Soeben erschienen: TROPFENFÄNGER & KREISENDE KOLBEN. DEUTSCHE MARKEN-SONETTE 2.0.15

Montag, 8. Juni 2015 11:54

Schindelbeck_Rosner_Tropfenfaenger_Titelcover

Pressetext:

Dirk Schindelbeck / Alexander Rosner:

TROPFENFÄNGER & KREISENDE KOLBEN – DEUTSCHE MARKEN-SONETTE 2.0.15

mit Grafiken von Gerd Grimm und einem Sonettkranz als Poster

Lavori-Verlag Freiburg, 160 S., 90 Abbildungen, geb., 29,80 Euro, ISBN 798-3-935737-64-7

Es erscheint kaum mehr vorstellbar: ein Lyrikband, der gut unterhält und auch noch Wissen vermittelt! Dieser tut es, getreu der längst in Vergessenheit geratenen antiken Maxime prodesse et delectare („belehren und unterhalten“). Und er tut es auf ungewöhnliche Weise – mithilfe der poetischen Urform des Sonetts. Das Erstaunlichste daran: Kein Thema, das es nicht erreichte, keine Tonlage, die es nicht träfe, kein Experiment, das es sich versagen müsste.

Das funktioniert deshalb, weil der Gedichttyp hier nicht als überkommenes Reimsystem gehandhabt wird, sondern als kybernetisch arbeitendes Erkenntnisinstrument. Ob als Denkfigur oder Geschichtslehrer, als Marketingexperte, Kunsterzieher oder Beziehungs-Supervisor – das Sonett kann die Rolle eines Reporters oder einer Gebrauchsanweisung mit derselben Mühelosigkeit annehmen wie es zur Satire auf Politiker-Rhetorik oder ein Philosophie-Examen wird. Das macht Texte auf ein Panzermodell oder einen Tropfenfänger ebenso möglich wie auf den „deutschen Salzhering“ oder die „Chiquita-Banane“.

40 Jahre sonettischer Schreibpraxis finden Ergänzung und Erhellung in raffinierten Grafiken. Ein Gedicht zu lesen wird so immer auch zum visuellen Erlebnis. Der Formkörper, konsequent als Phänomen materieller Alltagskultur verstanden und genutzt, entfaltet so ganz verblüffende Wirkungen. Und für alle, die mehr über Geschichte, Architektur und Potenzial des Sonetts wissen oder sich selbst an ihm versuchen wollen: Eine fundierte „Betriebsanleitung“ führt in Kompositionsgesetze und Handhabung ein. Eine neue Sonett-Epoche hat begonnen.

Flyer zum Download-120dpi

Bezug entweder über

  • den Lavori-Verlag, Freiburg
  • den örtlichen Buchhandel
  • oder den Autor (auf Wunsch auch mit persönlicher Widmung): Dirk Schindelbeck, Stürtzelstr. 20, 79106 Freiburg.


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Buchneuerscheinung “Zigaretten-Fronten”. Die politischen Kulturen des Rauchens in der Zeit des Ersten Weltkriegs

Dienstag, 21. Oktober 2014 7:48

Hg. von Rainer Gries und Stefan Rahner (BMBF-Forschungsprojekt PolitCigs an der Universität Jena)

Hg. von Rainer Gries und Stefan Rahner (BMBF-Forschungsprojekt PolitCigs an der Universität Jena)

Soeben ist im Jonas Verlag Marburg der erste Band aus unserem BMBF-Forschungsverbund PolitCigs “Die Kulturen der Zigarette und die Kulturen des Politischen” erschienen.

Mehr Informationen finden Sie dazu unter PolitCigs sowie auf der Homepage des Verlags

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Dokumentation über das Waisenhaus in Freiburg Günterstal abgeschlossen

Freitag, 18. Oktober 2013 16:32

Dokumentation Bd. 1

Waisenhausstiftung Freiburg (Hg.):

Dirk Schindelbeck:

“Das wirst du nicht los, das verfolgt dich ein Leben lang!”

Die Geschichte des Waisenhauses in Freiburg-Günterstal,

Freiburg 2013, 176 S., 86 Abb., DIN-A-Format, broschiert, 18 Euro,

ISBN 978-3-00-042653-7

Als der Runde Tisch Heimerziehung im Dezember 2010 seine Arbeit beendete, gab dessen Moderatorin Antje Vollmer die Empfehlung aus, endlich Ernst zu machen mit der Aufarbeitung der Geschichte all jener Heime und Erziehungsanstalten, über die noch wenig bekannt war. Nachholbedarf dieser Art bestand auch in Freiburg im Hinblick auf das Städtische Waisenhaus im Vorort Günterstal – schon weil sich seit einigen Jahren immer mehr Menschen, die als Kinder und Jugendliche in den 50er, 60er und 70er Jahren hier gelebt hatten, an die heutige Kinder- und Jugendhilfe der Waisenhausstiftung gewandt und von ihren zum Teil schrecklichen Erlebnissen in der Vergangenheit berichtet haben.

Noch während der Runde Tisch tagte, entwickelte Stiftungsdirektor Lothar A. Böhler die Idee, nicht nur die Aufarbeitung der Vergangenheit dieses Heims anzugehen und dafür Mittel in den Haushaltsplan einzustellen, sondern auch eine Ethikkommission ins Leben zu rufen, die verbindliche Leitlinien für alle Mitarbeiter(innen) erarbeiten sollte, um Gewalt und Übergriffe in Zukunft nach Möglichkeit zu verhindern. Mit der Recherche und Erstellung der historischen Dokumentation wurde der Historiker und Wissenschaftspublizist Dirk Schindelbeck im Spätsommer 2011 beauftragt.

Inzwischen liegt das Buch vor; es zeichnet den Weg des Städtischen Waisenhauses in Freiburg vom 14. Jahrhundert bis die Gegenwart nach – von seiner ersten Erwähnung als Findelhaus 1376 bis hin zu den heute bestehenden dezentralen Wohngruppen. Im Zentrum der Darstellung steht die Zeit zwischen 1894 und 1985, als Kinder und Jugendliche noch im großen Gebäudekomplex des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters in Günterstal untergebracht waren. Bis 1975 wurden sie dort von Vinzentinerinnen-Ordensschwestern betreut, danach von Erziehern.

Um Betroffene ausfindig zu machen und Einblick in ihre Lebenswelt zu gewinnen, wurde im Mai 2012 ein Zeitzeugenaufruf in der örtlichen Presse gestartet. Daraufhin meldeten sich fast 90 Menschen, die in bis zu vier Stunden andauernden Gesprächen mit dem Leiter der Kinder- und Jugendhilfe Helmut Roemer und dem beauftragten Autor ihre Erlebnisse als Waisenhausinsasse zu Protokoll gaben.

Erst dank dieses umfangreichen Materials war es möglich, die Geschichte des Heims in der Nachkriegszeit ganz aus der Sicht der Betroffenen zu schreiben. Es entstand ein authentisches Bild der Waisenhaus-Lebenswelt mit immer wieder erschütternden Facetten einer rigiden Repressionspraxis, wenn etwa Unterhosen-Inspektionen durch die Ordensschwestern hautnah geschildert, die zwanghafte Verabreichung von Speisen dargestellt oder die absurden Praktiken der Geschlechtertrennung – nur wenn der Hof „bubenfrei“ war, durften die Mädchen dort spielen – plastisch vorgeführt werden. Schon von daher geht diese Dokumentation so nah an die damalige Heimwirklichkeit heran wie kaum eine andere. Besondere Glaubwürdigkeit kommt ihr außerdem zu, da etwa die Hälfte der Zeitzeugen mit ihren vollen Namen für ihre Aussagen einsteht.

Dokumentation, Bd. 2

Waisenhausstiftung Freiburg (Hg.):

Dirk Schindelbeck:

„Wir waren nur verhandelbare Masse.“

Nachkriegsschicksale aus dem Waisenhaus in Freiburg-Günterstal

Freiburg 2014, 400 S., über 170 Abb., DIN-A-Format, broschiert, 24 Euro,

ISBN 978-3-00-045038-9

Als im Juli 2013 die Dokumentation „Das wirst Du nicht los, das verfolgt dich ein Leben lang!“ Die Geschichte des Waisenhauses in Freiburg-Günterstal erschien, stand schon damals außer Frage, dass es einen zweiten Band geben würde, welcher das biographische Material, aus dem die erste Veröffentlichung bereits schöpfen konnte, ungekürzt präsentiert.

Dieser wird hier nun vorgelegt: Er enthält über 70 Porträts von ehemaligen Heimkindern, aber auch von Praktikanten, Erziehern, Bediensteten und einer Ordensschwester. Zusammengenommen bieten sie einen authentischen Zugang zur Waisenhaus-Lebenswelt zwischen 1940 und 1985 ausschließlich aus der Sicht von Betroffenen. Wer sich in die einzelnen Schicksale vertieft, lernt alle Facetten der Heimerziehung im Nachkriegsdeutschland kennen und nimmt unmittelbar Anteil an vielen Demütigungen und raren Glücksmomenten. Zuweilen überrascht auch, wie unterschiedlich die Einzelnen ihre Zeit in Günterstal erlebt haben und wie viele Geschichten unter einem Dach doch möglich waren.

Grundlage des Projekts war ein Zeitzeugenaufruf in der Tagespresse im Juni 2012, auf den sich fast 90 Ehemalige meldeten. Mit den meisten von ihnen wurden lange Gespräche geführt, ihre Aussagen zu Protokoll genommen und zu Porträts ausformuliert. Daraus konnte bereits der erste Band, welcher die Geschichte des Waisenhauses als Erziehungseinrichtung vom Mittelalter bis in die Gegenwart nachzeichnete, zitieren. Mit den hier vollständig veröffentlichten Porträts wird jetzt das Prinzip der Darstellung umgedreht; nicht mehr die Institution interessiert, sondern ausschließlich die Geschichte der Menschen in diesem Haus.

Wie in so vielen Heimen in der Nachkriegszeit war auch die Lebenswirklichkeit in Freiburg-Günterstal von den erschütternden Facetten einer rigiden Repressionspraxis geprägt, ob dies nun die Unterhosen-Inspektionen durch die Ordensschwestern betraf, die zwanghafte Verabreichung von Speisen oder die absurden Praktiken der Geschlechtertrennung – selbst Geschwister sahen einander oft jahrelang nicht! – sowie nicht zugestandene Bildungschancen. Besondere Glaubwürdigkeit gewinnt diese Dokumentation dadurch, dass diese Zustände in Günterstal von den Betroffenen nicht nur ebenso drastisch wie rückhaltlos beim Namen genannt werden, sondern die Hälfte von ihn mit ihrem vollen Namen für ihre Aussagen einsteht. Mehrere ließen es sich sogar nicht nehmen ließ, selbst zur Feder zu greifen, um ihre Erlebnisse in eigenen Worten zu schildern.

Im Hinblick auf die vielen zurzeit angelaufenen Projekte zur Aufarbeitung der Heimerziehung in der Nachkriegszeit sind die beiden Teile der Geschichte des Waisenhauses in Freiburg-Günterstal „Das wirst du nicht los, das verfolgt Dich ein Leben lang“ und „Wir waren nur verhandelbare Masse“ mit Sicherheit ein Meilenstein und Quantensprung.

Aus der Presse: Badische Zeitung, Chilli-Interview, BZ-Interview


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Lob des Tropfenfängers (1953)

Sonntag, 6. November 2011 15:25

© 2008 Dirk Schindelbeckschindelbeck_tropfenfaenger_1953

O stiller Helfer, konntest so verschwiegen
sanft saugend unter Kaffeekannentüllen,
den Wunsch nach Rundum-Sauberkeit erfüllen,
Millionen deutscher Hausfraun zum Vernügen.

Dank deiner rann kein Tropfen mehr wie früher
herab, das Spitzendeckchen braun berändernd.
Du, alle Anstandskurse tief verändernd,
warst unser segensreichster Volkserzieher.

Am Henkel war durch Gummizug das gute
praktische Saugeröllchen eingehakt,
der Tropfenwächter jeder Kannenschnute.

Mit Dir, du kleinem schnödem Alltagsding,
hat Poesie sich in den Bundes-Alltag vorgewagt
pastell, zartrosa als ein Plastik-Schmetterling.

Die Abbildung zeigt Tropfenfänger der Firma emsa von 1953

Variante: der Tropfenfänger als Prosa-Miniatur

Mehr Sonette auf Markenartikel finden Sie hier.

Eine Kulturgeschichte des Konsums in der Bundesrepublik finden Sie hier.

Einen umfangreichen Essay zum Sonett gibts hier.

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“Ins Gehirn der Masse kriechen!”

Donnerstag, 12. Februar 2009 12:08

“Ins Gehirn der Masse kriechen!” Werbung und Mentalitätsgeschichte Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, Darmstadt 1995, 224 S. mit 31 Abb., kart. (zus. mit R. Gries/V. Ilgen), ISBN 3534126750 Ins Gehirn der Masse kriechen ISBN 3534126750Das Buch vereinigt neun Untersuchungen zum Thema Werbung und Beeinflussung unter historischer Perspektive. In den einzelnen Beiträgen werden dabei sehr verschiedene Gegenstände näher betrachtet. Sie reichen von einer schlichten Tankstellenwerbebeigabe über Werbelyrik der fünfziger Jahre bis hin zu den Ostprodukten und ihren Kommunikationsleistungen nach der Wende. Die mentalitätshistorischen Pilotstudien entfalten Werbe- und Beeinflussungsgeschichte nicht als äußerliche Ablaufgeschichte(n) von Strategien, Produkten und Botschaften, sondern fassen und deuten Werbung stets auch als zeitbedingten Ausdruck gesellschaftlicher Mentalität. Die werblichen Botschaften werden als historische Quellen ernst genommen, befragt und analysiert. So liefern die Beiträge erste Bausteine zu einer “Geschichte als historischer Kommunikationswissenschaft”.

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Mein Gusszylinder, mein Über-Ich

Mittwoch, 19. August 2009 11:40

ein Sammlertrauma oder: auch eine Weihnachtsgeschichte

© 1997/2010 Dirk Schindelbeck


Die "weinende Braut": Blechspielzeug um 1910:

Die "weinende Braut" (schwenkt ihr Taschen- tuch auf und ab...): Blechspielzeug um 1910

Die wunderlichsten Leute sind nicht immer die,
die ihren Spleen vorführen wie ein Accessoire,
sich selbst zur Eitelkeit, zum Gaudi für die Welt.
Ein Exemplar solch stillerer Sorte ist mein Freund,
ein unauffällig-netter Mensch. Der Erich steht
als Angestellter seinen braven Mann und sucht
Am Sonntag mit den Jungs, der resoluten Frau
Nicht einmal ungern seine Schwiegermutter auf,
bewältigt den Parcours aus Kuchen und Kaffee
und selbst den Asbach hinterher noch mühelos.
Dies ist das Regelmaß, das Erich kennt und lebt.
Niemals auch führt sein Urlaub ihn nach Übersee:
Komfort und Qualität Europas sind ihm lieb
und eine absehbare Rückkehr ebenso.
Wenn er sich informiert, so zeigt sich Erich voll
als der er ist. Die Zeitung, ausgelesen, liegt
bei ihresgleichen in Paketen stramm verzurrt
des Morgens ausgerichtet auf dem Altpapier.
Nie dachte ich, dass diesen Mann ein Furor quält
aus einer andern Welt, ein horror vacui, wie ihn
kein Angestellter je durchlitten haben kann. [weiter...]

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Propaganda mit Gummiballons und Pappraketen

Montag, 14. Dezember 2009 16:53

Zum deutsch-deutschen Flugblattkrieg nach dem Bau der Mauer

© 1995 Dirk Schindelbeck

Im Sommer 1959 fuhr ich - sieben Jahre alt - mit meinen Eltern nach West Berlin, um einen Onkel zu besuchen. So gründlich meine Erinnerungen an den Aufenthalt auch verblasst sind, die obligatorische Stadtrundfahrt, die natürlich auch in den damals noch nicht abgetrennten Ostteil der Stadt führte, ist mir noch heute präsent. Als wir die Sektorengrenze passiert hatten und an den ersten grauen Häuserblocks vorbeifuhren, platzte ich ungeduldig heraus: „Und wo sind die Russen?“ Die Erwachsenen im Bus lachten. Ihre unvermutete Reaktion erweckte in mir die Lust, das Spielchen zu wiederholen, und bald hieß es an jeder dritten Straßenecke: „Wann kommen denn endlich die Russen?“

Bundeswehr-Propaganda-Ballon wird mit Gas befüllt (Quelle: Bundesarchiv-Militärarchiv)

Bundeswehr-Propaganda-Ballon wird mit Gas befüllt (Quelle: Bundesarchiv-Militärarchiv)

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Ronnie Biggs Superstar

Mittwoch, 4. März 2009 17:01

Zeitschriften-Artikel aus Neue Revue 1974

Ronald Biggs am Zuckerhut. Dieses und folgende Bilder aus: Neue Revue, Frühjahr 1974

Im folgenden finden Sie meinen klassischen Text aus dem Jahr 2000. Er wurde unlängst - anlässlich der bevorstehenden Haftentlassung von Ronnie Biggs aus dem Gefängnis und seines 80. Geburtstags - wieder sehr aktuell. Immerhin scheinen eine Reihe von Journalisten inzwischen in meinen Text hineingeschaut zu haben. Die Legende, er sei der legendäre Anführer der Posträuber-Bande gewesen, über Jahrzehnte hin beharrlich von den Medien verbreitet, findet sich nun seltener. Gleichwohl gibt es immer noch genug Zeitungen und Zeitschriften, die sich die Lektüre der Mutter aller Biggs-Texte bislang erspart haben und weiterhin falsche Fakten verbreiten. Eine schöne Auswahl an Presse-Stilblüten dieser Art gibt diese von meinem Freund Klaus Schönberger betreute Seite vabanque

Hier also das Original:

Vom  Wert der Öffentlichkeitsarbeit beim Postraub

(aus: Klaus Schönberger (Hg.). Vabanque. Theorie, Praxis und Geschichte des Bankraubs, Berlin 2000,
ital. Übersetzung in: Schönberger (Hg.): La rapine in banca, Pavona 2003, S. 48-58)

© 2000 Dirk Schindelbeck

In ihrem Buch „Die Posträuber Methode. Erfolgsstrategien für Selbst und Projektmanagement“ gibt die Unternehmensberaterin Hedwig Kellner Tipps, wie jederman/frau die in ihm/ihr schlummernde kriminelle Energie optimal einsetzen könne, ohne mit den Normen und Regeln der Gesellschaft in Konflikt zu geraten. Nicht von ungefähr bemüht der Titel ihres Ratgebers den legendären Postraub in England und erklärt eine der damals beteiligten Personen zum Leitbild zeitgemäßer Lebensgestaltung: „Ich halte den berühmten englischen Posträuber für erfolgreich. Von dem hat man in der Tat immer nur gehört, wie gut es ihm am Strand in Südamerika ging. Ich nehme an, dass es sein Ziel war, mit viel Geld an einem schönen Flecken der Erde in netter Gesellschaft zu leben. Gut gemacht. An dem sollten Sie sich ein Beispiel nehmen und nicht an bastelnden Dagoberts.“ (Kellner 1996, 19). Kellner meint Ronnie Biggs, ohne sich bewusst zu sein, wie sehr sie einem Mythos aufsitzt. Dass der Name Biggs ein Qualitätsbegriff ist, offenbart indessen auch der Schreiber der angesehenen Zürcher Weltwoche Oskar Nebel: „Biggs ist ohne Zweifel der führende Posträuber dieses Jahrhunderts: Biggs ist erklärter Anhänger des humanen Postraubs … Postraub ist für ihn eine Kunstform. Vielleicht erbarmt sich Ronald Biggs unser und eröffnet in Bio de Janeiro endlich die längst überfällige Schule für klassischen Postraub.“ (Weltwoche 19.12.1996). [weiter...]

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Multimediale Vorträge

Mittwoch, 9. Februar 2011 11:04

© 2011 Dirk Schindelbeck

Die folgenden 14 multimedial aufbereiteten Vorträge (Powerpoint-Präsentationen, ca. jeweils eine bis 1 1/2 Stunden) sind jederzeit verfügbar und können gebucht werden. Andere Themen (z.B. Bankraub oder Himmelsschreiber) auf Anfrage.

1.) Vom kleinen zum ganz großen Geld. Zur Entwicklungsdynamik von Fußball, Medien und Kommerz in Deutschland

2.) Marken, Moden und Kampagnen. Produkte erzählen unsere (Konsum-) Geschichte

3.) Mein Erzeugnis - ein Gedicht: Aufstieg und Niedergang der deutschen Werbelyrik. Eine Zeitreise durch 100 Jahre Werbeverse

4.) Propaganda als Sandkastenspiel - mit Gummiballons und Pappraketen.
Der skurrile deutsch deutsche Flugblattkrieg nach dem Bau der Mauer

5.) „Soziale Marktwirtschaft!” - Der Weg einer akademischen Formel zum Markenartikel des Wirtschaftswunders

6.)  Zeit-Reisen, Zukunfts-Visionen, Sinn-Bilder? Modelle und Dioramen als Erkenntnismittel

7.) „Das hat mir noch gefehlt!” Von der Leidenschaft des Sammelns heute

8.) „Vor minderwerthigen Nachahmungen wird gewarnt!” Zur Genese des modernen Markenartikels seit 1850

9.)  Sonette als Produkte oder: „Made in Germany”. Der etwas andere Sonettzyklus

10.) Schöpfungsmythos und Goldenes Zeitalter - eine Reise in die Frühzeit der Bundesrepublik

11.) „Dein starker Arm: Genossenschaft!” Genossenschaftswerbung in der Nachkriegszeit

12.)  Johannes Iversen (1865 - 1941) und die Frühzeit der deutschen Werbung - oder Wie das Hühneraugenmittel Kukirol zum Inbegriff der Werbung der 20er Jahre wurde 

13.) Johannes Weidenmüller (1881 - 1936), Agenturgründer, Werbetheoretiker, Werbelehrer

14.) Mode, Mädchen, Metropolen. Der Grafiker Gerd Grimm (1911 -1998) - Zeichnen zwischen Kunst und Werbung

15.) Verdun: Menetekel des Krieges und Mahnmal für den Frieden. Der erste Weltkrieg als Religionskrieg

16.) Die Berliner Mauer und ihre Bilder: Eine historische Retrospektive zu 50 Jahren “Mauerkommunikation”

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Pater Leppich und die Nylon-Dirnen

Montag, 9. November 2009 16:58

oder: Das Lob des Damensitzes

(satirische Ekloge in Hexametern. Der Text verarbeitet auf seine Weise zwei große zeitgenössische Spiegel-Artikel sowie eine Werbeschallplatte der Firma NSU)

© 2009 Dirk Schindelbeck

Manchmal schenkt uns die Zeit an neuerfundenen Dingen
unerwartet und schnell, was sonst die Gedanken der Menschen
höchstens im Traum bewegt: auf einmal sind Luxus-Produkte
wie sie zuvor nur gekrönten Häuptern wie etwa Soraya
vorbehalten gewesen, normalen Verbrauchern erreichbar.
So kamen über das Land, als Boten des besseren Lebens,
auch jene Hüllen aus zauberleichtem Perlon-Gewebe,
die, fast unsichtbar, der Frauen Beine umschließen:
Ruhmreich ist dieses Kapitel der deutschen Wirtschaftsgeschichte,
rühmend sind auch die Taten der Unternehmer zu preisen,
die jeden Widerstand brachen, deutschen Frauen die zarten
Strumpfkunstwerke zu liefern. Nur wenige traten als Mahner
dieser Massenverführung durch schamloses Beinfleisch entgegen:
Einer von ihnen war Pater Leppich, in brennender Sorge
immer aktiv in der Stärkung der Abwehrkräfte des Volkes. [weiter...]

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„Lieber Herr Flieger! Schreiben Sie doch einmal Ursel… So heiße ich..“

Freitag, 20. Mai 2011 12:09

Aufstieg und Fall der Himmelsschreiber von Henkel

© 2008 Dirk Schindelbeck

„Der Potsdamer Platz bot für einige Minuten ein Bild absoluter Ruhe, und straßauf und straßab hielten Autos und Straßenbahnen, gestikulierten aufgeregte Menschen. (…)  Dolle Gerüchte entstanden: Weltuntergang, Kriegsgefahr, Pestankündigung…“ Der Werbeleiter der Firma Henkel, Paul Mundhenke, war begeistert. Wie von Geisterhand geschrieben standen die Worte „Hallo Berlin!“, von zwei Flugzeugen produziert, deutlich lesbar im stahlblauen Himmel über der Hauptstadt: „Kurz nach ½ 7 Uhr endlich erreichte die Spannung die höchste Steigerung, als wiederum hoch droben ein silberner Vogel seine Kreise zog und des Rätsels Lösung brachte. Mit dem Erscheinen des Wortes Persil war der Bann gebrochen, und der Strom fröhlicher Spaziergänger zog weiter – sprach von Persil und zerbrach sich den Kopf über das Wesen dieses Wunders…“

Werbefaltblatt zur Himmelsschreiber-Aktion von 1927

Werbefaltblatt zur Himmelsschreiber-Aktion von 1927

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Windelfaltung nach Hausmannsart

Mittwoch, 23. Juni 2010 12:17

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(Erfahrungen aus der Vor-Pampers-Zeit)

© 2009 Dirk Schindelbeck

Wenn ich die Leinenwindel mittig falte
und gleich noch einmal quer, sodass vier Lagen (Fig. 1)
entstehen, kann ich es im Zweitschritt wagen,
die obren Lagen rauszuziehn (Fig. 2), erhalte

ein Dreieck oben, drunter ein Quadrat (Fig. 3);
nun wird das Ganze sorgsam umgedreht,
dies Viereck dann zu einem Stoffpaket
dreilagig eingewickelt (Fig. 4). Somit hat

das Baby an der Stelle, wo die Nässe
sich gern und häufig zeigt, ein Maximum (Fig. 5)
an Saugkomfort. Zufrieden schläft’s schon ein:

„Ja, ja, mein Baby, gell, du bist nicht dumm!”
So lässt es mich den coolen Vater sein,
der ich jetzt ein Sonett schreib oder esse.

zurück zum Sonettzyklus “Alte Liebe”

zurück zum Sachartikel “Pampers” aus dem Markenlexikon

Einen umfangreichen Essay zum Sonett gibts hier.

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Der Dauerhamster - ein Pädagogenprojekt

Donnerstag, 4. Juni 2009 5:46

© 2005 Dirk Schindelbeck

Irgendwann war er da - der Tag, als der Hamster ins Haus kam!
Monatelang schon hatte der Wunsch bestanden, ein Haustier
ganz sein eigen zu nennen, wie klein auch immer, ein Wesen
voller Unschuld und Sanftmut, ein Meerschweinchen oder ein Hamster.
Und doch waren Geburtstag, Weihnachten, Ostern verstrichen,
ohne dass dieser Wunsch der Erfüllung näher gerückt war.
Ines, neunjährig, hatte ihm dennoch stets Stimme verliehen,
und ihn beharrlich erneuert durch ständiges Bohren und Fragen.
Endlich sollten die Dinge sich wenden. Was war geschehen? [weiter...]

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Marke: Sonett

Donnerstag, 14. Oktober 2010 12:37

Der etwas andere Sonettzyklus

© Dirk Schindelbeck 2007-2011

Wer etwas darüber nachdenkt, wird mir recht geben: Das Sonett ist ein Markenartikel. Es hat genormte Qualitätstandards (14 Zeilen, Volta nach dem 8. Vers, Pointe am Ende).  Es ist also stapelfähig. Was Logistik, Lagerung, Transport, Distribution sehr erleichtert.

Es hat wie alle Markenartikel eine erotische Oberfläche. Es möchte verführen. Wer einmal von ihm genascht hat, verfällt einer gewissen Sucht. Es ist ein Wiederholungszwang. Es will konsumiert werden, verbraucht, wird aber nie ganz befriedigen - um das Bedürfnis nach einem weiteren Sonett nicht absterben zu lassen. Alles Qualitäten, welche auch den Markenartikel auszeichnen. Grund genug für das Projekt

„Marke: Sonett”

das erstmals gut 35 Sonette auf (historische) deutsche Markenartikel versammelt. So hat es bislang noch nie ein Sonett auf einen Panzertyp gegeben, ebenso wenig auf eine Badewanne, einen Perlonstrumpf oder den Wankel-Motor. Dass dieser Markenartikel-Lobpreis satirisch ausfällt, versteht sich von selbst.

Ro-80

Werbepostkarte für NSU Ro 80 (1970)

Zello 1905

Anzeige für Zello-Nasenformer (1905)

Spaßprodukt Goethe-Schnuller von 1999

Schnuller mit Goethes Kopf-Profil (1999)

Grundlage für dieses Projekt sind meine kulturhistorischen Arbeiten, die Sie unter verschiedenen Rubriken der docere-Abteilung finden, etwa unter Konsumgeschichte, Reklame & Werbung oder Theorie und Geschichte des Markenartikels. Zu Geschichte und Theorie - vor allem des kybernetischen Sonetts - empfehle ich den Text “Wir schreiben ein Sonett…”

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Fußball-Ansichten

Montag, 13. September 2010 18:59

In dieser Rubrik finden Sie Texte zum Thema Fußball - sogenannte wissenschaftliche, d.h. historische, aber auch literarische. Schließlich ist Fußball ein Spiel, wenn auch ein teures.

Sachtexte:

Dirk Schindelbeck/Andreas Weber (Hg.): “Elf Freunde müsst ihr sein!” Anstöße und Einwürfe zur deutschen Fußballgeschichte (= Geschichtswekstatt 28), Freiburg 1995

“Elf Freunde müsst ihr sein!” (aus der Einleitung)

Sieger Marke Deutschland. Wie wir Weltmeister wurden. Heldenstück in drei Akten (aus: “Elf Freunde müsst ihr sein!”)

Mittendrin statt nur dabei. Zur Entwicklungsdynamik von Fußball, Medien und Kommerz. (aus: Bundeszentrale f. pol. Bildung Bonn)

Kürzere, bilderreiche Fassung “Nun siegt mal schön!” Eine kleine Geschichte der Kommerzialisierung des Fußballs (in: Der Bürger im Staat, Landeszentrale f. politische Bildung Baden-Württemberg, Heft 1/2006) Nun siegt mal schön (PDF, 6 S.)

Literarische Texte:

Roller für die Sieger. Eine satirische Text-Bild-Folge zur Heimkunft der  Fußball-Weltmeister 1954

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Ballzauber meets Verszauber

darüber hinaus:  Schöpfungsmythos und goldenes Zeitalter. Unsere Nachkriegsgeschichte als Heldenepos (PDF, S. 64-66)

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DDR-Geschichte(n)

Sonntag, 20. März 2011 6:40

In dieser Rubrik finden Sie verschiedene Texte zum Thema DDR.

A. DDR-Geschichte

„Bauwerk der Unmenschlichkeit” (über den Bau der Berliner Mauer im August 1961), in: DAMALS. Das aktuelle Magazin für Kultur und Geschichte, S. 8-11. Mauerbau 1961 (PDF, 862.4 KB)

40 Jahre Konsum im Osten. “Der Sozialismus siegt, aber Neckermann macht’s möglich…”40 Jahre DDR-Konsum (aus:  Marken, Moden und Kampagnen, PDF)

“Der Sozialismus in seinem Lauf….” Preispolitik und Konsum in der DDR in der Honecker-Ära

Die volkseigene Mobilität. Streiflichter aus der Geschichte des Zweitakt-Staates (PDF, 2,4 MB)

Der gebrauchte Lieferwagen (über den vergeblichen Versuch der Anschaffung eines Auslieferungsfahrzeugs in der Spätphase der DDR), in: DAMALS. Das Magazin für Kultur und Geschichte, Heft 9/2008, S. 64-67. Barkas (PDF, 791.4 KB), andere Fassung (PDF)

Zwischen Wirtschafts- und Raketenwunder. Vom Sängerkrieg über den Stacheldraht (über die Vereinnahmung der Lyrik im jeweiligen Gesellschaftssystem)

Propaganda mit Gummiballons und Pappraketen. Zum deutsch-deutschen Flugblattkrieg nach dem Bau der Mauer (Langfassung)

kürzere Version: Neckermanns Botschaft. „Grußpostkarten“ in die Ostzone (über die Tätigkeit der Psychologischen Kampfführung der Bundeswehr in den 60er Jahren), in: DAMALS., Heft 8/1997, S. 34-40.  Ballonpropaganda (PDF, 1.2 MB)

“Jeder bringt noch einen mit!” Die Leipziger Montagsdemonstrationen als massenpsychologisches Lehrstück (PDF, 851 KB)

(Dokumentation: Sprechchöre und Transparente der Demonstranten)

B. DDR-Geschichten

“Niemand ist besser für Deutschland!” Lehrgedicht über Masse und Demokratie (Die Montagsdemonstrationen und die Folgen bis heute)

Begrüßungsgeld. Gedicht in Hexametern

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Syndetikon klebt, leimt, kittet alles…

Donnerstag, 16. Juni 2011 16:28

Das UHU unserer Urgroßväter

© 2007/11 Dirk Schindelbeck

...kittet alles, selbst Planeten...

...kittet alles, selbst Planeten...

In ihrer 1894 erschienenen Humoreske „Syndetikon” erzählt Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem (1854-1941), eine der erfolgreichsten Modeschriftstellerinnen der Kaiserzeit, die Geschichte eines „geleimten Liebhabers”.

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Mit weiblicher List und der sagenhaften Klebekraft von Syndetikon gelingt es Komtesse Käthe, einen ungeliebten Verehrer an einen Ledersessel so lange zu fixieren, bis sich die Verwicklungen ihrer wahren Liebschaft geklärt haben. Zum ersten Mal in der deutschen Literaturgeschichte war ein Markenprodukt zum Titel eines literarischen Werkes gewählt worden. Damit nicht genug: Mehrfach wurde der Slogan „Syndetikon klebt, leimt, kittet alles” darin von verschiedenen Personen wiederholt, allerdings auch auf den penetranten Geruch hingewiesen, den der Alleskleber entfaltete. [weiter...]

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Welttheater. Kommunikationstheorie und -geschichte der Weltausstellungen

Freitag, 30. April 2010 14:39

© 1999/2010 Dirk Schindelbeck

Der folgende Essay ist eine Aktualisierung und Weiterführung meines aus Anlass der bevorstehenden Expo 2000 in Hannover geschriebenen Textes. (abgedruckt seinerzeit in: Universitas. Zeitschrift für interdisziplinäre Wissenschaft, 54. Jg., Heft 11/1999, S. 1069-1082). Er rekapitulierte die damals 150-jährige Geschichte einer Institution, die vor allem der Selbstinszenierung der westlichen Industriegesellschaften diente. Es scheint, dass diese Institution, die vor allem in den 80er Jahren des 20. Jhts. als obsolet erschien, mit dem Erstarken des asiatischen Wirtschaftsraums wieder an Attraktivität gewinnt. Das soeben eröffnete gigantische Weltausstellungsspektakel in Shanghai ist dafür ein eindeutiger Beleg. Gleichwohl hat der Aufsatz von 1998/99 kaum etwas von seiner Aktualität verloren, weil er strukturelle Aspekte dieser Großereignisse im Sinne einer globalen Kommunikationstheorie herauszuarbeiten versucht, die sich aus ihrer Geschichte speist und gerade deshalb Einblicke hinter die Kulissen des nicht enden wollenden Welttheaters „Weltausstellung” zu geben vermag.

Erinnerungsheft an die EXPO 1958 in Brüssel mit (visionärem?) Asien-Motiv

Erinnerungsheft an die EXPO 1958 in Brüssel mit (visionärem?) Asien-Motiv

Die soeben eröffnete Weltausstellung in Schanghai führt die nunmehr 160-jährige Tradition der Weltausstellungen weiter. Stets waren diese Großveranstaltungen Ausdruck ihrer Epoche wie auch der jeweils vorherrschenden Version vom „Projekt Zukunft”. Verschiedenste Regimes haben mittels Weltausstellungen versucht, ihre nationale Idee zu präsentieren. Hier wurden technische wie soziale Entwicklungstendenzen sichtbar, begründeten sich wirtschaftliche Erfolge ganzer Industriebranchen und neuer Produkte, und nicht zuletzt prägte und prägt bis heute ihre spektakuläre Architektur das Gesicht vieler Metropolen.

Gänsespiel für Kinder zur Pariser Weltausstellung 1900

Gänsespiel für Kinder zur Pariser Weltausstellung 1900

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Sammelfieber

Samstag, 11. September 2010 16:28

Unter dieser Überschrift finden Sie mehrere Texte zum Phänomen des modernen Sammelns. Sie stammen aus dem Volker Ilgen und mir 1997 verfassten Buch “Jagd auf den Sarotti-Mohr. Von der Leidenschaft des Sammelns”. Neu ist der Text “Wenn die Sammlung explodiert”. Eine Weiterführung des Textes “Leben und Taten der Wikinger” samt Einschätzung der aktuellen Lage im H0-Automodellmarkt folgt demnächst.

Auch in der einen oder anderen Rubrik finden sich Texte, die mit dem Sammeln zu tun haben wie  der unter “Alte Werbemethoden,-mittel und -wege” eingestellte Vortrag zum Thema Emailschilder. Gleiches gilt für die Satire “Mein Gußzylinder, mein Über-Ich. Ein Sammlertraum(a).

Im Land des Sammelns. (Einleitung aus Jagd auf den Sarotti-Mohr)

Dahinter steckt immer ein kluger Kopf. Die Büsten-Sammlung der Walhalla

Leben und Taten der Wikinger. Vom Maßstab des deutschen Mannes

HO-Modellauto 2010 - eine Bestandsaufnahme: Leben und Taten der Wikinger revisited

Das Ei des Ferrero. Vom Sammelfieber der 90er Jahre

Wer hat’s erfunden - die Schweizer. Vom Rahmdeckeli-Sammeln in der Alpenrepublik

Wenn die Sammlung explodiert. Der Fall des Radiosammlers B.

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Markentechnik vs. „Kukirolen Sie!”

Sonntag, 16. August 2009 15:10

Als sich (in den 20er Jahren) Werbung von Reklame schied

für Alexander Rosner

und mit einem besonderen Dank an Ruth Michelbach vom Stadtarchiv Füssen

(Das Bildmaterial, sofern es sich um Prospekte oder Werbeblätter handelt, stammt aus dem  Kultur- und werbegeschichtlichen Archiv kwaf Freiburg, die Anzeigenmotive der 20er Jahre aus der Berliner Illustrierten Zeitung)

© 2009 Dirk Schindelbeck

Vorbemerkung

Der folgende Artikel entfaltet auf gleich mehreren Ebenen ein Stück deutscher Werbegeschichte. Es geht darin
1.) um den Begriff der Reklame - im Gegensatz zu unserem heute geläufigen Terminus “Werbung” - und die Herausarbeitung des Reklamestils jener Zeitepoche;
2.) im Zusammenhang damit um den wohl ältesten deutschen Werbeberater und -texter, dessen Person von dieser Reklame nicht zu trennen ist: Johannes Iversen (1865-1941);
3.) um eine der spektakulärsten Reklamekampagnen Iversens der zwanziger Jahre: die für das Hühneraugenbeseitigungsmittel Kukirol;
4.) um die mit dieser Kampagne untrennbar verbundene berühmt-berüchtigte Werbefigur jener Zeit: den sagenumwobenen Dr. Unblutig.
Alle vier Erzählstränge sind in diesem Artikel miteinander verwoben.

Werbeblatt für Kukirol (Januar 1924)

Werbeblatt für Kukirol (Januar 1924)

Viel Spaß beim Lesen!
Dirk Schindelbeck, September 2009


1. Effekt, Effekt

„Im Jahre 1920 wurden die Besucher der Frankfurter Messe durch ein seltsames Reklameverfahren überrascht. Jeden Tag zur bestimmten Stunde kamen einzelne Gruppen von Sandwichmännern in Form aufrecht wandelnder Zigarettenmodelle aus den verschiedensten Richtungen zum Mittelpunkt der Stadt, um sich dort zu einem langen Zug zu vereinigen. Nach einigen Schwierigkeiten mit den Oberleitungen der  Straßenbahn zogen die etwa 4 m hohen Reklameträger auf dem Wege über den Bahnhof zum Messegelände. Gleichzeitig beunruhigte eine sonderbare Streckenreklame die Reisenden der mitteldeutschen Hauptbahnen. Kein Mensch wusste anfangs, was das schwarze Zeichen auf weißem Grund mit dem roten Punkt bedeuten sollte. Die meisten Leute rieten auf eine Art Schraubenschlüssel oder Büchsenöffner (gemeint ist das von Prof. Deffke entwickelte Reemtsma-Markenzeichen eines abstrahierten Wikinger-Stevens: Anm. des Verfassers). Das Zeichen besaß keinerlei Sinnfälligkeit, und erst allmählich wurde ein Zusammenhang mit den ungewöhnlich sperrigen Zigarettenpackungen entdeckt, die in einzelnen Läden das gleiche Zeichen den Blicken der Passanten aufdrängten.

In der damals ziemlich reklamearmen Zeit erzeugte dieses energische Vorgehen eine starke Sensation. Man konnte in keinem Zuge auf den plakatierten Strecken fahren, ohne dass die hochmoderne Reklame mit unterschiedlichsten Deutungsversuchen ausführlich von allen Insassen eines Abteils besprochen wurde. Wenn der Kreis der Betroffenen sich auch nur auf die Reisenden und auf wenige interessierte Einwohner der mitteldeutschen Städte beschränkte, so war doch das Ziel einer schnellen Aufmerksamkeitserregung geglückt. Bis zum heutigen Tage gilt dieser Reklamefeldzug in den Augen der Laien als eine propagandistische Meisterleistung. In Wirklichkeit trägt er alle Kennzeichen des verhängnisvollen Jahrmarktstiles.”

1) Fortsetzung Teil 1

2) Fortsetzung Teil 2

3) Fortsetzung Teil 3

4) Fortsetzung Teil 4

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“Kein Vergnügen ohne Revolver”

Montag, 7. Dezember 2009 16:16

Aus der Frühzeit der Zeitungsannonce

© 2009 Dirk Schindelbeck

hippolit687

1879 erscheint in der Tagespresse eine Handzeichnung mit einem balladenartig-versifizierten Text, einen dreisten „Raubüberfall im Thiergarten” darstellend. Solche Präsentationen außergewöhnlicher Ereignisse ist das Lesepublikum im späten 19. Jahrhunderts gewohnt. Sie finden sich vornehmlich in den Illustrierten Bilderbogen (Neuruppiner, Deutsche, Münchner Bilderbogen etc.) der Zeit, sind überaus beliebt für alle Arten erbaulicher und belustigender, skurriler und moralisierender Geschichten.

In Bildtextkompositionen nach Bilderbogenmanier haben Verse die Funktion, ein gewisses literarisches Qualitätsniveau anzuzeigen; ein Gegenstand, der so behandelt wird, hat Wertigkeit, ja Würde. Im vorliegenden Fall wird dadurch zudem lange verdeckt, dass es sich hier um eine Reklame handelt. Zu breit und gewichtig erscheint die Geschichte, aus der sich erst allmählich der werbende Charakter einer Annonce herausschält.

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Gerd Grimm - zum 100. Geburtstag

Mittwoch, 10. November 2010 12:17

Mode, Mädchen. Metropolen

© 2010 Dirk Schindelbeck

Weitere Informationen und vor allem mehr Bildmaterial finden Sie auf den Seiten der  grimm-foundation; hier finden sich auch diverse Texte zu speziellen Arbeitsgebieten Grimms.

Zur englischen Version dieses Artikels bitte hier klicken.

Gerd Grimm im Jahr 1954

Gerd Grimm im Jahr 1954


1  Renaissance der Modezeichnung

2 Ein Modezeichner aus Deutschland

3 Uneitel und arbeitsbesessen

4 Überleben als „Halbjude” in der NS-Zeit

5 Neue Perspektiven nach dem Krieg

6 Als Gebrauchsgrafiker im Wirtschaftswunder-Deutschland

7 Das Reval-Engagement und seine Folgen

8 Weltreisen und Menschenbilder


1  Renaissance der Modezeichnung

Über Jahrzehnte hin schien sich die Modezeichnung als grafische Gebrauchskunst überlebt zu haben. Doch nachdem René Gruau (1909-2004), dem Grafiker Christian Diors, im Musee de la Mode et du Costume in Paris 1989 eine erste Retrospektive gewidmet worden war, ist das Interesse an ihr wieder kontinuierlich angestiegen. Die Ausstellung damals vermochte nicht nur erstmals Profil und Qualität eines Werbegrafikers einem größeren Publikum vor Augen zu führen, „sondern dokumentierte auch die Wertschätzung der Mode und ihrer Darstellung im Bild als Kunst.” (Birgit Liesenklas) Heute kann man von einer kleinen Renaissance der Modegrafik sprechen.

Gerd Grimm: Modezeichnung (1950)

Gerd Grimm: Modezeichnung (1950)

Bereits in den neunziger Jahren tauchten auch wieder verstärkt Modegrafiken in Werbeanzeigen auf. Zwar wolle, wie Donald Schneider, Artdirector bei Paris Vogue, feststellte, das Publikum stets das reale Kleidungsstück sehen, wozu seit Jahrzehnten die Fotografie das adäquate Mittel zu sein schien: „Wenn es jedoch darum geht, eine Einstellung oder einen Stil auszudrücken, dann stellen Zeichnungen ein ebenso effektives Kommunikationsmittel dar. Und da es so lange vernachlässigt wurde, wirkt es nun frisch und unverbraucht, fast wie eine ‚neue Darstellungsart’”.

Gerd Grimm: Modegrafik (1950)

Gerd Grimm: Modegrafik (1950)

Natürlich haben auch Modezeichnungen in erster Linie mit Kleidung zu tun, aber es geht dabei längst nicht nur um „Stoffe”. Eine Modezeichnung fängt auch die Haltung, die Lebenseinstellung und die Stimmung ein, sei es ohne Hintergrund oder in einer betont modischen Umgebung oder einfach nur andeutungsweise. Eine Modezeichnung ist suggestiv, anregend. So verstanden, präsentiert sich Mode als romantische Fiktion, die uns verblüfft, verzaubert und verlockt, als visueller Luxus.

2 Ein Modezeichner aus Deutschland

Wie die Mode selbst ist auch die Modezeichnung ein internationales Phänomen, das im Umfeld der großen Modemetropolen wie Mailand, New York oder Paris gedeiht. Vor allem Paris mit seiner Haute Couture bot als genius loci dazu von jeher ideale Voraussetzungen. Und nur hier konnte René Gruau zusammen mit Christian Dior groß und bekannt werden.

Solche Rahmenbedingungen hatte ein Gerd Grimm nie, obwohl auch er als einer der Großen seines Faches gelten darf - neben George Lepape, Paul Iribe, Jean Patou oder Elsa Schiaparelli. Für den deutschen Sprachraum kann er sogar als singuläre Erscheinung gelten. Branchenkenner und Kollegen haben das stets erkannt. Schon 1951 schrieb Eberhard Hölscher in der Fachzeitschrift „Graphik”, Grimm gehöre „zu jenen wenigen deutschen Gebrauchsgrafikern, die sich mit Sicherheit auf dem internationalen Parkett zu bewegen verstehen.” Und die Modezeichnerin Gi Neuert bekannte: „Wir bewunderten seinen Strich, seine Eleganz und Leichtigkeit”. Dennoch ist Gerd Grimm der breiteren Öffentlichkeit bis heute so gut wie unbekannt geblieben. Warum?

Gerd Grimm: Akt (1990)

Gerd Grimm: Akt (1990)

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Der Machtberater. Eine deutsche Karriere

Dienstag, 12. Januar 2010 15:05

Dramatische Ballade

© 2009 Dirk Schindelbeck

Vorbemerkung

Dieses Stück erzählt vom wahnwitzigen Lebenskampf eines Einzelnen gegen „die Masse”. Von seinen abgrundtiefen Verletzungen in Schule und Militär durch den rigiden Drill im deutschen Kaiserreich. Von den neuen Möglichkeiten in den zwanziger Jahren, durch Werbung auf „die Masse” langfristig einzuwirken. Von seinem sich entwickelnden Größenwahn, als eine Art Machiavelli des 20. Jahrhunderts auch politisch-propagandistisch wirken zu wollen und zu können. Vom totalen Scheitern seiner in den fünfziger Jahren als überholt geltenden Beeinflussungsmethoden. Schließlich von dem, was unter Markentechnik und Markenführung noch heute mit seinem Namen verbunden wird.

Hans Domizlaff (1892 - 1971), der in Werbefachkreisen als „Urfaust der deutschen Werbung” nach wie vor Kultstatus genießt, ist der größeren Öffentlichkeit bis heute unbekannt geblieben. Als Werbeberater gab er sich nie damit zufrieden, nur nachgeordneter Dienstleister seiner Auftraggeber zu sein, sondern pochte stets auf die fundamentale Bedeutung wirkungsvoller Massenkommunikation - nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Institutionen, Kirchen oder Staaten. [weiter...]

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Doktor Unblutig empfiehlt…

Samstag, 10. April 2010 8:14

© Dirk Schindelbeck 2010

Werbeblatt für Kukirol (Januar 1924)

Werbeblatt für Kukirol (Januar 1924)

Gestatten, Doktor med. Unblutig. Ja, der Name
ist schon Programm. Da lass ich mich nicht lumpen.
Was sieht mein Auge da für Riesenklumpen
an Ihren Füßen? Hühneraugen, werte Dame,

entfernt kein kluger Arzt mehr mit dem Messer.
Dagegen hilft doch längst das wundersame
bewährte Kukirol - ganz schmerzlos und viel besser:
Das ist der wahre Fortschritt, nicht Reklame.

Die Kukirolfabrik Kurt Krisp in Magdeburg
erspart auch Ihnen jetzt den Haus-Chirurg:
Mit Hühneraugenqualen ist für immer Schluß:

Kein andres Mittel wird an Kukirol je reichen -
doch nur in Apotheken mit dem Zeichen
des Hahnenkopfs auf blutverschmierten Fuß.

kukirol_fuss

Detail der obigen Anzeige

Anmerkung

Wer mehr über die skurrile Kukirol-Reklame wissen möchte, sei auf meinen grundlegenden Artikel über die Werbung der zwanziger Jahre, Firma Kurt Krisp, die Werbefigur des Dr. Unblutig, die Hintergründe der Kukirol-Kampagne sowie den dafür zuständigen Werbefachmann Johannes Iversen etc. verwiesen. Für die Lektüre sollten Sie sich allerdings Zeit nehmen. Es lohnt sich.

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Das Hexameter-Projekt

Montag, 26. Juli 2010 15:19

© 2010 Dirk Schindelbeck

Wer in einer der Suchmasken im Internet „Hexameter” eingibt, wird, zumindest was moderne Beispiele betrifft, ziemlich enttäuscht sein. Die Ergebnisse pflegen sich auf klassische Texte zu konzentrieren; breit vertreten ist selbstverständlich die Antike (Homer, Vergil, Ovid, Theokrit, Juvenal usw.), evtl. werden einige Treffer aus der Zeit des lateinischen Mittelalters (Waltharius, Mosella u.a.) zutage gefördert, sodann Klopstock, Goethe, evtl. Hölderlin oder Mörike. Das war’s.

Seit Jahrzehnten findet keine moderne Hexameter-Praxis mehr statt: Es mag sein, dass inzwischen der Mut dazu gänzlich verloren gegangen ist, nachdem selbst Autoren von Weltgeltung wie Thomas Mann (Gesang vom Kindchen, 1916[1]) oder Bert Brecht (Lehrgedicht über die Natur des Menschen, Fragment, 1946[2]) auf diesem Terrain erschreckend  schwache Stücke abgeliefert haben, sodass die Gattung selbst auch von der Forschung inzwischen als historisch überlebt abgehakt wird. Die herrschende Lehrmeinung innerhalb der Germanistik jedenfalls teilt diese Auffassung gern, dass mit der Wahrnehmung hexametrischer Texte, die ihren Qualitätsvorstellungen genügen, bei Mörike, im günstigsten Fall um 1900 Schlussbilanz zu ziehen sei.

Dennoch ist es nicht einzusehen, dass alle Epik, alles erzählende Dichten im 20./21. Jahrhundert nur auf die Form des Prosaromans beschränkt bleiben soll.

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Thema: Balladen/Eklogen | Kommentare (0)

H0-Modellautomarkt 2010 - eine Bestandsaufnahme

Freitag, 3. Dezember 2010 16:05

Leben und Taten der Wikinger revisited

© 2010 Dirk Schindelbeck

Nach fast vierzehn Jahren erscheint es angebracht, eine aktuelle Einschätzung des H0-Automarktes zu geben - wohlgemerkt aus der Sicht des Käufers und Konsumenten, nicht des Herstellers, was fraglos auch zu subjektiv gefärbten Urteilen führt. Wie stellt sich also die Entwicklung des H0-Automodellmarktes seit meinem Aufsatz „Leben und Taten der Wikinger” von 1997 heute dar?

Künstliche Marktausweitung und deren Folgen

Schon Mitte der neunziger Jahren gab es - neben der oben beschriebenen künstlichen Marktausweitung in den Jahren zuvor - etliche Symptome, die eigentlich eher auf Schrumpfungstendenzen im Sammelgebiet H0-Modellauto deuten ließen, weil die besonders engagierte und tonangebende Fangemeinde von Jahr zu Jahr abnahm und zugleich der Kontakt zum Nachwuchs abhanden kam. Nur sie hätte ja den erreichten hohen Kultivierungsstand des Sammelgebiets weitertragen oder gar forcieren können (zu Aufstieg und Niedergang von Sammelgemeinden und -gebieten allgemein vgl. den Text “Im Land des Sammelns”). Ein deutliches erstes Zeichen waren die Marktprobleme verschiedener Bausatz-Anbieter, etwa der Konkurs der auf LKW-Miniaturen mit Sonderaufbauten spezialisierten Firma kibri

H0-Bausatz der Firma Kinder & Briel, Böblingen

HO-Bausatz der Firma Kindler & Briel, Böblingen

(Kindler & Briel, Böblingen) oder der allmähliche Rückzug der Firmen Preiser und später Roco (deren Restbestände an Militärfahrzeugen heute über herpa vertrieben werden) aus dem Markt der besonders detaillierten Einsatzfahrzeuge.

Werbeblatt der Firma Preiser von 197 mit damals noch opulentem Programm

Werbeblatt der Firma Preiser von 1987 mit damals noch opulentem Programm

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Die Geburt des Markenartikels aus dem Geist der Apotheke

Dienstag, 26. April 2011 8:37

© 2005/11 Dirk Schindelbeck

Schon die Kleinsten wissen heute ganz genau, was eine Marke ist: ein Image, ein Zeichen, eine Vorstellung. Markenartikel sind Qualitätswaren, die an vielen Orten in gleichbleibender Qualität zu stets demselben Preis zu kaufen sind. Mit großer Selbstverständlichkeit bezieht sich unsere Wahrnehmung alt dessen, was „Marke” sei, ausschließlich auf industriell hergestellte Dinge. Gleichwohl sind die Bestrebungen, sich über seine Produktionen einen „guten Namen” zu erarbeiten, sehr viel älter. Künstler und Schriftsteller arbeiteten von jeher als Propagandisten in eigener Sache. Johann Wolfgang von Goethe etwa inszenierte sein Image überaus geschickt, sodass die Erzherzogin von Sachsen-Weimar bereits 1818 „die einheimischen Erzeugnisse der Einbildungskraft und des Nachdenkens” pries: Ihr erschienen die Werke der ortsansässigen Dichter gewissermaßen als Markenartikel.

Odol Anzeige aus "Die Jugend" (1906)

Odol Anzeige aus "Die Jugend" (1906)

Als sich in der Hochphase der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert die technisch serielle Produktionsweise mit Macht durchsetzte, verlangten auch die Ingenieure danach, einem Millionen-Publikum ihre Erfindungen möglichst effektvoll zu präsentieren. Geeignete Bühnen, auf denen sich die industriell hergestellten Wunderwerke gut inszenieren ließen, wollten gefunden sein. Diese Funktion übernahmen die seit 1851 durchgeführten Weltausstellungen. Sie sorgten dafür, dass sich in der allgemeinen Wahrnehmung bestimmte Vorstellungen von Produkt Qualitäten verfestigten, wie sie noch heute in so klangvollen Namen wie Thonet, Bell und anderen lebendig sind. [weiter...]

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Rasterfahndung

Samstag, 7. Januar 2012 18:08

© 2010 Dirk Schindelbeck

für Horst Herold
(dem Erfinder derselben in den siebziger Jahren)

Du hast ein Ziel, du kennst nicht Ort noch Namen,
weißt nur: Sind Terroristen, Mord ausheckend
in großen Wohnanlagen sich versteckend,
du träumst von einem Zugriffs-Netz mit Rahmen…

Du weißt: Die überweisen nichts, selbst Strom
bezahlen die in bar. Das tun nicht viele.
Sind das nicht Infos? Jag’ sie durch die Mühle,
gleich lüftet sich der Schleier vom Phantom.

Was dann noch übrig bleibt, ist Bodensatz,
genutzt von Dealern als ein Umschlagplatz -
vielleicht nur ein Privat-Puff in ‘ner Wohnung?

Die Rasterfahndung gibt dir die Belohnung.
Schau an: der Terrorist steht seinerseits
fixiert als Ziel in deinem Fadenkreuz.

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Vergangenheiten, abgehakt: Das „Waage”-Plakat von 1953 - ein visuelles Zeit-Gedicht

Montag, 2. Januar 2012 11:34

© 1991 Rainer Gries / Dirk Schindelbeck

weitere Texte zum Thema

Das Plakat, das in der Woche vor der Bundestagswahl, also zwischen dem 28. August und dem 1. September 1953, an über 27.700 Anschlagstellen in der Bundesrepublik zu sehen war, hob sich wegen seiner Schlichtheit und Zurückhaltung angenehm vom Geschrei anderer Wahlplakate ab. Schließlich war Kalter Krieg, der Arbeiteraufstand vom 17. Juni des Jahres noch in frischer Erinnerung: dementsprechend regierte wüste Rhetorik die Anschlagwände: „Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau!” und „Wo Ollenhauer pflügt, sät Moskau!” lauteten die Parolen. Noch heute ist die historischen Wahrnehmung der fünfziger Jahre durch diese überlauten Botschaften geradezu stigmatisiert: sie scheinen ihr so sehr die signifikanten Tendenzen des Zeitalters zu sein, daß ein stilles Plakat wie dieses, das Bezugsscheine ins Zentrum rückt, kaum wahrgenommen wird. Gegenüber der platten Einschüchterungstaktik mit der Beschwörung irrationaler Bolschewisten-Angst arbeitete dieses Plakat ja auch mit außergewöhnlichen, weil in der Sache positiven, Argumenten. Es konnte dies tun, weil es sich strikt auf die wirtschafts und sozialpolitische Binnensituation der Bundesrepublik beschränkte. Obwohl das Plakat namentlich für Erhard und dessen Idee der ‚Sozialen Marktwirtschaft’ warb und somit auch zur Wahl der Christdemokraten aufforderte, also ein politisches Plakat war, zeichnete jedoch keineswegs eine Regierungspartei dafür verantwortlich. Dies war ein Novum für die junge Bundesrepublik.

WAAGE-Plakat zur Bundestagswahl 1953

WAAGE-Plakat zur Bundestagswahl 1953

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Thema: Soziale Marktwirtschaft | Kommentare (0)

Texte über Carl F. W. Borgward (1890-1963)

Montag, 28. November 2011 12:32

Inhaber und Geschäftsführer der Carl Borgward AG, Bremen

„Diese Männer sind selten geworden. Man findet sie fast nur noch in Romanen und Filmgeschichten. Auch in unserer Zeit gibt es Männer, die gewaltige Betriebe leiten, Werke aufbauen und sie zu erstaunlicher Blüte bringen. Sie arbeiten mit einer fremden Vollmacht, im Namen einer Gesellschaft. Man nennt sie nicht umsonst Wirtschaftskapitäne.” (Quelle: Borgward-Kurier)

„Das ist ja das Gute in meinem Fall. Wenn ich heute etwas entwerfe, dann sage ich morgen: ‚Deutsche Arbeiter, fanget an!’ und niemand kann dazwischen quatschen.” (Quelle: Eberwein/Tholen: Borgwards Fall, Bremen 1985)

„Bei den Gängen durch seine „Werkstatt”, wie er seine Automobilfabriken nannte, gehörte eine Szene wie diese zum Alltag: „Wenn ein Arbeiter etwas falsch gemacht hatte, und er sah das bei seinen Werkstattbesuchen, nahm er dem Arbeiter das Stück aus der Hand und sagte: ‚Das musst Du so und so machen!” Dass die Arbeiter ihn schätzten, ja liebten, wird auch aus anderen Äußerungen deutlich: „Ich war damals in der Halle 3 beschäftigt. Da kam jeden Morgen Carl Borgward hinten in das Werk durch die Halle 3. Ich arbeitete dort in der ersten Reihe und er ging dauernd an mir vorbei. Und wie soll ich sagen, wie ich das empfunden habe, dass er das gebaut hat? Ich fand das eigentlich ganz groß von dem Mann.” (Quelle: ebda)

Textempfehlungen: Du warst zu gut für diese Welt; Der Borgward-Mythos im Dienst der Werbung

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NSU-Werbeschallplatte “Quickly” von 1951

Montag, 28. November 2011 12:26

Der Text der im Swing-Stil daherkommenden Werbeschallplatte erscheint insofern bemerkenswert, da schon 1951 die “Daseinsberechtigung” des Bundesbürgers an seiner Motorisierung festgemacht wird…

Hoppla, ich glaube mir fehlt etwas,
so macht das Leben mir keinen Spaß,
jeden Tag zu Fuß zu gehn,
das ist heut nicht mehr schön.

Refr.: Besser ist’s, wenn man die Schuhe schont,
weil sich’s per pedes auch gar nicht lohnt.
Erstens ist der Weg zu weit und man braucht zuviel Zeit
Was mir fehlt, das kennt ein jeder,
es fehlt nicht nur mir allein,
es hat nen Motor und zwei Räder
und kann nur eine Quickly sein.
Quickly ist so, dass man sagen kann,
das ist ein Fahrzeug für jedermann.
Einer ruft’s dem andern zu:
Fahr auch du NSU!

Jeder, der heute n’ bisschen was auf sich hält,
der ist doch motorisiert.
Weil er ja sonst im Getriebe der Welt
Die Daseinsberechtigung verliert.
Wenn ein Junge noch im Kinderschuh steckt,
ist bei ihm schon das Interesse geweckt,
und die Oma, die nun bald 80 ist,
auch die hat’s plötzlich entdeckt:
Hoppla, ich glaube, mir fehlt etwas,
so macht das Leben mit keinen Spaß.

Refr.: Besser ist’s, wenn man die Schuhe schont,
weil sich’s per pedes auch gar nichts lohnt.
Was mir fehlt, das kennt ein jeder,
es fehlt nicht nur mir allein,
es hat nen Motor und zwei Räder
und kann nur eine Quickly sein.
Quickly ist so, dass man sagen kann,
das ist ein Fahrzeug für jedermann.
Einer ruft’s dem andern zu:
Fahr auch du NSU!

Zum Thema Werbelyrik der fünfziger Jahre vgl. den Text “Konsumhymnen”

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Kaspar Stieler: Der Haß küsset ja nicht

Freitag, 11. November 2011 8:21

Die ernstliche Strenge steht endlich versüßet,
die quälende Seele wird einsten gesund.
Ich habe gewonnen, ich werde geküsset,
es schallet und knallet ihr zärtlicher Mund.
Die Dornen entweichen,
die Lippen verbleichen,
indem sie die ihren den meinen aufdrückt.
Ich werd aus der Erde zun Göttern verschickt! [weiter...]

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Barocklyrikerinnen und -lyriker

Dienstag, 8. November 2011 17:43

© 2011 Dirk Schindelbeck

Gedichtbeispiele etlicher Autoren finden Sie unter den entsprechenden Links. Auf Texte allzu bekannter Dichter wie Opitz, Gryphius, Fleming usw. (fett hervorgehoben) wurde hier meist verzichtet, da diese an anderer Stelle im Internet - und zwar auf vielen Seiten - leicht aufzufinden sind. In manchen Texten ist die barocke Schreibweise beibehalten worden, was der jeweilgen Vorlage geschuldet ist.

Abschatz, Hans Freiherr von, 1646 (Würbitz/Schl.) - 1699 (Liegnitz)
Albert, Heinrich, 1604 (Lobenstein) - 1651 (Königsberg)
Albinus, Johann Georg, 1624 (Unternessa) - 1679 (Naumburg)
Angelus Silesius (Johannes Scheffler) 1624 (Breslau) - 1677 (Breslau)
Anton Ulrich (Hrz. v. Braunschweig), 1633 (Hitzacker) - 1714 (Salzdahlum)
Arnold, Gottfried, 1666 (Annaberg) - 1714 (Perleberg)
Assig, Hans v. 1650 (Breslau) - 1694 (Schwiebus)
Augspurger, August, 1620 (?) - 1677 (?) [weiter...]

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