als Kommentar zu den Waren im Einkaufskorb der Hausfrau, die zufällig an diesem Anschlag vorbeikommt, als Kommentar zu den Auslagen der Schaufenster rings herum in der Straße. Es macht sich damit jene berühmte Grundfrage Ludwig Erhards zu eigen, die er seiner langjährigen Sekretärin am Morgen zu stellen pflegte: „Na, Frau Muhr, sind schon wieder mehr Textilien in den Schaufenstern?&#8221;</p>
<p>In der Tat hatte die Bundesregierung am Ende der ersten Legislaturperiode der abgemagerten und abgehärmten Nachkriegsvisage ein „rosiges Gesicht&#8221; (‚Der Spiegel&#8217;) entgegengesetzt: „Eine Stirn, wie die westdeutsche Produktionskurve (1948 Index 63, heute 152), steil nach oben gerichtet, schmale Schweinsäuglein über aufgeplusterten Wangen (Einzelhandelsumsatz 1948 15 Mrd., heute 36) und herabhängende Fettpolster für schlechtere Zeiten (Devisenreserve 6,5 Mrd. Mark), die das Kinn umrahmen. Darüber, qualmend wie die Schlote des Ruhrgebietes, die ewige schwarze Brasil.&#8221;</p>
<p>Freilich, in vielerlei Hinsicht war das Konsumniveau der späten dreißiger Jahre noch nicht erreicht. Aber das „Waage&#8221; Plakat gab geschickt die Stimmung seiner Zeit wieder: Eine gewisse Sicherheit und Prosperität waren, im Vergleich zu den Nachkriegsjahren, erreicht. Unser unbekannter Verbraucher der frühen Fünfziger läßt noch einmal einen letzten Blick zurück schweifen, über das fernab liegende „Nie wieder&#8221; der Kriege und die nicht allzu ferne Realität der Rationen. Indessen ist ihm die Zeit reif geworden, sich den ersten zaghaft stolzen Blick auf das Erreichte zu genehmigen, und er beginnt, für die Zukunft Ansprüche zu formulieren und Pläne zu schmieden.<br />
Dieses Selbstverständnis hatte die CDU bereits zu Ostern 1953 in zahlreichen parteieigenen Zeitungen als Interpretationsmuster der Zeit angeboten. Sie präsentierte Kanzler Adenauer mit Strohhut als fleißigen Gärtner und behauptete, in Deutschland könne jeder wieder sein Gärtchen bestellen. Auf diesen fruchtbaren Boden fiel ihr frommer Segenswunsch: „Aufbau und Auferstehung für alle!&#8221;  Das Wahljahr, 1953 zelebriert das Osterwunder der Bundesrepublik, und das Plakat der „Waage&#8221; Organisation gibt den einzuschlagenden Weg vor: Weggerückt werden in diesen Tagen die Steine der Vergangenheit, die Wegscheide vom elementaren Ringen um Existenz zur konsumtiven Erlösung ist jetzt überschritten: per aspera ad astra!</p>
<p>Nach ihren Wünschen an die neue Bundesregierung befragt, antworten im Spätjahr 1953 55 von hundert Bürgerinnen und Bürger mit der für die Gegenwart der Fünfziger Jahre charakteristischen Floskel: „Besser leben&#8221;. Die rasche Verwirklichung außenpolitischer Ziele beschäftigt gerade 17, die Wiedervereinigung gerade 19 von hundert. Mit dieser Einstellung geht unser Plakat konform. Das Verlangen und die Zuversicht, daß es beim Stand von &#8216;53 nicht bleiben werde, reflektieren zu gleicher Zeit kongenial auch die Produkte. Die Zeit des „Noch&#8221; bricht an: „Noch geräumiger   noch schöner   noch preiswerter&#8221;: der Goliath, Modell 1953, setzt auf den materiellen Fortschritt, den auch das Plakat beschwört - „Fortschritt&#8221; übrigens, eine zutiefst kantische Forderung im Sinne der Aufklärung. „Besser leben!&#8221; verspricht nicht von ungefähr das Waschmittel ‚Rei&#8217;, verbindet damit „mehr Freizeit für unsere Hausfrauen&#8221;. „Schöner leben&#8221; propagiert selbst der „Leukoplastbomber&#8221; Lloyd, der „Volkswagen des kleinen Mannes&#8221;: er stellt sich gleichfalls in seiner Zukunftsversion vor, der Luxusausführung mit Schiebedach! Von 1954 an explodieren die Wachstumsraten in der jungen Bundesrepublik, die Arbeitsgesellschaft ersetzt die Rationen Gesellschaft. Die prophezeite „Auferstehung&#8221;, Aufbau und Aufstieg, nehmen ihren Lauf.</p>
<p>In der subtil vorgetragenen Komplexität seiner kommunikativen Akte liegt das Geheimnis der Wirkungskraft des „Waage&#8221; Plakates aus dem Jahr 1953. Wer sich auf es einläßt, bekommt einen verbindlichen und verläßlichen Standpunkt offeriert. Die räumlichen und zeitlichen Interpretations- und Identifikationsangebote des Plakates erteilen dem Vergessen der Zeit des Nationalsozialismus die Absolution, verstärken das kollektive Verständnis der Zeitgenossen von der Reichsmarkzeit und gewinnen aus diesen Gegenüberstellungen endlich die emotionale Schubkraft für erwünschte politische Handlungsmuster. Mit diesem Kommunikationskonzept hat die Public Relations Organisation „Die Waage&#8221; weit vorgegriffen auf den von der Produktwerbung bestimmten Stil politischer Propaganda, wie er sich seit den sechziger Jahren durchsetzte. Es ist die Variation des Postulates „Persil spricht nur von Persil&#8221;: Ausgangsmaterial sind nicht mehr starke Abwehraffekte, evoziert von hoch aufgeladenen Feindbildern, sondern geschickt geflochtene Kommunikationsnetze um möglichst resonanzfähige, immer aber ‚positive&#8217; Formeln und Bilder.<br />
<em></em></p>
<p><em>Aus: Geschichte in Köln, Nr. 30, Dezember 1991, S. 123-135 (dort auch Fußnoten und Quellennachweise)<br />
</em></p>
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		<item>
		<title>Texte über Carl F. W. Borgward (1890-1963)</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Nov 2011 11:32:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Schindelbeck</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Lehre]]></category>

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		<description><![CDATA[Inhaber und Geschäftsführer der Carl Borgward AG, Bremen
„Diese Männer sind selten geworden. Man findet sie fast nur noch in Romanen und Filmgeschichten. Auch in unserer Zeit gibt es Männer, die gewaltige Betriebe leiten, Werke aufbauen und sie zu erstaunlicher Blüte bringen. Sie arbeiten mit einer fremden Vollmacht, im Namen einer Gesellschaft. Man nennt sie nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Inhaber und Geschäftsführer der Carl Borgward AG, Bremen</p>
<p>„Diese Männer sind selten geworden. Man findet sie fast nur noch in Romanen und Filmgeschichten. Auch in unserer Zeit gibt es Männer, die gewaltige Betriebe leiten, Werke aufbauen und sie zu erstaunlicher Blüte bringen. Sie arbeiten mit einer fremden Vollmacht, im Namen einer Gesellschaft. Man nennt sie nicht umsonst Wirtschaftskapitäne.&#8221; (Quelle: Borgward-Kurier)</p>
<p>„Das ist ja das Gute in meinem Fall. Wenn ich heute etwas entwerfe, dann sage ich morgen: ‚Deutsche Arbeiter, fanget an!&#8217; und niemand kann dazwischen quatschen.&#8221; (Quelle: Eberwein/Tholen: Borgwards Fall, Bremen 1985)</p>
<p>„Bei den Gängen durch seine „Werkstatt&#8221;, wie er seine Automobilfabriken nannte, gehörte eine Szene wie diese zum Alltag: „Wenn ein Arbeiter etwas falsch gemacht hatte, und er sah das bei seinen Werkstattbesuchen, nahm er dem Arbeiter das Stück aus der Hand und sagte: ‚Das musst Du so und so machen!&#8221; Dass die Arbeiter ihn schätzten, ja liebten, wird auch aus anderen Äußerungen deutlich: „Ich war damals in der Halle 3 beschäftigt. Da kam jeden Morgen Carl Borgward hinten in das Werk durch die Halle 3. Ich arbeitete dort in der ersten Reihe und er ging dauernd an mir vorbei. Und wie soll ich sagen, wie ich das empfunden habe, dass er das gebaut hat? Ich fand das eigentlich ganz groß von dem Mann.&#8221; (Quelle: ebda)</p>
<p>Textempfehlungen: <a href="http://dirk-schindelbeck.de/wp-content/uploads/2009/05/borgward_konkurs.pdf">Du warst zu gut für diese Welt;</a> <a href="http://dirk-schindelbeck.de/archives/7218">Der Borgward-Mythos im Dienst der Werbung</a></p>
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		<title>NSU-Werbeschallplatte &#8220;Quickly&#8221; von 1951</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Nov 2011 11:26:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Schindelbeck</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Lehre]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Text der im Swing-Stil daherkommenden Werbeschallplatte erscheint insofern bemerkenswert, da schon 1951 die &#8220;Daseinsberechtigung&#8221; des Bundesbürgers an seiner Motorisierung festgemacht wird&#8230; 
Hoppla, ich glaube mir fehlt etwas,
so macht das Leben mir keinen Spaß,
jeden Tag zu Fuß zu gehn,
das ist heut nicht mehr schön.
Refr.: Besser ist&#8217;s, wenn man die Schuhe schont,
weil sich&#8217;s per pedes auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der Text der im Swing-Stil daherkommenden Werbeschallplatte erscheint insofern bemerkenswert, da schon 1951 die &#8220;Daseinsberechtigung&#8221; des Bundesbürgers an seiner Motorisierung festgemacht wird&#8230;</em><strong> </strong></p>
<p>Hoppla, ich glaube mir fehlt etwas,<br />
so macht das Leben mir keinen Spaß,<br />
jeden Tag zu Fuß zu gehn,<br />
das ist heut nicht mehr schön.</p>
<p>Refr.: Besser ist&#8217;s, wenn man die Schuhe schont,<br />
weil sich&#8217;s per pedes auch gar nicht lohnt.<br />
Erstens ist der Weg zu weit und man braucht zuviel Zeit<br />
Was mir fehlt, das kennt ein jeder,<br />
es fehlt nicht nur mir allein,<br />
es hat nen Motor und zwei Räder<br />
und kann nur eine Quickly sein.<br />
Quickly ist so, dass man sagen kann,<br />
das ist ein Fahrzeug für jedermann.<br />
Einer ruft&#8217;s dem andern zu:<br />
Fahr auch du NSU!</p>
<p>Jeder, der heute n&#8217; bisschen was auf sich hält,<br />
der ist doch motorisiert.<br />
Weil er ja sonst im Getriebe der Welt<br />
Die Daseinsberechtigung verliert.<br />
Wenn ein Junge noch im Kinderschuh steckt,<br />
ist bei ihm schon das Interesse geweckt,<br />
und die Oma, die nun bald 80 ist,<br />
auch die hat&#8217;s plötzlich entdeckt:<br />
Hoppla, ich glaube, mir fehlt etwas,<br />
so macht das Leben mit keinen Spaß.</p>
<p>Refr.: Besser ist&#8217;s, wenn man die Schuhe schont,<br />
weil sich&#8217;s per pedes auch gar nichts lohnt.<br />
Was mir fehlt, das kennt ein jeder,<br />
es fehlt nicht nur mir allein,<br />
es hat nen Motor und zwei Räder<br />
und kann nur eine Quickly sein.<br />
Quickly ist so, dass man sagen kann,<br />
das ist ein Fahrzeug für jedermann.<br />
Einer ruft&#8217;s dem andern zu:<br />
Fahr auch du NSU!</p>
<p>Zum Thema Werbelyrik der fünfziger Jahre vgl. den Text <a href="http://dirk-schindelbeck.de/wp-content/uploads/2009/06/konsumhymnen239.pdf">&#8220;Konsumhymnen&#8221;</a></p>
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		<title>Literaturauswahl</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Nov 2011 11:10:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Schindelbeck</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Lehre]]></category>

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		<description><![CDATA[Becker, Ulrich: Sozialstaat Deutschland: Geschichte und Gegenwart,  Bonn 2010.
Bender, Peter: Deutschlands Wiederkehr : eine ungeteilte  Nachkriegsgeschichte 1945 - 1990, Bonn 2008 (Schriftenreihe /  Bundeszentrale für Politische Bildung ; Bd. 698)
Eschenhagen, Wieland/Judt, Matthias: Chronik Deutschland 1949 - 2009:  60 Jahre deutsche Geschichte im Überblick, Bonn 2008. (Schriftenreihe /  Bundeszentrale für Politische Bildung; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Becker, Ulrich: Sozialstaat Deutschland: Geschichte und Gegenwart,  Bonn 2010.</p>
<p>Bender, Peter: Deutschlands Wiederkehr : eine ungeteilte  Nachkriegsgeschichte 1945 - 1990, Bonn 2008 (Schriftenreihe /  Bundeszentrale für Politische Bildung ; Bd. 698)</p>
<p>Eschenhagen, Wieland/Judt, Matthias: Chronik Deutschland 1949 - 2009:  60 Jahre deutsche Geschichte im Überblick, Bonn 2008. (Schriftenreihe /  Bundeszentrale für Politische Bildung; Bd. 747)</p>
<p>Grimm, Fred: &#8220;Wir wollen eine andere Welt&#8221;: Jugend in Deutschland  1900 - 2010 ; eine private Geschichte aus Tagebüchern, Briefen,  Dokumenten, Berlin 2010.</p>
<p>Kleßmann, Christoph/Lautzsas, Peter (Hg.): Teilung und Integration :  die doppelte deutsche Nachkriegsgeschichte als wissenschaftliches und  didaktisches Problem, Bonn 2005 (Schriftenreihe / Bundeszentrale für  Politische Bildung; Bd. 482)</p>
<p>Motte, Jan (Hg.): 50 Jahre Bundesrepublik - 50 Jahre Einwanderung:  Nachkriegsgeschichte als Migrationsgeschichte, Frankfurt 1999.</p>
<p>Recker, Marie-Luise: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, München 2009</p>
<p>Reeken, Dietmar von: Deutschland nach 1945 : geteilt und doch verflochten? Berlin 2009.</p>
<p>Rödder, Andreas: Deutschland einig Vaterland : die Geschichte der  Wiedervereinigung / Bonn 2010. (Schriftenreihe / Bundeszentrale für  Politische Bildung ; Bd. 1047)</p>
<p>Rösgen, Petra (Red.): Flagge zeigen? Die Deutschen und ihre  Nationalsymbole: Begleitbuch zur Ausstellung im Haus der Geschichte der  Bundesrepublik Deutschland, Bonn, 5. Dezember 2008 bis 13. April 2009,  im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig der Stiftung Haus der Geschichte  der Bundesrepublik Deutschland, 29. Mai bis 4. Oktober 2009,  Bielefeld  2008</p>
<p>Scheurle, Christoph: Die deutschen Kanzler im Fernsehen: Theatrale  Darstellungsstrategien von Politikern im Schlüsselmedium der  Nachkriegsgeschichte, Bielefeld 2009</p>
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		<title>Kaspar Stieler: Der Haß küsset ja nicht</title>
		<link>http://dirk-schindelbeck.de/archives/9706</link>
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		<pubDate>Fri, 11 Nov 2011 07:21:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Schindelbeck</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Lehre]]></category>

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		<description><![CDATA[Die ernstliche Strenge steht endlich versüßet,
die quälende Seele wird einsten gesund.
Ich habe gewonnen, ich werde geküsset,
es schallet und knallet ihr zärtlicher Mund.
Die Dornen entweichen,
die Lippen verbleichen,
indem sie die ihren den meinen aufdrückt.
Ich werd aus der Erde zun Göttern verschickt! 
Ihr klagende Plagen steht jetzo von fernen,
es fliehe der ächzende, krächzende Neid!
Mein Gang ist gegründet auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die ernstliche Strenge steht endlich versüßet,<br />
die quälende Seele wird einsten gesund.<br />
Ich habe gewonnen, ich werde geküsset,<br />
es schallet und knallet ihr zärtlicher Mund.<br />
Die Dornen entweichen,<br />
die Lippen verbleichen,<br />
indem sie die ihren den meinen aufdrückt.<br />
Ich werd aus der Erde zun Göttern verschickt! <span id="more-9706"></span></p>
<p>Ihr klagende Plagen steht jetzo von fernen,<br />
es fliehe der ächzende, krächzende Neid!<br />
Mein Gang ist gegründet auch über die Sternen,<br />
ich fühle der Seligen spielende Freud.<br />
Es flammen die Lippen,<br />
die röslichte Klippen,<br />
die blühen und ziehen mich lieblich an sich.<br />
Was acht ich dich, Honig, was, Nektar-Wein, dich!</p>
<p>Durch dieses erwies es ihr süßes Gemüte,<br />
sie wolle, sie solle die Meinige sein.<br />
Nu höhn ich der Könige Zepter und Blüte,<br />
mich nimmet der Vorrat Eufrates&#8217; nicht ein.<br />
Kann ich sie nur haben,<br />
was acht ich der Gaben,<br />
der siegenden Krieger im Kapitolin,<br />
die durch die bekränzeten Pforten einziehn!</p>
<p>Ich habe die Schöne mit nichten gewonnen<br />
mit Solde von Golde, mit perlenem Wert<br />
und scheinenden Steinen, in Bergen geronnen,<br />
den Tyrischen Purpur hat sie nie begehrt.<br />
Die Zeilen, die süßen,<br />
aus Pegasus&#8217; Flüssen,<br />
die haben ihr härtliches Herze gerührt:<br />
Nu stehet mein Lorbeer mit Myrthen geziert.</p>
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